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Tod und Nacht in den Anden

26.11.2007 10:43 Uhr

Phantasiegenährte Sorgen, die Reisevorbereitungen in fremde Länder begleiten, sind meistens unberechtigt. Doch manchmal ist das Grauen unausmalbar...

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Zwischen Ayacucho, einem bezaubernden kleinen Bergstädtchen ohne großer touristischer Infrastruktur, und Cuzco, dem pittoresken Mekka aller Perureisender lag eine unvermeidbare 22-stündige Busfahrt über unasphaltierte Andenstrassen. Also hieß es: nicht lange mit dem Schicksal hadern, Pomuskulatur noch ein letztes Mal gelockert und hinein in den Bus-Spaß! Los ging die (Tor)tour um 19.30 Uhr und zu dieser Zeit ist in den peruanischen Anden bereits seit einer Stunde stockfinster. Mich trieb schon zu Beginn der Fahrt die Sorge um unsere Rucksäcke im Kofferraum des Busses um, weil des Öfteren scheinbar finstere Gestalten mitten im Nirgendwo ein- und ausstiegen, keine Sitzplätze hatten, sondern im Gang standen und mal ein Huhn, mal ein Zicklein mit sich führten. Da hätte sich schnell jemand unten die Gepäckluke öffnen lassen können und - hätten wir nicht gesehen! - wäre der Langfinger mit unseren Sachen in der Nacht verschwunden. Gemessen an den mitleidserregenden Behausungen, die der Bus passierte, hätte man dem potenziellen Dieb seinen Diebstahl nicht einmal verübeln können. Einige Vorsichtige kaufen sich für ihr Gepäck sogar einen zweiten Sitzplatz. Auch die Strasse ist alles andere als vertrauenswürdig: Eine Schotterpiste, die sich in Serpentinen durch das Hochgebirge windet und eigentlich nur Platz für ein Fahrzeug bietet (beliebt: Straßensperren mit Überfällen). Gegenverkehr wird durch Hupen vor Kurven über die eigene Existenz in Kenntnis gesetzt.

Aber zurück zum Tod in den Anden: Die Fahrt vernahm also ihren - für Peruaner garantiert geregelten - Verlauf. Ungefähr gegen Mitternacht wurden dann alle zum Freiluftpinkeln nach draußen gelassen, nur fünf Minuten hinaus in die Kälte und dann weiter. Die Tür schließt sich, der Bus fährt los und kurz darauf erhebt sich ein Geschrei im Bus: "Es fehlt einer!". Der durch eine verschlossene Tür von den Fahrgästen getrennte Busfahrer reagierte nicht. Schließlich hielt der Bus doch und aufgeregt sprangen einige Männer hinaus. Als sie zurückkamen, bekreuzigten sie sich und setzten uns übrige Passagiere ins Bild. Peruaner neigen offenkundig zu detaillierten, ausgeschmückten und vielleicht auch übertrieben Erzählungen und so ereignete es sich zum ersten Mal, dass ich mir wünschte, kein Spanisch zu können. Hier nur eine nüchterne Kurzfassung: Der bei der Pinkelpause vergessene Fahrgast war in absoluter Dunkelheit, und vermutlich in Panik, hinter dem Bus her und geradezu in den Abgrund gerannt, der auf der selben Strasse, nur eine Etage tiefer, endete. Blutüberströmt und... lag er nun, kaum noch lebend, vor unserem Bus, der diese Straße hinunter gefahren war. Mitten in den Anden die Polizei oder einen Krankenwagen alarmieren? Unmöglich. So wurde der Schwerstverletzte, nach einigem Hin und Her, kurzer Hand in dem Ruheraum für den Busfahrer, der sich im Kofferraum befand, gelegt und wir fuhren zum nächsten Krankenhaus. Auf dieser sicherlich noch einmal zweistündigen Fahrt ist der Verunglückte, der mit seinem Cousin reiste, dann verstorben. Am Krankenhaus angelangt mussten wir eine weitere gute Stunde auf die Polizei warten, die dann verschiedene Zeugenaussagen zu Protokoll nahm. Die restlichen vierzehn Stunden verliefen jedoch ohne nennenswerte Zwischenfälle: Ein Reisbus ohne jegliche Federung, unasphaltierte Strassen, kein Platz für die Beine, fliegende Händler fahren ein Stück mit, um ihre Köstlichkeiten zu verkaufen, unbegreiflich ärmliche Dörfer und unbegreiflich wunderbare Berge ziehen draußen vorbei.

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BugBanana

RE: Tot und Nacht in den Anden

Oh Gott, das muss sicher ein schlimmes Erlebnis gewesen sein!
Ich bin bei Bustouren in den Anden und in anderen Gebirgszügen in Argentinien auch öfters ins Schwitzen gekommen und habe mich gefragt, wie es geht, dass gemessen an der Anzahl der Fahrten und den unmöglichen Zuständen der Busse so wenig (relativ gesehen) passiert. Man steigt da einfach mit ein, weils jeder tut, und weils die einzige Möglichkeit ist, ans Ziel zu kommen. Auch weil man diese Fahrt und dieses Abenteuer durchmachen WILL.
EInmal musste ich mit meinem Freund aussteigen, mitten in den Bergen. Der Bus hatte keine funktionsfähigen Bremsen mehr (bei der Abfahrt!!!). Die Hälfte der Mitreisenden (über 60 Personen in einem für 32 Personen ausgelegten Bus) hat wild rumgeschrien und den Busfahrer dann dazu gebracht, anzuhalten! Dieser wollte erst garnichts davon wissen, aber als man das Eisenknirschen der nicht mehr vorhandenen Bremsen hörte und es stark nach Verbranntem rpch, musste er stoppen. WIr sind dann mit der Hälfte der Mitreisenden ausgestiegen, die anderen sind weitergefahren.
Nach Stunden des Wanderns Bergab, holte uns schließlich ein anderer Bus ab.

19.07.2006 21:00 Uhr



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