Gesellschaft
Im falschen Land
19.01.2007 16:00 Uhr
Auslandsadoptionen sind en vogue, aber auch sehr umstritten.
Promis holen Kinder mit ihren Privatjets aus Ländern, Madonna besorgte sich eins, das Pärchen Brad Pitt und Angelina Jolie natürlich, selbst Gerhard Schröder hat zwei Kinder adoptiert. Nach Kindern wird mittlerweile in der Welt wie nach Rohstoffen geschürft: Über 6000 Organisationen vermitteln allein in den USA, aus Indien liefern 270, aus Bulgarien über 100. Es geht um viel Geld dabei. 15 000 Dollar und mehr zahlen die Leute, um Eltern zu werden. Um zu helfen oder weil »kleine Hawaiimädchen so supersüß sind«, wie Verona Pooth jüngst sagte. Auch für den Durchschnittsbürger werden Auslandskinder immer häufiger zum erschwinglichen Statussymbol oder einfach neuem Lebenssinn. Und die Kinder?
Für die Geschichte »Zu Haus im falschen Land« im aktuellen NEON-Heft hat Autor Dirk Böttcher mit mehreren jungen Erwachsenen gesprochen, die als Kinder nach Deutschland vermittelt wurden. Die meisten von ihnen fühlten sich weder als Deutsche noch als Ausländer, klagten über Identitätslosigkeit oder waren auf der Suche nach ihrer ausgelöschten Vergangenheit. Eine Mitarbeiterin der Hillfsorganisation "Terre des hommes" riet sogar ganz von Adoptionen ab. Besser sei es, die Kinder "in ihrem Umfeld" zu belassen. Das Thema ist sehr zweischneidig und gefährlich. Schließlich landet man rasch bei dem Argument, Menschen mit anderer Hautfarbe oder anderem Aussehen passten einfach nicht nach Deutschland.
Wie seht ihr denn Sinn oder Unsinn von Auslandsadoptionen?




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ninasofie
RE: Im falschen LandGut, dass darüber gesprochen wird. Im ersten Moment mag man vielleicht an eine gute Tat denken, wenn man hört der Promi Sowieso hat ein Kind aus Malawi oder einem anderen armen Land adoptiert. Doch ich sehe das inzwischen ganz anders. Ich denke nicht, dass das Wohl des Kindes an erster Stelle steht. Vielmehr wahrscheinlich die Popularität. Das ist wirklich traurig....
liebe Grüße,
nina sofie
19.01.2007 16:19 Uhr
Chikinki
RE: Im falschen Landbei promis oder solchen, die es (dadurch) werden wollen ist das nochmal was anderes. ich kann mir schwer vorstellen, das in solchen familien die liebe, wärme und geborgenheit entsteht, die alle kinder brauchen, egal, wo sie geboren wurden.
persönlich kenne ich ein mädchen, das aus dem vietnam adoptiert wurde. sie fühlt sich in ihrer familie sehr wohl und ist ihnen dankbar, das sie nun eine familie hat. aber so richtig zu hause hier fühlt sie sich nicht.
es tut mir leid, dass die gesellschaft noch nicht tolerant genug ist oder vielleicht auch erst noch nciht soweit ist, um adoptivkindern aus dem ausland das gefühl vom willkommensein und zugehörigkeit zu geben.
23.01.2007 15:21 Uhr
Kira07
RE: Im falschen LandIch finde dieses Thema sehr schwierig. Ich habe früher immer gedacht: "Es gibt genug Kinder in unserem Land die kein Zuhause haben, warum dann welche aus dem Ausland adoptieren?". Aber als Bekannte von mir zwei Kinder aus der Ukraine adoptiert hatten und mir ihre Beweggründe erklärten wurde ich ein wenig nachdenklicher. In der Ukraine beispielsweise verbringen die Kinder ihre ersten Lebensjahre nur im Bett, ohne menschliche Nähe etc. Da denke ich geht es den Kindern in unserem Land doch besser und wenn man die Möglichkeit hat sollte man den Kindern helfen, denen es richtig schlecht geht.
Und die im Artikel beschriebenen Probleme gibt es auch bei deutschen Kindern die in Deutschland adoptiert werden. Ich hatte mal eine Freundin die an der Tatsache ein Adoptivkind zu sein zerbrochen ist, obwohl sie nicht "anders" aussah. Aber das Problem nicht zu wissen wer ihre Eltern sind, haben auch Adoptivkinder aus unserem Land.
Eine andere Freundin ist mit ihrer Familie aus Vietnam nach Deutschland gekommen als sie noch ganz klein war. Sie fühlt sich auch nirgendwo richtig heimisch, obwohl sie ihre Familie bei sich hatte.
Die in dem Artikel beschriebenen Probleme treten also auch in anderen Situtationen auf, nicht nur bei Adoptivkindern aus dem Ausland.
Das was Madonna getan hat finde ich auch nicht richtig, sie hätte lieber dem Dorf, in dem der Junge gewohnt hat unterstützen sollen.
Aber wen wir Hilfsorganisationen unterstützen, woher sollen wir wissen dass das Geld da ankommt wo es hin soll????
28.01.2007 22:28 Uhr
Sem
RE: Im falschen LandEs ist spannend mal über die Schicksale aus der Sicht der Kinder zu hören. Ich kann aber kinderlose Paare verstehen, die sich nichts sehnlicher Wünschen. Leider wird beim Adoptieren die Latte sehr hoch gelegt, auch wenn sie aus Deutschland sind.
05.02.2007 18:43 Uhr
MeJin
RE: Im falschen LandIch bin auch adoptiert, kenne jedoch keines dieser "wurzellosen" Gefühle, die im Artikel beschrieben wurden.
Amüsanter Weise bin ich auch in Korea geboren worden.
Ich weiß nichts über meine Erzeuger, denke jedoch, dass die Frau, die mich zur Welt gebracht hat, wohl öfter an mich denkt, als ich an sie.
Ich habe meine Familie hier und sehe mich auch als Teil von ihr an.
Wurzeln... Wurzeln... werde ich erst noch irgendwann entwickeln müssen.
Also es geht auch anders... .
Schade, dass der Artikel so einseitig dargestellt wurde...
06.02.2007 21:28 Uhr
Lena25
RE: Im falschen LandSchade, dass so einseitig berichtet wurde. Bestimmt habt ihr mit einigen Sachen recht, aber es sollte doch immer auch die andere Seite dargestellt werden. Meine Schwester und ich sind auch adoptiert und können uns in dem Artikel überhaupt nicht wiederfinden.
08.02.2007 11:08 Uhr
ella-hippyhoppy
RE: Im falschen LandIch mag den Artikel wirklich sehr.
Ich denke schon lange darueber nach, spaeter ein Kind zu adoptieren, weil ich denke [dachte?] dass es in vielen Laendern dieser Welt Kinder gibt, die keine Eltern haben, aber welche haben sollten. Aber vielleicht sollte man sie wirklich in ihrem eigenen Land bleiben. Wenn ich das so sage, denk ich schon wieder ueber Rassismus nach. Wahrscheinlich falsch.
10.02.2007 06:03 Uhr
vert
RE: Im falschen Landschon der titel stellt die rassistische problematik heraus, die unkommentiert den kern des artikels stellt.
die beispielsbiografien sind - gelinde gesagt - teleologisch. die biologistische sicht ist erschreckend: dass sich menschen von abweichendem äusseren in diesem land nicht wohlfühlen, liegt ja nicht ganz unwesentlich an der tatsache, dass die idee einer rassisch reinen bevölkerung immer noch tägliche realität ist. die daraus resultierenden projektionen sind soziale praxis und die vorliebe für indisches essen keine genetische disposition.
es ist mir unbegreiflich, wie dieser artikel in die printversion kommen konnte. der advanced-chemistry-k lassiker "fremd im eigenen land" hätte vielleicht andere voraussetzungen geschaffen.
14.02.2007 14:58 Uhr
Linnell
RE: Im falschen LandIch fand den Artikel wirklich sehr, sehr interessant, auch wenn ich ihn leider neulich erst gelesen habe. Ich bin selbst in Südkorea geboren und mit 4 Monaten adoptiert worden, ähnlich wie das erste Mädchen aus dem Artikel. Wie sie wurde ich leider in der Grundschule oft gehänselt und musste später sogar die Schule (in eine andere Stadt) wechseln, weil in meinem Wohnort die rechte Szene sehr stark und aktiv ist. Allerdings war ich erstaunt, dass offensichtlich viele aus dem Ausland adoptierte Kinder solche Probleme haben... als ich noch jünger war, war ich auch oft sehr unglücklich, nicht so auszusehen, wie alle anderen und ich war sogar fest entschlossen, meine Augen operieren zu lassen, um endlich auch europäisch auszusehen. Für Korea habe ich mich kaum interessiert und wollte davon mehr oder weniger nichts wissen, sondern völlig nach Deutschland gehören. Mittlerweile hat sich das alles sehr gelegt. Ich interessiere mich für Korea und möchte unbedingt einmal hinfliegen und mit meinen Augen bin ich mittlerweile auch ganz zufrieden. Ich bin überglücklich, adoptiert worden zu sein und mit meinem ganzen Leben, auch wenn ich wahrscheinlich auch in Korea glücklich geworden wäre... dennoch finde ich es sehr traurig, dass es vielen Adoptivkindern da anders geht. Ich hoffe, dass sie irgendwann so glücklich werden können wie beispielsweise ich es bin, wo auch immer es sein mag.
20.04.2007 18:43 Uhr
harakiri2
RE: Im falschen Landhallo,
bin auch adoptiert worden.
also die zusammenhänge sind sehr schwer zu beschreiben was die identifikaton betrifft.
wer weiß schon wer er wirklich ist?
also in deutschland ist das so nach den zweiten weltkrieg das die deutschen selbst erstmal in der identifikationskries e geraten sind. korea hat ne andere geschichte aber ist natürlich auch nach den zweiten weltkrieg erstmal ziemlich "abgestürtzt".
also wenn deutsche meinen sie wären deutscher als ich find ichs ok, aber wenn sie meinen sie wären was besseres, dann finde ich das zum kotzen.
die welt läuft wie sie läuft aber ich bin kein koreaner oder deutscher, nach den mastäben der "normalen" gesellschaft, aber ich bin ein mensch und ich glaube ich bin auch glücklich wenn ich ohne Land-zugehörigkeit mein leben bestreite. das ich nen deutschen pass bekommen habe ist für mich schicksal, aber kein statussymbol.
grüße!
22.01.2008 18:30 Uhr