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Psychologie


Neon-Logo Magazin-Text [Psychologie] Ausgabe [September 2009]

Wie bin ich?

05.11.2009 14:45 Uhr

Bei der Einschätzung der eigenen MACKEN liegen wir oft weit daneben. Am liebsten sehen wir uns in einem besseren Licht. Das ist nicht dumm.

von anne_lemhoefer

Seine Sätze beginnen mit »Ich sag mal ...« Eine Meinung hat er zu allem, sei es Innenarchitektur (»Ich sag mal, da haste echt Stauraum«), Barack Obama (»Ich sag mal, da muss man jetzt erst mal abwarten«) oder moderne Kunst (»Ich sag mal, die ästhetische Idee, die dahintersteht, ist schon der Hammer«). In den Empfängerlisten von Einladungsmails fehlt er immer häufiger, was er aber als rein technisches Problem sieht (»Du hast bestimmt noch meine alte Mail adresse, ich geb dir mal die neue«).

Nur wieso merkt der Kerl nichts? Wieso merkt er nicht, dass es nicht am S-Bahn-Fahrplan liegt, wenn seine Gesprächspartner immer zufällig genau dann auf dem Sprung sind, wenn er sich warmgeredet hat -sondern an ihm selbst und seinem neunmalklugen Gelaber? Ihre Sätze beginnen mit »Ich weiß nicht ...« Irgendein Problem gibt es immer, sei es beruflich (»Ich weiß nicht, ob ich mich da jetzt bewerben soll«), kleidungstechnisch (»Ich weiß nicht, sind meine Knie für den Rock nicht viel zu knubbelig?«) oder zwischenmenschlich (»Ich weiß nicht, er wird schon seine Gründe haben, dass er sich nicht meldet«). An ihren Selbstzweifeln hat sie ihr Umfeld schon in der Grundschule wortreich teilhaben lassen (»Ich krieg bestimmt ?ne Fünf!«) und später die Kommilitonen zur Weißglut gebracht (»Ich weiß nicht, warum sollten die ausgerechnet mich für das Praktikum am Staatstheater nehmen? «). Dass sie bis zum Abi nie eine schlechtere Note als zwei plus bekam und später natürlich nicht nur das Praktikum, sondern auch den Studienplatz an der Filmhochschule, bezieht sie aber nicht auf sich (»Ich weiß nicht, wie das klappen konnte«). Ihre Freunde wissen genau warum: Sie ist super. Was keiner weiß: weshalb sie das selbst nicht sieht.

Mit unserem Selbstbild liegen wir oft grotesk daneben. Die einen überschätzen ihre Stärken gnadenlos, die anderen sehen nur die Schwächen. Sind wir zu leise oder schön laut? Richtig schlagfertig oder doch viel zu schüchtern? Nervig verpeilt oder liebenswert verträumt? Peinlich aufdringlich oder angenehm forsch? Und mal abgesehen davon, wie wir das selbst einschätzen -wie sehen das eigentlich die anderen?

Die beruhigende Nachricht zuerst: Es gibt wenige maßlose Selbstüberschätzer und auch nicht viele immerwährende Tiefstapler. Die meisten liegen irgendwo dazwischen. Allerdings mit einer eindeutigen Tendenz. Und zwar in Richtung Selbstüberschätzer. Verschiedene Studien zeigen, dass es eine grundsätzliche menschliche Neigung zur Selbstüberschätzung geben muss. Die meisten von uns sehen sich tendenziell so, wie sie gerne sein wollen -und damit oft toller, als sie tatsächlich sind.

So glauben zum Beispiel über achtzig Prozent aller Autofahrer, dass sie in puncto Fahrvermögen zu den fähigsten fünf Prozent auf den Straßen gehören. In einer sozialpsychologischen Studie gaben weit über die Hälfte der Befragten an, dass sie sich in zwischenmenschlichen Beziehungen für überdurchschnittlich sensibel, nachdenklich und gefühlvoll halten -die Frage wäre dann allerdings, wo der Durchschnitt herkommt. Am meisten überschätzen Menschen sich in den Bereichen, in denen sie sowieso schon ihre Stärken sehen. 94 Prozent der Professoren, die für eine große amerikanische Studie gebeten wurden, ihre eigenen Leistungen einzuordnen, waren sicher, im Allgemeinen »weit Überdurchschnittliches« zu leis - ten. Und siebzig Prozent der Studenten, die in einer anderen amerikanischen Studie kurz vor ihrem Universitätsabschluss gefragt wurden, ob sie sich für Führungsaufgaben geeignet hielten, bejahten dies.

Was Studien überraschenderweise auch zeigen: dass wir uns tendenziell über- und nicht unterschätzen, ist gar nicht so schlecht, zumindest wenn man darauf aus ist, insgesamt möglichst glücklich durchs Leben zu gehen. Dass Selbstüberschätzung ein Zeichen seelischer Gesundheit sein kann, haben Wissenschaftler bereits Ende der 70er Jahre mit dem »Sadder-but-wiser-Effect«, auch »depressiver Realismus« genannt, bewiesen. Das berühm- teste Experiment bestand darin, dass amerikanische Psychologen leicht depressive und völlig gesunde Testpersonen an ein Schaltpult stellten und baten, durch das Drücken verschiedener Knöpfe Glühbirnen anzuknipsen. Tatsächlich gab es keinen Zusammenhang zwischen dem Drücken der Tasten und dem Erleuchten der Lampen. Die Wissenschaftler rechneten damit, dass die depressiven Testpersonen davon ausgehen würden, sie wären nicht in der Lage, die Systematik zu verstehen und die Lampen dementsprechend gezielt an und auszuknipsen. Stattdessen durchschauten die Depressiven den Nichtzusammenhang sofort -während sich die gesunden Testpersonen über jede zufällig angeknipste Birne freuten, stolz auf ihre Leistung waren und das als Verdienst ihrer eigenen Geschicklichkeit ansahen. Die Gesunden überschätzten sich selbst -wohingegen die Depressiven die realen Zusammenhänge richtig einschätzten.

In der Sozialpsychologie gilt das Testergebnis als Beweis dafür, dass es für die Psyche gesünder ist, an die eigenen Fähigkeiten und die ei eigene Begabung zu glauben -selbst wenn sie realistisch gar nicht da sind. »Optimistische Selbsteinschätzungen, die nicht unangemessen von dem abweichen, was möglich ist, können Vorteile bringen, wahrheitsgetreue Beurteilungen sind dagegen selbstbegrenzend«, bestätigt auch der kanadische Verhaltenspsychologe Albert Bandura. Wenn ein Einjähriger nicht andauernd versuchen würde, einfach loszulaufen, obwohl seine Beine noch gar nicht stark genug dafür sind, würde er es vermutlich niemals lernen.

Aber warum fällt es uns überhaupt so schwer, uns selbst objektiv zu beurteilen? Zum einen, weil wir in unserer eigenen, ganz speziellen und in vielen Jahren entwickelten Bewusstseinsmatrix leben, aus der heraus wir fühlen, handeln und schlichtweg sind -und diese Matrix ist anders als bei jedem anderen Menschen auf dieser Welt. Soll heißen: Unsere eigenen Handlungen erscheinen uns aus uns selbst heraus (also zum Beispiel aus unserer Erziehung, unseren Genen, unseren Erfahrungen, unserer Hormonlage oder -man nehme die Macke »plötzliche Motzanfälle auf langen Autofahrten« -aus unserem aktuellen Hungergefühl heraus) immer sinnvoll und stim mig. Ob andere das anders sehen, interessiert erst einmal überhaupt nicht.

Oder, wie es der Persönlichkeitspsychologe Mitja Back formuliert: »Anders als das Umfeld hat man selbst Zugang zu seinen Gefühlen und erlebt das eigene Verhalten deshalb fast immer als sinnvoll. In der Psychologie spricht man vom Fisch-und-Wasser-Effekt. Der Fisch weiß nicht, dass er nass ist, weil er immer im Wasser schwimmt.« Wir selbst zu sein, fühlt sich total normal an. Und so stufen wir einen Satz als bescheiden ein, den andere arrogant finden, fühlen uns in einer Diskussion angemessen ambitioniert, in der andere uns schon für hysterisch halten, oder machen einen in unseren Augen lustigen Witz, der für den Zuhörer total geschmacklos ist.

Doch auch die anderen leben, fühlen und beurteilen aus ihrer persönlichen, uns weitgehend unbekannten Matrix heraus. Nur weil der Freund, der gerade verlassen wurde, es lästig findet, wie viel man selbst andauernd von der aktuellen Verliebtheit schwärmt, heißt das ja noch lange nicht, dass es tatsächlich zu viel ist. Und natürlich wollen wir nicht nur deshalb gerade mit der im Job supererfolgreichen Freundin weniger zu tun haben, weil sie so ein spießiges Kostümchen trägt. Sondern weil wir uns eventuell gerade selbst ein paar Gedanken darüber machen, wie es mit der eigenen Trödelkarriere denn bitte weitergehen soll.

Womit wir beim zweiten Grund dafür wären, weshalb es so schwierig ist, die eigenen Schwächen und Stärken objektiv einzuschätzen: Die anderen, die uns durch ihr Feedback dabei helfen könnten, sie zu erkennen, sind auch nicht objektiv. Ihre Einschätzungen sind ebenfalls nicht eindeutig. Wenn man überhaupt so weit kommt, sie tatsächlich einzufordern. Die Situationen, in denen man wirklich nachfragt, wie das, was man tut und ist, wirkt, sind relativ selten. Noch seltener aber sind wirklich ehrliche Antworten auf solche Fragen. Wer sagt schon auf die Frage »Findest du mich eigentlich zu dick?« tatsächlich: »Ja, vor allem dein Hintern entspricht überhaupt nicht meinem Schönheits ideal.« Die Lage ist also einigermaßen verfahren.

Wir selbst können unsere Macken nicht richtig sehen, weil sie sich für uns nicht eindeutig als solche zu erkennen geben. Und das, was die anderen für unsere Macken halten, hat eventuell mehr mit ihnen selbst als mit uns zu tun. Am Ende ist es allerdings egal, ob den Mitbewohner die Art, wie man sich vor WG-Konflikten drückt, nur nervt, weil seine letzte Freundin es immer genauso gemacht hat. Oder ob es tatsächlich unfein ist, sich einfach zwei Wochen kein einziges Mal mehr an den Küchentisch zu setzen. Tatsache ist: Es stört den Mitbewohner. Sobald man das weiß, muss man reagieren. Entweder man versucht sich zu ändern -oder eben ganz bewusst gerade nicht.

Trotzdem ist es schwierig, damit umzugehen, dass man sich weder selbst klar beurteilen kann, noch die anderen dazu in der Lage sind. Wir reagieren auf das daraus resultierende schwammige Selbstbild entweder verunsichert (siehe Interview rechts) -oder wir über - schätzen uns konsequent und gehen irgendwann davon aus, absolut fehlerfrei und von allen bewundert durchs Leben zu gehen. Wenn es keine objektive Wahrheit gibt, weshalb sollte man sich dann nicht wenigstens in der eigenen, subjektiven Sicht auf sich selbst wohlfühlen?

Die Wirklichkeit wäre verdammt ernüchternd und langweilig. Schätzungsweise geht sie nämlich so: Wir sind nicht hässlich, aber außer in den verliebten Augen des neuen Partners auch nicht superschön. Halbwegs intelligent und im eigenen Fachgebiet vielleicht ein bisschen über dem Durchschnitt, aber alles andere als der Überflieger, für den wir uns in guten Momenten halten. Gern gesehener Gast auf Partys, aber auch nicht die Person, auf die alle den ganzen Abend hinfiebern. Lustig genug, um in einer aufgedrehten Runde erfolgreich einen Witz zu erzählen, aber bitte nicht fünf oder sechs hintereinander. Mittelschön, mittelschlau, mittelbeliebt, mittellustig. Wäre unsere Persönlichkeit ein Auto, sie wäre wohl ein solides Mittelklassemodell mit der einen oder anderen Delle, gut genug, um von Punkt A nach Punkt B zu kommen, aber eben wirklich kein Porsche.

Doch Durchschnitt sein macht keinen Spaß. Denn es geht im Leben ja nicht nur darum, irgendwie von A nach B zu kommen. Illusionen über uns selbst sind der Motor, der uns in unserer persönlichen Entwicklung voranbringt. Ohne Träume fühlt es sich schnell so an, als würde man stecken bleiben. Wieso soll man sich überhaupt noch zu all den anstrengenden und unangenehmen Dingen aufraffen, die so ein Alltag mit sich bringt, wenn es eh nichts gibt, was man damit erreichen will? Und auch wenn man noch Träume hat, sich aber ständig vor Augen führt, wie klein die Chancen doch sind, diese eines Tages zu verwirklichen, kann man im Grunde gleich im Bett bleiben. Was hätte man als beste Freundin von Angela Merkel gesagt, wenn sie einem vor dreißig Jahren, bei einer Tasse Schwarztee am Ostseestrand sitzend, einen großen Traum anvertraut hätte -»ein Leben auf dem internationalen Parkett, also so richtig mit Mittagessen im Weißen Haus und vor der UN-Vollversammlung sprechen und in Bayreuth durchs Blitzlichtgewitter gehen und jemandem, der einem jeden Tag was zum Anziehen rauslegt ...Glaubst du, ich schaff das?« Eben.

Fest steht aber auch, ganz ohne alle Studien: Menschen, die sich notorisch weit weg von jeder realistischen Wahrnehmung über- oder unterschätzen, nerven die anderen. Weil sie sich jeden Montag selbstgefällig bei einem ins Büro stellen und erzählen, wie geil es am Wochenende im Club doch wieder war, als alle anderen Menschen auf der Tanzfläche am liebsten sofort mit ihnen schlafen wollten -während man selbst gerade versucht, eine Abfuhr von vor drei Monaten zu verkraften. Oder weil sie schon wieder behaupten, die hässlichsten, dicksten Entlein der Erde zu sein -während sich draußen vor dem Fenster eine 130-Kilo-Frau in alten Jogginghosen mit viel zu schweren Plastiktüten zum Lidl schiebt. Wenn das nach außen getragene Selbstbild zur Masche wird, zur einstudierten Rolle, die sich weder an Situationen noch an geänderte Umstände anpasst, dann liegt leider der Verdacht nahe, dass da jemand überhaupt nicht mehr über sich selbst und seine Wirkung nachdenkt. Sondern nur noch eine Rolle runter spult, von der er meint, dass sie bei ihm funktioniert. Das macht diese Person für alle anderen dann allerdings ziemlich uninteressant. Denn wenn jemand nicht über sich selbst nachdenkt, dann denkt er natürlich erst recht sich weder an Situationen noch an geänderte Umstände anpasst, dann liegt leider der Verdacht nahe, dass da jemand überhaupt nicht mehr über sich selbst und seine Wirkung nachdenkt. Sondern nur noch eine Rolle runter spult, von der er meint, dass sie bei ihm funktioniert. Das macht diese Person für alle anderen dann allerdings ziemlich uninteressant. Denn wenn jemand nicht über sich selbst nachdenkt, dann denkt er natürlich erst recht nicht über die anderen nach. Darum geht es aber nun mal in den meisten zwischenmenschlichen Beziehungen: zuhören, Ratschläge geben, reagieren, gemeinsam aneinander Anteil nehmen.

Machen wir uns nichts vor: Irgendwelche Macken, die andere an uns stören, haben wir alle. Von kleinen, dumm angewöhnten Ticks wie »sich immer mit dem Handrücken in einer sehr schnellen Bewegung die feuchte Nase abwischen und das dann an die Hose schmieren« oder »unangenehm glucksend laut Wasser trinken und beim Absetzen kurz laut stöhnen« bis zu handfesten Charaktereigenschaf ten wie »Geld leihen, Nachfragen ignorieren und es nie mehr zurückgeben« oder »immer auch bei den Expartnern die absolute Nummer eins bleiben wollen -und damit dem neuen Partner Riesenklötze in den Weg legen«. Meistens wussten wir auch irgendwann einmal, dass diese Angewohnheiten nicht besonders toll an uns sind. Aber wir haben es im Laufe der Zeit schlicht weg vergessen -und trotzdem immer weitergemacht.

Was hilft? Egal, wie schwer es auch ihm naturgegebenermaßen fällt, objektiv zu sein: Ein guter Freund hilft. Oder jemand aus der Familie, der einen wirklich gut kennt, schon wahnsinnig oft von einem genervt war, aber einen im Grunde trotzdem ganz tief und innig liebt. Ein echter, ehrlicher Freund oder Bruder, dem man ab und an zwei ehrliche Fragen stellen darf und der dann versucht, sie bestmöglich zu beantworten. Also auch dann, wenn man eigentlich denkt, alles wäre in Ordnung. Man sollte sich mit diesem Freund in die Küche setzen, ein paar Bier aufmachen, Schokolade bereitstellen, ein Anti-beleidigt sein-Mantra summen und dann klar und deutlich fragen: 1. Wann warst du das letzte Mal wirklich genervt von mir? 2. Ich habe einen Pflichttermin mit einem Psychologen -Worüber sollte ich mit ihm reden?

Anschließend die Plätze tauschen.

»Ich verspüre ... Kai Stoppel, 29

... den ständigen Drang, meinem Gesprächspartner zu widersprechen. Um welches Thema es geht oder wie ich gestern noch darüber gedacht habe -egal. Der Israel- Palästina-Konflikt etwa: Da gibt es die einen, die vertreten in ihren Argumenten grundsätzlich die eine Seite, und andere die andere. Ich vertrete auch immer dieselbe Meinung -nämlich die entgegengesetzte. Dabei sehe ich die Sache, wenn ich ehrlich bin, eher differenziert. Wahrscheinlich gibt es Leute, die mich für rechthaberisch halten, doch das trifft die Sache nicht. Ich liebe einfach Diskussionen! Ich liebe es auch, andere zu kritisieren, vor allem für Macken, die ich selber habe. In der WG werde ich laut, wenn die anderen nicht putzen, obwohl sie dran sind, und vergesse es, wenn ich an der Reihe bin. Es gibt noch mehr Gründe, mich rücksichtslos zu finden. Ich vergesse ständig Geburtstage. Hat meine Schwester am dritten oder am vierten Dezember? Keine Ahnung, dabei hab ich sie wirklich gern.«

»Er ist ...

... unser Nesthäkchen. Er musste sich von klein auf wenig Gedanken um Geburtstagsgeschenke machen, das haben immer die Großen organisiert. Dass er bis heute selten etwas verschenkt, ist also keine Charakterschwäche, sondern ein Erziehungsfehler. Rechthaberisch finde ich ihn nicht.« Christine Stoppel, Mutter

... vor allem: schusselig. Er vergisst Geburtstage und Namen. Barbara, eine Freundin, die er eigentlich ganz gut kennt, nannte er mal Bettina. Er verbaselt gern Verabredungen, dafür reicht schon, dass er zu viel getrunken hat, bei einem Freund schläft und nicht aus dem Bett kommt.« Anja Silberhorn, Freundin

... rechthaberisch. Er hat immer das letzte Wort. Auch kann man ihm einen gewissen Egoismus nicht absprechen -fast immer sieht er erst mal zu, dass bei ihm alles läuft, dann denkt er an die anderen. Wenn beim Essen ein kleiner Happen übrig bleibt, den jeder gern hätte, greift Kai zu.« Roland Jungbauer, Freund

... ein sehr begeisterungsfähiger Mensch, was allerdings eine Kehrseite hat: Kai fängt schnell Feuer für etwas, doch oft entpuppt sich das als Strohfeuer, und er verliert das Interesse bald wieder. Dass er kontrovers diskutiert, finde ich positiv -und es ist in unserer Familie auch normal.« Jan Stoppel, Bruder

»Ich bin...Daniela Abig, 28

...Ordnungsfanatikerin und Chaotin zugleich. Ich ertrage es nicht, wenn etwas rumliegt. Dafür komme ich immer zu spät. Ich lebe in meiner eigenen chaotischen Welt - im 'Danyversum'. Darin sind fünfzehn Punkte in Flensburg kein Grund, nicht doch mal eben im Halteverbot zu parken, und 300 Euro Miese auf dem Konto keiner, nicht noch etwas auf Amazon zu bestellen. Ich stehe dazu, shoppingsüchtig zu sein. Internetsüchtig bin ich auch, YouTube, StudiVZ, Facebook, MySpace...ich gehe mit Laptop ins Bett. Auch als Serienjunkie kann ich nicht anders. Wenn ich etwas Neues entdecke, wie kürzlich ?Heroes?, hocke ich auf der Couch und gucke vier, fünf Stunden lang. Meinen Freund nehme ich nicht mehr wahr. Der sitzt neben mir und schaut eine DVD auf dem Fernseher und geht irgendwann ins Bett. Ich komme nach und lege mich neben ihn, mit Laptop. Eine Folge muss ich einfach noch sehen, sonst kann ich nicht einschlafen.«

»Sie ist ...

...ganz bestimmt nie pünktlich. Sonst ist alles offen. Für dieses Chaos, das sie in mein langweiliges, geordnetes Leben bringt, liebe ich sie. Das Einzige, was mich wirklich stört, ist ihr exzessiver Internetkonsum. Egal, wie eilig wir es haben ? sie guckt garantiert gerade seelenruhig YouTube.« Ingo Sauer, Freund

...sehr gut in dem, was sie macht. Mit ihrer Kreativität schießt sie allerdings manchmal übers Ziel hinaus. Sie weiß auch beim Haareschneiden genau, was sie will. Was allerdings nicht immer dem Willen des Kunden entspricht. Man muss ein Auge auf sie haben, aber dann macht es viel Spaß.« Harald Gath, Chef

...ziemlich selbstbezogen. Sie blendet ihre Umwelt aus, nicht nur, wenn sie Serien schaut. Oft muss man sich für sie fremdschämen. Sie hat keine Hemmungen, während einer Taxifahrt mit Freunden laut über den Fahrer zu lästern. Dass sie immer zu spät kommt, ist dafür gut berechenbar.« Dennis Herzog, bester Freund

... wirklich immer zu spät. Auch nicht fünf Minuten, sondern mindestens zwanzig. Sie ist sich dessen völlig bewusst, ändert es aber nicht. Eigentlich ist sie nämlich nicht chaotisch, sie macht einfach nur, was sie will. Dany treibt einen zur Weißglut - und ist dabei sehr liebenswert. « Philipp Lemhöfer, Exfreund

»»Ich halte mich für ... Sebastian Weissgerber, 25

... den Größten - und alle anderen für Idioten. Leider schaffe ich es
nicht immer, das zu verbergen. Andererseits, warum sollte ich? Ich bin nun mal jung, schön, intelligent und erfolgreich. Viele Menschen finden mich arrogant und selbstverliebt. Bei Frauen kommt diese Masche aber gut an, zumindest am Anfang. Irgendwann heißt es dann aber immer, ich sei ein Arschloch. Das verstehe ich nicht. Man muss sich auf meine Marotten einstellen. Ich bin nicht multitaskingfähig. Wenn ich beim Umzug die Waschmaschine anschließe und meine Freundin kommt, um über die Vorhangfarbe zu diskutieren, kann es passieren, dass ich sie anbrülle. Ich ziehe alles ins Lächerliche. Meine Sprüche sind witzig. Finde ich zumindest. Ein Kumpel von mir fand das gar nicht. Als wir seine Ex und ihren Neuen auf der Straße trafen sagte ich: 'Jetzt stell dir mal besser nicht vor, was die heute Nacht noch machen.' Ja, es
kommt vor, dass andere Menschen wochenlang nicht mit mir reden.«

Er ist...

...auf den ersten Blick extrem selbstbewusst und mittelpunktsüchtig. Eigentlich ist Sebastian allerdings ein sehr empfindsamer Mensch, dem viele Dinge nahegehen. Das mag ich an ihm. Durch seine blöden, oft auch verletzenden Sprüche versteckt er das allerdings gut.« Swaantje Hansen, Exfreundin

...kompetent und zuverlässig - allerdings tritt er dafür,
dass er so jung ist und noch nicht wahnsinnig lange bei uns arbeitet, bei Recherchen extrem anmaßend auf. Er will damit natürlich zeigen, wie toll er ist. Ich glaube aber: Wer wirklich gut ist, gibt sich eher bescheiden.« Andreas Arnold, Kollege

...gesegnet mit einem überzogenen Selbstbild, das alle
anderen beeinflusst. Er ist fest davon überzeugt, superattraktiv
zu sein, also ist er es. Im Mündlichen hat er mit Abstand die beste Note bekommen, dabei konnte er nicht mal ein Glukosemolekül an die Tafel malen.« Melanie Schmidt, Unifreundin

...ein Egomane, ganz klar. Er lobt sich andauernd und für alles. Aber das ist ja eigentlich auch egal. Es zwingt einen ja niemand, das ernst zu nehmen. Man kann mit ihm die berühmten Pferde stehlen, Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer darf man dagegen nicht erwarten.« Hannes Michels, guter Freund

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von anne_lemhoefer


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Kommentare

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faediefae

RE: Wie bin ich?

Bin auf den kompletten Artikel gespannT!

14.08.2009 15:10 Uhr

chSchlesinger

RE: Wie bin ich?

Wenn ich bedenke, dass wir mitunter für Romanfiguren mehr Tränen übrig haben, als für unsere Mitmenschen, fühle ich mich von außen besehen nicht unbedingt besser wahrgenommen.
Es gibt Untersuchungen über das Mobbing, wo die allgemeine Wertschätzung des Opfers rasant sinkt. Bestenfalls hat das Opfer dann eine Macke, meist wird es aber als reif für den Psychiater empfunden.
Noch verblüffender scheint uns der Erfolg in den Augen anderer zu verändern: über Nacht werden wir von Menschen als Freunde vereinnahmt, die wir zuvor als eher distanziert erlebt haben. Und, Männer haltet Euch fest, attraktive Frauen treten an uns heran und fragen, ob sie uns zu einem Drink einladen dürfen?

14.08.2009 19:59 Uhr

tracksflash

RE: Wie bin ich?

4 Personen repräsentativ?

15.08.2009 23:06 Uhr

chSchlesinger

RE: Wie bin ich?

Drei, die redlich darum bemüht sind, sich Ecken und Kanten zu geben. Eine vierte, die den Umstand nutzt, dass Männer Frauen in der Regel nicht als "Loser" aburteilen, sondern auf andere Qualitäten achten. Repräsentativ genug, finde ich.
Highlight des Artikels ist für mich der wissenschaftliche Beweis, dass Gesunde in einer Phantasiewelt leben, während Depressive die realen Zusammenhänge richtig einschätzen.

16.08.2009 11:34 Uhr

phil.from.cool.md

RE: Wie bin ich?

Ich finde den Artikel sehr spannend. Es werden viele Wahrheiten ausgesprochen. Im Grunde wird ja eine ausweglose Situation angesprochen, denn wir können uns vermutlich nicht richtig einschätzen und die anderen auch nicht. Ein wirklich interessantes Thema, was mich ein bisschen zum Nachdenken animiert. Nur komisch: 10 Leute haben den Text gemacht und wir waren alle "Selbstüberschätzer" - komisch! (naja, bei 5 Fragen ^^)

17.08.2009 17:53 Uhr

herzschwarz

RE: Wie bin ich?

wer bin ich und wenn ja wie viele.

20.08.2009 08:54 Uhr

Sadenise

RE: Wie bin ich?

hab den artikel gelesen und festgestellt dass ich da irgendwie desillusioniert bin in der wahrnehmung zu mir selbst nämlich so, wie laut text niemand gern sein will: durchschnittlich. schön aber zu wissen, dass andere da offenbar meist viel mehr wahrnehmen

22.08.2009 18:42 Uhr

oNmeRCurY

RE: Wie bin ich?

Sorry Leute, ich fand den Artikel nicht mehr als "ganz nett". Die Aussage hätte auch auf einer Seite zusammen gefasst werden können: "Es ist gut sich selbst optimistisch und nicht realistisch zu sehen, sonst werden wir depressiv" und "hey, keiner ist objektiv". Schwupp, wäre man fertig gewesen. Alles drumherum war wahnsinnig nichtssagend. Es ist verdammt traurig, dass das der Leitartikel war. Der Artikel über Kasachstan hätte diese Position verdient gehabt. Ich würde mir mehr Berichterstattung und mehr Politik wünschen und weniger Pseudopsychologie. Die Krönung des ganzen war dann der "Psychotest". Aussagelos ohne Ende, der hätte auch Teil der Brigitte sein können.
Das war die letzte Neon, die ich mir gekauft habe. Fortan lese ich lieber die Artikel auf dieser Homepage, hier sind Leute, die richtig gut schreiben können und es kostet mich keine 3,50.

25.08.2009 14:00 Uhr



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