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Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

09.09.2004 13:13 Uhr

Eines ist klar: der moderne Dandy ist metrosexuell, aber nicht jeder Metrosexuelle ist Dandy.

von refuse

Der Dandy will Revolte, der Metrosexuelle will Spaß.

Die Medien haben einen neuen Typ Mann kreiert: den Metrosexuellen, als dessen Prototyp immer wieder David Beckham genannt wird. Mir begegnete der Begriff zuerst im Gespräch mit Freunden und meine erste Reaktion war: „Metro-was?!“ Dann tauchte das Phänomen plötzlich überall auf: im Fernsehen, in Zeitschriften, in Gesprächen. Letztlich fiel mir sogar ein Buch zum Thema in die Hände. Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: die Metrosexuellen verkörpern die moderne Form des Dandys.

Was aber bedeutet metrosexuell oder anders gefragt: Wer ist metrosexuell? Der Begriff wird zunächst einmal nur auf Männer angewandt. Diese sind mode- und körperbewusst, leben in urbanen Zentren, sind Trend- und Jetsetter, sind nicht zwingend homosexuell auch wenn sie so erscheinen, haben Sinn für Ästhetik und einen ausgeprägten Hang zur Selbstinszenierung. Der metrosexuelle Lifestyle ist durchaus kostspielig, dementsprechend sind die meisten Metrosexuellen häufig Ikonen der Popkultur: Neben David Beckham gelten Justin Timberlake, David Bowie, Neil Hannon und Morrissey als metrosexuell.

Den Typ Mann, der heute als metrosexuell bezeichnet wird, gab es vor circa 150 Jahren schon einmal, in Form des Dandys. Die charakteristischen Merkmale des Dandys treten im Metrosexuellen in modernisierter Form auf.

Der erste und vielleicht einzig wahre Dandy, weil konsequent im Nichts-Tun, war George Bryan Brummell (1778-1840). Als Freund und stilistischer Berater von George IV, später Prince of Wales, konnte er dem exquisiten Lebensstil eines Dandys frönen, ohne auf Arbeit zurückgreifen zu müssen. Nach Brummell kamen Charles Baudelaire, J. A. Barbey d’Aurevilly, Thomas Griffin Wainewright, Max Beerbohm und andere. Das Dandytum fand seine Ausprägung hauptsächlich in England und Frankreich. Seine erste Blüte hatte es um 1830 mit Brummell, um 1890 gab es im Rahmen der ästhetizistischen Bewegung eine Erneuerung des Dandytums, welches nun in exaltierter Form in Erscheinung trat. Der Ursprung des Dandytums liegt in einer oppositionellen, stark negierenden Haltung einer sich wandelnden Gesellschaft gegenüber. Dandys halten an aristokratischen Werten fest, in einer Zeit, in der die Aristokratie stirbt. An ihre Stelle tritt die moderne Gesellschaft im Zuge der Industrialisierung und Modernisierung.
Ziel des Dandys ist es, seine, durch die aufkommende Massengesellschaft bedrohte Individualität zu erhalten. Wie versucht er dies zu erreichen? Zunächst durch die äußere und innere Abgrenzung von allen anderen, der Masse also. Aber auch durch eine grundsätzliche Opposition und Negation alles Gegebenen und Akzeptierten. Der Dandy spielt auf subtile Weise mit den gesellschaftlichen Regeln und Tabus. Er steht immer am Rande der Gesellschaft, ist jedoch so geschickt im Umgang mit den Konventionen, dass er stets Teil der Gemeinschaft bleibt und ihre Aufmerksamkeit genießt. Er weiß, dass ein Ausschluss aus der Gesellschaft seinen Niedergang bedeuten würde.

Dandys legten großen Wert auf ihre äußere Erscheinung. Es gilt eine auffällige Unauffälligkeit: edle Stoffe und Schnitte, dezente Farben, wirkungsvolle Accessoires. Die Dandys der 1890er pflegten eine eher exzentrische Erscheinung mit schrillen Farben und wirren Accessoires wie der berühmten Blume im Anzug Oscar Wildes. Der Lebensstil ist elegant und kostspielig: die Einrichtung der Wohnung, Speisen und Getränke, Bibliothek, Gefährt, das Vergnügen in Clubs und Salons, Glücksspiel. Das Verhalten des Dandys ist äußerst dezent: Er versteht sich perfekt auf die gesellschaftliche Gesprächskultur, spricht in der Regel aber nur, um zu wirken und zu verblüffen. Dementsprechend ist seine Rede charakterisiert durch Ironie, Sarkasmus, Paradoxa und Satire. Ein Dandy wird sich weder sprechend noch sonst irgendwie offenbaren. Er hält immer eine Maske aufrecht, spielt eine Rolle, versteckt sein wahres Ich. Seine Erscheinung ist dezent und stoizistisch. Er verachtet die anderen und zeigt dies auch. Er zelebriert einen Kult der Kälte, lässt sich von nichts beeinflussen. In seiner Opposition gegen eine Gesellschaft, die zunehmend auf Zwecke und Nutzen ausgerichtet ist, versucht er, sich allem Zweckhaften zu entziehen. Dementsprechend tut der Dandy idealerweise nichts. Da der Lebensstil jedoch finanziert werden muss, sind viele Dandys ihren ästhetischen Neigungen entsprechend tätig: als Dichter oder Maler, manchmal auch als Politiker, dem oppositionellen Charakter entsprechend.

Wo finden sich diese Merkmale nun im Metrosexuellen? Es fällt auf, dass es zwei Ausprägungen des metrosexuellen Lifestyles gibt: Den am Spaß und Genuss orientierten, zu dessen Vertretern David Beckham und Justin Timberlake zählen, und schließlich den kulturkritisch motivierten, der dem Typus des Dandy näher kommt und zu dessen Vertretern David Bowie und Morrissey zählen.

Allen gemein ist der urbane Lebensstil. Galten London und Paris als Zentren des Dandytums, so wächst die Zahl der Metropolen der Metrosexuellen um New York, Berlin, Wien, Madrid, Los Angeles, etc. Erst der moderne Flugverkehr ermöglicht das heutige Jet-Set-Leben.

Damit einher geht das Aufspüren neuer Trends; Metrosexuelle sind Trendsetter. Schon die Dandys erfanden neue Kleidungsstücke, die Metrosexuellen erweitern dies um Frisuren, Make-up und Accessoires. Die Motivation ist jedoch eine andere. Die Metrosexuellen stehen nicht in Opposition zur Gesellschaft, sie kämpfen nicht um die Erhaltung ihrer Individualität. Vielmehr nutzen sie die Möglichkeiten, die die Gesellschaft ihnen gibt, um einen Lebensstil aufrechtzuerhalten, der von Genuss und Spaß dominiert ist. Der Lebensstil ist teuer, denn was zählt sind Statussymbole, Designerlabel und Marken. Dementsprechend sind die Metrosexuellen – ähnlich wie die Dandys – ästhetisch veranlagt und häufig als Künstler und, der kulturellen Verflachung entsprechend, als Pop-Idole tätig.
Einige tragen den oppositionellen Charakter des Dandys jedoch in modernisierter Form zutage. Statt gegen das neu Entstehende zu revoltieren, bekämpfen und kritisieren sie das fragwürdig gewordene Existente. Während die Dandys die negativen Folgen einer Massen- und Konsumgesellschaft vorausahnten, erleben die metrosexuellen Dandys diese tagtäglich. Sie nutzen ihre Kunst, sei es Musik, Schriftstellerei oder Audiovisuelles, um Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur kritisch zu beäugen. Sie nutzen ihre Macht positiv, um die Menschen, die ihnen zuhören, darauf aufmerksam zu machen.
Nehmen wir David Bowie: Er ist der Prototyp des modernen Dandys, der dandyeske Metrosexuelle. Alles begann in den 70ern: Bowie war verhasst wegen seiner Provokation. Er bezeichnete sich selbst als homosexuell und bisexuell, damals noch ein großes Tabu. Bowie nutzte die Medien geschickt für seine Schockeffekte. Seine Bühnenoutfits waren mehr als androgyne Verkleidungen: Bowie schlüpfte in verschiedene Rollen und Posen, er erfand Charaktere wie Ziggy Stardust, Aladdin Sane und The Thin White Duke. Diese Selbstinszenierung und das gleichzeitige Verhüllen der eigenen Person, das Tragen einer Maske, ist ein zentrales Element des Dandytums. Ebenso die Betonung der Individualität: Bowie wollte nie zum Anführer einer Bewegung erhoben werden, auch wenn ihn viele als solchen sahen. Er sah sich lieber als elitär, was wohl auch mit dem masslosen Genuss von Kokain zusammenhängt. Drogen spielten bereits bei den Dandies des 19. Jahrhunderts eine Rolle. Sie erweitern das Spektrum der sinnlichen Wahrnehmung und motivieren so neue Kombinationsmöglichkeiten bekannter Phänomene ebenso wie bislang ungeahnte Darstellungs- und Erlebnisweisen.

Künstlerisch galt Bowie als Visionär: er war einer der ersten Musiker, die mit elektronischer Musik experimentierten. Die Bereitschaft von traditionellen Wegen abzuweichen und neue Experimente zu wagen, die von konservativen Köpfen als unmoralisch und subversiv angesehen werden, ist hochgradig dandyesk. Rebellion war der Antrieb: Bowie sprach in Interviews von seiner Resignation über den Weg, den die Gesellschaft eingeschlagen hat. Der Zukunftspessimismus ist allen Dandys gemein. Kritik an der Gesellschaft übt Bowies in seinen Videos (vgl. Lets Dance, China Girl). Ganz Dandy, beschränkt sich Bowie nicht nur auf Musik. Er vereinte von Anfang an Theater mit Musik. Nur so kann die Selbstinszenierung perfektioniert werden. Bowie arbeitet jedoch auch als Journalist und Maler. Und das Geschick im Aufspüren neuer Trends zeigt sich darin, dass er das Internet bereits Mitte der 90er Jahre intensiv zur Verbreitung seiner Kunst und zur Kommunikation mit seinen Fans nutzte.
Als Prototyp des neuen Dandytums beeinflusst David Bowie würdige Nachfolger wie bespielsweise Morrissey. Auch er versteckt sich geschickt hinter einer Maske der Arroganz, Unnahbarkeit und Ironie. Das Kunstobjekt Morrissey verbirgt die Person dahinter. Seit den Anfängen seiner Karriere mit den Smiths versteht sich Morrissey als asexuell. Er bezeichnete sich selbst lange als zölibatös, was im Zusammenhang mit der homoerotischen Ausstrahlung seiner Kunst die Ambiguität des Dandytums ausmachte. Auch Morrissey berührt skandalöse und tabuisierte Themen. Seine Texte und Interviews sind oft ironisch oder schockierend. Liedern über Vegetarismus und Rollstuhlfahrer begegnet man im Popbusiness eher selten. Morrissey scheut sich auch nicht politisch Stellung zu beziehen, hier sei nur an Margaret on the Guillotine erinnert – ein Song, in dem sich Morrissey fragt, wann Margaret Thatcher wohl endlich sterben wird. Dadurch entsteht eine latente Subversivität, die provoziert. So wurde Morrissey Anfang der 90iger von der britischen Presse als Sympathisant neonazistischer Tendenzen verhämt. Dahinter steckt das Dilemma des Dandytums: Das hermetische Abschirmen der Person (Steven Patrick Morrissey / David Robert Jones) hinter der Maske des Kunstwerks (Morrissey / David Bowie) führt zu Neugier. Das gilt für die heutige Boulevardpresse ebenso wie für die im 19. Jahrhundert gerade aufkommende Yellow Press. Wo dem Publikum nicht gezeigt wird, was es sehen will, entsteht der Moment des Verdachts. Dies führt zu extremen Verhaltensweisen: Verachtung, Lüge, Missachtung und im Extremfall zu einem Ausschluss aus der Gesellschaft. Die radikale Einstellung der britischen Presse ist hinlänglich bekannt. Morrissey wurde gewissermaßen von den britischen Printmedien verstoßen, was jedoch seinen Erfolg in den USA keineswegs verringerte, im Gegenteil.

Vielleicht ist das Dandytum ein ausschließlich englisches Phänomen, auch heute noch. Während der hedonistische Metrosexuelle international zu beobachten ist, ist der moderne Dandy nur vereinzelt anzutreffen. Was damit zusammenzuhängen vermag, dass der Dandy von Selbst- und Fremd-Identifikation bestimmt wird. Vielleicht ist nur England aufgrund seiner historischen und gesellschaftlichen Bedingungen in der Lage, Dandytypen hervorzubringen. Vielleicht ist England weniger tolerant was individuelle Tendenzen, radikale Ehrlichkeit und das Aufgreifen tabuisierter Themen betrifft. Besonders wenn dies von Personen praktiziert wird, die damit spielerisch und ironisch umgehen. Personen, die sich hinter einer persona verstecken.

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von refuse


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Evenstar

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

wow, echt guter artikel!

lg

09.09.2004 13:30 Uhr

schauby

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

die so genannte persona, wie c.g.jung sie definierte, ist grundsätzlich teil eines jeden.
mal als charakterfacette, mal als bewußte wie unbewußte maskierung in schutz- und profilierungsfunktio n zur gesellschaft.
das ist bekannt.

jemand mit einem gewissen sendungsbewußtsein, den die konventionen langweilen und der stilvoll und mit etwas niveau veränderungen auf den weg bringen will, die über den rein selbstdarstellenden zweck hinausgehen,
wird natürlich mehr tun, als ein good looking flachhirn beckham, der mehr artig und lukrativ als wirklich inovativ und idealistisch engagiert die abziehbildchen einer flüchtigen popkultur bedient.

09.09.2004 13:52 Uhr

xenia

sehr lesenswert, dankeschoen!

wobei ich persoenlich mit dandytum à la oscar wilde wesentlich mehr anfangen kann als mit diesem neuen modewort "metrosexuell" und allem, was damit zusammenhaengt. baeh. langweilig. designerklamotten etc. allein reichen einfach nicht, david beckham hat nichts von einem dandy!
immer wieder an's herz legen moechte ich gleichgesinnten eines meiner lieblingbuecher, "das bildnis des dorian gray" - wunderschoen und tragisch! da wird's eben zu weit getrieben mit dandytum, einhergehend mit grenzenlosem egoismus.....allein schon die sprache ist des mehrmaligen lesens wert!
eine schoene und weise seele, sir oscar wilde.

david bowie bezeichnet sich selbst nie im leben als metrosexuell. das nur am rande.

weisse lilien!

la x

09.09.2004 14:52 Uhr

der_mueller

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

leute wie david bowie haben mit dem metrosexuellen, der mir so im alltag begegnet mal gar nichts gemein.
du wirfst da dinge in einen topf, die irgendwie nicht zusammen passen.
auch sind metrosexuelle im allgemeinen nicht mehr als overdosed modepüppchen.sorry. trendsetter is anders.
h.
don´t kick it like beckham

09.09.2004 14:57 Uhr

xenia

@ms nick: wieso imitiert ein gepfleger heteromann

einen schwulen? das ist quatsch. es soll maenner geben, die auf frauen stehen und gleichzeitig auf seife *lach*
ne, im ernst, so ein schubladendenken geht mal garnicht. oder denkst du, es gibt nur den typischen, nach schweiss riechenden bauarbeiter und daneben das "homoimitierende" maennliche pueppchen?? also ne.
und wieso wird beckham von seiner frau inszeniert? kann doch auch genausogut umgekehrt sein. warum ist ein gepflegter kerl ein pantoffelheld? ganz grosser bloedsinn, das.
ich erinner nur mal eben *unter stoehnen* an DIE kult-beau-band der 80er, naemlich DURANDURAN. soweit ich weiss, war da keiner schwul, aber alle sehr gepflegt, gestylt und auch geschminkt....Nick Rhodes was my first love *stoehn*

***

09.09.2004 15:09 Uhr

ms.nick

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

Muss denn jeder lächerliche Trend immer eine neue Ära einleuten? Warum sind Männer, die sich waschen und eine Gesichtscreme benutzen auf einmal "Metrosexuelle"? Ist der vielzitierte David Beckham an dieser Stelle nicht viel mehr ein Pantoffelheld, der von seiner liebenden Gattin mediengerecht inszeniert wird und wer bitte würde ihn an dieser Stelle mit David Bowie vergleichen wollen?

Braucht die (Frauen)welt wirklich Männer, die ihre homosexuellen Artgenossen imitieren weil sie gemerkt haben, dass Frauen mit diesen gut zurechtkommen, besser als mit manchem paarungswütigen Heteromann?

btw: der Artikel ist wirklich toll! Vielen Dank.

09.09.2004 14:56 Uhr

nassforsch

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

Alles schön und recht. Wir wissen nun die Einstellung, den Lifestyle, etc. eines Metrosexuellen. Aber was soll eigentlich das "-sexuell" im Begriff? Was hat das alles mit Sexualität zu tun? Wohl nichts. Der Begriff scheint mir - das ist mein Vorwurf - doch nur Effekthascherei zu sein. Oder?

Den Artikel fand ich dennoch super. Respekt!

09.09.2004 15:15 Uhr

ms.nick

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

Das "-sexuell" spielt möglicherweise auf die verwischten Grenzen an; schwul/hete/bi - so genau kann man das bei Meterosexuellen zumindest auf den ersten Blick nicht immer sagen. Ein Mensch, der sich zwischen den Geschlechterrollen spielerisch bewegt... ?

@ xenia: Ich bin glücklicherweise mit einem Mann geschlagen, der ein sehr gutes Verhältnis zu Seife hat ;-) und kein Meterosexueller ist.

Ich find es nur fad, dass sofort eine total neue und stylishe Stilrichtung daraus gemacht werden soll, wenn Männer ein wenig auf sich achten. Ist denn das so eine Sensation? Ich halte das alles für wenig mehr als einen Pressehype. Es ist schade, dass für alles und jenes immer Schubladen bzw. Namen erfunden werden müssen, damit man sich und andere bloß kategorisieren kann. Dandys, Metros, Schlampen, Zicken... gespannt warte ich auf den nächsten Typus...

09.09.2004 16:26 Uhr

schauby

Re: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

"metrosexuell" ist einfach nur der hakelige versuch, einen sich scheinbar veränderten typus von mann zu beschreiben, der lange geächtete merkmale einer vermeintlichen weiblichkeitsdomäne, sich als logische folge von gesellschaftlichen wandlungen zu eigen gemacht hat, ohne dabei allein in das vorhandene begriffskorsett von schwulen zu passen, weil sie es eben nicht immer sind.

09.09.2004 15:20 Uhr

LudwigMartin

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

Ich hatte bisher den Eindruck, daß es bei Metrosexuellen nicht nur um "gepflegte Männer" geht, die es natürlich schon immer gibt und gab - (vielleicht trifft sie nur nicht jeder). Insofern ist es (s. Schauby) eine Hinrichtung zu Betätigungen, die bisher vorrangig bei Frauen und Schwulen anzutreffen war - oder/und eine neue Art, sich irgendwie interessant zu machen.
"Metrosexuell" - ja staune einer guck!
Kann ja einer machen, was er will - aber da steckt doch absolut nichts dahinter: politische Botschaft: null. kulturelle Botschaft: null. soziale Botschaft (Art des Zusammenlebens): null.
Die Spaßgesellschaft, der Großstädter, das trendsetting und die Körperpflege sind hiermit NICHT neu erfunden worden!
Für mich bleibt der (meist sich selbst als das bezeichnende) Metrosexuelle entweder ein Anliegen, mit seinen Eigenarten nicht als homosexuell dazustehen, oder in besonderer Form für sich zu werben, a la "hier ist ein mann, mit dem frau einkaufen gehen kann und sich nie zu schämen braucht."
Ersteres geht ja noch, aber zweiteres find ich absolut blamabel.

Interessante Gedanken zum Danyismus - trotzdem! Nur der besagte Begriff stößt mir auf.

Und "Das Bildnis des Dorian Gray" ist wirklich absolut lesenswert!!!
"The importance of being Earnest" (auch Wilde) ist wesentlich flacher, bringt den Dandy aber auf lustige Weise auch ganz gut rüber.

09.09.2004 17:35 Uhr

schauby

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

als zeitgenössisches exemplar eines jenen dandy, der selbstverständlich nicht so genannt werden möchte, und mit seinem buch " ich bin ein profi" für den ingeborg bachmann preis nominiert war, empfehle ich immer wieder gern und eben diesen:
philipp tingler.

ein narzistisches aber nie ordinäres schwein - so wunderbar und köstlich,
mehr als nur ein zweiter stuckrad barre oder dergleichen

09.09.2004 18:05 Uhr

cochise

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

Ich wage ja zu behaupten, dass das "Metrosexuelle" insbesondere eine Erfindung der MOde- und Kosmetikindustrie ist, die sich am Ende ihrer Expansion sah und im Mann neue Absatzmärkte ahnte, die jetzt konsequent erschlossen werden.

just my 0.02 €

09.09.2004 20:10 Uhr

Evenstar

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

@ cochise: geb dir völlig recht. und die diskussion über metrosexuelle viel ja noch rein zufällig ins sommerloch der medien.

09.09.2004 20:40 Uhr

naj

Unsinn: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

Alles Quatsch!

09.09.2004 20:32 Uhr

daskleineklischee

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

also was jetzt: metrosexueller=moder ner dandy? oder doch nicht?
ich glaube nicht, dass die tatsache, dass die von dir genannten künstler aus großbritannien stammen, etwas damit zu tun hat, dass england bigotter wäre als andere (euröpäische) länder. vielmehr glaube ich, dass der ganz spezifische britische humor es ermöglicht, sich tabuthemen anders zu nähern, wie du schon sagtest, durch ironie etc. es ist auch eine frage des stils: ich finde, die briten sind in allen stilfragen eher extrem, entweder extrem schlecht oder extrem gut. daher vielleicht der hang zum dandytum.
aber david beckham und "Ironie, Sarkasmus, Paradoxa und Satire"?
alles liebe, dkk

09.09.2004 20:43 Uhr

r_or

Was ist "Dandy"?

Wer sich das fragt sollte unbedingt diesen Artikel lesen. Er bestätigt auch, was mein alter BE-Professor in der Schule gesagt hat. Er sagte immer, das alles schon einmal "da" war... Neues gibt's nur wirklich selten.

09.09.2004 22:31 Uhr

r_or

Nachtrag: Was ist "Dandy"?

Der kulturkritische Metrosexuelle ist also ein Dandy. Kann ich den zweiten Typ dann als hedonistisch beschreiben, vielleicht als dekadent-idividualis tischen Hedonisten?

09.09.2004 23:06 Uhr

refuse

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

@ r_or: "Der kulturkritische Metrosexuelle ist also ein Dandy. Kann ich den zweiten Typ dann als hedonistisch beschreiben, vielleicht als dekadent-idividualis tischen Hedonisten?"
ja, auf jeden fall. wobei dekadent sind die ja alle. ist ja auch eine schöne sache, die dekadenz. der ganze hype um metrosexuelle(s) ist natürlich sehr oberflächlich, wobei ich wiederum der Vermutung zustimmen würde, dass hier die kosmetik- und lifestyle-industrie mal wieder kräftig mitrührt. nachdem seit den neunziger jahren die frauen von sämtlichen medien in schlankheits- und jugendwahn getrieben werden, sind nun wohl auch die männer dran. und offenbar funktioniert das ganze auch noch, sonst wäre der hype nicht so gross. wie traurig.

@dkk. dandys gibts es heute nicht mehr. sage ich. die gesellschaftlichen rahmenbedingungen sind dahin. (dekadenz ist ja eine im Untergang begriffene Wertordnung gebunden und die Welt heute ist anders als vor 120 Jahren) die leute, die das Dandytum heute verkörpern (soweit das noch geht, denn richtig schocken kann man ja kaum noch und anti ist heute auch jeder irgendwo) sind definitiv metrosexuell (ja, ich mag den Begriff auch nicht sonderlich, aber irgendein Wort müssen wir ja benutzen) bedingt durch den Lebensstil.

11.09.2004 15:32 Uhr

Ilja

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

ja, alles Neue ist das gut vergessene Alte...

Mir scheint es, dass sich bei den Metrosexuellen das Alte in der auffallenden Inszenierung äußert, also im Schein. Ein Dandy hatte, wie hier geschrieben wurde, eine Idee.
Bei den Metrosexuellen mündet die für die heutige Gesellschaft symptomatische Ideenlosigkeit in der ebenfalls charakteristischen Selbstdarstellung. Präsentation ist heutzutage wichtiger als das Sein. Metrosexuelle sind meiner Ansicht nach die Repräsentanten dieser aktuellen Stimmung.

09.09.2004 23:40 Uhr

emily_spitfire

Re: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

BULLSHIT, BULLSHIT,


nett geschrieben, aber...

wer brauch diese gequirlte kacke, hä?

wollt ihr euch über überschriften unterhalten oder euch in klischees zwängen, die soviel wert sind wie die bildausgabe von vorgestern ?

09.09.2004 23:49 Uhr

r_or

Re: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

@ emily_spitfire:

Die gequirlte Hexenkacke mit Fliegenbein braucht man z.B. als Hintergrundinformati on für Gesellschaftskritik. Viele Denkrichtungen waren schon mal da und sind nur in der Geschichte unterschiedlich ausgelebt worden. Aus dem was mal war können wir unsere Lehren für die Zukunft machen... blabla Hab dein Profil gelesen und wenn ich's richtig interpretiert habe, solltest du genau wissen wozu man so eine gequirlte Kacke brauchen kann, es sei den du glaubst wirklich daran, dass Kritiker und Philosophen unnötig sind. Wenn ja, beschäftige dich doch mal mit dem was du glaubst zu sein und gegen das was du bist. Du wirst merken, dass jeder Kiffer (das ist keine böse Anspielung) am Lagerfeuer schon Ideen gehabt hat über die sich die Philosophiestudenten höherer Semester das Hirn zermartern. Wenn ich's richtig verstanden habe (korrigiere mich bitte, wenn ich mich irre... würde sowieso gerne mit dir diskutieren) hast du was gegen Klischees. Die mesiten Menschen wollen aber nicht frei und unanbhängig sein. Gerade aus diesem Grund gibt es auf unserem Planeten so viele unterschiedliche ethnische Gruppen. Klingt Paradox was? Wie auch immer, entweder bist du von deiner Sache überzeugt oder auch nur ein Nachsager und Trittbrettfahrer einer alternativen Denk&Lebensricht ung. Also bitte begründe deine wohl gerechtfertigte Meinung etwas konstruktiver. Sei mir nicht böse, aber du wirkst momentan auch nur wie ein Klischee auf mich..

10.09.2004 16:07 Uhr

la_nina

juppy- gut gut

sehr guter artikel, sehr lang, dieses thema beherrscht so manchen kickerabend mit bierlaune.

10.09.2004 09:37 Uhr

ruede

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

also ich glaube ich würde bowie, morrissey und co. ebenfalls absolut nicht in eine "ecke" mit "den metros" werfen. das sind doch originale, die sich eben nicht in eine ecke stecken lassen.

hast du nicht gemacht, kommt aber in den antworten raus: schwierig, männer die auf ihr äusseres achten, als schawul abzustempeln.

aber "diese metrosexuellen" von heute sind doch wirklich nicht mehr als püppchen mit docht. am besten noch in so nem kaff, wo sie dann gestylt mit knitterhemd und hochgestelltem kragen in ihrem - tschuldi - bauerndialekt über neuestes aus der BILD kommunizieren. das sind weder personen noch personae (achtung: klugschitter) sondern nur unreife bubis.

so, das musste mal raus :)

11.09.2004 10:12 Uhr

Klute

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

@ ruede:

Püppchen mit Docht!!!! Ich lach mich tot!!!! Werde ich, wenn es genehm ist, sofort klauen und bei nächstbester Gelegenheit anwenden!

11.09.2004 12:20 Uhr

prefab

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

Also, David Bowie würde ich ganz sicher nicht als Dandy bezeichnen, dafür ist seine Position einfach nicht randständig genug. Jemand,der in der Lage ist, für Mineralwasser Werbespots zu drehen und es auch macht, der würde nach deiner (und aauch meiner Definition) kein Dandy sein. Und den Begriff des Metrosexuellen halte ich nur für ein modisches Etikett, hinter dem nichts als gähnende Leere steckt. Ist danach nicht auch Thomas Anders ein Metrosexueller? Oder war nicht Roy Black auch einer?

15.09.2004 01:02 Uhr

zooropa

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

@ ruede, Püppchen mit Docht ist echt gut ;-) !!

Diese sogenannten Metrosexuellen sind doch die größten Opfer der Modediktatoren! Die aalglatten Bubis lassen sich zu gutl von der Mode- und Kosmetikindustrie, Medien und Werbung beeinflussen, der eigene Stil geht verloren. Welcher „richtige Mann” trägt schon rosafarbene oder hellblaue Knitterhemden?
David Bowie hatte androgyne Charakteren geschaffen, ist aber nie mit der Mode gegangen. Er war und ist ein Kunstwerk und kein von den Medien beeinflusstes Opfer.

23.11.2004 11:19 Uhr

Brummel

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

Nun, mein Benutzername ist nicht zufällig gewählt.
Dieser ganzen Auseinandersetzung fehlt doch dem nötige Ernst.
Der Dandy an sich, war natürlich immer,naja, zumindest am Anfang, ein Mann von Welt. Als solcher hatte er auch immer eine Meinung zu aktuellen Themen, diese brachte er jedoch beiläufig ich möhte fast sagen, gelangweilt in die jeweilige Runde mit ein. Danach verkam das Dandytum zu einer Spielerei für desinteressierte junge Männer ohne jegliche Ambition auch nur irgendetwas an ihrer Umgebung zu ändern. So und jetzt zu den Metrosexuellen á la Beckham.
Diese Distanz und Blasiertheit ist genau die Tugend eines jeden Dandys und somit sind sie legitime Nachfahren eines Brummel, Max Beerbohm, Oskar Wilde etc.
Ich bitte um Einträge diesbezüglich und verbleibe mit vorzüglicher Hochachtung!

21.09.2004 14:25 Uhr

napoleon_bonaparte

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

Die Dandys hatten wenigstens Stil, Beckham und Konsorten sind einfach nur peinlich!

N.

28.11.2004 22:33 Uhr

Antaios

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

auch wenn ich es ungern zugebe aber hier muss ich Brummel wiedersprechen. Denn tatsächlich kann man eine ungebildeten kickenden Proleten wie Beckham mit seiner peinlichen Frau wohl kaum als Dandy bezeichnen. Genausowenig J. Timberlake. Denn wie Napolen schon schreib.. denen fehlt jeglicher echte Stil. Teure Klamotten und ne "Popsängerin" als Frau ersetzen das auf keine Fall.

08.03.2005 08:34 Uhr

Lohengrin.Held

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

mir reicht schon meine asexualität;

03.04.2005 21:45 Uhr

Kopfkind

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

Es tut mir leid wenn ich mich hier nur so plump und undifferenziert äußern kann, aber für mich fällt der durchschnittliche Metrosexuelle unter die Kategorie "Diskoschwuchtel". Und der muss ich leider jedwede weltanschauliche Dimension absprechen.
Für mich transportiert eine solche Selbstdarstellung in erster Linie nur eins: die Eitelkeit der betreffenden Person.
Und wie oft soll durch einen solchen Aufzug nur ein Status ausgedrückt werden, der so offensichtlich nichts anderes ist als Fassade?
Für die die Stuttgart kennen: ein Gang über die Theodor-Heuss-Straße (gut gefüllt mit dem entsprechenden Klientel) und ich bekomme den Impuls mich drei Wochen nicht zu duschen! ;-)

02.12.2005 17:21 Uhr

Kopfkind

RE: Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?

ops, vertippt... ich meinte: DER entsprechenden Klientel

02.12.2005 17:23 Uhr



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