Politik
Wer bewacht die Wächter?
26.07.2005 12:50 Uhr
Im Angesicht der Terrorbedrohung wollen wir beschützt, bewacht werden. Doch wer bewacht diese, unsere Beschützer aus Politik, Polizei und Militär?
Mittlerweile hat es dieser Ausspruch zu großer Beliebtheit gebracht, vor allem wenn es um den Themenbereich Bürgerrechte oder speziell um Überwachung ging. Wenn in der Innenstadt oder in der U-Bahn Überwachungskameras aufgestellt wurden, als die Telekommunikationsüberwachungsverordnung Anfang des Jahres in Kraft trat, oder seit Schily unsere Fingerabdrücke in den Pässe sehen will: Immer wurde „1984“ oder „Brave New World“ als Schreckensvision herangezogen. Auf der Gegenseite wurde dann ebenso reflexartig der globale Terrorismus oder auch „nur“ der Vorstadtvergewaltiger oder Kinderschänder als Grund genannt. Es ging immer weiter, immer hat es der gemeine Bürger nach kurzem Murren geschluckt und schnell vergessen. Im Grunde ging es ja nur um ein paar Fotos und Textnachrichten, außerdem hatte man ja sowieso nichts zu verbergen.
Spätestens seit letzter Woche hat die Debatte jedoch deutlich an Kontur gewonnen. Die Kontur in Form eines Fotos eines jungen Brasillianers, der vor der englischen Polizei in eine U-Bahn geflüchtet war und dort wegen Terrorverdachts mit acht Schüssen getötet wurde. Mit ausdrücklicher Billigung einer Art „Lizenz zum Töten“ im Extremfall. Auch in Deutschland darf seit jüngerer Zeit bei begründetem Verdacht eine Passagiermaschine von der Bundeswehr vom Himmel geholt werden, wenn der Verteidigungsminister dies aus begründetem Terrorverdacht anordnet. Die Polizei darf in Deutschland in einigen Bundesländern den „finalen Rettungsschuss“ anwenden, wenn es in den Augen der Beamten keinen anderen Ausweg gibt, um das Leben einer bedrohten Person zu retten. Überall steckt das gleiche Konzept dahinter: Töten von Menschen aus einer Abwägungsentscheidung heraus, meist unter sehr großem Stress gefällt.
Jetzt kam es letzte Woche zu solch einer Abwägung in England und ein Unschuldiger hat dran glauben müssen, weil er vor der Polizei davongelaufen ist. Man entschuldigt sich zwar in aller Form bei den Angehörigen, die Direktive, im Zweifel abzudrücken, hält man aber im Angesicht des Terrorismus für richtig. Wieder der Terrorismus als einzige Argumentationslinie, gleichsam als finale Beantwortung aller offenen Fragen. Doch welchen Preis bezahlen wir im Endeffekt hierfür, wer muss ihn überhaupt bezahlen?
Zunächst einmal sind hier die Beamten, die psychisch mit ihrer Entscheidung fertig werden müssen, auf der anderen Seite ein toter Unschuldiger mit seinen Angehörigen. Über alldem „schwebt“ die allgegenwärtige Angst vor Terrorismus und neuen Anschlägen bei denen wieder Dutzende ebenso Unschuldiger ums Leben kommen sowie die Einschränkung von Demokratie und Bürgerrechten, um diesem Übel beizukommen. Im Endeffekt sind es also wirklich wir alle, die diesen Preis bezahlen. Bloß muss der so hoch sein, dass wir dulden, dass der Staat jetzt ohne ordentliches Gerichtsverfahren, ohne eine „Wächterinstanz“ Menschen umbringen darf? (Vom Verbot der Todesstrafe mal abgesehen)
So psychologisch schlimm solch ein Anschlag auch ist, in Deutschland kommen an einem Tag doppelt so viele Menschen durch Alkohol ums Leben als durch die Anschläge in London, in einer halben Woche trifft es die gleiche Zahl im Straßenverkehr. Diese Menschen sind ebenso unschuldig und jedes einzelne Schicksal genauso tragisch. Dennoch höre ich keinen Aufschrei durchs Land gehen. Ich höre keine Politiker in Sonntagsreden die flächendeckende Überwachung von Autofahrern oder eine zentrale Biertrinkerdatenbank fordern. Ganz einfach deshalb, weil jeder weiß, dass man diesem Übel auf andere Weise beikommen muss. Nur bei einer Sache setzen wir unseren gesunden Menschenverstand außer Kraft: Sobald Wörter wie Anschlag oder auch nur Islamismus fallen. Mit gleichen Maßstäben gedacht, ist die ganze Terrorangst somit zumindest in Europa und den USA eine wahnsinnig überspitzte Paranoia, die es den Politikern Schritt für Schritt erlaubt, immer mehr Schutzfunktionen der Bürger vor dem Staat abzubauen und sich in Richtung Polizeistaat zu entwickeln. Die nächsten Forderungen liegen schon auf dem Tisch, die Union will beispielsweise Bundeswehrsoldaten wahrscheinlich mit dem Maschinengewehr im Anschlag in den Städten patrouillieren lassen.
Schon die Aufweichung der Privatsphäre, ein vom Grundgesetz garantiertes Recht, war und ist kaum hinzunehmen. Spätestens jetzt, wo es darum geht, irrwitzige Präventionseinsätze ohne wirkliche Rechtfertigung salonfähig zu machen, ist die Grenze überschritten, wo es endgültig in die falsche Richtung geht. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Entwicklungen noch aufgehalten werden können, können und vor allem wollen wir rechtsstaatliche Wächterinstanzen noch bewahren? Ich bin der festen Überzeugung, dass nur diese uns wirklich dauerhaft vor dem Terror beschützen können. Andernfalls siegt die Paranoia über das Recht, es siegt der Terrorismus über die Freiheit und Demokratie.




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SirLancelot
RE: Wer bewacht die Wächter?Das ist genau meine Meinung!
Ich möchte auch nicht wissen, wieviele Unschuldige im Irak oder in Afghanistan von den westlichen "Befreiern" irrtümlich getötet worden sind.
Die Hysterie vor dem Terror wird allerdings planmäßig geschürt, da man nur so einschneidende Gesetze nur durchsetzen kann.
26.07.2005 13:22 Uhr
Flux
RE: Wer bewacht die Wächter?...is mir auch ein Rätsel, wie man immer noch glauben kann, man könne durch noch rigoroseren Einsatz von - im schlimmsten Fall tödlicher - (Staats-)Gewalt auch nur einen Anschlag wirklich verhindern.
Das Beispiel Israel zeigt doch schon seit Jahren: Schlägt man der Hydra einen Kopf ab, wachsen an selber Stelle 10 neue.
26.07.2005 14:20 Uhr
missbodensee
RE: Wer bewacht die Wächter?...kann deinen gedankengang sehr gut nachvollziehen...vor allem die überschrift...mein onkel gehört zur personenschutztruppe von unserem derzeitigen bundeskanzler...muss überall mit ihm hinreisen, damit ihm ja kein haar gekrümmt wird...aber wer beschützt ihn, wenn er bedroht wird? sein leben ist dann vollkommen unwichtig im gegensatz zu dem des bundeskanzlers...ein leben steht über dem eines anderen...kann das sein? kann es sowas geben? ja, mitten in deutschland...!
26.07.2005 14:24 Uhr
Flux
RE: Wer bewacht die Wächter?Gehts nich vielmehr darum, wer unsere 'Beschützer' ÜBERwacht? Darauf achtet, daß unsere rechtsstaatlichen Grundlagen nicht zu totbewacht werden?
26.07.2005 14:31 Uhr
missbodensee
RE: Wer bewacht die Wächter?ja...
26.07.2005 20:02 Uhr
Flux
RE: Wer bewacht die Wächter?mein ich doch... *klugscheiß* :o)
27.07.2005 00:13 Uhr
surflehrer
RE: Wer bewacht die Wächter?Hauptsache, die Polizei und der BND werden nicht (mehr oder weniger) zusammengelegt wie letzlich von einer aufstrebenden Partei verlangt. Ne Gestapo hatten wir nämlich schonmal.
26.07.2005 14:26 Uhr
CoDoWo
RE: Wer bewacht die Wächter?Informiere dich bitte über die Zusammenhänge in England. Die BBC Seite ist eine gute Quelle. Der Verdächtige wurde von der Polizei gestellt und ist weggerannt wegen eines abgelaufenen Visums.....In die Metro!!! Mit einer dicken Jacke.....ich bezweifel nicht, dass es schlimm ist, dass ein Unschuldiger sterben musste. Aber wie dämlich ist es vor der Polizei in einer solchen Zeit zu fliehen und dann noch in die Metro.....ich lebe in England und kann somit die Situation ganz gut einschätzen. Die Täter der zweiten Anschlagswelle sind noch frei und man fürchtet Anschläge jeden Tag.
Es ist tragisch aber die Schuld nur bei der Polizei zu suchen ist einfach dumm.
26.07.2005 15:18 Uhr
Ygriega
RE: Wer bewacht die Wächter?Das mit dem Visum ist mir bekannt, das stand auch auf den deutschen Seiten.
Zur Veranschaulichung des Problems mal ein Beispiel: Du lebst in England, ich lebe in Madrid. Hier sind letztes Jahr knapp 200 Menschen bei ähnlichen Bombenanschlägen ums Leben gekommen, die ETA verübt laufend Anschläge.
Wenn die Spanier ähnlich paranoid wären, dann müsste ich deiner Logik nach also aufpassen, dass ich besser mit meinem Rucksack nicht mehr in die abfahrbereite Metro spurte, wenn zufällig hinter mir ein paar Sicherheitsleute auch die Treppe runtergespurtet kommen und ich ihr wahres Anliegen nicht verstehe. Fertig wäre dann das Missverständnis und ich hätte 8 Kugeln im Kopf, weil ich ja so nen großen Rucksack dabei habe, in dem ne Bombe versteckt gewesen sein könnte. Meine Familie würde schöne Kondolenztelegramme bekommen und ich bräuchte mir um alles Irdische keine Sorgen mehr machen.
Leute, mit dem Leben spielt man nicht. Menschen reagieren nunmal irrational, vor allem in Stresssituationen. Und genau da brauche ich klare Anweisungen, die dafür sorgen, dass NICHT im Zweifel abgedrückt wird.
26.07.2005 21:09 Uhr
Splinter
RE: Wer bewacht die Wächter?Sehr richtig, das mal zu thematisieren. Die Anschläge in London und die erneute Sicherheitsdebatte zeigen nur die Perversion der Entwicklung zur Gewaltbereitschaft auf allen Seiten. Die Frage entgültig zu klären, was die tatsächlichen Motive des Terrorismus sind und wie dagegen ohne Waffengewalt vorgegangen werden kann, sehe ich mich nicht in der Lage. Ich befürworte keinerlei Militärschläge, sehe aber auch die Notwendigkeit, dass demokratische Gesellschaft sich zum einen intellektuell - längerfristig - als auch gesellschaftspolitis ch präsent - kurzfristig - mit dem Thema auseinandersetzen.
An 1984 musste auch ich denken.
@CoDoWo: Ich bin ebenfalls keine Freund singulärer Erklärungen oder Schuldzuweisungen. Die individuellen Polizisten hatten nach meiner Information nach israelischem Vorbild die Anweisung, Verdächtige tatsächlich gezielt zu töten. Wenn der Mann nun wahrhaftig ein Bombenattentäter gewesen wäre, hätte er bei Schüssen in seine Beine die Bombe noch zünden und viele Menschen in den Tod reißen können. De Facto war er keiner, das ist der Haken. Ich befürchte, dass wir uns in solchen Extremsituationen in Rechtsfreiem Raum bewegen, weil es doch am Gefühl des Polizisten hängt, wie die Situation endet. Schwierig.
Was ich zur konkreten Situation allerdings noch loswerden möchte: Würde ich am Bahnsteig von Zivilpolizisten angesprochen, bekäme ich es vielleicht auch mit der Angst zu tun. Sicher, die Reaktion, einfach wegzulaufen, war äußerst unüberlegt, aber wo soll das enden? Wenn ich vor der Polizei weglaufe und einen Mantel trage, werde ich unter ungünstigen Umständen einfach erschossen?
Meiner Ansicht nach ist die Anweisung zur Tötung abartig. Keinen Deut besser als das, was die Terroristen tun. Warum werden keine Betäubungsmittel eingesetzt??
26.07.2005 15:28 Uhr
SisterofEvil
RE: Wer bewacht die Wächter?Auch mit dem Einsatz von nicht-tödlichen Waffen hätte man die 8[sic!] Schüsse sicher vermeiden können, Ansonsten ist es ein Unsinn zu glauben, die Freiheit in der realen Welt sei einzuschränken, um sowas zu verhindern. Wer Mist bauen will, macht es einfach und findet IMMER Mittel und Wege, das durchzuführen. Da gibts eine menge anderer Ideen, terror zu verhindern, nur das die mehr Grips erfordern würden.
Die Freiheit der virtuellen Welt ist bis heute lachhaft, denn nur die wenigsten wissen, wie sie im Internet surfen können und eine einzige Spur zu hinterlassen. Macs haben mit der Network Utility ein Tool eingebaut, mit dem man Sites pingen und jede Menge anderer Informationen in Sekunden beschaffen kann. Der Staat will jetzt einen Datenwust aus Verbindungsdaten etc. aufbauen für den Fall der Fälle? (Wie lange er da wohl suchen muß, um was zu finden...) Wieviele andere Firmen oder Privatpersonen haben den ganzen Kram denn heute schon gespeichert?
26.07.2005 16:26 Uhr
CoDoWo
RE: Wer bewacht die Wächter?@Splinter
Ich bin Deiner Meinung, dass man natürlich aufpassen muß wohin so etwas führt. Wir wollen keinen rechtsfreien Raum in dem die Polizei wahllos Menschen erschiesst.
ABER: die Anweisung auf Selbstmordattentäter zu schiessen halte ich für vollkommen legitim..wie du schon sagtest.. da diese Menschen Sprengstoff am Körper tragen, kann man nicht auf den Körper zielen. Auch Arme und Beine sind nicht wirkungsvoll, da der Täter die Bombe trotzdem noch zünden kann. Bleibt der Kopf.
In solchen Situationen sollte allerdings 100%ige Sicherheit herrschen, dass dieser Mann auch ein Selbstmordattentäter ist.
Nach meiner Einschätzung war es unüberlegt vor der Polizei zu flüchten (es waren auch uniformierte Polizisten an der Aktion beteiligt und der Mann wurde mehrere Blocks weit verfolgt und nicht am BAhnsteig angesprochen und sofort erschossen) und man kann von vielen verkettenden unglücklichen Zufällen sprechen.
P.S. Madrid ist echt ne richtig schöne Stadt.....hab mal in der Nähe der Puerta del Sol ein einhalb Monate gelebt....richtig geil!
27.07.2005 10:49 Uhr
Splinter
RE: Wer bewacht die Wächter?Stimme dir zu, aber 100% Sicherheit kann nicht gewonnen werden. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch ein Terrorist ist, wenn er mehrere Blocks rennt, statt die Bombe gleich in der Bahn zu zünden???
27.07.2005 15:14 Uhr
frikadelle
RE: Wer bewacht die Wächter?CoDoWo hat absolut recht, wobei es in england sowieso zuviel werbung fuer den terror gibt, man kann hier in vielen buchlaeden sachen kaufen, die den terror und selbstmordattentate befuerworten, man sollte da auch mal nen hebel ansetzen, es gibt hier zuviel verfuerung fuer liebaeugler...
stichwort polizeigewalt. die bullen im tommyland sind noch viel zu weich, sagt jedenfalls ein grossteil der bevoelkerung. bis zum 11.09. haben die nicht mal waffen tragen duerfen. und wenn dich typen mit maschinengewehren inmitten menschenmengen verfolgen laeufst du bestimmt nicht weg, wenn du nichts auf dem kerbholz hast. das wirkt doch grad verdaechtig.
klar das die brasilianische regierung ach so betroffen ist, in den favelas verrecken die kinder auf der strasse, aber wenn ein brasilianer in london umkommt ist das geschrei gross...
27.07.2005 11:43 Uhr
Splinter
RE: Wer bewacht die Wächter?Von der Befürtwortung von Zensur halte ich nichts. Eine Demokratie kann sich ideologisch nicht dadurch durchsetzen, dass sie Ansichten verbietet. Im Gegenteil. Wenn man mit Verboten dieser Art beginnt, spielt man den "Argumenten" der Verfassungsfeinde in die Hände!
Dass Du Brasilien selbst die Schuld an den sterbenden Kindern in den Slums zuschiebst, ist mehr als engstirnig. Es fehlen dort die wirtschaftlichen Mittel - und nicht nur der Wille - zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebenssituation der Menschen. Daran hat nicht zuletzt die westliche Welt Mitschuld. Am besten liest du ein Buch, dass über die negativen Aspekte der Globalisierung aufklärt. Beispielsweise: Global Brutal von Chossodovsky oder ein Buch von Chomsky. Ich bin kein Pauschal-Gegner der Globalisierung, aber was an Embargos und Weltbankschuldenanhä ufungsstra tegien zu Ungunsten der Dritten Welt läuft, hat mit freiem Markt längst nichts mehr zu tun.
27.07.2005 15:19 Uhr
Jollscherl
RE: Wer bewacht die Wächter?Ich würde mich auch wirklich nicht um so einen Job reißen. Und... Naja, gut, es wird dann argumentiert, dass auf den betroffenen Einsatzkräften ja unglaubliche psychische Lasten liegen, und dass da ja mal sein kann, dass einer überreagiert.
Aber... Ich weiß es nicht, was soll man da machen? Die Polizeibeamten strenger auswählen? Besser schulen? Menschliches versagen lässt sich wohl nie ausschließen. Auch nicht durch Überwachung und Kontrolle.
27.07.2005 14:12 Uhr
bleistift
RE: Wer bewacht die Wächter?jeder der hier watchmen gelesen hat bekommt tausend punkte von mir
27.07.2005 17:11 Uhr
hitsuji
RE: Wer bewacht die Wächter?zitat: "Macs haben mit der Network Utility ein Tool eingebaut, mit dem man Sites pingen und jede Menge anderer Informationen in Sekunden beschaffen kann."
oh nein! wir müssen dafür sorgen das kein terrorist einen mac in die hände bekommt!!! *lol*
28.07.2005 08:56 Uhr
kay
RE: Wer bewacht die Wächter?was wird das hier so hochgespielt? der brasilianer hat halt pech gehabt. bzw hat den unfall provoziert, wenn er vor der polizei wegrennt. das passiert täglich und läßt sich auch nicht vermeiden. wieviele leute sind schon opfer von arbeitsunfällen geworden. gerade bei der verbrechensbekämpfun g. deshalb muß man ja nicht gleich diese abschaffen.
mal angenommen, der brasilianer wäre doch der terrorist gewesen, die brave deutsche poizri hätte ihn nicht erschossen und die bobme wäre inder vollbesetzten u-bahn explodiert?
daß deutsche auch terrorverdächtige freigelassen haben, wie neulich erst, wird sich schon rächen, wenn dieser erst ein attentat verübt haben wird. dann will es auch wieder keiner gewesen sein.
28.07.2005 10:13 Uhr
kay
RE: Wer bewacht die Wächter?und noch was. diese typisxh deutsche paragraphenreiterin, um ja keine verantwortung zu übernehmen ist saudumm. ein gesetz kann nicht 1:1 jeden fall abdecken. dafür ist die welt zu komplex. würde es mehr ermessensspielräume geben, würen so manche dinge besser funktionieren.
28.07.2005 10:20 Uhr
mrlondon
RE: Wer bewacht die Wächter?....und wer hat daran schuld, dass sich Hinz und Kunz auf der ganzen Welt darüber aufregen, dass Scotland Yard nen falschen erschossen hat? Zeitung, Fernsehen, Radio.... Wenn das Fernsehen täglich Bilder von irgendwelchen 1000enden von Kindern, die in Afrika in Aids sterben zeigen würden, würde sich auch keiner über einen (1!!!!!!!) unschuldig erschossenen Brasilianer aufregen. Die Polizei war gut auf die Anschläge in London vorbereitet, hey, am 7.7. sind "nur" 56 Menschen umgekommen.... Es hätten 100e, 1000e werden können, jeden Tag fahren 3 Mio. Leute mit der U-Bahn in London (also fast so viele Leute wie in Berlin wohnen !!!!). Und dann regt man sich darüber auf, dass die ja einen unschuldigen erschossen haben, der vor der Polizei wegrennt, weil er kein Visum hat???? Lasst ma die Latten am Zaun!
28.07.2005 10:54 Uhr
CoDoWo
RE: Wer bewacht die Wächter?@Splinter:
Brasilien hat doch kein Armutsproblem.....Br asilien hat ein Verteilungsproblem. In diesem Land ist genug Geld vorhanden, dass alle Menschen dort einen ausreichenden Lebenssatndard geniessen könnten. Aber das ist ja auch nicht das Thema.......anstatt sich über den erschossenen Brasilianer aufzuregen, sollte man sich über das weltweite Versagen aller Industrie- und Schwellenländer in Niger hinweisen. Fast die gesamte Ernte wurde vor einem halben Jahr von Heuschrecken vernichtet und man hätte genug Zeit gehabt Hilfe zu senden. Jetzt zu einem Zeitpunkt an dem Kinder verhungern schicken die Franzosen und auch unsere liebe Entwicklungsminister in medienwirksam 2-3 Flugzeugladungen voll mit Essen und spielen sich als Gutmenschen auf. Sie haben versagt und sollten zurücktreten........ ....die Medien haben auch nichts berichtet, weil man ja die Tsunami geschichte noch hatte.........es ist wirklich furchtbar.......man könnte kotzen!!!!
28.07.2005 12:15 Uhr
mrlondon
RE: Wer bewacht die Wächter?ja, das stimmt.. neulich kam bei der Tagesschau ein bericht über die Lage da, nur leider zu spät... weil jez sterben da schon mega viele leute am tag, weil irgendwelche leute mal versagt haben. das ist so ekelig, da sind so kleine kinder, die soooo dünn sind... und das ganze wasser da ist natürlich dreckig...
28.07.2005 12:41 Uhr
phili
RE: Wer bewacht die Wächter?Die Superwächter, ist doch klar.
29.07.2005 09:49 Uhr
stitch007
RE: Wer bewacht die Wächter?Hervorragend! Endlich mal jemand, der das Kind beim Namen nennt!
Diese Hexenjagd unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung artet immer mehr in staatlichen Terror gegen die bürgerliche Demokratie aus! Plötzlich ist beinahe jede Form der Einschränkung der im Grundgessetz verankerten Bürgerrechte legithim! In kleinen Häppchen serviert, fällt sie dem Pöbe ja nicht auf!
Wir leben längst mit einem Monster. Nur das dass Monster nicht Terror, sondern Überwachungsstaat heißt! Die ist eine Entwicklungm die mir Angst macht! 1989 konnten wir ein ähnliches und vielleicht nur weiter entwickeltes System kippen. Allerdeings hatte dieses 40 Jahre Zeit sich zu entwickeln. -Wie wollen wir der aktuellen Entwicklung entgegenwirken?
Ich bin mittlerweile der medialen BErichterstattung gegenüber, mit all ihren abgedroschenen Phrasen des Terrors und des Kampfes gegen jenen, mehr als nur mistrauisch gegenüber eingestellt. Irgendwas stinkt hier und wir sind auf dem besten Wege genau dahin, wo uns mögliche Terroristen aus welchem Lager auch immer sie kommen mögen, haben wollen! -Ein eingeschüchtertes, eingeschränktes Volk, dass seine Wächter anhimmelt!
31.07.2005 09:20 Uhr
stitch007
RE: Wer bewacht die Wächter?Sch*** Tippfehler...Grummel ... NAtürlich muss es der Pöbel und Dies ist eine Entwiclung...blablab la... Sorry. :o(
31.07.2005 09:26 Uhr
2laky
RE: Wer bewacht die Wächter?diese ganze terrorhysterie ist doch schwachsinn, kostet nur geld und bringt nichts.
den menschen wird zu unrecht eingeredet, das terror ne ernstzunehmende gefahrenquelle wäre.
dabei taucht diese ursache für tod und verletzung in der statistik nur unter "ferner liefen" auf.
natürlich ist es schlimm, wenn menschen sterben, aber der unterschied , zwischen einem bedrunkenen autofahrer und einem religiös vernebelten bomber ist nur fiktion, beides folgen von drogenkonsum.
natürlich sollte man drauf achten, das der terror nicht außer kontrolle gerät, und nicht abc-waffen zum einsatz kommen, aber dazu muss man nicht die persönliche freiheit opfern.
tatsache ist doch, das der terror nur dann gewinnt, wenn wir ihm die arbeit abnehmen. terroristen können einen westlichen staat nicht zerstöhren! niemals, selbst wenn er atommeiler in die luft sprengt und antrax mit flugzeugen versprüht! aber er kann angst schühren und den staat dazu bringen sich zu verändern, und plötzlich ist aus einem liberalen staat ein polizeistaat geworden, in dem freiheit nur noch eine behauptung ist. aber mit so einer entwicklung hat der terror nichts zu tun, sondern nur mit dummer angst, und davon haben wir schon mehr als wir gebrauchen können.
wenn die menschen sich nicht so leicht einschüchtern lassen würden, könnte auch der medienapparat, der am rudern ist, nicht die stimmung erzeugen, die die entwicklung zum polizeistaat erst möglich macht.
weniger angst sollte die forderung heisen, man sollte über das lächerliche unterfangen der terroristen lachen, weil es nur so auch wirklich eine sissiphusaufgabe sein wird, die sie sich gestellt haben.
31.07.2005 09:54 Uhr
Plautzi
RE: Wer bewacht die Wächter?Zunächst möchte ich dir für deinen Text danken. Du bringst ein schwieriges Thema zur Sprache.
Ich habe dazu allerdings einige Anmerkungen, bzw. Fragen:
>>Die Polizei darf in Deutschland in einigen Bundesländern den „finalen Rettungsschuss“ anwenden, wenn es in den Augen der Beamten keinen anderen Ausweg gibt, um das Leben einer bedrohten Person zu retten. Überall steckt das gleiche Konzept dahinter: Töten von Menschen aus einer Abwägungsentscheidun g heraus, meist unter sehr großem Stress gefällt.<<
Nun, diese Regelung ist nicht neu. Ausschlaggebend ist, daß wenn der tödlich wirkende Schuß zur Anwendung kommt, der ausführende Beamte eine Rechtssicherheit hat und nicht im Nachhinein noch zusätzlich durch ein Gerichtsverfahren belastet wird.
Ferner wird der "finale Rettungsschuß" durch den Einsatzleiter angeordnet, der ausführende Beamte trifft diese Entscheidung nicht.
>>Spätestens jetzt, wo es darum geht, irrwitzige Präventionseinsätze ohne wirkliche Rechtfertigung salonfähig zu machen, ist die Grenze überschritten, wo es endgültig in die falsche Richtung geht.<<
Da kann ich dir nicht ganz folgen. Bislang war dein Text sehr gut, inhaltlich schlüssig und durchdacht. Nun gleitest du leider ins populistische ab. Welche Präventionseinsätze meinst du denn jetzt.
Gerade letzte Woche hat das Bundesverfassungsger icht z.B. die Hürden für das Abhören des gesprochenen Wortes sehr in seine Grenzen verwiesen.
Der Einsatz der Bundeswehr im Landesinnern bedarf einer Grundgesetzänderung mit einer 2/3 Mehrheit. Ich glaube, das Szenario, wie im Film "Ausnahmezustand" wird hier nicht eintreten.
>> Ich bin der festen Überzeugung, dass nur diese uns wirklich dauerhaft vor dem Terror beschützen können. Andernfalls siegt die Paranoia über das Recht, es siegt der Terrorismus über die Freiheit und Demokratie.<<< br />
Hier verstehe ich den Zusammenhang nicht. Was schützt uns nun genau vor dem Terror?
Welchen Terror meinst du jetzt, den islamitischen oder den "staatlichen"?
Ich denke, dass wir in der jetzigen Zeit einfach wachsam sein müssen und das bislang geltende Recht auch nutzen sollten, z.B. Ausweisung radikaler Hassprediger.
Wichtig ist vor allem doch eines, dass wir uns von diesen Wahnsinnigen nicht unser Leben diktieren lassen!
31.07.2005 12:46 Uhr
Ygriega
RE: Wer bewacht die Wächter?Hey, ebenfalls danke für deine Anmerkungen!
Zu deinen Fragen/Anmerkungen: Dass der Einsatzleiter den "Rettungsschuss" anordnet, war mir so nicht bekannt, danke hier für den Hinweis. Jedoch stelle ich mir die Frage, ob dieser nicht genauso eine Abwägungsentscheidun g aus Stress heraus treffen muss. Das macht es (leider) nicht besser.
Mit Präventionseinsätzen war so ziemlich alles gemeint, was erstens der Staat aufgrund eines wagen Verdachts heraus unternimmt, ohne dass vorher ein ordentliches Gerichtsverfahren stattgefunden hätte, oder eben zweitens was der Staat aufgrund des Terrorarguments alles an Einschränkungen der Bürgerrechte durchsetzt. Beispiele: Datensammlungen, Zwangserhebung biometrischer Daten, weitgehende Überwachungsbefugnis se für Geheimdienste ohne Kontrolle, Erlaubnis der Handy-Ortung, Abschiebung "auf Verdacht" usw. Das waren nur die Sachen in Deutschland.
Das Urteil des Verfassungsgerichts in Sachen Lauschangriff habe ich sehr erleichtert aufgenommen. Es kam leider nach der Veröffentlichung des Artikels. Sonst wäre es ein klasse Beispiel dafür gewesen, warum wir die Justiz als dritte Säule in Sachen Gewaltenteilung brauchen und wir alles unternehmen müssen, damit diese nicht weiter unter dem Argument der "Entbürokratisierung " ausgehöhlt wird.
In der SPD wird seit letzter Woche auch mehr oder weniger laut über Bundeswehreinsätze im Innern nachgedacht. Zusammen mit der Union ist da ganz schnell eine 2/3-Mehrheit zusammen.
Zum letzten Absatz: Ein funktionierender Rechtsstaat mit funktionierenden drei Säulen (Stichwort: Gewaltenteilung) ist die einzige Instanz, die uns dauerhaft vor jeglichem Terror schützt. Terror ist Terror, ich mache hier keinen Unterschied, ob der jetzt von Islamisten, von Nazis, oder von der Politik (z.B. Menschenrechtsverlet zungen -> Guantanamo) selber kommt. Wenn eine Säule zu mächtig wird (in diesem Fall die Exekutive), dann öffnet es dem Terror von allen Seiten Tür und Tor.
01.08.2005 15:37 Uhr
Plautzi
RE: Wer bewacht die Wächter?>>Mit Präventionseinsätzen war so ziemlich alles gemeint, was erstens der Staat aufgrund eines wagen Verdachts heraus unternimmt, ohne dass vorher ein ordentliches Gerichtsverfahren stattgefunden hätte, oder eben zweitens was der Staat aufgrund des Terrorarguments alles an Einschränkungen der Bürgerrechte durchsetzt. Beispiele: Datensammlungen, Zwangserhebung biometrischer Daten, weitgehende Überwachungsbefugnis se für Geheimdienste ohne Kontrolle, Erlaubnis der Handy-Ortung, Abschiebung "auf Verdacht" usw. Das waren nur die Sachen in Deutschland. <<
Nun, bei Selbstmordattentäter n gibt es keine Gerichtsverhandling mehr.
Was die biometrischen Daten angeht, nun, wenn du noch bis Oktober einen Ausweis/Reisepass beantragst, bekommst du noch einen "alter" Machart.
Datensammlung: was mir persönlich wesentlich mehr angst macht, ist wie die Wirtschaft unsere Daten sammelt. Ich habe deswegen ganz bewußt keine PayBack-Karte und zahle auch meistens bar, da ich keine Lust habe, mir meinen Briefkasten mit "kundenoptimierter Werbung" zumüllen zu lasssen. Hier wird der Datenschutz mit Füßen getreten. Die staatliche Datenerhebung (die eine der transparentesten der Welt ist) hat ja nicht die Aufgabe, jeden zu überwachen, sondern im Falle (natürlich zu spät) den Täterkreis einzugrenzen. Hierbei gilt eher das Ausschlussverfahren.
>>Zum letzten Absatz: Ein funktionierender Rechtsstaat mit funktionierenden drei Säulen (Stichwort: Gewaltenteilung) ist die einzige Instanz, die uns dauerhaft vor jeglichem Terror schützt. Terror ist Terror, ich mache hier keinen Unterschied, ob der jetzt von Islamisten, von Nazis, oder von der Politik (z.B. Menschenrechtsverlet zungen -> Guantanamo) selber kommt. Wenn eine Säule zu mächtig wird (in diesem Fall die Exekutive), dann öffnet es dem Terror von allen Seiten Tür und Tor. <<
Jippiie, einer der es verstanden hat.
Aber in den USA gilt dieses Prinzip ja auch, Guantanamo ist UNRECHT, das hat der Superiour Court ja auch so gesehen. Da schert sich nur keiner drum...
Ich denke nicht, nein, ich bin der festen Überzeugung, dass derartiges in Deutschland nicht möglich wäre, da unser System der gegenseitigen Kontrolle hier greift. (Und das sage ich nicht nur, weil ich einen Eid auf dieses Land geleistet habe)!
Welche Exekutive meinst du denn? in den USA, oder in der BRD?
Auch vergißt du, dass die Exekutive nur die Gesetze der Judikative "durchsetzt" (was der Name ja schon sagt.
Ich verstehe, was du damit sagen willst, aber tu dir selbst den Gefallen, und vergewissere dich nochmalig der Rechtsnormen.
Wieder zurück zum Thema, ich denke, dass der Terrorismus uns noch eine ganze Weile beleiten wird und wir erst am Anfang dieser Epoche der sozialen/religiösen/ wirtschaft lichen/kulturellen Umbrüche stehen...
01.08.2005 16:00 Uhr
Ygriega
RE: Wer bewacht die Wächter?Also noch kurz die Antwort, bevor ich endgueltig in den Urlaub starte. ;-)
Meinen Pass habe ich erneuert, der gilt leider fuer unter 26-jaehrige nur 5 Jahre, ergo: Ich darf bald meine Fingerabdruecke abgeben.
Vor diesen Kundenkarten habe ich auch weiten Abstand genommen, eben aus den gleichen Gruenden wie du.
Die Datenerhebung der jeweiligen Staaten ist transparent? Glaubst du vielleicht, ich moechte nicht wissen, was der BND alles schon gesammelt hat, aber klar, ist ja alles nur um den Taeterkreis einzugrenzen.
In Sachen Exektutive kannst du gerne beide oder auch noch mehr Laender angesprochen fuehlen. In den USA ist es heftiger, wir sind aber auf dem besten Weg...
Ach ja: Die Judikative habe ich nicht vergessen, von der war die ganze Zeit die Rede (Bundesverfassungsge richt usw.). Was du meinst, ist die Legislative, also bei uns Bundestag und Bundesrat. Ein Blick auf Wikipedia wird dir das bestaetigen. Meine Empfehlung: Vorher nachschauen! ;-)
03.08.2005 13:28 Uhr