Fühlen //

Sex

Sex
Ostrakosmos
[Artikel] [Sex]

War das jetzt alles?

09.09.2005 16:31 Uhr

Man kann miteinander Sex haben, ohne intim zu werden. Immer öfter wird dies zum Normalfall. Aber kann das auch auf Dauer emotional befriedigen?

von Ostrakosmos

Es gibt tausende Gründe, die guten Sex, also unverkrampften, als lustvoll und befriedigend empfundenen Sex, verhindern. Unsere sozialen Lebensbedingungen scheinen, bei näherer Betrachtung, sogar strukturell darauf ausgelegt zu sein, die statistischen Chancen für guten Sex zu minimieren. Beispielsweise wird die fiktive, irreale ästhetische Perfektion des menschlichen Körpers in den Medien, vor allem in der Werbung und im Hollywood- Kino, als Vorbedingung für erfüllte Sexualität propagiert, was natürlich Unsinn ist. Aber die Propaganda wirkt.

Alle, die keine Model- Figur haben, bekommen Minderwertigkeitskomplexe. Die Frauen wegen ihrer Rettungsringe und ihrer Zellulitis, die Männer wegen ihres Bierbauchs und ihrer Glatze. Niemand ist mehr mit seinem Körper zufrieden, niemand steht mehr zu seiner eigenen Körperlichkeit.
Der soziale Druck steigt: Erwartungsdruck, Leistungsdruck, Anpassungsdruck... Kein Wunder, dass wir alle uns- insgeheim- wegen unserer (vermeintlichen) physischen Unzulänglichkeiten schämen. Aber nur insgeheim! Denn nach außen darf man sich ja nichts anmerken lassen, die Show muss schließlich weitergehen, und wer in unserer Gesellschaft Verunsicherung oder Selbstzweifel kommuniziert, der hat schon verloren, das wissen wir alle. Also: Hinter der makellosen Fassade aus Coolness, Narzissmus und Eitelkeit, die man zum Überleben braucht, die eigene Verunsicherung verstecken!

Das Dumme daran ist nur: Wer in einem solchen psychischen Harnisch steckt, der kann nicht mehr intim werden. Intimität heißt nämlich: Sich einander ausliefern; sich gegenseitig die verwundbaren Stellen offen legen; Risiken eingehen; mit hohem Einsatz spielen. Wenn man sich nicht traut, den mentalen Schutzpanzer abzulegen und nichts aufs Spiel setzt, dann kann man auch nichts gewinnen; nicht lieben und auch keinen guten Sex haben. Wer mit angelegter Ritterrüstung fickt, dem kann zwar nichts passieren, aber er spürt auch nicht mehr viel.
Trotzdem machen es die Meisten heute genau so. Das Motto scheint zu lauten: „Lieber ohne jedes Risiko zu Liebe und gutem Sex unfähig werden, als Risiken eingehen und dafür mit Chancen auf Liebe und guten Sex belohnt werden.“ Das verstehe ich nicht.
Ich sehe es umgekehrt, stehe mit dieser Einstellung aber ziemlich alleine da. Wie ich höre, gibt es in meiner Generation sogar schon Leute, die einfach gar keinen Sex mehr haben wollen- weil sie nichts mehr dabei empfinden. Die sagen: „Als ich zum ersten Mal Sex hatte, war ich total enttäuscht: Im Fernsehen sieht alles viel aufregender, selbstverständlicher und einfacher aus, als es in Wirklichkeit ist. Bei mir war Sex immer nur Arbeit und meistens hat es dann nicht einmal richtig funktioniert.“ Oder auch: „Sex ist in Wirklichkeit gar nicht so toll, wie man sich das früher beim Onanieren immer vorgestellt hat. Irgendwann verliert man das Interesse daran.“

Und all das nur, weil uns ein medial monopolisiertes Schönheitsdogma insinuiert wurde, damit die Industrie noch mehr Kosmetikprodukte, Diätlebensmittel und Schlankheitsmedikamente verkaufen kann, indem allen eingeredet wird, sie würden das Teufelszeug benötigen?
Oder weil man ständig davor Angst hat, beim Kopulieren schlechter auszusehen, als die body- gedoubelten, computer- bildbearbeiteten Hollywood- Stars in ihren Sexszenen?
Dann jedenfalls kann man keinen unverkrampften, entspannten, spontanen, hemmungslosen, gefühlsintensiven, befriedigenden Sex mehr haben. Und das scheint mir immer häufiger der Fall zu sein.

Wenn man sich insgeheim für den eigenen Körper schämt, dann muss man sich auch im Bett noch hinter Maskierungen und Schutzbarrieren verstecken. Nichts verhindert guten Sex zuverlässiger. Auch zur Liebe wird ein solcher, von Eitelkeiten beherrschter und zerfressener Mensch unfähig. Das Schlimme daran ist: Auf uns alle trifft das zu - mehr oder weniger; vielleicht sogar in zunehmendem Maß?

Die tieferliegenden Ursachen der Problematik sind natürlich im Wandel der Identitätskonstruktion im Lauf der letzten 60, 70 Jahre zu suchen. Betrachtet man sich die Entwicklung des Wertewandels von der Kriegsgeneration der heute 80- bis 90- jährigen über deren Kinder, nämlich die ´68er- Generation der heute 50- bis 60- jährigen, bis zu deren Kindern, nämlich der Milleniumsgeneration der heute 20- bis 30- jährigen, dann ergibt sich etwa folgendes Bild:

Von der Selbstbeschränkung über die Selbstverwirklichung zur Selbstinszenierung.
Von der Zurückhaltung über die Forschheit zur Beliebigkeit.
Von der Disziplin über die Anarchie zum Arrangement.
Von der Doppelmoral über die Gutmenschenethik zum Opportunismus.
Von der Pflichterfüllung über die Eigeninitiative zur Apathie.
Vom Gehorsam über den Protest zum Zynismus.
Von der einmaligen Monogamie über die Polygamie zur seriellen Monogamie.
Vom Faschismus über den Kommunismus zum Kapitalismus.

Früher war die Identität des Einzelnen durch das Arrangement seiner sozialen Rollen, durch Brauchtum und Tradition determiniert, für Individualität im heutigen Sinn war kein Platz. Für den überwiegenden Teil der Menschen galt bis 1950, 1960: Die Norm ist Gesetz, Normabweichung wird drastisch sozial sanktioniert. Mit der Kulturrevolution der ´68er wurde die Normabweichung zur Normalität umdefiniert, die Identität war plötzlich nicht mehr durch präexistente Modelle vorgegeben, sondern sie musste sich jeder in einem langwierigen biographischen Selbstfindungsprozess erwerben. Die heutige junge Generation lebt in einer überkomplexen, drastisch beschleunigten Welt und hat den Glauben an eine Identität, die man sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg individuell erwerben muss, und die einem entsprechend stark anhaftet, aufgegeben.
Heute ist die Identität kommerzialisiert, also käuflich, fragmentiert und schnell wechselbar. Identität ist inzwischen gleichbedeutend mit dem individuellen Arrangement verschiedener Labels, die wiederum verschiedene Images kommunizieren und auf den Träger projizieren. Labels kann man sich, das nötige Kapital vorausgesetzt, kaufen. Man wechselt sie buchstäblich wie die Unterhosen- je nachdem, was gerade opportun ist. Identitäten werden heute nicht mehr erworben, sondern sie werden von darauf spezialisierten Label- Industrien konzipiert, produziert und vermarktet. Insofern kann man sagen, dass die heutige Jugend näher an ihren Großeltern als an ihren Eltern ist, was ihre Identitätskonstitution anbelangt. War man früher durch Traditionen und Normbiographiemodelle determiniert und gleichgeschaltet, so ist man es heute durch das vorgegebene Sortiment von Labels und Marketingstrategien. War früher die Identitätsfrage an religiöse und moralische Autoritäten delegiert, so delegiert man sie heute an die Labels. Letzteres ist ein Zeichen von frei gewählter Unmündigkeit, aus der Bequemlichkeit heraus, den beschwerlichen, mühsamen Prozess eines individualistischen Identitätserwerbs im ´68er- Stil nicht auf sich nehmen zu wollen. Wir haben es heute also eher mit schnell wechselnden Abziehbildern als mit „Persönlichkeit“ im aufklärerischen oder humanistischen Sinn dieses Wortes zu tun.

Das spiegelt sich auch im Umgang mit der Sexualität. Früher war eine legitimierte, auf geistiger Ebene angebahnte Beziehung die Voraussetzung und der Bezugsrahmen für die Ausübung von Sexualität; man musste sich zuerst diese Beziehung erarbeiten und verdiente sich durch diesen langwierigen und aufwändigen Prozess den Sex, sozusagen als Belohnung für geleistete Beziehungsarbeit, als Ertrag aus umfangreichen und auf Dauer angelegten Investitionen. Sex wurde demzufolge als verborgener, wertvoller Schatz angesehen, den man nach einer gemeinsamen Suche, die oft genug einer Odyssee ähnelte, vielleicht fand und aus den Tiefen der Tabuisierung hob.
Diese Konstruktion von Partnerschaft schloss natürlich große Risiken mit ein, vor allem die Gefahr, dass die erwähnte Suche nie ihr Ziel fand, oder dass nur einer, oft sogar keiner der Partner die Schatzinsel des Sexus, der Lust, der Befriedigung wirklich unbeschadet erreichte: Wer eine Odyssee beginnt, begibt sich in Gefahr. Die Literatur jener Zeit, die voller verknöcherter Hagestolze, gerissener Don Juans, armseliger Casanovas, unbefriedigter Hausfrauen, gefallener Mädchen und geschiedener Ehepaare ist, legt beredtes Zeugnis von diesen Gefahren ab. Das will ich hier gar nicht verheimlichen oder verharmlosen.
Heute haben sich diese Verhältnisse analog zur Entwicklung der Börsenkultur verändert: Gefragt sind nicht mehr Nachhaltigkeit und langfristige Investitionen, es geht vielmehr um schnelles Geld, kurzfristige Gewinnmitnahmen, sprunghafte Fantasien und unbesonnene Spekulationen.
Sex hat heute Verabredungscharakter, er ist nicht mehr großes Ziel und Höhepunkt einer langen, gemeinsamen Beziehungsarbeit oder Suche, sondern er steht am Anfang potenzieller, noch gar nicht existierender Beziehungen. Sex dient allenfalls noch dazu, fragliche Beziehungschancen im Vorfeld abzuklären. Die Folge ist, dass man sich in aller Regel die Beziehungsarbeit spart, weil es nach dem gehabten Sex keine wirkliche Motivation mehr gibt, sie sich anzutun.

Die Zugangsrestriktion zur Welt des Sex heißt nicht mehr länger „Intimität“, sondern „Schönheit“. Während früher nur Menschen legitim miteinander Sex haben konnten, die miteinander eine formell- offizielle Intimbeziehung aufgebaut hatten, kann man heute sehr wohl Sex haben, ohne miteinander intim zu werden, ohne eine Beziehung aufgebaut zu haben. Heute heißt der latente Subtext der Sexualität: „Nur schöne Menschen können Sex haben.“
Die frühere Hochsicherheitszone des Intimbereichs, eine Art Schatzkammer der Identität, ein Allerheiligstes der Persönlichkeit, in die man den Partner, wenn überhaupt, nur nach langen und harten Prüfungen Schritt für Schritt (vom ersten Kuss über das Petting zum echten Sex) eingelassen hat, ist in Folge dessen heute zur leeren, wertlosen Durchgangsstation verkommen. Virginie Despentes legt diese Erkenntnis in ihrem epochalen Film „Baise- moi!“ ihrer Protagonistin Manu in den Mund: „Das ist wie mit dem Wagen, den du in der Vorstadt parkst: Du lässt nichts drin, weil du nicht verhindern kannst, dass er aufgebrochen wird. Mit meiner Möse ist das genauso: Ich kann es nicht verhindern und habe nichts Wertvolles dringelassen.“
Die Inflation der Sexualität hat also zu ihrer Ubiquität und damit zu ihrer zunehmenden Entwertung geführt. Damit fällt für diejenigen Individuen, die ihres Intimbereichs auf diese Weise nolens volens ledig geworden sind- und das sind immer mehr von uns- die schlechthinige Möglichkeit weg, ihre Intimität als transzendierten Wertschöpfungsort zu nutzen. Sie verlieren durch diese Entwertung ihrer Intimität meist ihr einziges, in jedem Fall aber ihr wichtigstes Potenzial, ihrem Leben emotionale Tiefe, so etwas wie Befriedigung oder gar eine Spur von Glück einzuhauchen.

Was zurückbleibt, in diesen Menschen, ist Leere. Diese Leere beim Miteinanderreden, diese Leere beim Miteinanderschlafen. Dieses Gefühl, dass da Nichts ist, wo doch Etwas sein sollte. Dieses Gefühl, dass etwas Wichtiges fehlt. Dieses Gefühl: „Das kann doch nicht alles gewesen sein...“

von Ostrakosmos


Anzeige

Kommentare

Wenn du angemeldet bist, kannst du hier einen Beitrag zu diesem Text schreiben

Eintrag schreiben »

EgonSchiele

RE: War das jetzt alles?

Bravo!

09.09.2005 17:54 Uhr

barcafan

RE: War das jetzt alles?

Sehr guter Text!
Bisschen lang, aber gut, manchmal will man halt alles sagen, was man zu einer Sache denkt und mag sich nicht räumlich beschränken.
Ich kann Dir nicht in allen Punkten zustimmen, aber vom Grundtenor her hast Du m. E. nach recht. Ist nen guter Gegentext zu vielen anderen Texten hier. (Auch wenn diese situationsbedingt meiner Meinung nach auch ihre Berechtigung und Wahrhaftigkeit haben.) Also, wie gesagt: sehr guter Text!
Gruß, barcafan

09.09.2005 17:54 Uhr

Maijami

RE: War das jetzt alles?

wow.

09.09.2005 18:33 Uhr

Suuki

RE: War das jetzt alles?

Ja, im großen und Gamzen hast Du Recht! Das, von den Medien, suggerierte SchönheitsIdeal hält in immer mehr Köpfen Einzug. Aber mal ganz ehrlich: Wer glaubt, der HollywoodSex sei realistisch oder gar befriedigend sollte es vielleicht auch wirklich besser lassen...
Wer sich nicht so mag, wie er ist & immer nur zweifelhaften Idolen nacheifert sollte seine LebensEinstellung mal ganz drastisch überdenken.
Meine bescheidene Meinung!
P.S.: "Ich will so bleiben wie ich bin..." denn ich mag mich!

09.09.2005 18:50 Uhr

felisim

RE: War das jetzt alles?

du hast vollkommen recht! guter sex hängt nicht von irgendeinem filmplott ab, sondern von mir, meiner phantasie und meinen interessen ab.

11.09.2005 19:25 Uhr

zaubermaus030280

RE: War das jetzt alles?

Vielen Dank für diesen Text, der genau den Nerv der Zeit und der heutigen Gesellschaft trifft. Ich teile dies Societypsychosen zwar nicht vollständig, ertappe mich jedoch auch heut noch gelegentlich dabei, in manchen Situationen den Bauch einzuziehen.....und mal ehrlich, Mädels, dieses überflüssige Gefühl kennt doch nun wirklich jede, oder? Im Laufe der Jahre wirds glücklicherweise weniger und das Liebesleben entspannter. Und wenn ich Ehrlich bin: ich bin froh, dass ich meine Pubertät und die sich-selbst-was-bewe isen-Phase hinter mir hab, denn leichter wirds zukünftig bestimmt nicht. Und befriedigender schon gar nicht.

09.09.2005 20:19 Uhr

schauby

RE: War das jetzt alles?

Nicht schlecht, zum Teil sehr gute Herleitungen und Beispiele.
Allerdings bin ich kaum der Meinung, dass diese Ursachen so hauptsächlich in vermeintlichen Leit- und Kunstfiguren aus Film und Medien zu finden sind, das sind gewissermaßen nur die Früchte und Marionetten des Prinzips. Ich sehe noch eine andere grundsätzliche Komponente dabei.

Die ökonomischen Bandagen der globalisierten Welt werden immer härter, die unersättliche Raff- und Machtgier wird zur schnell ansteckenden Infektionskrankheit und zieht auch ansonsten Bescheidenere mit in den Strudel.
Der Druck und die Verführungskünste, sein Geld, seine Seele, seine Wünsche und Sehnsüchte – letztlich einer Marke, einem Konzern, einem Syndikat, einer Interessensgemeinsch aft zu vermachen, werden immer suggestiver, hinterfotziger und perfider. Um jeden gottverlassenen Preis. Das färbt sich auf alle Bereich des sozialen Miteinanders - im ganz kleinen, wie im großen - verschärft die Wachsamkeit, härtet den Panzer, das Misstrauen und hemmt, wie du schon richtig sagst, die sensiblen Sphären von Unbeschwertheit und Wohlwollen, Verletzlichkeit, die für emotionale Nähe und damit Intimität unverzichtbar sind.

Wenn Menschen aus Furcht vor Scheitern und Irrtum, menschliche Investitionen, den geschäftlichen vorziehen verlieren sie früher oder später beides.

Egal auf welcher Ebene, egal zu welcher Zeit – symbolisch gilt immer:
Wer liebt riskiert zu leiden, wer nicht liebt leidet schon.

09.09.2005 20:46 Uhr

schauby

RE: War das jetzt alles?

pardon, böse Verwechslung:

... rein geschäftliche Investitionen, den menschlichen vorziehen (in Ergänzungen) verlieren sie früher oder später nicht nur beides, sondern auch am Ende insgesammt ihre Ertragsgrundlagen.

09.09.2005 21:07 Uhr

Tigerty

RE: War das jetzt alles?

Wundervoller Text! Genau der Spiegel den sich die "schöne" Gesellschaft vorhalten sollte!

10.09.2005 02:22 Uhr

collin

RE: War das jetzt alles?

menschen werden zum nutzvieh der medien, zum opfer der gefühle, zu eitel für erkenntnis und nur du weist was noch alles;)

werd mir den text noch öfters durchlesen.
gruß collin

10.09.2005 03:53 Uhr

LaHni_Lord

RE: War das jetzt alles?

naja, so ganz alleine stehst du nicht da, sooo arg kann man das jetzt nicht verallgemeinern. Klar, der großteil ist so, wie du das beschreibst, da stimme ich dir zu, vor allem viele von den jungen Menschen. Aber es giebt noch so einen kleinen... Mezzosopran ^^ der so vor sich hin liebt...
Lord

10.09.2005 10:20 Uhr

toxic_garden

RE: War das jetzt alles?

ich gebe die Hoffnung auf eine Generation nicht auf, die sich diesem Einfluss nicht nur entziehen _kann_, sondern auch entziehen _will_. Die Weichen sind auf jeden Fall gestellt, eine Überreizung an unrealistischen Idealen ist schon lange eingetreten, und irgendwann wird die vielbeschworene "pubertäre Trotzreaktion" sich nicht mehr gegen das Elternhaus oder andere alteingesessene Revolutionsziele, sondern gegen die neuen Feinde, die meinungsvorschreiben de Industrie, richten. Ich freue mich drauf!

10.09.2005 11:06 Uhr

SisterofEvil

RE: War das jetzt alles?

Guter Text, besonders den Abschnitt über Wertewandel finde ich sehr treffend beoabchtet. Allerdings steht da einmal: "man musste sich zuerst diese Beziehung erarbeiten und verdiente sich durch diesen langwierigen und aufwändigen Prozess den Sex".
Das stimmt nicht ganz, meiner Meinung nach. Früher gab es genügend Leute, die verheiratet wurden, ohne sich zu kennen, oder die sich mal gesehen hatten, den anderen toll fanden und dann heirateten, damit die Familie das Mädel in eine gesicherte Zukunft übergab. Schließlich noch die One-Nigh-Stands, die in der Heirat endeteten. Heirat ist in diesem Kontext als die "Eintrittskarte" zum Sex zu sehen. Außerdem hat die mangelnde Aufklärung über die weibliche Physiognomie einen Großteil der unzufriedenen Frauen zu verantworten. Wer nicht weiß, dass Frauen tatsächlich einen Orgasmus bekommen können, wird darauf auch nicht hinarbeiten.

10.09.2005 13:10 Uhr

0_Punkte

RE: War das jetzt alles?

Teilweise treffend formuliert, aber im Großen und Ganzen viel zu drastisch. Trotz unserer "Mediengesellschaft" dem damit einhergehenden Wertewandel und aller dadurch verursachten gesellschaftlichen Veränderungen gibt es Wesenszüge und Bedürfnisse die jeder Mensch nuneinmal hat, die er auch nicht so ohne weiteres ändern kann, die auch nicht so ohne weiteres geändert werden können. Das unsere Gesellschaft in Sachen Sexualität freizügiger geworden ist, stimmt zwar, bedingt aber noch lange keine Abwertung des selbigen. Als Beispiel: Ich hab meinen ersten Porno mit 8 bei einem älteren Kumpel gesehen und über die Jahre wohl noch einige mehr. Obwohl also mein erster Eindruck von Sexualität ein völlig realitätsferner war, hatte ich nicht das Gefühl mein erstes Mal müsse im Rahmen eines Gangbangs stattfinden (überspitzt gesagt), weil da eben noch andere Gefühle in mir sind die nicht nur durch Einflüsse von aussen beeinflusst werden weil sie viel elementarer sind. Und überlegt man sich mal welche Zeiten du mit "früher" meinst, dann muss ich sagen das ich doch ganz gerne in dieser Zeit lebe und die unterschwellige Botschaft "Früher war alles besser" nicht verstehen kann, obwohl auch heute vieles schlecht ist. Meiner Ansicht nach ist nur eins sehr wichtig und das betrifft alle Bereiche die du in deinem Text genannt hast, man sollte in allen Lebenslagen eine kritische Vernunft bewahren, das galt damals und gilt auch heute noch. Dann klappt der Rest auch ganz gut.

10.09.2005 15:28 Uhr

RedSonja

RE: War das jetzt alles?

wenn ich sex habe mit einem menschen, den ich liebe, mit dem anderen, dem sexualpartner, dem/der geliebten (eben) dann ist es egal, wie er aussieht, wie ich aussehe, dann will ich den menschen spüren, schmecken, erleben, will seine abgründe fühlen, sehen, spüren. bin gierig nach dem menschen, nicht nach dem körper. der ist nur die hülle, die schnittstelle.

und dann werde ich intim. automatisch.

es tun mir die menschen leid, die so in ihrem eigenen selbstbild gefangen sind, dass sie sich nicht mehr fallenlassen können, denn dann würde ja ihre fassade zerbrechen. und eben intimität entstehen. risiko ist das, ja. und?


10.09.2005 17:43 Uhr

Ostrakosmos

RE: War das jetzt alles?

Tja siehst Du, es ist eben ein Generationenphänomen . Und ohne Dir jetzt zu nahe treten zu wollen: Du gehörst eben noch zu der Generation, für die Intimität noch so etwas wie eine Selbstverständlichke it oder eine Art notwendige Voraussetzung ist.
Meine These ist ja: Bei den Teens und Twens von heute ist das nicht mehr so.
Oder?

12.09.2005 08:39 Uhr

julianelotta

RE: War das jetzt alles?

Maria sagt: "Weil du noch immer glaubst, dass Liebe und Sex zusammen gehören..." Und lächelt mich mütterlich-wissend an. Sie weiß es nämlich längst besser, dass wir diesen
Anachronismus längst hinter uns gelassen haben. Und mit ihm so einiges. Das weiß ich nicht nur, dass fühle ich auch, jedesmal, wenn ichs versuche, die Liebe nicht mitspielen zu lassen. Vielleicht geb ich das bald mal auf. HAst Du den Schatz schon gefunden, oder bist du auf der Odysee-strecke geblieben?

10.09.2005 19:20 Uhr

Ostrakosmos

RE: War das jetzt alles?

Sehr persönliche Frage, das.
Aber Du ahnst es ja schon: In der Tat - die Odyssee. Meine Schatzinsel ist noch nicht entdeckt. Es müsste sich mal jemand die Mühe machen, die Schatzkarte zu entziffern...

12.09.2005 08:44 Uhr

lauren

RE: War das jetzt alles?

Respekt, ein wirklich gelungener Text, der den Nerv der Zeit trifft. Es spiegeln sich unsere Handlungsweisen darin. Auch ich erkenne mich teilweise wieder und obwohl ich die gleichen Gedanken habe, ist es fraglich ob ich es ändern kann. Ich denke so geht es vielen. Sie wissen darum, aber sie ändern nichts daran. Auch hier entsteht oft dieser Zugzwang.

10.09.2005 23:51 Uhr

Mme_Goldfraeppli

RE: War das jetzt alles?

*chapeau*
-eine sehr gelungene beobachtung der wahnsinns parallelen, die sich in unseren gesellschaftlichen abgründen auftun!

am erschreckendsten ist wohl, dass sich viele den propagierten idealen unkritisch unterwerfen und sich bedauerlicherweise in ihrer freiheit von der allseits präsenten und kaum entziehbaren "hirnwäsche" durch Medien in ihrer persönlichen freiheit so einschränken lassen.

der "zwanglose" sex wird demnach
-bedauerlicherweis e- zu einer hohen kunstform mutieren und keine selbstverständlichke it bleiben.

WIE BEDAUERLICH!!!

...aus diesem grund plädiere ich für die cellulite-, reiterhosen- und rettungsringdemenz und gegen die utopische dauerpräsenz des körperlichen perfektionismus....a men!!

10.09.2005 23:53 Uhr

grond

RE: War das jetzt alles?


"Gestopfte Würste" (Tucholsky)

11.09.2005 00:54 Uhr

chewescape

RE: War das jetzt alles?

Interessant zu lesen.
Allerdings finde ich den Text viel zu verallgemeinert.
Teilweise muss ich dir sogar widersprechen.
Mich wundert in letzer Zeit immer mehr, wieso sich diese Typen, mit denen ich im Bett bin den Arsch nicht mehr rasieren.
Die Welt ist zu bunt, als dass man sie verallgemeiner könnte.

11.09.2005 12:46 Uhr

felisim

RE: War das jetzt alles?

ich verstehe, warum der text im forum so gut ankommt. er scheint einen konflikt der heutigen zeit, vor allem der heutigen jugend zu behandeln. da wurde was in den letzten jahrzehnten - gewollt - entmystifiziert, und nun steht die neue generation da und leidet darunter, dass sex etwas "ganz normales" geworden ist. dennoch will ich den text mehr als deutlich kritisieren. es ist, was die schlussfolgerungen angeht, nicht viel wahres dran, und dazu manch gefährliches. hier nur ein paar punkte: 1. bitte hört auf, die gute alte zeit herbeizusehnen. wer denkt, sex war früher für die mehrheit unverkrampft, lustvoll und befriedigend, der sollte sich besser mit der geschichte der sexualität beschäftigen und insbesondere mit der rolle der frau (die noch bis in die siebziger jahre angeblich keine lust beim sex empfinden konnte). das schreit zum himmel! 2. in der heutigen teilweise medial vermittelten welt spielen images oder brands eine immer grössere rolle. aber sorry, ich denke nicht an all das, wenn ich die haut eines menschen spüre, der mir in dem moment im vollkomenen sinne nahe ist. vielleicht sollte sich jemand, der unzufrieden ist, weil der sex nicht so wahr wie er auf dem bildschirm erschien, sich mal fragen, auf was er wirklich steht und das ausprobieren! 3. der artikel sagt ganz zurecht, dass guter sex ohne ein gesundes selbstgefühl und selbstbewusstsein nicht möglich ist. die schuld dafür einfach in dem - anscheinenden - gesellschaftlichen verfall zu sehen, erscheint mir aber zu billig. nehmt euch selber so an, wie ihr seid und packt das an, was ihr ändern wollt! 4. guter sex - nur mit liebe? ich muss sagen, bei den passagen im artikel wurde mir heiss und kalt. wer sex zu so etwas heiligem hochstilisieren will, landet im mittelalter oder im neuen testament bei der unbefleckten empfängnis. sex wird nicht besser, wenn man die erwartungen an ihn zu hoch schraubt oder wenn man ihn an eine gesellschaftliche konvention wie die ehe bindet. ich will mich lustvoll auf einen menschen einlassen, zärtlich sein und die stellen - im kopf und am körper - entdecken, die ihn "berühren". das ist für mich guter sex im besten sinne! 5. zum schluss zum text allgemein. bitte verallgemeinert nicht, wenn ihr es nicht wissenschaftlich beweisen könnt. der wahlspruch, früher war alles besser, ist in dieser thematik völliger unsinn. glaubt an euch, traut euch, öffnet euch. probiert aus. ihr seid gefragt. weil es für euch ist. und keinen gott und keine sonstige heiligkeit.

11.09.2005 19:13 Uhr

Ostrakosmos

RE: War das jetzt alles?

Danke für die sachliche Kritik, auch wenn sie mich insgesamt nicht überzeugt. Einige Einwände meinerseits:

1.: Dass früher alles besser gewesen sei, habe ich nirgends behauptet und ich glaube, ich habe es auch deutlich genug im Text formuliert, um diesem falschen Eindruck vorzubeugen. Allerdings glaube ich nach wie vor, dass es früher mehr guten Sex gab.

2.: Ich bin konfessionslos und dementiere deshalb entschieden, dass mir unterstellt wird, ich hinge der unbefleckten Empfängnis oder sonst irgend einem religiös-fanatischen oder fundamentalistischem Irrsinn an.

3.: Zur Verallgemeinerung und zur wissenschaftlichen Untermauerung.
Ich bin studierter Soziologe und habe mich unter anderem mit der empirischen Sozialforschung auf den Gebieten Sexualität und Intimbeziehungen eingehend informiert. Meine Einschätzungen entspringen vor allem empirischen wissenschaftlichen Studien.
Und das Verallgemeinern lässt sich nun einmal nicht vermeiden, wie wir alle wissen. natürlich gibt es Ausnahmen, zu denen zähle ich mich in diesem Fall auch.

12.09.2005 09:00 Uhr

felisim

RE: War das jetzt alles?

zu 1.) würd mich interessieren, auf welcher grundlage du diese aussage triffst. was ist für dich früher? und was sagst du zu dem argument, dass sexualität früher weit stärker tabuisiert war und als etwas schmutziges, primitives angesehen war (wohlgemerkt, ich spreche von den gesellschaftlichen standards, aber der einzelne kann sich von diesen ja nicht vollständig befreien). Und was sagst du zu der Rollenverteilung von Mann und Frau?
zu 2.) das war polemik. fand nur, dass du ganz ähnlich argumentierst, wenn du sex zu so etwas besonderes hochstilisierst, was nur zwischen zwei menschen geschehen kann, die sich einander "hergeben". letztendlich ist sex EIN bestandteil einer beziehung, nicht sinn und zweck. das war er einmal, als er vor allem der fortpflanzung galt. womit wir wieder bei dem traditionellen begriff wären.
zu 3.) ich wollte deine wissenschaftliche reputation nicht ankratzen.
im übrigen kompliment für die annahme konstruktiver kritik!

15.09.2005 09:39 Uhr

Ostrakosmos

RE: War das jetzt alles?

Ich glaube, 2. und 3. sind damit erledigt.

Zu 1.:

Man muss bezüglich früherer Zeiten vor allem klar und deutlich unterscheiden zwischen ehelicher und außerehelicher Sexualität.
Einen besonders guten Zugang bietet hierzu beispielsweise die Einleitung von Luhmanns "Liebe als Passion".
Früher war es ja so, dass die Ehe ausschließlich die Funktion einer Wirtschaftsgemeinsch aft und einer fetsen sozialstrukturellen Institution hatte. Wenn in diesem Rahmen Sex statt fand, war er also rein verzweckt und hatte prinzipiell nichts, aber auch gar nichts mit Lust oder Liebe zu tun, sondern war reine Pflichterfüllung.
Lust und Liebe hat man früher rein über außereheliche Affären abgehandelt. Hierher gehört der Fürst und seine Mätresse, der Abt und seine Äbtissin, der Großbauer und seine Magd, der Pfarrer und seine Haushälterin, der Kaufmann und sein Dienstmädchen. In diesen Paarungen ist ja schon hinreichend viel über die Rollenverteilung ausgesagt - bloß ist die eben mitnichten als ein Hindernis der Lust zu betrachten. In diesen außerehelichen Affären fand der lust- und liebevolle Sex statt, und zwar in einer quantitativen Verbreitung und in einer Qualität, die wir heute notorisch unterschätzen.
Mir ist daran gelegen, diese Unterschätzung etwas zu korrigieren.

15.09.2005 12:47 Uhr

Stjaernaflicka

RE: War das jetzt alles?

"Wer mit angelegter Ritterrüstung fickt, dem kann zwar nichts passieren, aber er spürt auch nicht mehr viel. "

Sehr schön.

11.09.2005 20:05 Uhr

Skyteus

RE: War das jetzt alles?

Netter Text, wenngleich auch nicht ohne stilistische Friktionen.
Leider wird der pessimistische Tenor gegen Ende nicht aufgelöst; die Leere bleibt, ein Ansatz, sie zu füllen, wird nicht geliefert. Hier böte es sich beispielsweise an, auf die Autonomie des Handlungssubjekts zu verweisen; die Möglichkeit, einen Rahmen, der Intimität erlaubt, selbst zu schaffen und damit die soziale Determination zu durchbrechen. Diese Autonomie war in früheren Zeiten eine ebenso wichtige Voraussetzung für ein erfülltes Liebesleben wie heute, da Körperlichkeit und Lust niemals oder bestenfalls marginal Eingang in die kulturellen Normen der abendländischen Gesellschaft gefunden haben. Dieser Freiraum bot immer schon Potenzial für die Entwicklung interpersoneller Intimität - und wurde nur von bewusst handelnden Subjekten auch als solcher wahrgenommen; ansonsten blieb er - im wahrsten Sinne des Wortes - im dunkeln. Heute ist er wohlausgeleuchtet und wurde - im Zuge der sexuellen Revolution - ideel, aber nicht-normativ vorbesetzt. Das heißt: Die Chancen für guten Sex stehen heute besser als je zuvor, doch der ausgeleuchtete Handlungsraum fordert selbstbewusste Mitspieler. Hier mag sich mancher angesichts der erodierten Verhaltensnormen überfordert fühlen: Seine Unfähigkeit wird schneller deutlich - zumindest den Beteiligten - als in früheren Zeiten, als die Hermeneutik des Sexus noch nicht in den Eingang in Talkshows und Boulevardmagazine gefunden hatte. Das Ziel ist die Maximierung der Lust, der Weg - bis auf geringe Ausnahmen - kontingent. Bei dieser Wahlfreiheit, so scheint es, sollte jeder zum Sieger bestimmt sein. Unausgesprochen bleibt, dass die Freiheit der Wahl auch die Pflicht zur Entscheidung mit sich bringt. Mediale Vorgaben können hier paradigmatisch wirken, ohne doch verpflichtend zu sein. In diesem Sinne stellt die Präsenz des Themas Sexualität ein Angebot dar, aus dem sich jeder nach Gusto bedienen darf. Sie sollte nicht verwechselt werden mit einer Präsenz der Sexualität selbst, die heute noch immer im privaten - wenn schon nicht notwendigerweise intimen - Umfeld vollzogen wird. Ebensowenig sollte die Fiktion mit der Realität verwechselt werden, die Anleitung mit der Durchführung, die Modelle mit der Wirklichkeit. Doch dass solches geschieht, dafür spricht wenig. Vielmehr herrscht, wie eh und je, ein Klassenbewusstsein bei der Auswahl des Sexualpartners. Nach der Nivellierung der sozialen Herrschaftsklassen mag es da und dort vorkommen, dass es sich in einigen Gruppen durch die Äußerlichkeit der ihnen zugehörigen Mitglieder definiert: etwa "Barbies/Kens", Punks, Grufties usw. Aber auch für diese definiert es sich, wie für alle anderen, vor allem durch soziale Nähe im multidimensionalen Raum der Individualpersönlich keit: Gleiche Interessen wiegen schwerer als äußere Attribute. Im Rahmen dieser Bedingungen gilt dann wie stets, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist.

12.09.2005 00:43 Uhr

Ostrakosmos

RE: War das jetzt alles?

Danke für die sehr qualifizierten Ergänzungen. Natürlich hätte neon den Artikel nie online gehen lassen, wenn ich ihn so formuliert hätte. Da hört man dann doch den promovierten Geisteswissenschaftl er (da liege ich nicht ganz falsch, oder) heraus (nix für ungut).

12.09.2005 09:05 Uhr

Ostrakosmos

RE: War das jetzt alles?

Dass am Schluss die Leere stehen bleibt und nicht gefüllt wird, ist übrigens Absicht. Das, so meine ich, muss schon jede(r) selber leisten - wenn das denn überhaupt als Leere empfunden wird, was ich ja auch nur vermute.
Der Artikel ist als Denkanstoss und Diskussionsgrundlage gedacht.

12.09.2005 11:10 Uhr

Ostrakosmos

RE: War das jetzt alles?

Freut mich, dass Ihr den Text alle interessant findet, jetzt mal davon abgesehen, ob Ihr mir im Einzelnen zustimmt oder nicht.
Jedenfalls denke ich schon, dass ich da einen Nerv unserer Generation getroffen habe, wenn ich mir die vielen Kommenmtare ansehe. Werde versuchen, mich durch alle durchzukämpfen...!

Danke fürs Feedback.

12.09.2005 08:02 Uhr

RedSonja

RE: War das jetzt alles?

@ the author
ich bin mir nicht sicher, dass es sich hier um ein generationenproblem handelt. und mal keine scheu, du trittst mir schon nicht zu nahe, wenn du auf mein alter anspielts. :)

ich denke, intimität zuzulassen erfordert mut und selbstvertrauen. sich einem anderen auszuliefern, bzw. den anderen bereit zu sein aufzufangen erfordert persönliche stärke, gelassenheit und - ich wiederhole mich - selbstvertrauen.
dies sind eigenschaften, mit denen niemand geboren wird, sondern in die man mit glück und erfahrung hineinwächst.

daher ist es wohl eher eine frage des alters als eine der generation. wir haben damals auch wild durch die gegend gevögelt ohne intim miteinander zu werden, beleive me.. *herzlicheslachen*
und dass ich heute keinen sex haben mag ohne intim zu werden, ist eine entscheidung, die aus meinen damaligen erfahrungen resultiert.
sex ohne intimität ist für mich wie onanieren mit beteiligung einer andren person. und das brauch ich nicht wirklich. nicht mehr.

davon ab könnte man ja mal annehmen, dass dein artikel das ergebnis eines bewußteseinsprozesse s ist, der dahin fürehn kann, dass du dir selber - und deinen parntern - sagst, he, so will ich das nicht mehr.

12.09.2005 09:39 Uhr

Ostrakosmos

RE: War das jetzt alles?

Hoppla, jetzt trumpfst Du aber ganz schön auf!
Herzlichen Glückwunsch auch, aber beim Wild-durch-die-Gegen d-Vögeln kann ich nicht mitreden, in der glücklichen Lage, das tun zu können (vorsicht: Männer- und Frauenphantasie!), war ich noch nie...

12.09.2005 10:42 Uhr

RedSonja

RE: War das jetzt alles?

:)) auftrumpfen? meinst du? war nicht so gemeint.

wozu gratulierst du mir?
ob jemand in einer "glücklichen lage" ist, wenn er oder sie wild -- du weißt schon -- keine ahnung
das wären auf jeden fall die situationen, die ich mit "sex ohne intimität" verbinde.
eben ohne den partner zu "berühren" heute der vielzitiierte ONS. ab und an auch mit wiederholungen.

hab grad noch mal über deinen artikel gelesen. ich glaube du meinst es allgemeiner, oder?

12.09.2005 11:10 Uhr

ulf

RE: War das jetzt alles?

Stil
Ein brilliant geschriebener Artikel. Wortgewaltig, analytisch gut. Subjektiv besser als das, was mancher Neon Autor abliefert. Und leider nicht von einem Superleser oder Spezialisten.
Mehr von dieser Qualität täte dem Forium gut, also
schreib weiter.

Inhalt
Völlig richtig und concludent.

Eigene Meinung
Wenn man Lust und Liebe trennen kann kann man auch heute noch guten Sex haben.
Nicht Jeder der im Rahmen bleibt
ist im Bilde.

12.09.2005 11:15 Uhr

_Spencer_

RE: War das jetzt alles?

full ACK

12.09.2005 20:32 Uhr

cheekybastard

RE: War das jetzt alles?

sehr schoener text.
In einer gesellschaft, in der jeder denkt er ist waehlerisch ohne mitzubekommen wie wahllos er ist, hilft nur ueberlegen. Doch was wird passieren, wenn die Jugendfoerderung noch weiter abnimmt? Was machen diejenigen die kein Buch zur Hand nehmen koennen oder wollen zum schoensten Zeitvertreib. Es ist ein her- und reinhalten, und das schoenste daran es ist auch noch die geburt unserer naechsten generation. Wie behandelt Mutter das Kind vielleicht in manchen Faelle (hoffe nicht in der mehrzahl), wenn es beim herhalten passierte. Fuer ein kleines bisschen summen und langeweile und dann noch so verantwortungsbewuss t?
Zu ein wenig kritik hier. Wenn etwas einen negativen Wert hat dann sollte man es nicht als Wert bezeichnen. Wir legetimieren dadurch diese existens mehr als sie es verdient hat und keiner gewoehnt sich so schnell daran wie wir.
Also Wertereduzierung waere angebrachter. Dann zum Thema frueher war alles besser. !. war es das auch besonders mit dem hinblick das es noch "besser" wird. In zeiten in denen wir mit uns selbst am laengsten beschaeftigt sind hat man dafuer vielleicht kein Auge und so geht es auch in diesem Thema. Wir wissen nicht was wir uns wert sind. Jedoch holen wir uns immer wohlfeil schoene Bestaetigungen. kurz aber so warm im Herzen. Das alles koennte vorbeisein wenn man sich fuer sich etwas mehr und eindringlicher zeit nimmt. Ich bin davon ueberzeugt das sich noch viele von den Bildern des grossen krieges auseinanderzusetzen hat und damit in Tagtraeumen steht in denen er von anderen abgeholt wird. Das koennen medien oder Interessensgemeinsch aften sein, wie die lokale Neonaziclique. Wer traegt den heute die Verantwortung fuer sein Handeln?

schoenen tag euch noch

13.09.2005 10:16 Uhr

evigpint

RE: War das jetzt alles?

die argumente scheinen auf den ersten blick stimmig zu sein
ich denke die werbung also die ''implizierten schönheitsmuster'' haben eine nicht so große wirkung auf die menschen die wissen wohin die werbung zielt (auf den kopf zielen die geldbörse treffen)
wenn man sich dessen erst mal bewusst ist hat man schon mal einen effekt der werbung ausgehebelt (bessere marke=>besseres labensgefühl=>bes serer mensch)
es gibt aber noch ganz andere
es ist wieder eine der frage der bildung und des wissens geworden ob man die muster entdeckt die einem tag füt tag in den kopf tropfen

13.09.2005 10:32 Uhr

cheekybastard

RE: War das jetzt alles?

Was gibt es fuer Interessen dafuer und dagegen und wie handelt jemand der verkaufen moechte.
Um mich mal angesprochen zu fuehlen.
gruss ;)

13.09.2005 10:38 Uhr

derThommi

RE: War das jetzt alles?

Guter Text! Auch wenn er doch ziemlich lang ist.
Ich denke da ähnlich, würde es aber der Einfachheit halber daran festmachen, dass den Leuten einfach der Mut fehlt.

Mut sich einzugestehen, dass man ist wie man ist und das jeder Einzigartig ist.
Mut dafür, an sich selber etwas zu ändern, wenn einem bestimtme Dinge nicht gefallen.
Mut es einfach zu tun.
Mut dazu, seine eigene Bequemlichkeit abzulegen.

Wem selbst das zuviel ist, könnte ja damit anfangen, einfach nicht mehr fernzusehen. Das klappt wirklich, jedoch braucht es wiederrum Mut, dies durchzustehen.

13.09.2005 14:09 Uhr

cheekybastard

RE: War das jetzt alles?

Warum Mut, den brauch ich wenn ich Angsthabe. Doch den meisten Menchen fehlt vielleicht nur das Wissen darueber. Mal schauen ob Sie dann auch Angst haben.

14.09.2005 14:11 Uhr

_chefrocka

RE: War das jetzt alles?

Ganz so pauschalisieren würde ich die Sexklamotte nicht: schließlich gehören immer mal wieder zwei [oder mehrere] dazu. Und wenn man einander vertraut, dann sollte dem wilden, hemmungslosen Pimp-my-Porno-Sex eigentlich nicht viel im Wege stehen, ausser der eigene, kleine Kopf.

[Z I T A T]
"Früher war eine legitimierte, auf geistiger Ebene angebahnte Beziehung die Voraussetzung und der Bezugsrahmen für die Ausübung von Sexualität; man musste sich zuerst diese Beziehung erarbeiten und verdiente sich durch diesen langwierigen und aufwändigen Prozess den Sex, sozusagen als Belohnung für geleistete Beziehungsarbeit, als Ertrag aus umfangreichen und auf Dauer angelegten Investitionen."

>> das sehe ich auch heute noch so. Vielleicht sehen das momentan ein paar Jamba-Kidzzz anders, aber vielleicht werden auch sie noch das Geheimnis lüften.

[Z I T A T]
"Sex hat heute Verabredungscharakte r, er ist nicht mehr großes Ziel und Höhepunkt einer langen, gemeinsamen Beziehungsarbeit oder Suche, sondern er steht am Anfang potenzieller, noch gar nicht existierender Beziehungen. Sex dient allenfalls noch dazu, fragliche Beziehungschancen im Vorfeld abzuklären. Die Folge ist, dass man sich in aller Regel die Beziehungsarbeit spart, weil es nach dem gehabten Sex keine wirkliche Motivation mehr gibt, sie sich anzutun."

Zuerst einmal: der Sex sollte schon funktionieren, wenn man sich auf eine Partnerschaft einlässt. Mit schlechten Sex ist auch die Partnerschaft....sch wierig.
Ist diese Sache aber für beide geklärt, dann sollte Sex entspannt und die schönste Nebensache der Welt darstellen. Ich finde es auch problematisch, wenn du Sex als großes Ziel einer Beziehung ansprichst (oder verstehe ich das falsch?). Es ist eine Nebensache, kein Ziel. Es soll Spaß machen. Eher so: der Weg ist das Ziel, um mal eine Phrase zu dreschen [und direkt fünf Euro für das Phrasenschwein].

14.09.2005 14:27 Uhr

cheekybastard

RE: War das jetzt alles?

Der Buddhismus unterteilt das sehr schoen in 3 Teile. Sex Liebe und Mitgefuehl. In der Liebe hat man guten Sex und mit dem Mitgefuehl alles beides drunterliegendes. Aus gutem Sex kann sich Liebe und dann Mitgefuehl entwickeln. Mein Problem ist nur das vielleicht ie meisten menschen beim Mitgefuehl meinen nicht mehr zu lieben. Und wer sein Herz verschenkt und es sich wiederholt weil der Sex Sch... ist, naja. Weiss man auch was man von zu halten hat. Vielleicht waere lenken und erlauben sowie den Mund aufzumachen viel besser. Aber so denkt man der Partner ist unzulaengligch und merkt nicht das man selbst so ist.

15.09.2005 09:18 Uhr

Composer

RE: War das jetzt alles?

genau das hat mich auch gestört, diese Stilisierung von Sex als den Mittel(Höhe)punkt einer Beziehung, am besten noch als Defintion einer gesamten Generation. Auch wenn ich damit Freud und vielleicht den meisten meiner Geschlechtsgenossen widerspreche .... Sex ist nicht das wichtigste im Leben, und auch nicht in einer Beziehung.

Und auch in deiner guten alten Zeit (Zitat: Sex wurde demzufolge als verborgener, wertvoller Schatz angesehen, den man nach einer gemeinsamen Suche, die oft genug einer Odyssee ähnelte, vielleicht fand und aus den Tiefen der Tabuisierung hob) wurde dem Sex durch die angesprochene Tabuisierung eine viel grössere Wertigkeit gegeben als es alle Hochglanzpornobilder vermögen.

19.09.2005 13:53 Uhr

chrisausberlin

RE: War das jetzt alles?


Sehr guter und vor allem langer Artikel, gut analysiert und umschrieben. Was es dazu zu sagen gibt ist schon vielen Usern beschrieben worden. Werde es mir noch mehrmals in Ruhe durchlesen und zu gegebener Zeit nochmal komentieren.

14.09.2005 14:51 Uhr

DrProzac

RE: War das jetzt alles?

bub!

15.09.2005 18:01 Uhr

u-w

RE: War das jetzt alles?

7 > 6

16.09.2005 15:29 Uhr

marvis

RE: War das jetzt alles?

Ich habe den Eindruck, dass das Problem sogar noch schlimmer ist: Wer einmal in einer tiefgehenden Beziehung enttäuscht wurde, der lässt sich dann eher auf eine oberflächliche ein, umgekehrt aber selten. Den Schmerz möchte man einfach nicht noch einmal empfinden. Verständlich, klar, aber in seinen Ergebnissen durchaus problematisch.

17.09.2005 15:06 Uhr

Gainsbourg

RE: War das jetzt alles?

super text! Es ist alles richtig und dennoch scheint keiner es hören zu wollen, weil die Wahrheit wohl doch zu schmerzlich ist, denn es gibt einige Künstler seien es Filme macher oder Autoren, die diese Entwicklung der Sexualität kritisieren.
Irgendwie scheinen die 68er wenn sie es vielleicht auch gut gemeint haben diese Entwicklung angestoßen zu haben. Vielleicht suchte man damals unbewußt nach einer neuen Form der Hierarchiebildung. Die familiäre Herkunft war damals schon relativ unbedeutend, finanziell ging es eigentlich allen mehr oder weniger gut. Nur der Sex eignet sich bestens für ein neues Hierarchiesystem, denn wo ist denn der Unterschied zwischen denen die viel und wenig haben noch so groß? Die Medien tragen zudem noch dazu bei, dass der Unterschied immer größer wird.

19.09.2005 12:50 Uhr

Lotus

RE: War das jetzt alles?

Viele wahre Worte, die aber sicherlich viele Leute nicht lesen wollen, weil sie sich sonst eingestehen müßten, daß Du über sie schreibst.

19.09.2005 15:50 Uhr

Splinter

RE: War das jetzt alles?

Absolut genialer Text! Genau derart wollte ich auch mal einen schreiben, das hat nie geklappt. ;)

Ich muss allerdings zur Verteidigung aller sagen: Ich habe auch schöne Erfahrungen gemacht.:) Und ich bin noch jung!;)

20.09.2005 16:42 Uhr

Nachtmensch

RE: War das jetzt alles?

Großstadtkrankheit.< br />Oder Symptom? Wenn man man selbst bleibt, kommt der Rest von alleine. Irgendwann.

20.09.2005 21:30 Uhr

Seesternchen

RE: War das jetzt alles?

Ja, IRGENDWANN...

20.09.2005 21:36 Uhr

cheekybastard

RE: War das jetzt alles?

Du wirst leider keinen finden der das nicht von sich behaupten kann. Jeder denkt er lebt moralisch und mit sich im reinen.

22.09.2005 11:11 Uhr

Plautzi

RE: War das jetzt alles?

Du armer Mensch, wenn du Sex mit "blue chips" (Dein Exkurs zur Börse) vergleichst.

Sex sollte doch nicht zum Selbstzweck verkommen, sondern auch eine weitere Form der Kommunikation bleiben.

Was bin ich (als Produkt meiner 68er Eltern) froh, dass ich beim Sex gar nicht daran denken könnte, den Bauch einzuziehen. Müsste ich mich auch noch darauf konzentrieren, anstatt mich fallen zu lassen, und mit meiner Partnerin als ein riesiger Haufen Geschnetzeltes im präkomatösen Zustand zu enden...
... Mann, wär das fad.

Auch denke ich nicht, dass die Leute den Sex als Statussymbol, o.ä. ansehen, oder erzur Belanglosigkeit wird.
Ich denke, wenn wir mit unserem Sexualpartner alleine sind, pfeifen wir auf die Konventionen, das Imagedenken und den Vorbildern aus Werbung und Film.

Da lassen wir es krachen und konzentrieren uns auf das Wesentliche: sich nicht zusammenreißen zu müssen, sondern einfach nur den wilden, hemmungslosen Sex zu genießen!

29.09.2005 14:43 Uhr

felisim

RE: War das jetzt alles?

diesen kommentar teile ich ganz und gar...

08.10.2005 15:16 Uhr

Neffe

RE: War das jetzt alles?

viel kürzer und ... richtiger und wichtiger !!!!!

gn

21.10.2005 14:08 Uhr

Fake4d

RE: War das jetzt alles?

Genialer Text

06.10.2005 12:34 Uhr

TomDurenski

das war nicht alles.

ich teile deine Meinung! intimität bedeutet sich fallen lassen können, verletztbar zu werden. Die Fähigkeit dies zu erleben, zu lieben und damit irgendwann guten sex zu haben wird in der Kindheit grudlegend bestimmt, psychologisch betrachtet. Der Konsum in unserer Null-acht-fufzig fun-Welt zwischen Playstation und Plasmabildschirm entrückt uns von der Realität. Werbeinhalte und Filmszenen werden zum Maßstab. Ich denke weniger die Angst zu versagen, als vielmehr die Unlust sich auf die realen Dinge wirklich einzulassen, intim zu werden, führen zu einem degenerierten Bild eines sexlosen, unbefriedigten Singles. - Sex ist etwas wunderbares, solange man bei der Sache ist, solange Sex nicht bedeutet, dass ich zum Helden werden muss. Wenn Sex mit Liebe zu tun haben soll, dann darf Sex auch mit Schwäche zu tun haben. Kein Grund für Komplexe. Dann darf Sex auch etwas spannendes, besonderes zwischen mir und der (einer der ;-) ) Person sein, die ich liebe. Denn geliebt wird man ja bekanntlich nur dort wo man Schwäche zeigen kann ohne Stärke zu provozieren. In diesem Sinne: glücklicher Sex kann erfüllend sein.

06.10.2005 19:57 Uhr

BlueStar

RE: War das jetzt alles?

wow !!!! super text!!!
trifft den nerv der zeit exakt!!!

.... was ja wiederum sehr traurig ist....

ich werd mir mal gedanken darüber machen, auf anhieb eine passende antwort auf all diese aussagen zu finden, find ich sehr schwer. aber das lob sollte schon mal stehen!! :-)

11.10.2005 14:02 Uhr

kotshiva

RE: War das jetzt alles?

Wurdest du schon mal bedingungslos geliebt?

Irgendwie hört sich in deinen Texten immer alles sooo schlimm an, da hat man permanent nen Drang zu widersprechen...

11.10.2005 15:19 Uhr

Neffe

RE: War das jetzt alles?

bei dem text fällt mr spontan lustkiller nr 3 ein : zu viel texten !!!!!!!!!!!!!!!

21.10.2005 14:06 Uhr

MarieTherese

RE: War das jetzt alles?

ein sehr wahrer text, mein lieber,das problem mit der intinmität und der verletzlichkeit ist allerdings auch folgendes: wenn man sich öffnet, sich fallen lässt, dann kann man nicht nur verletzt werden, sondern man WIRD auch früher oder später verletzt. mir persönlich ist es das zwar wert, aber es ist doch irgendwie verständlich, dass zu viele Menschen nicht dauernd mit sekunderkleber am herzen herumbasteln möchten

21.10.2005 14:29 Uhr

otoko79

RE: War das jetzt alles?

wow ja!
nach regen kommt nicht nur sonnenschein, sondern nach sonnenschein kommt auch wieder regen.

ja, schon trivial irgendwie. aber auch triviale erkenntnisse müssen getroffen werden! (und ich bin da meister drin. so!)

aber..
viel wichtiger ist jetzt die frage, was machen wir mit dieser erkenntnis? so leben wie du? sollte man vielleicht. ich finde dein verständnis für alle anderen (möglicherweise die mehrzahl - möglicherweise sehr schade..) sehr sympatisch.
deine sekundenkleber-analo gie gefällt mir gut, da ich auch selbst zu bizarren bildern neige :)

26.10.2005 20:06 Uhr

LostSoul

RE: War das jetzt alles?

Ich möchte vorwegschicken, daß ich Dir ungern widerspreche, weil Deine Darstellung fundiert und richtig ist, überdies funktionale Zusammenhänge transparent macht, was ich wichtig finde.

Dennoch möchte ich anmerken, daß der historische Bogen zu kurz greift. Das Phänomen ist letztlich weit älter und die Liebesunfähigkeit eine soziotektonische Konstante, die sich weder zufällig ergab, noch aus unserem Jahrhundert stammt.

Das grundsätzlich Schema der Soziotektur, also der gesteuerten Gesellschaft, in der Triebstrukturen des Einzelnen zum Motor einer selbststabilisierend en gruppendynamischen Unterdrückungsmechan ik werden, geht auf die Christianisierung Europas zurück.

Kernelement ist die Lehre des Augustinus: Der Mensch soll seinen eigenen Gefühlen entfremdet werden, damit er von sich selbst und dem Einsatz seiner Energie für eigene Ziele abgehalten bleibt und zwar durch gruppendynamische Kontrolle über einen fremdgesteuerten Deutungskontext für jegliche emotionale Regung.

Hier in Deutschland wird die Situation seit etwa zweihundert Jahren von oberflächloch betrachtet säkularen Institutionen beherrscht. Schlüsselstellung ist das Schulwesen, mitlerweile das darauf aufbauende Medienunwesen: insbesondere der elektronische Muezzin, wie ich es nenne.

Das Problem dürfte nur schwer zu lösen sein, weil Institutionelle Strukturen eine höhere Lebenserwartung als einzelne Menschen haben. Ehe man alle Hintergründe erfasst hat, eine Methode entwickeln kann, Mitstreiter findet...

...klopft Gevatter Tod an die Tür. Institutionen haben einen langen Atem, insbesondere weil sie ihre jeweilige Ausrichtung bequem fortpflanzen können, indem sie ihr Personal arbeitsteilig überlagert durch geschichtete Verantwortlichkeiten selektieren und ihr Erfahrungsraum stetig wächst. Dem ist schwer beizukommen.

21.10.2005 14:44 Uhr

Sabs

RE: War das jetzt alles?

sollte man die heutige sexuelle Situation nicht einfach mal so nehmen wie sie ist und mit sich selbst vereinbaren, was für einen selbst klar geht und was nicht? Ich persönlich finde es überhaupt nicht schlimm, das Sex unpersönlich sein kann, wenn man es will, denn Sex ist Sex und trotzdem kann er gut sein, auch wenn man nicht zu 100 % mit sich und seinem Körper zufrieden ist! Man sollte es mal so sehen: Man hat alles Möglichkeiten, man muss sich nur aussuchen, welche einem am ehesten zusagt, oder zumindest Situationsbedingt zusagt!

23.10.2005 14:23 Uhr

otoko79

RE: War das jetzt alles?

Da hab ich ja als AB nix zu erwarten. hehe.

ne mal im ernst. ich glaube, wenn sich mal eine mit mir einlässt, wird die sicherlich nicht aus dem bereich kommen, wie du ihn beschreibst. ich hab da ein paar unverwechselbare merkmale zur optimalen abschreckung von geistig verwirrten.
Das hab ich mir übrigens schon vor jahren gedacht: wenn man häßlich ist, ist das die einfachste möglichkeit unerwünschten kontakt mit oberflächlichen leuten zu verhindern! jahre später muss ich sagen: ES WIRKT!
ich sollte es patentieren und verkaufen... ich brauch noch geld.

26.10.2005 19:35 Uhr

Singapur

RE: War das jetzt alles?

Toll

28.11.2005 21:07 Uhr

palimm

und früher war alles besser?

Alles soweit interessante Thesen, die was die Vergangenheit betreffen erst einmal als Norm galten.
Doch wo sind wir heute? Doch nicht in der zwangsweisen Darstellungskultur. Wenn man es weit gefächert betrachtet, so hat man endlich die Wahl. Ob ich mich dem Edikt der Selbstdarstellung und Schönheit unterwerfe bleibt meine persönliche Entscheidung. Ob man es glaubt oder nicht, es gibt auch Menschen die nicht nur oberflächlich sind und die trotzdem oder vielleicht gerade deswegen Sex haben... und genießen.

PS: Mir einfach zuviel Text

11.07.2006 23:12 Uhr



Artikel


Sehen


Fühlen


Wissen


Freie Zeit


NEON täglich


Webticker

Reise


Lieblingsorte