Gesellschaft
Abgefuckt
09.07.2007 15:04 Uhr
Ist es das was wir lieben? Berlin ist der Herzensbrecher der deutschen Bevölkerung. Weiß wirklich einer warum?
Am einsam an der Straßenecke stehenden, angerosteten Fotoautomat weht der halb zerrissene Vorhang durch Berliner Stadtluft; pustet uns den Touch Berliner Runtergekommenheit, Abgeranztheit, Abgefucktheit zu – das, was wir lieben an dieser Stadt, das was uns zu einem dieser kleinen handlungsunfähigen Pole macht, wenn es um Berlin geht. Positiv oder negativ geladen, wir klatschen gnadenlos an diesen pulsierenden 3,38 Millionen großen Menschenpulk. Ein undefinierbarer Mix aus Mythos, Hype, vielleicht auch nur ein durch Medien an die Spitze geputschtes Outfit dieser Stadt – um dass sich alle wie an einem Wühltisch beim Sommerschlussverkauf drängen- es nehmen, kaufen und tragen wollen. Alle wollen sie nach Berlin ziehen, aber weiß wirklich einer warum?
Neben Hip-Style-Leuten, Zottelpferdeschwanz - und Addidas-Jacken-Trägerinnen und Trägern schieben sich an diesem Wühltisch vor allem die Neu-Zugezogenen. Sie sind die prädestinierten Opfer beim Getipsel über Berlin, beim journalistischen Wettlauf, auf dessen Zielfahne die Verrücktheit und Extravaganz der Themenauswahl flattert. Was über Berlin berichtet wird, muss den neuesten Hype widerspiegeln, muss unvergleichbar sein, muss neue Problembezirke, tolle Künstler Szeneviertel, neue Clubs, Love Parade, Drogen, Exzess, modernes Theater, Multikultur thematisieren. Die mediale Masse, die produziert wird, lässt es unmöglich erscheinen, keine Form zu haben, die in unseren hübschen Köpfen existiert und in die wir diese Stadt pressen wollen. Wir werden sensibilisiert für ihre Einzigartigkeit und es scheint, als ob uns elektrische Teilchen eingeimpft werden, um uns an den Magnet Berlin zu ketten.
Vor allem Junge Leute strömen in DIE Stadt - vielleicht um der Form in ihrem Kopf nachzujagen. Sie kommen hier her, lassen etwas hinter sich für ein Studium, für einen Job eine Ausbildung, einen Neustart in der Hauptstadt. Klar ist: nicht nur der mediale Hype ist Schuld daran, dass Berlin sich vor Liebeserklärungen kaum retten kann. 140 000 Studenten allein haben 2007 den großen Schritt gemacht, ihr Leben mit ihr bzw. in ihr verbringen zu wollen. Große Vorschwärmerei haben sie durch die Medien bekommen, doch sich in die Stadt verlieben, das mussten sie noch immer selbst. Bei zwischenmenschlichen Schmetterlingsgeschichten sagt man „der hat das gewisse Etwas“ und auch Berlin, als Herzensbrecher der deutschen Bevölkerung, scheint dieses „gewisses Etwas“ zu haben.
Natürlich ist der Button „Großstadt“ das, das bei vielen Nicht-Städtlern die Endorphine auf eine Achterbahnfahrt schickt, aber da gäbe es auch Alternativen. Sieht man das Angebot einer Stadt in Liaison mit schwarz geschriebenen Zahlen, klettern Hamburg und München auf`s Siegertreppchen, denn Berlins Hauhalt schreibt Rote- und trotzdem - der Endorphinhaushalt der Zugezogenen steigt weiter an. Bei momentan ca. 60 Milliarden Euro Schulden stellt sich die Frage: Geld oder Liebe oder wie wurde aus dem abgeranzten Outfit Berlins ein Designeroutfit ohne es groß umschneidern zu müssen?
Berlin als Stadt als Ganzes zu identifizieren scheint grade zu utopisch. Die einzelnen Stadtteile haben ihren eigenen Kiez, ihre eigene aufgenähte Taschen mit facettenreichem Inhalt am Outfit Berlin. Eingesessene Berliner scheren sich meist wenig darum, was hip-style Menschen wieder kreiert haben. Und auch der Kontostand der Stadt wird nicht nur geliebt weil schicke Snacks – Karte rauf, Karte runter- durchgehend 2 Euro kosten, sondern weil`s in Berlin möglich ist, ohne Manager XY zu sein, seine Lebensunterhaltskosten weitgehend ausreichend zu bestreiten. Trotzdem – die Stadt scheint überbevölkert von Leuten die dem abgeranzten Designer-Outfit der Stadt hinterher jagen.
Sie rennen in Strömen wie kleine Lemmings sonntags zum Brunchen ins 80er Jahre Szenecafe mit versessenen, abgewetzten Sofas und nutzen anschließend die 24-Stunden-Happy-Hour beim Inder. Sie lieben die versifften Clubs, in denen Röhrenjeans Träger mit durchlöcherten Chucks die Tanzfläche bevölkern. Sie lieben Graffiti an der Wand und den nächtlichen Blick auf den Fernsehturm mit den drei beleuchteten Kränen von der Dauerbaustelle links nebenan und man weiß- wenn man in die U-Bahn steigt und der Motz Verkäufer seine Obdachlosenzeitung anbietet, dass das zugesteckten Geld meist Investition für den Sterni im Späti wird. Und man weiß, wenn man in Friedrichshain zur neuen Galerie an der Ecke läuft, dass man die Augen aufsperren sollte, um nicht in einen der unzähligen Hundehaufen zu tappen. Und man weiß, dass wenn man sich auf dem Flohmarkt ein neues Klappfahrrad kauft, am nächsten Morgen vielleicht nur noch das Schloss am Laternenpfosten baumelt. Irgendwie liebt man auch für all das diese Stadt. Gibt es einen Grund dafür? Sollte man kitschig fragen braucht Liebe Grund oder sind etwa doch die eingeimpften elektrischen Teilchen der Medien Schuld?
Auch Menschen mit fettem Portemonnaie wollen Berliner Abgeranztheit praktizieren. Sie versuchen punkig ein Stückchen Tapete abzureißen, die sie dann stolz anschauen können, wenn sie vom Bildschirm ihres Apple Computers aufblicken sollten. In Berlin zieht man meist kein Prada Kostüm an, sondern zahlt mit grünen Scheinen für Jeans mit professionell - vom Hersteller kreierten Rissen. Es geht nicht um das Tragen allgemein bekannter Labels, sondern um das Tragen des Markenzeichens der Stadt. Aus unseren Ohren quillt es heraus, aber „arm&sexy“ ist das nette Berliner-Stadt-Label und vielleicht ist genau das, das „gewisse Etwas“ Berlins. Nichts ist sicher, nichts ist fest. Manchmal verirren sich Schmetterlinge in die Bauchgegend, ohne dass man weiß woher sie geflogen kommen - so lange wir aber mit rosa Pornobrille durch Berlin laufen und alles Abgeranzte, Abgefuckte uns so unheimlich glamourös erscheint, können wir uns getrost in den verrosteten Fotoautomat setzen, den zerfetzten Vorhang zuziehen und den Moment festhalten, in dem wir dachten, dass wir in die richtige Stadt gezogen sind. Untertitel des Fotos: Berlin.




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kesatria
RE: AbgefucktAlso ich kann diesen ganzen Berlin-Hype sowieso nicht verstehen. Gut, ihr habt da ne ganze Menge Starbuckse, aber das allein reciht noch nicht um mir die Stadt schmackhaft zu machen. Wohnen wollen würde ich da mit Sicherheit nicht! Jedenfalls nicht so, wie ich die Stadt bislang kennengelernt habe.
24.05.2007 18:31 Uhr
_Nuria_
RE: AbgefucktWie oft warst du denn schon in Berlin? Ich glaube es kommt immer sehr drauf an, welche Ecken man gerade mal gesehen hat und die schönen, wohnlichen Seiten, sieht man als Tourist sicher selten.
Ich komm ja nun aus Potsdam und fahren hauptsächlich zum Shoppen und Weggehen nach Berlin. Und ich habe mich auch dort an einer Uni beworben ;)
Was ich bisher von München gesehen habe, mochte ich übrigens auch nicht - fand ich hauptsächlich dreckig, aber es muss ja offensichtlich auch schöne Orte geben..
Für mich jedenfals tausendmal lieber Berlin als München ^^
09.07.2007 18:01 Uhr
kesatria
RE: AbgefucktNun, ich war mehrfach in Berlin auf Messe. Außerdem war ich dort früher manches Mal Freunde meiner ELtern besuchen, die in Kreuzberg wohnen und dann war ich halt noch zum Toefl-Test und so da. Und: Ich mag es wirklich nicht. Das geht schon mit dieser "rotzigen" Art der Berliner los... Aber auch die Stadt an sich. Da gibt es so wenig grün. Ich mein: Entweder, du wohnst nett im Grpnen, ODER du wohnst halbwegs zentrl. Beides geht nicht. Du fährst und fährst und fährst... und bist irgendwann dann endlich in der Innenstadt. Und allein diese Straßen, überall vierspurig! Nee du... Und dann, wenn du dir die "Wohn"stra0en anschaust: alles voll mit irgendwelchen zwielichtigen Kneipen und angeschmuddleten Dönerbuden. Nee du, Berlin ist echt nichts für mich. Ich war immer froh, wenn ich da nach ner WOche Messe wieder weg war!
10.07.2007 01:38 Uhr
grond
RE: AbgefucktKomisch, wie anders man Berlin wahrnehmen kann. Ich bin zwei Straßen vom Ku'damm aufgewachsen, war mit dem Fahrrad in 15 Minuten im Grundewald. Guck mal auf eine Berlinkarte, dann fällt Dir vielleicht auf, dass mindestens ein Drittel der 900 Quadratkilometer Stadtfläche aus Wäldern, Seen, Flüssen und Parks bestehen. Und "überall vierspurige Straßen"? Naja, um den Alexanderplatz herum schon, aber die typische Berliner Straße hat zwei Spuren, ist trotzdem von Hauskante zu Hauskante 30m breit und hat Baumbestand und Vorgärten auf beiden Seiten. Und die Stadt der "vier Ecken - fünf Kneipen" mit "da gibt es viele Starbuckse" zu charakterisieren, ist der pure Hohn. Lass mich raten, die Messen waren natürlich auf dem Messegelände am ICC, von wo Du gleich auf die Autobahn nach Hamburg gefahren bist?
10.07.2007 11:01 Uhr
dondada
RE: AbgefucktJemand der in "vielen Starbucksen" den einzigen Vorteil Berlins sieht, ist ganz klar falsch dort. Da braucht man gar nicht weiter diskutieren
10.07.2007 11:56 Uhr
kesatria
RE: Abgefucktmit zweispurig meinst du jetze eine Spur je Richtung? Naja, da habe ich aber auch viele Straßen gesehen, die zwei Spuren in jede Richtung, also vier insgesamt hatten. Und selbst zweispurig finde ich für eine WOhnstraße nicht unbedingt schön. Abgesehen davon, dass ich immer noch davon überzeugt bin, dass die Straßen in Berlin besonders breit sind, und somit deifinitiv vierspurig sein müssen.
Und ja, die Messen waren beim ICC und dem Messegelände, allerdings bin ich dann auch durchaus immer noch in der Stadt ein bisschen herum gekommen, habe zentral in einem Hotel gewohnt und bin mit der Bahn zurückgefahren. Und wie gesagt, ich war auch sonst schon da. Und es gefällt mir wirklich nicht so da. Mit Bremen kann Berlin lange nicht mithalten, und selbst HAmburg gefällt mir noch n Tick besser. Wie gesagt, mir ist das alles zu groß, zu viel Verkehr zu wenig grün und zu wenig Ruhe. Nirgendwo hast du dort deine Ruhe, nicht wirklich. Und wenn du dann mal shaust, wieviele Kneipen da in Straßen sind, die eigentlich Wohnstraßen sein sollten... Nee, mein Ding ist es nicht. Und das mit den Starbucksen habe ich deshalb erwähnt, weil es die hier nämlich nicht gibt, und ich ein kleiner Starbucks-addict bin. Somit bin ich davon natürlich schon begeistert, aber ansonsten... Ich finde Berlin in vielen Bereichen auch ziemlich dreckig und die Menschen auch meist eher unfreundlich.
10.07.2007 23:57 Uhr
bemmenbuechse
RE: AbgefucktLiebe Kesatria, Du argumentierst einfach zu schön ;-)
Das musste mal gesagt werden, meint
jh
11.07.2007 01:13 Uhr
grond
RE: AbgefucktSorry, vielleicht versuchst Du einfach mal, Berlin nicht aus dem Auto kennenzulernen. Das Navi wird Dich, wie in jeder anderen Stadt, auf großen Straßen führen. Und "Zentrum" bedeutet vermutlich "Ku'dammumgebung"?
Dass Berliner Straßen breit sind, heißt nicht, dass sie automatisch mehr als zwei Spuren hätten (ja, eine je Richtung), bedeutet aber, dass in jeder Straße Baumbestand auf beiden Seiten ist. Zeig mir das mal in einer anderen Stadt.
Die Breite der Berliner Straßen ist übrigens historisch auf prägnante Weise belegt: im Vergleich zu Hamburg und weiteren deutschen Städten hat sie nämlich dazu geführt, dass es den Briten/Amis nicht gelungen ist, in Berlin einen Feuersturm zu entfachen.
Bremen finde ich ganz schön, ist mir aber zu dörflich (da kann ich dann auch gleich Rothenburg ob der Tauber als "schön" anführen) und leider habe ich wirklich sehr viele absolut unausstehliche Bremer kennengelernt, was mir die Begeisterung für die Stadt ziemlich verübelt hat. Hamburg finde ich übrigens richtig schön, es muss ja schließlich auch nicht nur eine einzige tolle deutsche Stadt geben.
Berlin ist dreckig, die Unfreundlichkeit jedoch ist keine, das ist ja gerade die Fehlwahrnehmung. Ich habe mal in München beim Einkauf kurz vor 20h der Kassiererin einen schönen Feierabend gewünscht, die hat mich angeguckt wie einen Marsmenschen und kein Wort rausgebracht. Die Berliner Schnoddrigkeit muss man schlicht und ergreifend mit eben solcher erwidern. Dabei ist aber eben scharf zwischen Unfreundlichkeit und Schnoddrigkeit zu unterscheiden.
Was das "nirgens hat man seine Ruhe" angeht: fahr doch das nächste Mal in Berlin mal mit der U-Bahn zum Görlitzer Bahnhof, lauf die Wiener Str. runter. Irgendwann kannst Du dann mal rechts abbiegen, dann kannste den Boule-Spielern am Landwehrkanal zugucken und drei Stunden lang (mit kurzer Unterbrechung in Treptow) in Parks und am Wasser spazieren gehen. Und das ca. 5km Luftlinie vom geographischen Stadtzentrum entfernt. Und dann weißt Du auch, was "Kiez" in Berlin bedeutet und warum er Berlin so lebenswert macht.
11.07.2007 10:57 Uhr
_Nuria_
RE: Abgefucktich muss einfach mal grond zustimmen..
und, kesatria, nein, du kannst nicht wirklich durch berlin gelaufen sein - klar, die hauptstraßen sind 2 oder auch 4spurig, aber ist dir schonmal aufgefallen, dass von solchen dann einspurige kleine straßen (eben solche Wohnstraßen, wie du meinst) abführen?
Ich denke, man ist v.a. mit dem Zug schnell in der Stadt, Auto kann ich nicht beurteilen, Sbahnen sind nicht so mein Fall.. Wer im Norden oder Süden wohnt, braucht da mit SBahn oder UBahn sicherlich länger, aber letztlich.. sicherlich nicht mehr als ne halbe stunde, und wie oft muss man denn schon zum Zoo oder Alex?
11.07.2007 23:38 Uhr
kesatria
RE: AbgefucktAuf jeden Fall finde ich deinen Lokalpatriotismus sehr löblich. Von daher: Du darfst Berlin auch gerne toll finden, mir gefällts da halt nicht so gut. Und da auch ich eine kleine Lokalpatriotin bin, liebe ich Bremen, auch wenn es von dir als Dorf bezeichnet wird: Bremen ist eine Großstadt mit leicht dörflichem Charakter, aber gerade das gefällt mir eben. Also: Wir mögen beide die jeweilige Heimatstadt, und das ist doch gut so. Wär ja auch ärgerlich wenn dem nicht so wäre. Von daher: lassen wir's dabei.
Nur möchte ich noch kurz anmerken, dass ich Berlin meist nicht mit dem Auto besucht habe, sondern vor Ort U-Bahn, Bus, Taxi oder Zufuß unterwegs war. Und was das zentrum angeht: Falls du damit jetzt meintest, was ich mit zentraler Hotellage meine: Damit meine ich zB Alexanderplatz, Potsdamer Platz....
Aber wie gesagt: Mein Ding isses nicht, dein Ding schon. Ich wohne nicht da, du schon. Also: Is doch eigentlich alles wunderbar! ;-)
12.07.2007 00:25 Uhr
grond
RE: Abgefuckt@kesatria:
Ich bin ja, wie schon gesagt, auch gar nicht der Meinung, dass es nur eine wahrhaft lebenswerte deutsche Stadt geben kann und soll. Es stört mich aber, wenn eine Stadt aufgrund einer falschen Wahrnehmung abgelehnt wird. Wenn für Dich "Alexanderplatz" und "Potsdamer Platz" das "Zentrum" von Berlin sind, dann legt das offen, wie wenig Du die Stadt verstanden hast (was kein Vorwurf ist, denn Berlin erschließt sich nicht wie z.B. München dem Besucher innerhalb von einer Woche). Aber auch am Potsdamer Platz solltest Du z.B. den Tiergarten bemerkt haben, der mit 2,1 Millionen Quadratmetern Fläche fast doppelt so groß ist wie der Londoner Hyde Park und immerhin zwei Drittel der Fläche des Central Parks in New York einnimmt. Dass die Straßen in der Gegend alle ziemlich groß sind, haben wir in dieser Reihenfolge zu verdanken:
dem Kaiser
Adolf Hitler
den Sozialisten
Und gerade deshalb ist diese Gegend eben nur geographisches Zentrum, keinesfalls aber Lebensmittelpunkt Berlins.
13.07.2007 08:37 Uhr
kesatria
RE: AbgefucktHa, nu gibst du also auch zu, dass die Straßen in Berlin sehr breit sind ;-)
Auch wenn ich mich gegen den Vergleich mit Rothenburg o d T sträube, da Bremen ja schon nochmal ne ganze Ecke größer ist und überhaupt eine Großstadt ist, so bin ich es eben doch gewohnt, dass Wohnstraßen anderthalbspurig sind, oftmals 30er Zone, nicht vile Autos fahren und die Innenstadt eine Fußgängerzone ist. All das finde ich in Berlin nnicht! Aber: Ich denke, wir haben das jetzt wirklich gründlich genug diskutiert ;-)
13.07.2007 13:00 Uhr
_Nuria_
RE: Abgefucktach, kesatria.. ja, dort im "Zentrum" gibt es viele größere Straßen, was auch so muss, sonst könnte es ziemlich schwierig werden, bei dem verkehr zum teil..
Das sind doch aber keine Wohnstraßen, deine Wohnstraßen, die du meinst, die sind dann meist auch wirklich nur 1spurig
14.07.2007 11:57 Uhr
grond
RE: AbgefucktIn der Straße, in der ich wohne, passen zwei Autos kaum aneinander vorbei, sie ist eine Tempo 30-Zone, wie JEDE Straße hier, die keine Hauptverkehrsstraße ist. Also mindestens 5 von 6 Straßen im Stadtzentrum. Ich wohne übrigens zwei U-Bahnstationen vom Ku'damm entfernt. Dass die Straßen in Berlin generell breit sind, liegt an den breiten Gehwegen und dem Baumbestand auf beiden Seiten (meist Linden).
Hier ein Satellitenfoto meiner Wohngegend, oben links ist der Ku'damm zu sehen.
http://maps.google .de/maps?f =q&hl=de&geo code=& q=Landhausstraße, Berlin&sll=51.12 4213,10.54 6875&sspn=8.5545 17,19.6875 &ie=UTF8&ll= 52.494566, 13.321095&spn=0. 0162,0.038 452&t=k&z=15 &om=1< br />
Auf diesem Foto sind insgesamt sechs Straßenzüge zu sehen, die mehr als eine Spure in jeder Richtung haben:
Ku'damm
Lietzenburger Str
Bundesallee
Hohenzollerndamm
Brandenburgische Str/Berliner Str.
Spichernstr/Nürnbe rger Straße
Alle anderen Straßen sind Tempo-30-Zonen. Außerdem bemerke man die Bäume.
14.07.2007 22:53 Uhr
hofbraeu
RE: AbgefucktVersenkt. Bedankt.
Genau *so* erging es mir, als ich das erste Mal Berlin sah. Beim zweiten Mal ebenso. Und beim dritten Mal dann ganz besonders. Wobei münchner Affektiertheit oder stuttgarter Kleinbürgerlichkeit auch Geschmackssache sind. Ich schätze, das ist unter "Jeder hat seinen Fetisch" zu verbuchen...
25.06.2007 00:21 Uhr
elfenfabrik
RE: Abgefucktbis auf ein paar kleine wortwiederholungen mal wieder ein richtig schöner neon-artikel! lebe quasi direkt gegenüber des besagten fotoautomaten und sage nur: schön gesagt!
09.07.2007 15:34 Uhr
bemmenbuechse
RE: Abgefucktklingt wie warschauer in der brachfläche gegenüber der dönerbude, also in richtung frankfurter tor rechts zwischen revaler und kopernikus, oder?
10.07.2007 15:38 Uhr
Guelle
RE: AbgefucktJip.
Tolles Gerät.
Und ständig belagert.
Soll aber in KB auch eins geben.
11.07.2007 09:25 Uhr
SanfteBrise
RE: AbgefucktBloss nicht Berlin! Danke!
09.07.2007 15:39 Uhr
HeidiHH
RE: Abgefucktwer behauptet eigentlich, dass ALLE nach berlin wollen?! das ist doch totale scheiße.
09.07.2007 15:40 Uhr
analog
RE: Abgefucktsteht gut auf der ersten seite. nach dem ganzen schmonz der da sonst so steht.
09.07.2007 15:48 Uhr
schauby
RE: Abgefucktsicher.
aber auch nur, weil die redaktionelle empfehlung aus der größten provinzstadt deutschlands kommt.
09.07.2007 16:11 Uhr
dondada
RE: Abgefuckt@schauby: Plattitüden sind manchmal schon OK aber sie sollten nicht so langweilen wie diese.
09.07.2007 17:06 Uhr
schauby
RE: Abgefucktdu hast recht, über binsen brauch man eigentlich nicht reden.
aber immerhin nicht ganz so langweilig, wie in einer so angeschnallten und biederen stadt wie münchen zu wohnen, und dabei keine meldung über die hauptstadt zu verpassen.
09.07.2007 17:19 Uhr
Chrischi_83
RE: AbgefucktBerlin, Berlin... Die Dänen mögen Berlin alle so gerne. Verstehe ich nicht. Ich kenne ehrlich gesagt keine gemütliche Ecke in Berlin. Es ist nicht hässlich, aber mir persönlich ist es einfach zu groß. Es fehlt das gewisse Etwas in dieser Stadt...
09.07.2007 16:19 Uhr
dondada
RE: AbgefucktEntschuldigung aber das ist einfach schlecht geschrieben. Bemüht originell, wirr, unstrukturiert und teilweise sprachlich einfach falsch.
Habe nach der Hälfte aufgehört. Unerträglich.
Wie kommt dieser Text auf die Startseite?
09.07.2007 16:26 Uhr
JacksonCannery
RE: AbgefucktWas für einen Schwachsinn du hier erzählst, ist wirklich sehr hart an der Grenze!
Wer sagt, dass alle nach Berlin wollen und auch wenns so ist, was bitte ist so schlimm dadran? Die Gründe, die du da oben erläuterst sind so unrecherchiert, einseitig und aufgeblasen!
Anscheinend kann man hier über jeden Scheiß einen Text verfassen.
Ich verstehe echt nicht, warum die Neon-Redaktion solche Texte immer wieder auf die Startseite platziert.
Ich schreibe morgen einen Text, warum Kartoffelsuppe so ein Scheiß-Essen ist; da bin ich mal gespannt...
09.07.2007 16:40 Uhr
padraic
RE: AbgefucktLiebe Leute, man kann das doch auch netter sagen, oder? Fragt euch mal selbst, ob ihr jemandem die Worte "Schwachsinn" und "totaler Scheiß" wirklich vor die Füße werfen müsst.
Ich bin kein Berliner, aber ich kann den Hintergrund des Textes schon nachvollziehen; und "schlecht recherchiert"...naja ...die Autorin beschreibt ja eher ein Lebensgefühl, oder? Hmmm...
09.07.2007 17:06 Uhr
JacksonCannery
RE: Abgefucktok das stimmt, 'schlecht recherchiert' war vielleicht nicht das richtige wort.
mir gings nur um die verallgemeinerung, dass jeder 'berlin-geil' ist und dass die stadt auf drogen, medien, mode und künstler-szenen reduziert wird. die gibts in jeder stadt, mir fehlt einfach der bezug zur realität und überhaupt der sinn in dem text. was soll das? sollen jetzt alle raus aus berlin, soll man das leben dort verändern und soll keiner mehr nach berlin, um ein anderes leben anzufangen?
09.07.2007 18:04 Uhr
schauby
RE: Abgefucktist doch schön, wenn menschen ihre phantasie anstrengen, weil's bei ihnen privat grad nich so rosig läuft und dann in solch überschäumenden texten über ein völlig anderes thema entladung finden.
dass sich viel fremdfrust um die dinge versammelt, die auf höchstem sockel und im hellsten rampenlicht stehn, ist bekannt. dass viel schatten- wo viel licht ist ebenso.
deutschland ohne berlin wäre nicht nur um einiges ärmer, sondern sehr bald wahrscheinlich auch ein ziemlich gewöhnliches dutzendland im einheitsbrei keimfrei gesäuberter turbokapitalisten der globalisierung.
09.07.2007 17:07 Uhr
bemmenbuechse
"dass viel schatten- wo viel licht"so ganz ohne blöden kommentar kommste mit diesem universalplatz nicht davon, meister. da ja bekanntlich dort die dicksten späne fallen, wo am geschmiertesten gehobelt wird und es zunehmend hölzern im goldenen handwerk klappert: die gestyltesten globalisierungskapit alisten gibt es natürlich auch in berlin: ich denke da an den typ eigner vom wiener blut und solche komischen als rocker verkleideten 40jährigen grünenwähler.
gute nacht
jh
11.07.2007 01:22 Uhr
Siebenschoen
RE: AbgefucktGanz ruhig bleiben.
JacksonCannery, deine Frage hast du unbewusst selbst schon beantwortet.
Ein Text zu diesem Thema sorgt ja für Zündstoff und ist damit auf der Startseite wohl ganz gut aufgehoben.
Ich persönlich finde deine Geschichte recht treffend nikola. Die gleichen Fragen schießen mir auch manchmal durch den Kopf, wenn ich in Berlin bin.
Man kann sagen was man will, aber Berlin bietet so einiges. Am besten einfach die Rosinen rauspicken und den Rest wegschmeißen.
Das geht ganz gut, wenn man in Potsdam wohnt.
09.07.2007 17:17 Uhr
JacksonCannery
RE: AbgefucktNunja, ich kann auch irgendeine absurde These aufstellen und darüber einen Text verfassen. Das sorgt auch für Zündstoff. Ob das von Intelligent zeugt, ist die andere Frage. Vergleiche: Eva Hermann - Das Eva-Prinzip.
09.07.2007 17:58 Uhr
salzstange.
RE: Abgefucktdie these, die hier aufgestellt worden ist, ist ganz und gar nicht so absurd, wie du denkst. denn aus eigener erfahrung kann ich sagen, dass genug menschen um mich herum alle so berlin-geil sind, wie es im text so wunderbar beschrieben ist. vielleicht liegt es daran, dass ich aus brandenburg komme, genauer aus einer kleinstadt, die nicht allzu weit von berlin entfernt ist. und ich muss sagen, dass für mich wichtige leute, die ihr abitur oder einen anderen abschluss in der tasche haben, alle nach berlin gegangen sind um endlich aus der kleinstadt rauszukommen und das großstadt-feeling zu bekommen, raus aus der grünen landschaft, rein ins richtige leben. von daher finde ich den text passend. ob man nun selbst meint, man sei berlin-geil oder nicht, sei dahin gestellt. und wenn man keine ahnung hat, wies ist, solltest du deine kommentare wenigstens netter verpacken, jackson cannery.
12.07.2007 15:21 Uhr
samoainsel.
RE: Abgefucktzum teil find ich recht angestrengt künstlerisch wertvoll geschrieben, zum teil aber auch sehr gut nachvollziehbar, so dass es einem ein schmunzeln entlockt. ;)
09.07.2007 17:41 Uhr
S.Schunck
RE: AbgefucktSicherlich kommt solch ein Artikel, der viel mit Klischees arbeitet, deswegen auf die Startseite, weil er für Zündstoff sorgt. Und ich finde, das ist auch ganz angenehm - im Gegensatz zu den vielen "Heulerei-Artikeln" die ständig dort auftauchen...
Aber nun zum Text: Bevor sich viele wieder unnötig aufregen, sollte man sich vielleicht mal überlegen, ob der Artikel womöglich nicht ganz so ernstgemeint ist, wie ihn viele empfinden.
Allerdings muss ich sagen, dass es mal ganz angenehm ist, einen Artikel zu lesen, der sich gegen diesen ganzen Berlin-Hype richtet, der momentan (und schon seit längerem) in den Medien präsent ist.
Ich selbst war auch schon in der Hauptstadt, kann ihr aber nicht viel abgewinnen. Als Touristenziel okay, aber sonst nicht sehr beeindruckend.
09.07.2007 17:45 Uhr
LudwigMartin
RE: AbgefucktOberfläche läßt grüßen...
Abgefucked scheint das Lieblingswort der Autorin zu sein. Und sind jetzt Deiner Meinung nach die Medien "schuld" oder nicht? Das kommt nicht klar rüber.
Falls das jetzt nämlich so behauptet sein sollte, müßte ich vehement widersprechen. Es sind weder die Medien noch die "Großstadt", die Berlin attraktiv machen, sondern der Metropolencharakter, welcher sich darin ausdrückt, daß jeder dort so sein darf wie er will. Berlin hat einfach viele - für deutsche Städte ungewöhnliche - Eigenheiten:
- Entstehung aus kleinen Orten, was heute noch an der beliebten Kiezstruktur ablesbar ist
- die Trennungsgeschichte und die daraus resultierende Bipolarität
- die Nähe zu Osteuropa (Empfehlung: Uwe Rada) und die damit verbundene Rauheit (um mal ein anderes Wort zu bemühen)
- die starke Identifikation seiner Bevölkerung - gerade eben auch der ärmeren Schichten und Immigranten
Es ist nicht so, daß das Unfertige und Unsaubere (wieder mal ne Wortalternative) dem Berliner plötzlich schön erscheint. Aber es zeigt und symbolisiert letztendlich dieses Maß an Freiheit, dort seine Nische finden - und überhaupt suchen zu können. Und gestalten zu können.
Ich bin weder Berliner, noch Berlin-Hyper. Aber eine Stadt nur über abgefucked und Hype zu definieren, wird ihr einfach mal nicht gerecht.
09.07.2007 17:48 Uhr
schauby
RE: Abgefuckthach :-) der ludewig.
stets besonnen und diplomatisch.
einen reißerposten bei einem (studenten)revolverb latt wärs wohl eher nich, aber eine nomierung als außenminister könnt ich mir vorstellen. ;))
gut gesprochen, recht haste.
09.07.2007 18:02 Uhr
LudwigMartin
RE: AbgefucktHehe, ich glaub, für Revolverblätter bin ich grundlegend ungeeignet. Insofern Dankeschön. :-)
09.07.2007 18:58 Uhr
Lenulitschka
RE: AbgefucktWunderschön ist's in Paris
auf der Rue Madeleine.
Schön ist es im Mai in Rom
durch die Stadt zu gehn.
Oder eine Sommernacht
still beim Wein in Wien...
Doch ich denk, wenn ihr auch lacht,
heut noch an Berlin...
Auf mich hat Berlin auch eine unglaubliche Anziehung. Es gibt zwar viele Wannabe-cools in Berlin, aber die müssen mich ja nich interessieren. In Berlin kann man einfach an jeder Ecke ein Stück Geschichte spüren: die Goldenen Zwanziger, die 68er, die DDR... Das ist für mich das Faszinierende an der Stadt. Trotzdem konnte ich mich noch nicht entschließen, hinzuziehen, aber ich wohn ja Gottseidank nich so weit weg. :o)
09.07.2007 18:20 Uhr
acid_else
RE: Abgefuckt"Berlin ,du bist so wunderbar ,Berlin"
ich liebe UND hasse diese Stadt!
Natürlich ist der Hype fast schon unerträglich ,natürlich sehen 2 von 3 Mädels aus wie bei H& M geboren , natürlich nerven diese Pseudo-Inbezirke ..dennoch hat mir keine Stadt mehr Kraft entzogen um mir noch mehr dafür zu geben.
Von Vorteil wäre es sich selbst ein bild zu machen und unter die Oberfläche zu schauen die immer so schön matt glänzt!
09.07.2007 18:26 Uhr
Abo
RE: AbgefucktHm, ich verstehe euch nicht. Ich verstehe den Text auch nicht. Was willst du denn sagen? Oder wolltest du nur motzen?
Glaubst du alle ziehen nach Berlin, weil sie 3 x "Berlin, Berlin" gesehen haben?
So war das nämlich bei mir. Da habe ich sofort meine Tasche gepackt und bin hergezogen, dachte mir ich schreibe ein Buch, in einer schönen, billigen Altbau-Ofenheizungsw ohnung. ;-)
Meine Eltern fanden das nicht so gut, denn die hatten "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gelesen....
Vielleicht haben wir uns gesehen, am Wochenende, ich hatte eine abgefuckte Adidas Jacke an... (vielleicht solltest du dir noch häufiger so Mädels wie mich anschauen, dann lernst du evtl., dass man Adidas mit einem D schreibt.)
Ach, der LudwigMartin hat wie so häufig recht.
Abgefuckte Grüße aus der Hauptstadt!
A.
09.07.2007 18:37 Uhr
LudwigMartin
RE: AbgefucktJaja, die Literatur hat schon so manches mentale Stadtbild geprägt. Hoffen wir, daß diese Lektüre hier weniger nachhaltig ist... ;-)
09.07.2007 19:06 Uhr
Laylalila
RE: AbgefucktWOWWOWOW Abo, genauso war das bei mir auch. Ich dachte immer, ich sei unnnnikat und niemand anders würde abgeranztheit und runtergekommenheit so mögen wie ich. ich verstehe den text auch nicht, also ich verstehe ihn, aber ich verstehe das mädchen von dem foto nicht. was will es mir denn sagen? Dass ich stinke? Dass ich mir wie in den späten neunzigern wieder eine trainingsjacke kaufen muss, um hip zu sein? Schade, ich hatte eigentlich gedacht, ich komme her, um zu sein wie ich will, aber das geht anscheinend gar nicht, denn alle, die herziehen, werden sowieso ganz gleich.
Nikola, mach doch mal die augen auf...
09.07.2007 20:13 Uhr
iprdctAriot
RE: Abgefuckthmm...
Also in stilistischer Hinsicht ist der Artikel sicherlich ausbaufähig :)
Das Berliner Lebensgefühl trifft er aber allemal...
09.07.2007 18:46 Uhr
Mirabella_123
RE: AbgefucktBerlin interessiert mich nicht....der Text bestätigt meine Meinung, nix für ungut.
Schade, dass die guten Artikel alle in der Versenkund verschwinden...
09.07.2007 18:53 Uhr
Arcana
RE: Abgefucktich finde diesen artikel diskriminierend denen gegenüber, die nach berlin gezogen sind, oder es vorhaben hinzuziehen.... als ob berlin die EINZIGE stadt wäre, in der leute zuziehen..... also ich fand das jetzt echt überheblich!!!!! und soooo schlimm, wie hier beschrieben, ist berlin bei weitem nicht.... wenn du es so furchtbar findest, dann zieh doch weg. allerdings wärst du dann auch ein zugezogener in einer neuen "abgefuckten" stadt......
09.07.2007 18:54 Uhr
odradek
RE: AbgefucktWenn man über Berlin schreibt, sollte man sich auch mal aus dem Prenzlauer Berg und Mitte rausbewegen, Berlin ist nämlich mehr als dieses Hype-Gequatsche. Viel mehr. Und ich bin mir sicher, jeder schafft sich hier sein eigenes Berlin, das er liebt. Ich liebe diese Stadt nämlich wie keine andere. Seit dem ersten Tag. Weil die Menschen hier so unkompliziert sind, weil ich von anfang an das Gefühl hatte, dass ich hierher gehöre, hierher und nirgendwo sonst, ein Gefühl, das mir noch keine andere Stadt geben konnte. Weil da vom ersten Tag an Menschen waren, die mir das Gefühl gaben, dass sie, das mag jetzt narzisstisch klingen, aber dass sie genau auf mich gewartet haben. Und ich habe auf sie gewartet.
Ich liebe Kreuzberg, vor allem weil es hier keinen H&M, keinen McDonalds, kein Starbucks gibt. Okay, einen Burger King, aber der ist in 61, das zählt nicht. Ich liebe Berlin auch, weil man nur kurz fahren muss und schon ist man mitten im Nirgendwo. Ich finde den Obdachlosen vor meinem Fenster super, der auf mindestens fünf Sprachen fließend fluchen kann, und den Dönermann nebenan, der mir immer freundlich hallo sagt. Die Menschen, die hier leben, leben hier, weil sie diese Stadt wunderbar finden, Arbeit gibts hier schließlich nicht. Und jeder der hierherzieht macht diese Stadt ein Stück weit facettenreicher, selbst wenn sie von außen uniform aussehen, aber wo ist das schon anders? Und ich liebe Berlin auch, weil es so abgefuckt ist, warum auch nicht? Es ist doch nur Oberfläche und eine abgefuckte Oberfläche ist mir lieber als eine herausgeputzte. Und letztlich kommt es nur darauf an, sich nicht von ihr blenden zu lassen.
09.07.2007 19:20 Uhr
cml1605
RE: Abgefucktdu sprichst mir aus der seele. Ich liebe Berlin. Ich ahbe mich vom ersten Moment an so wohl gefühlt wie noch nirgends in Deutschland. Ich liebe Berlin weil es nicht versnobbt und sauber und spießig wie München und nicht so "stylish" ist wie Hamburg etwa gesehen wird. Ich liebe es, weil es niemanden stört, wenn du in zerrissener Jogginghose morgens um 10 dein Bier in der Bahn zu dir nimmst. Weil die Menschen hier nett sind, ohne zu schnulzen und höflichkeitsregeln zu beachten. In Berlin kriegste vom Tramfahrer nen blöden Spruch hingeknallt, wenn du angerannt kommst, obwohl die Tür schon zu ist. Woanders hätten sie dafür gar nicht erst gewartet.
Diese Stadt lässt dich leben, und zwar so wie du willst, so wie du bist.
Aber dein Kommentar zu Prenzlauerberg/Mitte ist auch völlig angebracht! Da fühle ich mich gar nicht mehr so wohl, da sind all die neuen Bioläden, in denen die Mamies einkaufen, bevor sie in die Lesung gehen, und nebenher spaziert noch der Besuch aus der heimat..
Berlin du bist so wunderbar
09.07.2007 19:38 Uhr
noerle
RE: Abgefucktdas beispiel mit dem tramfahrer ist so treffend, da krieg ich gleich wieder sehnsucht nach dieser schnotterigen freundlichkeit der berliner. hach, ist aber auch einfach zu schön da :)
09.07.2007 20:59 Uhr
bemmenbuechse
RE: Abgefucktliebe cml1695: tram (berlin) = straßenbahn, oder? das heißt mittlerweile "tram", damit man erstens touristen von kennern unterscheiden kann ;-) und zweitens damit das besser auf die bvg-schilder passt.
vg vom potsdamer platz
jh4000
10.07.2007 15:48 Uhr
PrinzessinLillifee
RE: AbgefucktKönnt ihr nicht einfach Berlin lieben, ohne jedes mal im selben Atemzug über das ach-so-spießige, affektierte und versnobbte München herziehen zu müssen. Diese Stadt liebe ICH nämlich. Danke!
11.07.2007 12:38 Uhr
Abo
RE: AbgefucktIch habe es immer gewusst, du schreibst nicht nur gut, sondern bist auch unglaublich schlau.
Abgefuckte Grüße aus Berlin ;-)
09.07.2007 19:54 Uhr
odradek
RE: AbgefucktDanke, das kann ich nur zurückgeben. Obwohl ich ja eigentlich nicht mit Mädchen in abgefuckten Traingsjacken rede, weil die sind alle alle doof. Haha, ist das herrlich und bin ich froh, dass ich in Berlin lebe, wo so Kram zumindest in meinem Umfeld es noch nicht mal wert ist, angesprochen zu werden.
09.07.2007 20:26 Uhr
Freydis
RE: Abgefucktkann ich alles nicht nachvollziehen. als 14.jährige fand ich die stadt mal cool, weil sie viele möglichkeiten bietet, jetzt nervt sie nur noch. dahin ziehen wäre mein persönlicher albtraum.
09.07.2007 19:25 Uhr
Zimtmacchiato
RE: AbgefucktIch wohn hier gern, selbst in Zelhendorf wo alle ein bisschen weit weg ist ber immernoch nah genug um das Meiste mitzukriegen... Ich als Landpomeranzte in der große Stadt, gefällt mir gut, will auch micht mehr weg und wenn ich wegen der vielen Starbuckse hergezogen bin? Meine Güte wasn Scheiß, Leben und Leben lassen, das is eigetlich das geile an Berlin, ich mach mein DIng und du Deins, heb dir deine Energie doch einfach für was anderes auf (klingt Energie jetzt vielleicht zu esoterisch? Hab ich mich somit in die angeprangerte Tofu-Bio-Künstler-Sc hiene eingereiht? Hm, kratzt mich das?Ich die gar nix damit am Hut hat ach, geht doch kacken, mit eurer Analysiererei...)
09.07.2007 20:01 Uhr
Zimtmacchiato
RE: Abgefucktnoch geiler wärs ja ohne Tippfehler, denkt euch die einfach weg...DANKE...
09.07.2007 20:02 Uhr
blauauge
RE: Abgefucktbin geborene berlinerin und gelte somit per se als schwer umzusiedeln. aufgewachsen im tiefsten westen der stadt, inzwischen in den osten zugezogen - und doch ueberall zuhause. ich bin mehr berlinerin als gesamtdeutsche, und das ohne mir darauf etwas besonderes einbilden zu wollen. und ohne zu erwarten, dass nicht- berliner das verstehen. erklaeren kann man das naemlich nicht.
09.07.2007 20:36 Uhr
PDK
RE: Abgefucktöhm. sach ma... lebst du in berlin? oder schreibst du vom hörensagen über das hörensagen und den hype, der immer zur hälfte in den hirnen der journalisten entsteht. also, falls du berlinerin bist: zieh um!
wenn nicht: bleib weg!
du verstehst es sowieso nicht.
ich sage: berlin oder das land. alle anderen deutschen städte sinds einfach nicht
und in berlin gibt es auch die oper, konzerte, großartige menschen mit ideen, nette türken von nebenan, schläger, freunde, feinde, schöne mädchen und grässliche weiber. also bitte: die stadt ist ne wundertüte. für jeden was dabei. wer sich über nen hype aufregt, übers ranzige, was auch immer, der is einzwei mal die lindien und die "castingallee" auf und ab gegangen und sagt sich: ja, jetzt kenne ich das wirkliche berlin.
fahr mal nach marzahn. fahr mal nach neukölln.
hm.
und in meine chucks, die ich nicht besitze, stecke ich mir jetzt röhrenjeans, die ich an männern unsäglich finde und mach mir ne frisur.
aloha
09.07.2007 20:42 Uhr
Krauzi
RE: Abgefucktwas will uns die autorin mit iherm artikel sagen? dass sie auch nur "abgefuckte" clichés wiederkäuen kann? euch gefälltts in berlin nicht? dann fahrt nach hause!!!
09.07.2007 20:57 Uhr
sophistic
Die andere Seite...von der wir uns annähern können: Hedi Slimanes Bildband "Berlin".
Das triffts.
Berlin polarisiert. Und das ist gut so, wat sonst.
A
09.07.2007 21:43 Uhr
NeonBlond
RE: Abgefucktäh, berlin ist sicher mehr als starbucks. ahh ;)
ich mag berlin und der ''berlin-hype'' ist normal. das gibt es in tokio, das gibt es in new york, paris und london, barcelona... jedes land hat seine ich-bin-nicht-arbeit slos-ich-b in-künstler-mit-macb ook-zugezo genen-styler. und hey... berlin hat keine sperstunde, einen schwulen (wenn auch nicht ganz wirtschaftlich gesehen kompetenten) bürgermeister, gute clubs, viele kulturen, sehenswürdigkeiten, eine interessante geschichte, ist die größste stadt deutschlands und hat einiges zu bieten. da können nester wie stuttgart oder so etwas ganz bestimmt nicht mithalten, aber auch städte wie münchen, frankfurt und hamburg sind recht schön.
09.07.2007 22:40 Uhr
PDK
RE: Abgefucktalso ich mag wowi ja, aber mit der wirtschaft... na ja, aber hey: da hülft eh nüscht!
10.07.2007 00:40 Uhr
OnkelPeppy
RE: AbgefucktSehr guter Text.
Ich hätte da 2 mehr oder weniger pragmatischere Gründe:
1. In ganz Europa gibts miettechnisch gesehen wohl keine vergleichbare Metropole
2. Berlin ist sehr schön.
09.07.2007 23:17 Uhr
marmelinchen
RE: Abgefucktman liest einen text, denkt sich, och mensch, das ist aber gut geschrieben, so denke ich ja auch - hoppala.
dann liest man einige kommentare und es wird einem schlecht. kotzübel.
was nehmen sich einige leute eigentlich für frechheiten raus ?
leute, geht mal zum sport, weg vom computer, dann müsst ihr euch nicht hier abreagieren.
10.07.2007 00:06 Uhr
dondada
RE: AbgefucktIch kritisiere auch weniger, daß die Autorin gerade übt einen Text zu schreiben, sondern mehr die neon.de Redaktion, sowas in diesem Zustand auf die Titelseite zu stellen.
10.07.2007 00:46 Uhr
imgegenlicht
RE: AbgefucktYo! Ich möchte nicht noch einmal wiederholen, was in der Mehrzahl der Kommentare steht - tu es aber trotzdem. Berlin ist nicht nur Hype und doch ist es genau das! Dies ist aber keine Erfindung der Medien, sondern schon sehr lange Bestandteil dieser Stadtkultur: man denke an die Weimarer Republik und blättert noch früher bei Harry Heine nach, der sich auch schon ausgiebig zum Kiezphänomen geäußert hat: "Berlin ist keine Stadt!" Finde ich auch und ich liebe Berlin dafür, auch wenn ich nicht alles toll finde, inkl. Attitüden wie sie dieser Text präsentiert, à la "wir hypen jetzt den Anti-Hype". Hatten wir schon alles, brauchen wa nich nochmal. Berlin hat so eigene Phase, unabhängig von manchem Gesäusel - und das schließt mich auch ein.
Noch eine Sache: Berlin hat auch schöne und schön angezogene Menschen! Egal ob teuer oder billig, viele Berliner verstehen es, sich ästhetisch ansprechend einzukleiden. Davon abgesehen, ist der wahre Glamour der Stadt die Vielfalt.
10.07.2007 03:18 Uhr
Saphira
RE: AbgefucktIch lebe seit mehreren Jahren in Berlin. Die Folge: Jede andere deutsche Großstadt erscheint mir klein.
Es muss ja keiner in Berlin wohnen, wenn er nicht will. Ich kenne auch einige gebürtige Berliner, die für die Ausbildung / das Studium / den Job BEWUSST die Stadt verlassen, um mal was anderes zu sehen.
Ansonsten kann ich nur sagen, dass Berlin mehr ist als die Summe aus Bezirken wie Prenzl'-Berg, Mitte und Kreuzberg.
Aber wenn alle jetzt nach Berlin zögen, hätten wir ja keinen Platz mehr ;-)
10.07.2007 04:16 Uhr
lamorata
RE: Abgefucktich bin in dieser stadt großgeworden und aufgewachsen - ob ich zurückmöchte? nein - aber nicht wegen der stadt sondern wegen der geschichte die berlin und ich haben.
was du schreibst hat für mich NICHTS mit berlin zu tun... und wenn dein gejammer übers abgefuckte geht mal gepflegt garnicht klar... du hast nicht den hauch einer ahnung was für abgefuckte ecken berlin hat und wie geil die leute selbst in den abgefucktesten ecken in berlin noch miteinander umgehen.
10.07.2007 07:06 Uhr
miochedet
RE: Abgefucktbona.... aggressionswellen hier... unglaublich.
entspannt euch doch mal ein klein wenig wen jemand mal seine meinung sagt.... noch da zu in so genialem schreibstil. dann ist halt nich jedes wort genau eure meinung. na und?
10.07.2007 09:32 Uhr
acid_else
RE: AbgefucktMeinung?
Das klingt nach vorgefertigter Zwangskritik?
Wie kann man denn überhaupt über eine Stadt so "richten" wollen.
es ist wie mit den Menschen die sich dort verwirklichen ,Tausende Facetten, Millionen Gesichter ...wer will sich da anmaßen ein Lebensgefühl zu "be und verurteilen"?
Da hat sich doch jemand ganz arg von den Medien beeinflussen lassen.
So scheint es mir zumindest.
Ich werd jetzt mal weiter im Netz schauen was ich heute Abend in Berlin unternehmen kann ,mal sehen ob ich was "cooles" finde.
*gäähn*
10.07.2007 10:47 Uhr
miochedet
RE: Abgefucktja mach ruhig. ich kann dieses internetrumgepruegel ersatzaggr essionsablassen nich so ganz nachvollziehen ...
geht alles n bissl entspannter und netter glaub ich.
....schieb es auf notorischen sommermangel:-)
10.07.2007 11:43 Uhr
noguts_noglory
RE: Abgefuckt...ich war letztes we zum ersten mal in berlin.
ja, es gibt sicherlich die röhrchenjeans - stöckchenbein generation, die meint dass sie gegen den mainstream rebelliert während sie in wahrheit darin ertrinkt!
allerdings muss man auch sagen, dass berlin herzlich wenig dafür kann und sich einem tausend kleine eckchen und winkel erschließen, die sicherlich durch einen ,,abgefuckten'' charme punkten jedoch dieser bitte nicht mit dem ,,used-look'' dieser generation zu verwechseln ist!
10.07.2007 09:51 Uhr
malucca
RE: AbgefucktMensch, steht doch schon auf jeder Postkarte:
"Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen, wo man geht und steht - aber mir tun alle Menschen Leid, die nicht hier leben können!"
[Anneliese Bödecker]
(Ich bin übrigens Münchnerin, nichts ist langweiliger als diese Städtevergleiche: Diese Städte sind so grundverschieden und beide toll, da gibt es kein besser oder schlechter, nur anders.)
Bei der Gelegenheit empfehle ich noch gerne "Ich bin kein Berliner . Ein Reiseführer für faule Touristen" von Wladimir Kaminer.
Sehr lustige und treffende Geschichten über Berlin.
10.07.2007 11:25 Uhr
dondada
RE: AbgefucktJau, recht haste. Es nervt, dieses gegenseitige Städteruntermachen. Leider sind es oft die Berliner, die neben ihrer Stadt keine andere gelten lassen wollen, alles andere provinziell finden und dabei oft nicht mal mehr aus ihrem eigenen Kiez rauskommen.
Ich bin Hamburger, lebe teilweise in München, teilweise in Weimar und bin gerne zu Besuch in Berlin. Es ist genauso schön schmuddelig, wie es mittendrin auch ruhig, grün und entspannt ist. Wohnen möchte ich dort nicht, weil ich keine Lust habe ein Viertel meiner Lebenszeit in der U-Bahn auf dem Weg von A nach B zu verbringen. München und Hamburg sind da etwas übersichtlichlicher - aber ach Gott, unter drei Millionen ist das ja alles Kuhdorf.
10.07.2007 11:51 Uhr
Mewkew
RE: AbgefucktBerlin, du bist so wunderbar. Berlin ...
So ergeht es mir seit meinem ersten aufenthalt in DER stadt. Die rosarote brille, wird nicht blasser sondern trübt das bild er realität immer mehr, aber wer weiß, vielleicht macht genau das den reiz daran aus. Die authorin wollte sicher keine debatte darüber entfachen, welche stadt nun die schönste ist, es ging ihr einfach darum, das was berlin-lover fühlen einzufangen, zwar in sehr langen, verwinkelten sätzen, aber man kann die botschaft herausnehmen - Berlin ist wunderbar. Für diejenigen die das sowieso schon so sahen. Allen anderen kann es doch egal sein was wir denken, wenn sie in ihre heimat besser aufgehoben sind, dann sollten sie auch weniger gereizt und aggressiv auf das thema reagieren, getreu den motto, getroffenen hunde bellen ^^
Was für mich persönlich den charm an b ausmacht, ist einfach die rießige indi/alternativ szene der stadt. In meinem dorf im tiefsten osten, der ehemaligen karl marx stadt, gibt es kaum lebensraum für einen wandelten john lennon verschnitt wie mich. In b gibt es soviele clubs, locations, szenetreffen das man sich genau seinen stil heraussuchen kann. Und natürlich sind auch dementsprechend musiker hier zu hause die ich bei mir nicht finden werde ...
Fazit: Anziehend durch indi -und künstlerszene, die es in dieser zusammensetzung wohl nirgends wo anders gibt.
10.07.2007 12:58 Uhr
Borussia
RE: AbgefucktNein, nein, nein – diese ganzen abfälligen Kommentare kann ich als langjährige Berlinbewohnerin nicht auf der Stadt sitzen lassen.
Ja, Berlin geht mir auch oft auf den Keks: Der mangelnde Benimm vieler Ureinwohner (und leider auch Zugezogener, die meinen, sich im Umgangston anpassen zu müssen), die zunehmende Verprollung der Stadt, die mit Hundehaufen verminten Bürgersteige, das Geschmiere überall (nennt sich "Graffiti", ist aber meistens wirklich nur dummes Geschmiere - wer sich mal ein richtiges Graffito ansehen will, dem empfehle ich den S-Bahnhof Yorckstraße, eine Gebäudewand in Fahrtrichtung Lichtenrade/Blankenf elde), die ganzen Pseudo-Coolen, die vor Wichtigkeit fast über die eigenen Füße fallen, die typische Berliner Selbstüberschätzung, dank der jeder kabeltragende Praktikant in einem Filmstudio von sich erzählt, er sei "beim Film" - und so weiter, und so fort. Ja, und auch das Verwahrloste, Heruntergekommene, Dreckige, Schludrige an vielen Ecken.
Unter diesem oft eher abstoßenden Äußeren aber lebt eine Stadt der nahezu unbegrenzten Möglichkeiten. Hier gibt es Freiräume und Nischen, die in anderen Städten längst stadtgeplant, glatt gebügelt und ausgemerzt wurden. Berlin gibt noch Raum für Phantasie. Hier kann fast jeder, der genügend Ideen und Energie mitbringt, einen Winkel finden, in dem er sich verwirklichen kann, und zwar ganz einfach deshalb, weil es in Berlin noch Winkel gibt, die zum Träumen anregen und die auch noch bezahlbar sind. Diejenigen, die nach der Wiedervereinigung in Heerscharen mit Dollarzeichen in den Augen über die Stadt hergefallen sind, sind längst wieder abgezogen. Die Superteuer-Läden überleben nur dank der Touristen. Der Berliner als solches hat in den seltensten Fällen Geld. Eine der Folgen: Nirgendwo kann man so vielfältig und preiswert essen, und zwar annehmbare bis sogar gute Qualität. In meinem Kiez gibt es unzählige Möglichkeiten - abseits des allgegenwärtigen Döner - , für einen Betrag zwischen 4 und 8 Euro wirklich nett zu essen, quer durch die Küchen der Welt.
Der Berliner ist nicht schick. Oder zumindest sieht er nicht so aus. Aber selbst wenn die abgetragen wirkende Jeans des einen oder anderen ein Vermögen gekostet haben mag, sie trägt zumindest nicht dazu bei, dass jemand, der nur eine WIRKLICH abgetragene Jeans besitzt, sich mies fühlt. Eine Aufmachung, in der man in besser situierten und/oder bürgerlicheren Städten abfällige Blicke auf sich ziehen würde, ist in Berlin akzeptiert. Jeder kann, wie er eben kann und mag.
Berlin hat den größten Schwulenkiez in Deutschland. Was mir das bringt? Ganz einfach: Wo viele Schwule sind, ist es eigentlich immer nett (ist jedenfalls meine Erfahrung). Es gibt nette Cafés, nette Restaurants, die Atmosphäre ist unprollig und unaggressiv, einfach rundweg angenehm. Ich finde es schön, in einer Stadt zu leben, in der sich Schwule wenigstens einigermaßen entfalten können. Auch die Tatsache, dass wir einen schwulen Bürgermeister haben, freut mich, selbst wenn mich nicht alles freut, was dieser Bürgermeister veranstaltet. Dennoch finde ich es gut, dass das in Berlin möglich ist.
Der Berliner kommt manches Mal daher wie ein ungezogener Hund. Er verbellt erst mal prophylaktisch jeden, der sich in seinen Dunstkreis wagt. Da hilft nur: Zurückbellen. Und feststellen, dass der Berliner zwar möglicherweise grob, aber auch bemerkenswert offen und ehrlich ist. Er serviert seine Meinung zwar mitunter auf unverträgliche Art, aber zumindest sagt er, was er denkt.
Berlin ist keine Stadt für die allzu Zartbesaiteten. Aber wer hier lebt und überlebt, ist fit fürs Leben, hat gelernt, sich kampfbereit zu machen und nötigenfalls ins Gefecht zu ziehen, auf jeden Fall nicht klein beizugeben. Die Stadt erschließt sich nicht auf Anhieb, nicht über Nacht, nicht im Laufe eines Besuches, der nur wenige Tage dauert. Auch mehrere kurze Besuche reichen nicht. Man muss hier leben und sich gewöhnen. Man muss Geduld haben. Ich war zwei Jahre lang alle 14 Tage über das Wochenende hier (Fernbeziehung). Habe immer getönt: "Ich könnte nie hier leben!". Dann bin ich umgezogen, und es hat genau 2 Monate gedauert, bis ich mir alles Mögliche vorstellen konnte, nur eines nicht: Jemals wieder wegzugehen aus Berlin.
10.07.2007 14:21 Uhr
Mewkew
RE: AbgefucktWürde sich gut als schlusswort machen :)
10.07.2007 14:36 Uhr
Borussia
RE: Abgefuckthabe deinen kommentar jetzt erst gesehen. ;)
das ist auf jeden fall auch ein sehr positiver aspekt für mich an berlin: die musikszene, die vielen konzerte, die record-release-konze rte, die hier und sonst nirgends stattfinden (the strokes in der maria, kaiser chiefs im columbia club, editors im fritzclub, usw.). :)
10.07.2007 14:46 Uhr
enfant.terrible
RE: AbgefucktMir ist nicht ganz klar ob der Text Berlin verteufeln oder glorifizieren soll ,aber ich für meinen Teil bin nicht so verzaubert von Berlin wie viele andere. Ich hab schon einiges davon gesehen und ich muss sagen, dass es mir einfach zu schmuddlig ist. Sogar die Innenstadt, der Ku´damm, der Alex usw.: überall Platte. Klar, Berlin ist pleite, aber ich kann einfach eine Stadt nicht schön finden, in der man die "Ghettos" nicht von den "Promi-Vierteln" unterscheiden kann.
Ich dachte ja, ich hätte-nach dem was ich so gehört hab- mit dem "knaack" und dem "magnet" DIE absoluten Super-Clubs gefunden aber ich war sowas von enttäuscht. Mehr Möchtegerns als in der Provinz und Tanzflächen klein wie Streichholzschachtel n.(Magnet) Noch dazu ein Haufen Oberprolls und Prollmusik. Furchtbar. Außerdem ist der Döner teuer und wie man sich in Berlin als Student eine Altbauwohnung leisten will, bei der man vor der Tür nicht gleich überfallen wird, ist mir auch ein Rätsel. Ich hab mich mal informiert und mir sind bald die Augen ausm Kopf gefallen bei den Preisen. Es haben ja einige in ihren Kommentaren geschwärmt, wie günstig Berlin doch wäre.
Ich sag euch was: Kommt nach Leipzig. Hier fährt man vom Rand in die Innenstadt höchstens eine halbe Stunde und billiger, sauberer und trotzdem unversnobbt ist es auch.
10.07.2007 15:03 Uhr
Plaerri
RE: AbgefucktBerlin... Berlin hat Geschichte, bemerkenswerte Gebäude und ist sicher eine beeindruckende Stadt. Als ich dort war, bin ich brav in die Szeneviertel gegangen, habe die angesagten Szeneclubs besucht und war einfach nur enttäuscht. Ich kann diesem Artikel nur zustimmen, wenn man Armut, Abgefucktheit, Depression und Resignation als chic betrachtet, ist Berlin ein Trendzentrum. Also ist Berlin sicher trendy. Aber ist Berlin auch hip? Nein, nicht wirklich. Ich glaube kaum, dass jemand, der London und NYC gewöhnt ist, in Berlin das finden wird, was er sucht.
In der Kunst und Modeszene ist Berlin momentan aktuell, weil Armut sexy ist. Géneration Précaire ist sexy. Aber das sehen nur Leute so, die selbst zuviel Geld haben und Armut selbst nicht kennen. Aber bald wird auch diese Modeströmung sich ändern und Berlin wird nur noch das sein, was es ist: eine Stadt mit Geschichte, Glanz von gestern und viele junge ärmliche Leute mit grossen Ideen.
10.07.2007 15:10 Uhr
grond
RE: AbgefucktKleine Geschichte über Berlin:
Ku'damm, Bus 129, ein Ehepaar aus Westdeutschland steigt vor mir ein, fragt den Fahrer: "Fährt der 129er nach XYZ?"
Fahrer: "Nee, da müssense den 119er nehm."
Ehepaar: "Den 119er?"
Fahrer: "Ja."
Ehepaar: "Aha. Dann bitte zwei Erwachsene."
Fahrer gibt schweigend die Fahrscheine und kassiert.
(Ehepaar ab)
Fahrer (zu mir, das Gesicht auf dem Ellbogen abgestützt): "Muss ick ditt vastehn?"
10.07.2007 15:16 Uhr
bemmenbuechse
RE: AbgefucktSahne-Beobachtung. Genau das ist das Beste an der Stadt. Diese permanente Schlechtgelauntheit des Serviceproletariats - denen kann man nur mit noch unverschämterer Anschnauze kommen. Oder mit ehrlich gemeintem Ernstnehmen. vgjh4000
10.07.2007 15:58 Uhr
matzepauer
RE: AbgefucktIck finde es immer wieder total bekloppt wenn leute (viele Bekannte von mir ) ausm 1000 Einwohner Dorf kommen, dann in Berlin nach Kreuzberg ziehen und dann auch nicht mehr aus diesem Alternativ"Zecken""H IP"Bezirk mehr rauskommen ...aber man kann ja sagen dann überall erzählen; ICK BIN EEN BERLINA... obwohl man noch nicht ma weiss wo Berlin PANKOW oder Berlin STEGLITZ oder oder befinden!! Schade... aber DÖRFLER bleiben Dörfler
10.07.2007 15:42 Uhr
schauby
RE: Abgefucktals Mekka (mentaler) Provinzler hat sich seit Jahren F-hain etabliert. Nirgendwo kann man gammlig so trendy abhängen, wie vorher zuhause hinterm Güllebunker.
10.07.2007 19:02 Uhr
grond
RE: AbgefucktKreuzberg? Nee, nee, da verwechselst Du was! Friedrichshain und Prenzl'berg, das sind die Bezirke, wo es keine Berliner mehr gibt. Die Wessis (Berliner Wort für *Bundesrepublikaner* ) wohnen dann auch noch jeweils in derselben Gegend. Der Zionskirchplatz ist fest in der Hand von Hannoveranern, so hört man...
Aber eigentlich passt das ja ganz gut, sind die Berliner wegen ihrer Kiezverbundenheit doch eh als "Ickendörfer" bekannt...
11.07.2007 10:45 Uhr
bobbyjoe
RE: AbgefucktMein Bruder studiert in Berlin, ich besuche ihn ab und zu, aber dort leben möchte ich nicht. Aus mehreren Gründen.
10.07.2007 17:36 Uhr
ganseblume
RE: AbgefucktIch wohne seit knapp einem Jahr in Berlin. Vor meinem Umzug habe ich mich ehrlich gesagt überhaupt nicht mit der Stadt befasst, Seit ich hier wohne, entdecke ich jeden Tag etwas Neues, und da liegt für mich der Reiz - diese Stadt ist bei weitem die vielseitigste, die ich kenne. Auf Park folgt Platte, mitten im schicken Viertel entdeckt man einen abbruchreifen Straßenzug usw.
Ich denke, dass sich jeder selbst ein Bild machen muss - mir gefällt's hier :)
10.07.2007 19:56 Uhr
Guelle
RE: AbgefucktHm, ich weiss gar nicht, wie man Berlin als "abgefuckt" bezeichnen kann.
Die Stadt ist wunderschön.
Es gibt Parks, die eine Oase im Innenstadtbereich sind.
Am Spreeufer gibt es Stellen, die laden einfach nur ein, sich hinzulegen und auszuruhen.
Grünflächen ohne Ende, herrliche Veranstaltungen wie Fete de la Musique, etc.
Wieso "abgefuckt"?
However, wer nach Berlin will soll hingehen, wer nicht will, soll halt nicht hingehen.
Mich nervt, dass man sich über Berlin immer profilieren will.
Ich hatte ein schöne Zeit dort und bin weiter in die nächste Stadt gewandert.
Berlin wird immer einen Platz in meinem Herzen haben , aber nich auf meiner Plakatwand.
11.07.2007 09:30 Uhr
acid_else
RE: AbgefucktMich stört das hier alles ganz gewaltig!
Das hat ja fast schon rassistische Züge ...
in F-Hain sind also nur zugezogene Provinzler , und keene echten Berliner mehr?
Na und?
Genau wie diese Berliner-hassen-Tour is-Diskuss ion.
Leute ,davon lebt diese Stadt!
Und wer ist denn bitte so vermessen zu behaupten ein "echter" Berliner wäre besser als ein Zugezogener.
Das ist übrigens ein Aspekt den ich an Berlin wirklich verachte...
die Selbstverliebtheit des Berliners!
11.07.2007 11:13 Uhr
TheFhainer
RE: AbgefucktKlasse Text!!! Als Berliner verstehe den Hype zwar selber auch nicht, aber irgendwas muss es ja sein, was auch mich hier hält ;-) Denn ich fühle mich hier pudelwohl, wahrscheinlich gerade wegen dieser abgefucktheit.
Thx
11.07.2007 11:40 Uhr
LemonLee
RE: AbgefucktAlso ich bin ne echte Großstadtgöre aus dem Pott und als ich dann dieses Jahr in Berlin war und den ersten allein durch die Stadt gelaufen bin kam ich mir irgendwie vor als wenn ich von den Medien beschissen wurde: Brandenburger Tor hab ich mir zb. viel größer vorgestellt und es war dann ganz schön "klein". Ich hab mir auch nicht gedacht, dass es vom Reichstag zum Tor ein wirklich kleiner Fußmarsch ist. Aber als ich dann Abends im Hotel war und dann Nachts auf den Fernsehturm geschaut hab, war ich in die Stadt verliebt und am nächsten Tag hab ich mich dann direkt heimisch gefühlt...
Ich denke, dass das dran liegt das Berlin irgendwie Kult ist. Wir haben hier um die Ecke eine Currywurstbude die nur Berliner Currywurst verkauft und man hört von echt jedem "Ohhh Berlin...". Man wird praktisch dazu gerängt um einmal in die Stadt zu fahren um mitreden zu können.
Wenn ich hier durch die Stadt lauf bin ich immer wieder erstaunt wieviel Leute mit KaDeWe Taschen duch die Gegend laufen...
11.07.2007 13:29 Uhr
RedPepper85
RE: AbgefucktOh ja nikola...ich finde Dein Artikel beschreibt optimal meine Sicht auf Berlin...
Ich führe, seit ich dort mal für ein halbes Jahr in Friedrichshain gewohnt habe, eine echte Hassliebe zu dieser Stadt...Der Winter...grausam! Leute schlechtgelaunt, kalt *bäh*!
Der Sommer...plötzlich alle total dufte drauf. Da werden die Flohmarkt Stühle vor die Kreuzberger Kult Bar gestelllt und stundenlang Becks getrunken...Da sieht die Spree schön aus, da kommen die Touris. Dann kann mans ganz gut aushalten!
Für mich ist Berlin viel zu groß, zu verranzt und was mich am allermeisten stört, sind diese tollen avandgardistischen Menschen, die soooo anders sind als in anderen Städten....Bloß kein Mainstream, alles schräg und anders. Dabei sehen sie doch letzendlich alle gleich aus und dümpeln alle in ihren Kreuzberger Schaufenstern mit ihren I-Books an der neusten abgespacten Geschäftsidee...Null Individualismus meiner Meinung nach. Individualismus ist Trend in dieser Stadt.
Natürlich nichts gegen die Berliner Originale...die sind nämlich echt. Jedoch hat sie die zugezogene Design-Avangarde schon längst vom Prenzl-Berg verscheucht...So musste ich mir oft von jungen original Berlinern anhören wie die Wessis Berlin ruinieren (kein Spaß!)..
Ich könnte noch stundenlang über diese Stadt schreiben aber bevor es jetzt noch ausartet...Toller Artikel nikola!
12.07.2007 14:23 Uhr
joloewenherz
RE: Abgefucktwunderbar dargestellt!!!
13.07.2007 18:21 Uhr
bateman
RE: AbgefucktIch kann ich einfach nicht mehr hören, diesen Berlin-Hype. Berlin wird einfach maßlos überschätzt.
14.07.2007 12:10 Uhr
ophelia05
RE: Abgefuckt....für mich ist klar: entweder man liebt diese Stadt oder, eben nicht. Tja, man kann es absolut erst beurteilen wenn man hier gewohnt hat; in mehrern Stadttteilen. Ich für meinen Teil habe genug von Berlin gesehen und in verschiedenen stadtteilen gewohnt; und leider bin ich jetzt wirklich froh wenn ich diese Stadt verlassen kann. der Umzug ist schon geplant. Es ist für mich einfach eine stadt ohne Ruhepol....und kaum jemand schert sich um dich, alles sehr unpersönloch. Manche Dörfler findens ja toll in der Menge unterzugehen, der lange Weg in die Stadt rein, der abgefuckte Flair,...viele haben die Hoffnung sich selbst zu finden, in Berlin, das ist meine Erfahrung, das es der falsche Ort dafür ist,... jede Stadt hat ihre Vor-und Nachteile. Und ich bin froh wenn ich hier meine Freunde besuchen kann, und nach ein paar Tagen wieder gehen darf.
15.07.2007 22:04 Uhr