Psychologie
Der Bystander-Effekt
02.08.2005 12:43 Uhr
Warum bei einem Notfall die Wahrscheinlichkeit, dass jemand hilft, mit der Anzahl der Umstehenden abnimmt.
Es ist ein Paradoxon: Wir meiden im Dunkeln ängstlich einsame Gegenden und fühlen uns sicher in Menschenmengen, wo - oh Wunschtraum! - Tausende von helfenden Händen bereit sind, uns unter die Arme zu greifen, sollte uns denn einmal das Unglück heimsuchen.
Die wahre Welt aber erzählt andere Geschichten als unser Sicherheitsempfinden. Wenn wir auf sie hören, sollten wir hoffen, dass nur ein Zeuge anwesend ist, wenn wir mit dem Fahrrad kopfüber im Graben landen, eine Herzattacke erleiden oder Opfer eines Gewaltverbrechens werden. Dass uns geholfen wird, ist dann wahrscheinlicher, als befänden wir uns an einem Samstagnachmittag in der Einkaufszone.
Warum das so ist, untersuchten die Sozialpsychologen Latané und Darley. Sie entwickelten einen Fünf-Stufen-Prozess, den jeder Zeuge eines Notfalls durchschreiten muss, bevor er tatsächlich Hilfe leistet. Auf jeder einzelnen Stufe stellt sich die Anwesenheit anderer Menschen als Hindernisfaktor heraus.
1. Den Notfall bemerken
Ein Samstagnachmittag in der Innenstadt. Mütter bugsieren Kinderwägen und quängelnde Kleinkinder durch von hektisch hetzenden Passanten überfüllte Einkaufspassagen. Hier schreit ein Baby, dort buhlen Straßenmusiker um die Aufmerksamkeit der shoppenden Massen. Der Mensch weiß nicht, wohin mit Augen und Ohren – Reizüberflutung. Bestenfalls Scheuklappen aufgesetzt, denn die Zeit ist ohnehin knapp, und Menschenmengen lassen einen ja auch immer ein wenig unangenehm untergehen. Wenn da ein Unglück geschieht, und sei es nur, dass eine Einkaufstasche reißt und sich Äpfel und Tomaten auf den Asphalt ergießen, fällt das entweder gar nicht auf oder die Aufmerksamkeit wird so schnell in eine andere Richtung gelenkt, dass der Einzelne überhaupt nicht registriert: Da braucht jemand Hilfe!
2. Das Ereignis als Notfall interpretieren
Wir kennen diese Situation alle: Ein Obdachloser liegt am Boden, regungslos. Unsicherheit und Ungewissheit greifen um sich – schläft er nur seinen Rausch aus oder ist es vielleicht doch etwas Ernsteres? Nun ist der Mensch ein soziales Wesen, und auf Unsicherheit erfolgt – sofern möglich – automatisch der soziale Vergleich. Egal, ob wir nicht so recht wissen, wie zufrieden wir mit unserer Mathenote sein können oder ob wir Zeuge einer Situation werden, bei der wir uns nicht im Klaren darüber sind, ob es sich um einen Notfall handelt.
Hier hat nun das Phänomen der pluralistischen Ignoranz seinen Auftritt. Nehmen wir an, fünfzig Menschen sehen einen regungslosen Obdachlosen am Boden liegen, fünfzig Menschen sind sich nicht sicher, was hier vor sich geht, fünfzig Menschen gucken sich also zunächst einmal um: Was tun die anderen 49? Die anderen 49 tun scheinbar nichts, also kann das alles ja nicht so schlimm sein. Der Gedanke, dass ja auch andere Leute eventuell unsicher sein könnten, wird übertrumpft von der willkommeneren Erkenntnis: Wenn sich die alle keine erkennbaren Sorgen machen, muss ich das ja auch nicht tun!
3. Verantwortung übernehmen
Nehmen wir an, die Situation ist eindeutig. Der gestürzte Fahrradfahrer liegt in einer Blutlache – da gibt es nicht viel zu interpretieren, Hilfe muss her. Die Anwesenheit vieler Zeugen erzeugt das, was Psychologen Verantwortungsdiffusion nennen. Warum soll ich den Notarzt rufen, wenn die ganze Straße voller Menschen ist, die ein Handy besitzen? Warum soll ausgerechnet ich tun, wozu jeder hier in der Lage ist?
Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Menschen durchaus gewillt sind, in Notfällen zu helfen, wenn sie glauben, dass niemand außer ihnen dafür in Frage käme. Sollten wir uns, des Laufens aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums nicht mehr so ganz fähig, eines Nachts zufällig auf einsamen Straßen ein Bein brechen, erklärt sich der Erste, der unseren Weg kreuzt, mit hoher Wahrscheinlichkeit bereit, den Notarzt zu alarmieren. Passiert uns eben dies unter zahlreichen Menschen, kann es gut sein, dass sich niemand verantwortlich fühlt, uns zu helfen.
4. Entscheiden, wie man hilft
Da wirst du plötzlich Zeuge eines Unfalls und dir wird bewusst, dass der Erste-Hilfe-Kurs gefühlte Jahrzehnte zurückliegt und du nicht mehr den blassesten Schimmer davon hast, wie die stabile Seitenlage aussehen sollte. Was ist zu tun, wenn jemand aus dem Mund blutet oder der Arm unnatürlich verdreht absteht? Bist du in einer solchen Situation – ich wünsche das keinem – alleine am Unfallort, wirst du irgend etwas tun und dir dabei die größtmögliche Mühe geben. Sind andere Menschen zugegen, schießt auch automatisch der Gedanke in deinen Kopf, dass unter jenen sicherlich jemand die stabile Seitenlage beherrscht.
5. Helfen
Im Falle, dass du direkt vom Erste-Hilfe-Kurs in einen Unfall schlitterst, kannst du dir die obige Ausrede an den Hut stecken. Sofern du die letzten Stunden nicht verschlafen hast, wirst du hoffentlich wissen, was zu tun ist. Das aber ist noch lange keine Garantie dafür, dass du es tatsächlich tust. Denn die Angst ist groß: Vielleicht mache ich in der Aufregung doch etwas falsch? Jetzt, wo es ernst ist und ich nicht eine Gummipuppe beatmen soll, sondern einen Menschen aus Fleisch und Blut? Die Anwesenheit anderer macht die Entscheidung zu helfen schwerer, denn wie ein unfähiger Idiot dastehen will keiner. Wir sind nun mal nicht alle zum Helden geboren.
Fazit
Ist man sich dieser sozialen Prozesse bewusst, kann man daraus Konsequenzen für das eigene Verhalten ziehen. Darum ist es auch nicht nötig, sich für das nächste unvermeidliche Unglück eine einsame Insel auszusuchen. Schließlich ist es nicht so, dass automatisch nicht geholfen wird, sobald mehr als eine Person zugegen ist, wenn einem Pechvogel etwas zustößt.
Solltest du einmal mit dem Fahrrad in den Graben brettern oder Opfer eines Gewaltverbrechens werden und dann noch dazu in der Lage sein: Sprich die Umstehenden direkt an. Signalisiere ihnen: Ja, das ist ein Notfall, ich brauche Hilfe und lass so gar nicht erst pluralistische Ignoranz aufkommen. Verhindere Verantwortungsdiffussion, indem du mit dem Finger auf einen Menschen zeigst und sagst: „Hey, Sie in dem roten Pullover, können Sie bitte den Notarzt rufen?“
Auch als Zeuge einer nicht ganz einfach zu interpretierenden Situation kann Kommunikation mit anderen Passanten eigene Unsicherheiten reduzieren. Zu zweit oder zu dritt hilft es sich eben doch besser als alleine.




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wunderbarewelt
RE: Der Bystander-Effekt... na sowas, das war vor einiger Zeit mal mein Einstiegsthema in der Sozialpsych.-Vordipl omsprüfung =)
02.08.2005 13:06 Uhr
Plautzi
RE: Der Bystander-EffektGanz genau so ist es!
Ich kenne dieses Phänomen aus meiner täglichen Arbeit.
Die Hilfsbereitschaft der Leute sinkt proportional zur Anzahl der Anwesenden.
Schade, ist aber so.
Die Handlungsanweisungen im Fazit sind ein probates Mittel, Leute tatsächlich verantwortlich zu machen, nur dann, wenn sie wissen, dass genau sie gemeint sind, sinkt die Hemmschwelle, zu helfen.
Vielen Dank, dass du darauf hingewiesen hast!
02.08.2005 13:10 Uhr
MissLyra
RE: Der Bystander-EffektWas soll ich sagen? Kannst du Gedankenlesen? Genau dieses Thema werden wir nämlich demnächst in Psychologie behandeln :)
Solche Situationen sind wirklich ein großes Problem. Ich selbst bin zwar noch nie in eine solche geraten, doch dank deiner gedankenanstöße werde ich nun mit einem klareren Kopf an Unfallsituationen herangehen.
Verstehen tue ich nicht, wieso es Menschen so schwer fällt, anderen zu helfen - Psychologisch gedeutet hin oder her. Weil ganz egal was mir der Verstand, mein Gefühl, egal was sagt - sollte das Herz einem nicht sagen, dass dort ein verletzter MENSCH liegt, ein Lebewesen das Hilfe braucht? Nunja..
Vielen Dank für den Text :)
02.08.2005 13:31 Uhr
LadyAnarchy
RE: Der Bystander-Effekt@ MissLyra:
"Genau dieses Thema werden wir nämlich demnächst in Psychologie behandeln."
na, dann aber bloß nicht mit meinem artikel lernen, sondern lieber Latané & Darley im original lesen. ;) ich hab das hier ja schon extrem reduziert dargestellt.
02.08.2005 16:38 Uhr
Sirius
RE: Der Bystander-EffektMir hat man in einer großen Menschenmenge mal ganz toll geholfen. Lag aber sicher daran, dass die Helfende eine Krankenschwester war und mir gar nicht genug helfen konnte.
Hatte mich damals auf einer Sommerrodelbahn verletzt. Die Betreiber der Bahn haben mir allerdings nicht geholfen.
Das beste war, dass ich natürlich die Attraktion war und sogar mit Krankenwagen weggefahren wurde. Und da standen viele Mädchen um den kleinen pubertierenden Sirius herum :-)
Zum Glück war es letztenendes nichts schlimmes.
02.08.2005 13:32 Uhr
LadyAnarchy
RE: Der Bystander-Effektnatürlich (und glücklicherweise!) gibt es ausnahmen - der bystander-effekt greift nicht immer, und es wäre ja geradezu grausam, könnte man hier tatsächlich von einem gesetz und nicht nur von einer deutlichen tendenz sprechen.
ärzte, krankenschwestern, feuerwehrleute, securitys - wenn sich so jemand unter den anwesenden befindet, hat man natürlich extremes glück gehabt. mit deren beruf geht nämlich die hübsche eigenschaft einher, dass sie sich einfach IMMER verantwortlich fühlen! =)
02.08.2005 13:49 Uhr
comosea
RE: Der Bystander-EffektIn Zuerich auf dem Hauptbahnhof gab's mal eine Videoinstalation die zwei sich pruegelnde menschen und jede menge vorbeilaufende,wegsc hauende passanten zeigte. die prueglei war gestellt, die passanten normale leute, die nicht wussten das sie gefilmt wurden.
mit sicherheit haetten sie alle schlange gestanden zur konfliktschlichtung, wenn sie von der videokamera gewusst haetten....
02.08.2005 13:55 Uhr
helena
RE: Der Bystander-EffektHihi, stelle mir gerade vor, vermöbelt zu werden und mittendrin zu sagen: "He Jungs, Stopp mal eben - " und zu einem Passenten: „Hey, Sie in dem roten Pullover, können Sie bitte den Notarzt rufen?“
02.08.2005 14:24 Uhr
anne.shirley
RE: Der Bystander-Effektviel zu oft erlebt aber auch, dass viele helfer auf einmal kommen - mehr als man braucht.
und: ich gebe zu bedenken, dass der helfer auch ganz bös auf die fresse kriegen kann.
und: ich habe schon mal erlebt, das ich angepöbelt wurde, weil ich geholfen habe...
trotzdem toshi, sehr gut aufbereitet und klar verständlich ;-))
02.08.2005 14:47 Uhr
Florentinus
RE: Der Bystander-EffektFachdeutsch ist ja was sehr schönes: Hey, Sie, in dem roten Pulli, nun gucken Sie mal nicht so pluralistisch ignorant. Sie sollten sich nicht in Verantwortungsdiffus ion flüchten, sondern sich mit den anderen by-Ständern ver-by-ständigen. ;)
02.08.2005 15:15 Uhr
LadyAnarchy
RE: Der Bystander-Effekt*lol* genau!
(jaja, die angehenden akademiker, es ist schon ein kreuz mit ihnen, tststs...)
02.08.2005 16:40 Uhr
Fornarinari
RE: Der Bystander-EffektGuter und wichtiger Tip!
Tja, in eine Menschenmasse greifen die meisten Menschen nicht gerne die Verantwortung. Man hat da mal ein Experiment gemacht: in einem Zimmer mit Leuten wird Rauch gelasen, es sieht aus als ob es brennt...Normalerwei se würde man sofort den Raum verlassen und sich retten. Die Studie hat bewiesen, das man bevor man etwas unternehmt erst mal checkt was seine Mitmenschen machen. Und wenn die sich entscheiden, sitzen zu bleiben...bleibt man auch sitzen! Zwar gangen die Meisten letztendlich doch, aber wenn es ein richtiger Notfall gewesen wäre, könnte es für sie schon zu spät gewesen sein.
Also, sei doch ruhig etwas individualistischer!
02.08.2005 15:15 Uhr
LadyAnarchy
RE: Der Bystander-Effekteben das: pluralistische ignoranz. und das ist eine der studien, die eben im zusammenhang mit der theorie durchgeführt wurde. wenn ich mich richtig erinnere, sogar von Latané & Darley, aber ich kann's nicht mit sicherheit sagen...
02.08.2005 16:42 Uhr
Jollscherl
RE: Der Bystander-Effekthm... ich dachte ja immer: wenn ich mal als erste zu einem unfall kommen sollte, dann wüsste ich nich, was ich tun muss. und hätte angst, dem opfer noch irgendwie weh zu tun, indem ich ihm bei der beatmung rippen breche oder sowas.
naja, und dann wars soweit, und ich hab instinktiv alles richtig gemacht.
es gibt also zum glück auch menschen, die nicht nur dumm rum stehen.
02.08.2005 17:35 Uhr
radio_angara
RE: Der Bystander-EffektWenn Dein Output an interessanten Texten anhält, bekommst Du noch von der neon-Redaktion einen Job angeboten.
Du hast auch ein sehr breites Themenspektrum drauf. Hut ab!!
02.08.2005 18:19 Uhr
MainStream
RE: Der Bystander-Effektherrje, wie ich diese modelle hasse, so ein sinnloser müll. es gibt ja auch das mainstreamsche hungermodell
1. hunger bemerken
2. überlegen ob man essen will
3. überlegen was man isst
4. essen
5. entscheiden ob man nicht lieder bulemisches kotzen einleiten will
02.08.2005 20:14 Uhr
LadyAnarchy
RE: Der Bystander-Effekt
modelle hin oder her: es ging hier ja nicht darum, ein modell zu präsentieren, sondern aufzuzeigen, was genau in einer notfallsituation beim einzelnen beobachter vorgeht. und bevor ich hier konfus irgendwelche gedankenstränge niederschreibe, die dann ohnehin keinem weiterhelfen, hangele ich mich der übersichtlich- und verständlichkeit wegen lieber hübsch sortiert an einzelnen stufen entlang.
02.08.2005 20:17 Uhr
ulf
RE: Der Bystander-Effekt
SEHR GUTER ARTIKEL!
JEDER sollte sich jetzt mal überlegen, wie er er in einem Notfall helfen will. Wenn man sich vorher Gedanken macht ist man im Überraschungsfall vorbereitet.
Als Autofahrer noch ein wichtiger Punkt.
Eigensicherung ist das a und o. Fahre immer vor ein liegengebliebenes Auto und hole ZUERST das Warndreieck raus, Warnblinkanlage ist obligatorisch.
Dreieck aufstellen, Situation checken. Erste Hilfe per mobil anfordern, helfen.
03.08.2005 10:09 Uhr
LadyAnarchy
RE: Der Bystander-Effekt
"JEDER sollte sich jetzt mal überlegen, wie er er in einem Notfall helfen will. Wenn man sich vorher Gedanken macht ist man im Überraschungsfall vorbereitet."
leider ist das dann wohl doch ein wenig zu optimistisch. in einer tatsächlichen notlage sieht alles noch einmal ganz anders aus: vorher antrainierte handlungsabläufe mögen ganz hilfreich sein, aber eine garantie sind sie nie.
da ist der mensch dann doch viel zu sehr feiges arschloch. manch einer kann sich noch so oft vornehmen: "beim nächsten mal schreite ich ein, wenn eine mutter ihr kind in der öffentlichkeit schlägt!" - tut er's dann mal?
03.08.2005 11:08 Uhr
ulf
RE: Der Bystander-Effekt
Eine Garantie gibt es nicht, aber die Wahrscheinlichkeit steigt. =)
03.08.2005 14:48 Uhr
hellerBARde1789
RE: Der Bystander-Effekt
Interessantes Thema, gut geschrieben, guter Artikel. Ich denke auch, das weniger Egoismus & mangelnde Hilfsbereitschaft als Unsicherheit die Ursache für so manche unterlassene Hilfeleistung sind. Besonders die Empfehlung mit der direkten Bitte um Hilfe kann ich unterschreiben: In einer sehr vollen Disko hat mal ein Freund direkt neben mir einen Kreislaufzusammenbru ch erlitten. Ich habe ziemlich Schiss gekriegt, weil er weder einen niedrigen Blutdruck, noch viel getrunken hatte. Alle Umstehenden gafften entweder oder bemerken es (wg. Musik & Gedränge) gar nicht. Ich habe direkt einen Unbekannten (fast schon im Imperativ) angesprochen: "Hilf mir mal, meinen Kumpel vor die Tür zu bringen". Obwohl der Angesprochene von sich aus keinen Finger krumm machte, half er mir nicht nur meinen Kumpel quer durch die rappelvolle Disko zu schleppen, sondern blieb noch bei uns, bis Dornröschen wieder auf eigenen Füssen stehen konnte.
03.08.2005 13:24 Uhr
LudwigMartin
RE: Der Bystander-Effekt
Schöner, wertvoller Beitrag.
Dankeschön.
Vielleicht denkt man ja mal daran, wenn man einen Notfall bemerkt (bzw. unsicher ist, ob es wirklich einer ist).
03.08.2005 17:33 Uhr
grumpet
RE: Der Bystander-Effekt
Tja - Sozialpsychologie viertes Semester. Alter Hut unter uns Psychologen. Aber nichtsdestotrotz sehr ernüchtern und wahr. Machen wir es beim nächsten mal besser.
03.08.2005 17:36 Uhr
LadyAnarchy
RE: Der Bystander-Effekt
@ grumpet:
*lach* - bei uns war das schon im zweiten dran! ;)
und was bringt's denn, wenn das für uns psychos ein alter hut ist, die meisten anderen über solche vorgänge aber nur unzureichend bescheid wissen?
03.08.2005 17:42 Uhr
LudwigMartin
RE: Der Bystander-Effekt
Genau - dafür ist Zweitsemesterwissen doch da - um ein bißchen hausieren zu gehn.
Vor allem Ihr Psychos findet doch da immer offene Ohren. *neidisch sei*
03.08.2005 19:53 Uhr
LadyAnarchy
RE: Der Bystander-Effekt
hausieren gehen? *lach* okay! also, liebe neon-user, ich hätte da inzwischen vier semester soziologie, politik, psychologie, statistik und methoden zu bieten: was hättet ihr denn gerne? ;)
03.08.2005 21:10 Uhr
LudwigMartin
RE: Der Bystander-Effekt
- Ihr wollt Haribo-Goldbären?
NEIN!
- Ihr wollt Haribo-Lakritzschnec ken?
NEIN!
- Was wollt Ihr dann?!
STATISTIK!!!
STATISTIK!!!
STATISTIK!!!
03.08.2005 23:54 Uhr
Splinter
RE: Der Bystander-Effekt
Ich glaube nicht, dass in der Gruppe die Hilfs"bereitschaft" sinkt. Sie wird nur seltener umgesetzt. Ich glaube, dass das ein menschliches (soziales) Problem ist, aber ich glaube nicht, dass es ausschließlich anzuprangern ist. Wenn es in der Natur des Menschen liegt, hat es möglicherweise einen lebenserhaltenden Sinn. Möglicherweise ist der für die heutige Gesellschaft und ihr Zusammenleben nicht mehr nötig, aber ich denke, wenn es alle Menschen zu betreffen scheint, kann man nicht einfach Sturheit, Dummheit oder Ignoranz vorwerfen.
Warum Menschen sich so verhalten, ist sicher nicht zweifelsfrei zu beantworten. Es sei denn, man tut folgendes: Man selbst machts besser! :) Das ist ohnehin die effektivste Lösung für derlei Probleme.
03.08.2005 21:53 Uhr
LudwigMartin
RE: Der Bystander-Effekt
Splinter - wir beiden sind zwar HIER nicht die Psychologen, aber Dein Einwand ist diskutabel.
Erstmal würd ich die obige Beschreibung auch nicht wertend sehen, sondern eher erklärend. Eigentlich hab ich nach dem Lesen mehr Verständnis für die "glotzende Masse" als vorher.
Der lebenserhaltende Sinn steckt sicherlich nicht im tatsächlichen Umgang mit einer spezifischen Situation (Notsituation), sondern in den einzelnen Mechanismen, die oben aufgeführt, ja auch relativ bekannt sind:
1. Abstumpfung und eingeschränkte Wahrnehmung bei Reizüberflutung:
ziemlich klar, ohne dem wäre unser Hirn schon nach den ersten Lebensmonaten k.o.
2. Sozialer Vergleich:
in der Menschheitsgeschicht e bisher enorm wichtig - vielleicht setzt genau hier der Konflikt mit dem Pluralismus ein - wie sagte die Lady so schön: 'Pluralistische Ignoranz'
Das könnte ein grundsätzliches Problem sein: woran soll man sich orientieren, wenn jeder irgendetwas macht. Kleinster gemeinsamer Nenner wäre dann der Status quo: es ist nichts besonderes los.
Allerdings ist dieser 'Trieb' zweiseitig: er kann positive und negative Motive verstärken - je nachdem, je nach Umfeld. Wären wir Deutschen ein eitel hilfsbereit Völkchen, dann würde der Mechanismus genau anders herum wirken.
3. Verantwortungsdiffus sion:
Auch hier stößt die herkömmliche Bereitschaft, sich an einer Ordnung zu orientieren, an Pluralismus und Freiheit. Das sieht man sofort, daß Leute, von einem couragierten Helfer aufgefordert, sofort helfen - auch wenn sie bis dahin recht planlos wirkten.
Aber wenn halt keiner was sagt... diese Situation ist in der Menschheitsgeschicht e relativ jung, nicht mal ein Jahrhundert.
4. Entscheidungshemmnis :
Auch neu in der Geschichte: Aufgaben generell an Fähigkeiten zu koppeln, was ja durchaus Vorteile hat. Nachteil: Gefühlte Unfähigkeit in Dingen, zu denen man nun gerade keine Aus- oder Weiterbildung hatte. Hier greift weniger ein archaischer Ansatz, sondern eher die aufklärerische Selbsterkenntnis: Du bist, was Du weißt und kannst.
Hier sieht man, das dies nicht der Weisheit letzter Schluß ist.
5. Mut zur besonderen Tat
War schon immer selten, damit nicht alle aus der Reihe springen. Schließlich kann die 'besondere Tat' ein Helfen, kann aber auch eine chaotische Aktion bedeuten.
Die Regel "das Mehr an Unsicherheit durch ein Mehr an Kommunikation ausgleichen", um einen gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer freieren und pluralistischeren Welt aufrechtzuerhalten, taucht hier also konkret in der Alltagssituation auf.
Was ich ganz nett finde...
03.08.2005 23:16 Uhr
Seesternchen
RE: Der Bystander-Effekt
Wenn ich im Radio von einem Verkehrsunfall höre und von "Behinderungen durch Gaffer" macht mich das immer total wütend! Viele reden sich ja damit raus, dass sie keine Ahnung haben, wie das geht, mit der Ersthilfe. Aber ein Handy bedienen oder auch nur mit einem Verletzen beruhigend reden, das kann eigentlich jeder. Sicher kostet es Überwindung. Hab das schon selbst mal erlebt. War in Karlsruhe unterwegs und ein Radfahrer ist mit dem Vorderreifen in den S-Bahnschienen hängen geblieben und gestürzt, voll aufs Gesicht. Klar, sah ziemlich furchterregend aus mit all dem Blut, aber ich bin trotzdem hin und hab erstmal mit dem Handy einen Krankenwagen gerufen und mit dem Mann, der zum Glück ansprechbar war, gesprochen. Der Krankenwagen kam auch ziemlich schnell. Es stellte sich heraus, dass er ziemlich Glück gehabt hatte, er hatte eine Platzwunde an der Stirn und die Lippe war aufgeplatzt.
04.08.2005 13:01 Uhr
ulf
RE: Der Bystander-Effekt
Danke endlich mal wieder ein Beitrag der sich mit umsetzung befasst.
Es ist wie in Wirtschaft und Politik:
Ich denke das Problem ist es gibt Leader, bzw. Unternehmer die pragmatisch, eigenständig handeln und Verantwortungsethik haben. Und es gibt Befehlsempfänger die Anweisungen zum Handeln benötigen. Erstere sind bereit Verantwortung zu übernehmen letztere Anweisungen auszuführen.
(Die dritte Gruppe sind Moralethiker die nix tuen aber darüber diskutieren was andere tuen sollen.
z.B. Grüne)
Wenn die Weisungsausführer in eine solche Situation alleine kommen handeln sie. Wenn andere da sind herrscht Konfusion über Rangordnung und Auftrag.
Auch hier gilt: Lead, follow, get out of the way
04.08.2005 13:27 Uhr
Anna-
RE: Der Bystander-Effekt
mh... ich mag dieses schubladendenken nicht. dass es rangordnungen, leitwölfe, weisungsempfänger und 'diskutanten' gibt, ist klar. aber ich wehre mich immer dagegen in solche schubladen einsortiert zu werden... man wird weder als leader geboren, noch ist ein leader dazu prädestiniert, dies bis an sein lebensende zu bleiben. verhaltensweisen (mit ausnahme von urinstinktiven schemata) sind antrainiert, nicht unbedingt angeboren.
und auf einen notfall bezogen kann das bedeuten: jemand, der sonst nur der handlanger vom chef ist, uebernimmt auf grund was-weiss-ich-welche r umstände verantwortung, entscheidet und handelt eigenständig.
naja... so long
08.08.2005 22:46 Uhr
LudwigMartin
RE: Der Bystander-Effekt
Das ist auch in Wirklichkeit genauso, wie Du es empfindest: Die Gruppendynamik entscheidet, welche Rolle wir übernehmen. Und nach dem Motto "unter den Blinden ist der Einäugige König" kann in einer Gruppensituation auch jemand Leader sein, der das sonst nie ist.
Die Gruppe sortiert sich im Allgemeinen so, daß die verschiedenen Rollen abgedeckt werden und kann schließlich nur auf die Charaktere zugreifen, die nunmal anwesend sind. Dabei wird es sich allerdings trotzdem anhand der Anlagen der Einzelnen ordnen, denk ich.
09.08.2005 10:45 Uhr
Tonwerk
RE: Der Bystander-Effekt
uii... wie schnell man den Erste-Hilfe-Kurs vergisst!
04.08.2005 19:24 Uhr
Numark
RE: Der Bystander-Effekt
erste hilfe ist sowieso scheiße, lebensrettende sofortmaßnahmen viel besser!
ladyanarchie, wieviel effekte kennst du eigentlich noch so :)?
04.08.2005 21:04 Uhr
magicC
RE: Der Bystander-Effekt
Ich finde den Artikel sehr lesens- und lebenswert.
Denn Hilfeabhängig kann jeder von uns jederzeit werden. Dann liegt unsere Gesundheit in den Händen, meist fremder Leute.
Wenn ich mir weiter so meine Gedanken dazu mache, glaube ich, dass die Aufklärung über das Verhalten in Notfallsituationen durch die Zeit immer besser geworden ist.
Vielleicht würde eine TV-Öffentlichkeitsar beit noch um einiges die Hilfeleistung unserer Gesellschaft steigern.
Im Endeffekt, meine ich, muss ja dann jeder selbst für sich die Entscheidung treffen-wie weit er sich für oder gegen Hilfeleistung entscheidet. Auch das Hilfeunterlassen hat Konsequenzen.
Wenn Menschen untereinander darüber reden, steigt, so denke ich auch das Bewusstsein und die Sensibilität für dieses Thema. Toller Anfang hier! ===: ) Liebe Grüße!
05.08.2005 11:48 Uhr
friedi_t
RE: Der Bystander-Effekt
ich glaube es hat auch sehr viel damit zu tun ob man die leute drumherum kennt oder nicht... also wirklich sehr viel...und vor allem welches verhältnis man zu ihnen hat...
gruß
friedi_t
07.08.2005 17:49 Uhr
Honigkuh
RE: Der Bystander-Effekt
ist das nicht traurig? denn wo du recht hast, hast du recht.
07.08.2005 21:24 Uhr
faterick
RE: Der Bystander-Effekt
Also meine erste krasse Erfahrung zu diesem thema war kurz nach meienem zivilehrgang für den rettungsdienst... Meine erste bewusstlose Person war ein jogger, der auf dem parkplatz im beisein von mind 8 anderen personen zusammengebrochen war. Diese leute waren alle zwischen 20-30 jahren, also sollte vielleicht ein minimum an lebensrettendem wissen aus dem eh-kurs noch vorhanden sein, aber als wir kamen war es natürlich schon zu spät da der herzstillstand schon länger als 10 minuten gedauert hatte. der mann war 53 jahre alt und hätte wenn einer von diesen zuschauern nur ein bisschen was vom eh kurs behalten hätte keine schlechte überlebenschance gehabt. und es war aus meiner sicht eine "paradesituation" für lebensrettende sofortmassnahmen. kein blut kein erbrochenes... "einfach" nur drücken und beatmen...
08.08.2005 01:44 Uhr
MatzLE
RE: Der Bystander-Effekt
Sehr guter Artikel und ganz dicht an der Wirklichkeit...
Meine letzte Erfahrung dazu liegt erst einige Wochen zurück, ich hatte einen Fahrradunfall und keiner der Fußgänger (außer der Frau, die mir ins Rad gelaufen ist) hielt es für nötig mich zu fragen, ob es mir gut geht. Der belebte(!) Platz mitten in der Stadt war plötzlich wie ausgestorben...
Und alle machten einen Riesenbogen um mich, so als ob sie Angst hätten, sie könnten über mich und mein Fahrrad stolpern..
Da hab ich mal wieder gemerkt, wie krank unsere Land manchmal sein kann. Zum Glück hab ich auch Erfahrungen, bei denen es anders lief.
08.08.2005 19:30 Uhr
Aggie
RE: Der Bystander-Effekt
Vielleicht sind Menschen manchmal auch nicht anders als Tiere? Wenn einer umfällt stupzen sie ihn mal kurz an und wenn er nicht mehr mit der Herde weiterziehen kann, wird er liegen gelassen. Wenn zwei Tiere allein sind und einer fällt um, setzt sich der andere daneben und versucht ihn wieder auf die Beine zu bringen. Aber wir Menschen halten uns doch immer für besser als Tiere! Ich bin mal zu einem Unfall dazu gekommen. Man stelle sich vor:eine lange Landstraße, die immer geradeaus geht. Die Straße führt durch eine Senke und am anderen Ende wieder hoch. Obwohl es schon etwas dunkel ist und man mit Licht fährt hat man doch gute Sicht. Aus der Gegenrichtung kam ein Auto (sicherlich zu schnell - ließ sich aus der Entfernung nicht abschätzen). Das Auto kam plötzlich auf unsere Fahrbahn, drehte sich um seine eigene Achse und schlug in der Mauer neben der Straße ein. Es sah aus, wie im Film. Die Lichter kreisten, Staub wurde aufgewirbelt. Ich war allein in meinem Auto und ungefährt 15Fahrzeuge waren vor mir - deren Insaßen wahrscheinlich genau das gleiche Bild gesehen haben. Könnt Ihr Euch vorstellen, daß ich als zweites Fahrzeug angehalten habe??? Wie können über 10 Personen an einem offensichtlichen Unfall vorbei fahren??? Der erste dachte vielleicht: Ich bin schon vorbei - habe nichts gesehen. Der zweite: ich habe jetzt keine Zeit. Der dritte: nach mir kommen ja noch welche. Der vierte: vielleicht denken die, ich will bloß gaffen?..... Mir selbst sind auch 100 Fragen durch den Kopf geschossen: Hoffentlich leben die noch! Hoffentlich kann ich helfen!... Ich bin aus dem Auto gesprungen - auch mit hochhackigen Pumps und meinen besten Klamotten (war auf dem Weg zu einer Party). Die paar Meter zu dem geschrotteten Auto kamen mir vor wie eine Ewigkeit. Der Mann, der vor mir angehalten hatte, rannte bewaffnet mit Handy und Warndreieck umher. Aber ich wollte nur zu dem kaputten Auto. Der Fahrzeuginnenraum war voll Rauch und die Innenbeleuchtung war eingeschalten - es sah aus, wie Feuer. Ich habe gezittert und gedacht: hoffentlich verbrennen die nicht, irgendwie muß ich denen helfen! Man hat immer dieses Bild aus dem Fernsehen vor Augen, wie ein Auto nach einem Unfall explodiert. Der Rauch im Fahrzeug war nur von den ausgelösten Airbags und es brannte nicht. Das konnte man aber zuerst nicht erkennen. Ich habe die Fahrertür geöffnet und mich noch gewundert, warum die nicht verklemmt ist. Im Auto saß ein Mann: doppelt so groß und wahrscheinlich dreimal so schwer wie ich - und fuchtelte mit seinem Handy rum. Er stand eindeutig unter Schock, war ziemlich aggressiv. Ich fragte, wie es ihm ginge und wollte versuchen, ihn aus dem Auto zu bekommen. In dem Augeblick hörte ich hinter mir ein paar wundervolle Worte: "Machen Sie mal Platz da, ich bin Arzt!" Der Arzt war auch zufällig vorbeigekommen und hat angehalten. Der Mann, der vor mir angehalten hatte, hatte bereits Polizei und Krankenwagen gerufen und mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich sah, daß der verletzte Mann eigentlich nur leicht verletzt war und nun richtig versorgt wurde. Ich glaube, wenn ich - wie all die anderen vor mir - einfach vorbei gefahren wäre, würde ich mir heute noch Vorwürfe machen, daß da vielleicht ein Mensch meinetwegen gestorben ist! Ich habe hinterher erst mal eine Weile in meinem Auto gesessen und gewartet, bis ich mich wieder beruhigt hatte und weiter fahren konnte. Der Mann hatte großes Glück, daß er in einem dieser dicken teuren Autos unterwegs war. Aus so einem "kleinen Sarg mit Rädern" wäre er bei diesem Unfall nicht mehr lebend rausgekommen. Bei meinem "Rettungsversuch" habe ich mich überhaupt nicht gefragt, ob ich auch alles richtig machen würde. Aber ich wußte, das einzige was ich falsch machen könnte wäre wegzulaufen! Ich habe keinen Augenblick an meine teure Wildlederjacke gedacht. Im Gegenteil, beim Laufen habe ich mir die Ärmel über die Hände gezogen, um bei ebentuellem Scheibe einschlagen keine Splitter bzw. so wenig wie möglich Blut vom Unfallopfer abzubekommen. Ich verstehe nicht, warum Leute Angst haben, was falsch zu machen und deshalb Hilfe verweigern. Mein letzter Erste Hilfe Kurs ist zwar schon lange her aber ich erinnere mich, daß unser Lehrer sagte: es passiert oft, daß bei der Wiederbelebung ein oder zwei Rippen gebrochen werden. Das ist aber nicht so schlimm und heilt wieder. Viel schlimmer ist es garnicht zu helfen und den Verletzten einfach sterben zu lassen!
09.08.2005 11:58 Uhr
CharlesFrost
RE: Der Bystander-Effekt
Echos schallen umher
09.08.2005 21:31 Uhr
zozo
RE: Der Bystander-Effekt
Meine These: Vielleicht sinkt auch die Dankbarkeit des Opfers bei mehreren Anwesenden und den Leuten ist dies bewusst, somit helfen sie weniger bei mehreren Anwesenden....
10.08.2005 22:56 Uhr
MatzLE
RE: Der Bystander-Effekt
bekloppte These, ganz ehrlich
11.08.2005 04:41 Uhr
zozo
RE: Der Bystander-Effekt
war auch bischen Ironie mit drin, ganz ehrlich
13.08.2005 10:37 Uhr
MatzLE
RE: Der Bystander-Effekt
dann hab ich wohl einfach deine ironisch verdrehten augen übersehen, wie konnte ich nur? ;)
13.08.2005 14:45 Uhr
hanako
RE: Der Bystander-Effekt
es gibt noch hoffnung... gerade heute hab ich einen fahrradunfall beobachtet und innerhalb von wenigen sekunden waren außer mir noch drei andere leute da und wolten helfen... auf ner belebten kreuzung.
aber eigentlich ist es doch immer so, dass man gerne verantwortung abgibt, wenn man weiß dass es da jemanden gibt der es vielleicht bessermachen könnte. mal ehrlich: wenn man alleine ist, denkt man doch viel eher "augen zu und durch", oder? egal ob unfall oder präse oder weiß der geier was
12.08.2005 16:14 Uhr
9amir9
RE: Der Bystander-Effekt
Keiner will als erster auf die tanzfläche.
13.08.2005 20:39 Uhr
absturzkind
RE: Der Bystander-Effekt
Naja, ich denke auch nicht dass man das so verallgemeinern kann. sicher ist das bei vielen so, aber erst vor kurzem habe ich das gegentteil erlebt, als ich in einer vollen straßenbahn einfach ohnmächtig wurde... da haben mir erstaunlich viele geholfen, eigentlich sogar mehr als ich wollte...
14.08.2005 14:02 Uhr
Tobias83
RE: Der Bystander-Effekt
Hab selbst mal bei nem Auto-Unfall angehalten, da ich mich als Sani dazu verpflichtet fühlte (das gesetzliche lassen wir mal außen vor) - aber es ging auch genug anderen so, die keine Ahnung von sowas hatten. Es hielten auch danach noch einige Autos an und die Fahrer erkundigten sich, ob sie helfen könnten. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich aufm Land lebe und dort die Hilfsbereitschaft höher ist als in einer Stadt.;)
14.08.2005 21:50 Uhr
RE: Der Bystander-Effekt
hab das selbst schon mal erleben müssen. bin mal als 12jähriges mädchen im überfüllten bus ohnmächtig geworten. da der bus ja überfüllt war musste ich im mittelteil stehn, dort ists passiert. muss jeder gesehn haben, sind bestimmt um die dreissig leute hinter mir gesessen. ein paar minuten später bin ich wieder zu mir gekommen, auf dem boden liegend. und keine sau hat mir geholfen. das ist echt ganz arm gewesen.
18.08.2005 22:50 Uhr
RE: Der Bystander-Effekt
Mir fällt dazu ein Sketsch ein den ich neulich gesehen hab. wo eine Gruppe Leute um einen gestürzeten Radfahrer steht und eine Frau durch will, aber mit ihrem "Darf ich bitte durch in kann Erstze Hilfe" nicht wahrgenomen wir und erst als sie sagt " Lassen sie mich durch, ich kann nichts sehn!" wird ihr Vortritt gegeben.
Makaber, irgendwie -oder?
23.08.2005 11:47 Uhr
RE: Der Bystander-Effekt
ja, hab ich auch gesehen. ;-)
ansonsten wollte ich nur mal anmerken, dass es durchaus einen unterschied zwischen krankenwagen und rettungswagen gibt!
was ich auch nicht verstanden und hier irgendwo gelesen habe: wieso sollen lebensrettende sofortmaßnahmen besser sein als erste hilfe? LSM sind lediglich ein teil der ersten hilfe und ich plädiere immer darauf den "großen" kurs zu machen.
28.08.2005 23:13 Uhr
RE: Der Bystander-Effekt
Folgende Situation:
Ein aelterer Mann liegt/kniet neben einem Zaun am U-Bahnhof und versucht muehsam auf die Beine zu kommen schafft es aber nicht. Es ist Freitag gegen 5 Uhr Nachmittags und ca. 10 personen stehen etwa 3 m entfernt und beobachten den armen Mann bei seinen Aufstehversuchen.
Meine Mutter, die grade zu ihrem Auto laeuft sieht die Menschenmenge und geht dort hin um zu sehen was passiert ist.
Sie hilft dem Mann sofort und der bedankt sich so ueberschwaenglich als ob sie ein Engel oder so waere...... Er erklaert ihr, dass er sich an dem Zaun abgestuetzt hatte um sich den Schuh zuzubinden und dass ihm dann ploetzlich Schwarz vor Augen geworden ist.
Ich wurde schon beim Zuhoeren sauer auf diese unglaublich unfaehigen Menschen....grrrrrrr rrr boese dumm bekloppt bahbahbah
22.11.2006 08:20 Uhr
RE: Der Bystander-Effekt
ja, dsa wußte ich auch schon von meinem sozialpsychoprof und ich finde es nach wie vor sehr erschreckend.
da war mir das beispiel, in dem gesagt wurde dass, ich glaube ab 5 leute, es keinen unterschied mehr macht wieviele leute zum aufräumen nach einer party bleiben...
19.01.2007 23:25 Uhr