Kunst
Niemand, der keinen Roman schreibt
04.09.2006 23:36 Uhr
Jeder schreibt, fotografiert oder macht Musik heutzutage. Enttäuscht eure Illusionen – findet eine bessere Lösung.
Vor einigen Jahren schickte das Goethe-Institut eine Reihe junger, deutscher Autoren auf Vorlesungsreihe durch Nordamerika. Am Ende der Tour gingen die Deutschen gemeinsam mit gleichaltrigen kanadischen Autoren auf eine Kneipentour in Toronto, und irgendwann im Verlauf der Nacht kam die Frage auf, wie es denn so sei in Berlin (wo alle deutschen Autoren lebten). Die Deutschen antworteten, dort gebe es „niemanden, der keinen Roman schreibt“. Die Kanadier zogen die Augenbrauen hoch und bestellten sich noch ein Bier.
Vergleichbares berichtete mir vor kurzem eine Bekannte, die sich hobbymäßig gerne in junge Dichter verliebt. Als sie wieder einmal eine Affäre mit so einem jungen, aufstrebendem Autor hatte, den sie auf einem Poetenfestival in Berlin kennen gelernt hatte, war dieser heilfroh erleichtert, als sie ihm mitteilte, dass sie selber nicht schreibe. In seinem Umfeld schrieb jeder, und man musste ständig darauf aufpassen, was man sagte, da man befürchten musste, in einem Roman oder einer Erzählung der anderen aufzutauchen. Da war es für ihn wie Urlaub, wenn er sich zumindest bei seiner Geliebten entspannen konnte.
Schwer zu sagen, wann das genau losging – aber irgendetwas muss passiert sein zwischen den Tagen von Thomas Mann und heute. Der hat noch ein Leben lang gehadert mit dem Widerspruch zwischen Bürger und Künstler, wobei das eine selbstverständlich das Gegenteil des anderen war. Ein Bürger war kein Künstler, und ein Künstler kein Bürger. Nochmal hundert Jahre vorher hat auch schon E.T.A. Hoffmann versucht, beides zu vereinen – tagsüber war er biederer Jurist, nachts Künstler, Komponist und Schriftsteller (und ein ziemlicher Säufer, nebenbei bemerkt).
Heute ist das schon so was wie ein Generationsgefühl: Klar, man will irgendwie halbwegs in der Gesellschaft ankommen – krankenversichert sein, einen Urlaub leisten können und einen Job haben, um denen einen die Freunde beneiden. Und klar, man will trotzdem noch kreativ sein, künstlerisch tätig, vielleicht mit dem Traum, davon mal leben zu können. Beides passt irgendwie ohne größere Verrenkungen in das eigene Lebensmodell. Und so wird auch noch an Romanen geschrieben, Fotos mit Photoshop bearbeitet oder Song-Remixes am Computer erstellt.
Seit Selbstverwirklichung das wichtigste Leitbild in der Gesellschaft wurde – also seit 1968 – sind ganze Generationen von Selbstverwirklichern herangewachsen. Wo jeder ein Künstler ist, wird der Wettbewerb um Aufmerksamkeit aber umso härter, denn das potentielle Publikum schrumpft eher als das es wächst. Verlage ersticken in unverlangt eingesandten Manuskripten – der hippe KOOKbooks Verlag sieht sich auf seiner Homepage etwa genötigt, den Einreichern mitzuteilen: „Enttäuscht eure Illusionen – Misstraut Verlagen – Findet eine bessere Lösung“.
Aber – schließlich sind wir Glückskinder! – eine bessere Lösung hat sich uns tatsächlich aufgetan: Niemand muss mehr im stillen Kämmerlein seine Werke schaffen – mit Internet und Web 2.0 kann jeder versuchen, sein Quentchen Aufmerksamkeit für sein kreatives Schaffen zu erhalten. Fotos werden in Communities wie Flickr oder Fotothing zur Diskussion gestellt und gelobt oder kritisiert, selbst die abstrusesten selbstgedrehten Videos finden auf Youtube ein Publikum, für literarische und journalistische Versuche stehen entsprechende Communities wie Textdiebe oder auch NEON bereit, Musik und Podcasts bietet man auf iTunes an, oder man startet halt selbst ein eigenes Blog.
Und vielleicht ist das schon alles, was man braucht. Vielleicht machen drei lobende Kommentare bereits den Aufwand wett, und man muss gar nicht mehr den Bestseller für ein Millionenpublikum schreiben.




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Pilades
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtund selbst?
31.08.2006 19:14 Uhr
puera
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtJeder hat sein eigenes Hobby.
01.09.2006 16:21 Uhr
acid_else
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtnaja das kreative Schaffen,sprich Schreiben,fotografie ren,malen etc. ist zum trend mutiert. Und es ist gut so.....
31.08.2006 19:20 Uhr
dieJudith
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtNaja, ich würde nicht sagen, dass das ein neues Phänomen ist, dass Leute kreativen Hobbys nachgehen. Neu ist vielleicht, dass die Ergebnisse öffentlich gemacht werden.
früher haben die seidenmalerei-kunstw erke halt nur die anderen aus der vhs gesehen, heute stellt man halt seine digitalfotos bei flickr aus.
find ich nicht so schlimm. ich gegenteil. ist doch nett, dass man so von ganz vielen leuten feedback bekommt. hilft ja auch bei der einschätzung der eigenen fähigkeiten :)
31.08.2006 19:39 Uhr
taekwon
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtAuf die Art und Weise, über Internet auszustellen und sich darzustellen, wird meine Welt immer kleiner, weil viel mehr Leute in meine Wohnung können als figürlich könnten.
gruss,
01.09.2006 11:30 Uhr
creative20
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtgenau so ist es! ganz meine meinung! ist doch schön, wenn jeder, der sich traut, seiner kreativen seite freien lauf zu lassen, diese auch zeigen kann, um feedback zu bekommen - und wer weiß - vielleicht wird da auch der nächste picasso auf diese weise entdeckt!^^
23.04.2009 16:58 Uhr
Eintagsfliege
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt"Vielleicht machen drei lobende Kommentare bereits den Aufwand wett, und man muss gar nicht mehr den Bestseller für ein Millionenpublikum schreiben."
Aber nach drei Comments unter meinem Blogeintrag wird es bedeutend schwieriger, mit weiblichen Promis zu schlafen. ;-)
Geiler Artikel, schön das ein paar NEON-Oldies wiederkehren.
31.08.2006 20:04 Uhr
acid_else
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtoha @ Eintagsfliege....
soso....
=)
31.08.2006 20:44 Uhr
Eintagsfliege
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt;-) erwischt.... *gg*
01.09.2006 03:28 Uhr
Mia_Miranda
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtdanke für den text, sehr wahr das alles.
einerseits natürlich schön, dass wir alle so schrecklich viel zu sagen haben und das auch tun. andererseits muss man auch leider immer wieder feststellen, dass so mancher, dann och lieber beim besagten seidenmalereikurs an der vhs geblieben wäre.
wundere mich auch öfters, welche ergüsse heute schon ausreichen um einen roman zu schreiben und vor allem zu veröffentlichen.
ansonsten jedem sein hobby, is doch mal ein schöner trend, besser im park die ausdrucksstarken grashalme fotografieren, als den ganzen tach vor der glotze zu hängen....
31.08.2006 21:03 Uhr
elvissa
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtdu sprichst mir aus dem herzen.
sehr cooler text.
31.08.2006 21:27 Uhr
Federico
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtMuss Mia_Miranda zustimmen - es ist teilweise echt erstaunlich, welcher MIst doch noch einen Verlag findet.
Danke für den Text, sehr interessant. Allerdings, finde ich, wird etwas übertrieben: natürlich "schreibt jeder", wenn man sich aber mal in einem solchen Umfeld bewegt ist das allerding keine Überaschung (siehe Dichter). Und, obwohl ich mich auch in einem Milleu von "Dichtern", also Schreibern bewege, kenne ich trotz allem viel mehr Menschen, die dieser Tätigkeit nicht nachgehen. (Okay - das war jetzt leicht pauschal und vielleicht ist es in Berlin ja anders. ;)).
Naja, ist dennoch toll, dass sich dieser Trend entwickelt hat -- nur schade wäre (wäre?) es, wenn auf Grund der Massenflut an Kreativität, wirkliche Talente übersehen oder übergangen würden...
31.08.2006 21:45 Uhr
Mia_Miranda
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt"Naja, ist dennoch toll, dass sich dieser Trend entwickelt hat -- nur schade wäre (wäre?) es, wenn auf Grund der Massenflut an Kreativität, wirkliche Talente übersehen oder übergangen würden..."
und ich glaube dort liegt das problem, ich lese bei neon immer wieder texte, von denen ich denke wow, schreib ein buch ich kaufe es! nur leider sind die, die dann plötzlich ein "buch geschrieben" haben, meist andere, eben die von der kategorie: ich denke (oder auch nicht) deshalb schreib ich einfach mal
31.08.2006 22:04 Uhr
frolleinmueller
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtVielleicht hat sich das Verhältnis zu dem, was Kunst ist auch geändert seit Thomas Mann?
Popliteratur ist meiner Meinung nach eher kurzlebig und hat weniger Substanz als das Werk eines Thomas Mann oder E.T.A. Hoffmann. Dazu kommt wie heute so oft ein anderer Maßstab der Verfügbarkeit hinzu und nur das eine Wort, Schnellebigkeit, bringt es eigentlich schon auf den Punkt.
Auf Island hält sich im Übrigen nahezu jeder für einen Dichter. Daraus resultiert eine unglaublich hohe Literaturneuerschein ungsrate in der Weihnachtszeit.
Aber hier gilt wie überall, wenn mir das Kleid nicht passt, kaufe ich es nicht.
31.08.2006 22:19 Uhr
liebe_mueh_dann_maeh
*[Summe aus Teilen]"...für literarische und journalistische Versuche stehen entsprechende Communities wie Textdiebe oder auch NEON bereit..."
Das gibt es ein echteres, pralleres Forum. Schneller, härter, verletzender.
Lebendiger eben.
E-ben.
Nee. Nix Liter-Huren. Einfache Leute.
So wie die anderen...
E-ben.
Eben alles L e s e r*.
Mit einer Macht und Kraft an Kaffesatz-Lese-Leben serfahrung , daß einem das Koffein auf der gammeligen Zunge trocknet. Angst, die weißen Filtertüten schmutzig zu machen?
Groooße Gefühle – kleine welten.
Das ist Neon-Sache.
Hier ist ja mehr der Friedhof für ausrangierte Kuschelherzen.
Nur sehen sie halt schöner aus. Als bei Kowalskis, links unten, erster Stock, Wohnberechtigungssch ein, Vattern furzt auf Nudeln aus der Suppe. Drei Striche und der Kalendermonat und das Hungern hat ein Ende.
Sicher. Schei-ßen tun sie alle. Auch Kowalskis. Auch Britta Bigstar, oben, Laminatlecken inklusive, dreimal Boy, einmal Bäuerin die Woche.
Nur manchmal... manchmal möchte man dabei ein hübsches Gesicht vor Augen haben, nicht? *g
Deshalb bin ich hier. Nur halb. Mit angezogener Handbremse. Einen Namen kann man sich hier nicht machen. Das ist die Illusion.
Bei Neon kann man ja noch mit einer Spießer-Schreibe um Aufmerksamkeit buhlen. Gibt genug Lobhudler, die auf Empfehlung schielen.
Immerhin. Da gebe ich Dir recht:
Besser als nur Nasepopeln.
Ein gut gemeinter Rat an alle, die ihre Texte w i r k l i c h testen wollen:
Wer es dort* schafft, der schafft es überall.
Eine Gähnen gilt da* schon mehr als drei wohlmeinende Kommentare hier.
Wie dieser Ort heißt?
Pöh! Verrate ich nicht.
"Was ist ein Schnitzel?"
;)
31.08.2006 23:25 Uhr
Eintagsfliege
Schooon klar........ Deine superinnovative Schreibe ist so kultig, dass sie hier auf NEON natürlich Perlen für die Säue wäre.
Aber in irgendeinem von DIR empfohlenen Internet-Forum hängen dann die richtigen Checker rum. Jahrelange Auslese, Incentives, Bewerbercamps in der Wüste Gobi und Lügendetektor-Tests. .. *gg*
Ich habe irgendwo auch noch ein Manuskript rumfliegen, das John Steinbeck in den Schatten stellt. Würde es ja grad posten, aber hier ist kein Platz mehr ;-)
01.09.2006 03:25 Uhr
dondada
*[Summe aus Teilen]Yeah, großes wohlmeinendes Gähnen für Deine super unspießige Schreibe. So richtig herzerfrischend unkonventionell. Echt. Ich lese Schweiß und Sperma. Das Ringen mit dem Werk. Ganz, ganz deep. Freue mich schon auf Deinen Roman,achwas, Roman ist ein viel zu bürgerliches Format, Dir fällt bestimmt was abgefahreneres ein: Auf Klopapierrollen mit Yakblut gedruckt.
01.09.2006 11:58 Uhr
liebe_mueh_dann_maeh
"Du Großmaul!Jaaa!
Du bist ein Großmaul, liebe_mueh_dann_maeh !
Allein schon Dein Name, bah.
Den erwähne ich nicht mal, wenn ich ihn schreibe!
Deine Schreibe. Gähnende Leere!
Nein! Mir geht es nicht um Aufmerksamkeit!
Ich will mich nicht durch Dich profilieren!
Ich klebe nicht an Deine Fersen!
Du bist NICHT in meinem Kopf!
Du bewirkst GAR nichts bei mir!
Pah!
Und meine Kommentare würde ich auch allen anderen widmen!
Ja!
Wohl!
Deine arrogante Art ist herablassend!
Du Null!
Geh doch! Und zeig' beim Herausgehen mal, was für ein toller Hecht Du bist!
Na?
Na?!
A-hah!
Nichts!
Bist wohl was besseres, was?!
Ach, jetzt machst Du dein Großmaul auf..?
Jetzt bin ich mal gespannt. Komm!
Dir zeig ich es!
Was... sollen die Finger?!
Faß mich nicht an!
Geh weg Duuuu-uuu-uuu.... surrr-surr-sur..."
*fliiitsch*
---
Traurige Sache...
Wieviel Kraft es kostet, diese Geschöpfe in die Welt zu setzen, seufz...
Und wie schnell sie doch entschwinden.
Wenigstens wirkt es:
"Ich werde mich mit den Sekreten aus den Drüsen eines Ebers einschmieren. Das wird die Schmeißfliegen anlocken."
Hm. Gleich zwei auf einen Streich...
Eine Quälerei.
Trauriger Anblick.
Die Flügel zerschmissen. Liegt auf dem Rücken. Soll ich ihr die Beine einzeln ausreißen?
Damit sie wenigstens noch das letzte bißchen Leben in sich spürt.
Bevor es vergeht.
Oh...
Eine zappelt noch:
01.09.2006 14:15 Uhr
dondada
...Du bist putzig. Etwas für den Exzentrikerstreichel zoo.
01.09.2006 14:38 Uhr
und_so_weiter
thats only pain...realy!
02.09.2006 14:38 Uhr
Sal_Paradise
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtdas zeigt doch nur, dass es immer noch was zu schreiben gibt, immer noch neue Musik gemacht werden kann und immer wieder neue Motive gesichtet werden, die es wert sind... oder nicht. hauptsache es wird gemacht
01.09.2006 01:19 Uhr
younglyricist
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtApplaus! The tipping point
01.09.2006 04:14 Uhr
Ninahoehne
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt...ein lobendes Kommentar von mir !
Und eine Empfehlung gibts auch noch dazu !
Sehr sehr gut.
MfG
N.
01.09.2006 07:08 Uhr
SignoraRossi
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtGefällt mir schon,der Artikel- aber ich entdecke keine dramatische Entwicklung.
Vor einigen Jahren hat mich das Geständnis eines Freundes,dass er an einem Roman schreibt, begeistert. Einen Roman! Heute wirkt das als solches, mal so dahingesagt, nicht mehr aufregend. Aber was ist aus dem Roman geworden? Er liegt in der berühmten Schublade- da wo die anderen auch liegen. Dass dieser Weg tatsächlich für jemanden ans Ziel führt, ist meines Erachtens nach nahezu genauso selten wie vor längerer Zeit (wenn man von den überquellenden Regalen an Hera-Lind-Generation -irgendwas -Taschenbüchern mal absieht). Und wie hier schon vielfach geschrieben wurde: was ist gegen ein kreatives Hobby zu sagen? Wie ernst ist ein "ich schreibe" vom Einzelnen selbst gemeint-oder wie lange. Ich finde, sich-selbst-ausprobi eren fast niemals verkehrt- so lange man sich dabei auf der Langstrecke nicht völlig verrennt bzw. verschätzt. Ein feedback ist einfacher geworden, ein "Publikum" leichter zu erreichen- das wird auch weiterhin einen substanzlosen Ansatz nicht pushen, das wird aber auch keine aussichtsreichen Kandidaten von seinemn Fähigkeiten abhalten.
Qualität setzt sich durch-
und so wird es immer sein.
01.09.2006 09:36 Uhr
the_steppo
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt"Und vielleicht ist das schon alles, was man braucht. Vielleicht machen drei lobende Kommentare bereits den Aufwand wett, und man muss gar nicht mehr den Bestseller für ein Millionenpublikum schreiben."
der satz trifft die sache wohl auf den kopf
01.09.2006 11:16 Uhr
iananderson
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtIch kenen auch mehr Leute, die nicht schreiben und fotografieren. Es kommt immer darauf an, mit wem man zu tun hat. udn für die, die gerne schreiben, malen etc. ist das doch alles eine tolle Sache. So liest es wenigstens jemand. udn was dann gut oder schlecht ist, stellt sich ja meistens schnell heraus.
01.09.2006 11:20 Uhr
Domo
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtJa, irgendwie stimmt es schon. Irgendwas kreatives macht heute ja jeder. Weshalb wohl auch durchaus Leute in wirklich kreativen Jobs, das Wort kreativ gar nicht mehr gerne hören, weil ja schon jedes Kind, dass sich Farbe an die Backe schmiert unglaublich total kreativ ist.
Die Schwemme an Musik, und Schreiberei und weiß nicht was noch ist natürlich schon groß und vielleicht besteht da auch eine gewisse Gefahr, dass manches untergeht, was wirklich Klasse hat. Aber ansonsten, was ist schlimm dran, wenn die Leute versuchen, was zu machen? Das Problem ist, dass sich keiner mehr einschätzen kann, wie man bei den Casting-Shows sieht, bei denen massenweise Leute auftauchen, die keinen Ton singen können und dann noch genervt sind, wenn man ihnen das sagt. Abgesehen davon ist es aber doch auch okay, was zu machen und es auch anderen zu präsentieren. Das gehört doch auch dazu. Deshalb ist man noch lange kein großer Künstler und vielleicht bereichert man die Welt auch nicht, mit seinen Sachen, aber so lange man es wirklich macht, weil es Spaß macht und vielleicht auch nur zwei, drei andere Leute sich dran freuen können, passt doch.
Und überhaupt, Künstler oder nicht, vielleicht trennt sich irgendwann doch mal noch die Spreu vom Weizen
01.09.2006 11:29 Uhr
Pamina
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtZitat
Das Problem ist, dass sich keiner mehr einschätzen kann
Zitat Ende
Genau, genau, genau! Und woher kommt das? Wohlmeinende Eltern loben jeden Pups ihrer Kinder, Lehrer bestätig(t)en (noch zu meiner Zeit), es käme nur auf die gute Absicht an, und selbst hier und heute im Internet gilt unausgesprochen der Kodex "Was ich für schlecht halte, klicke ich weg, kommentiere es aber nicht, um dem Autor nicht zu nahe zu treten".
Warum haben so viele Respekt vor der Leistung von Neurochirurgen, ggf noch von Automechanikern, sind sogar bereit, jungen Männern ohne Schulabschluss die Millionen hinterherzuwerfen, weil diese gut gegen einen Lederball treten können - glauben aber ohne jeden Hauch von Selbstzweifel schreiben zu können?
Erst letzte Woche vertraute mir wieder eine Nachbarin, nicht ohne die Sache durch Kunstpausen vermeintlich spannend zu machen, mit gesenkter Stimme und belustigt über die eigene Originalität an, jetzt "auch mal ein Buch zu schreiben". Und dann - dieser Satz kommt in dem Zusammenhang IMMER - die Erläuterung: "Du wirst nicht drauf kommen, aber ich dachte da an meine eigene Geschichte, leicht verfremdet natürlich (aus Gisela wird wird Gila), mit ganz viel Sensibilität, Tiefe und tabuloser Erotik, weißt du?" Ja, ich weiß und frage mich, wo der Bus steht mit den Leuten, die sich dafür interessieren sollen. Tun sie aber nicht, denn sie interessieren sich ja vor allem für ihre eigene Geschichte. Gratis, in Blogs oder Foren, kein Problem. Naja, fast keins. Aber ich zahle in diesem Leben kein Geld mehr dafür, in Off-Theatern Laien bei der Selbsterfahrung zuzusehen und ich bin es auch Leid, mich mit den Tagebuchaufzeichnung en unglücklich (schlimm) oder glücklich (noch schlimmer) Verliebter auseinander zu setzen, wenn diesen jegliche textliche Distanz, jeglicher sprachliche Anspruch fehlt.
Wer glaubt, Geschichten, die in Werbeagenturen oder Investmentbanken spielen, verkaufen sich per se gut, ist naiv. Wer aber glaubt, Geschichten, in denen möglichst viel gefickt wird, seien per se Literatur, ist schlichtweg dämlich.
01.09.2006 14:00 Uhr
Playa
Du hast schon recht.Nur kann ich keinen Fehler dabei sehen, wenn Kindern beigebracht wird, es käme nur auf die Absicht an und man ermutigt wird Dinge, die einem Spaß machen weiterzuführen und aufzubauen. Wenn dann allerdings andere Ansprüche ins Spiel kommen, die fixe Absicht Erfolg zu haben und Kreativität einzig zum (ums mal klischeelastig auszudrücken) Egopushen missbraucht wird, entsteht sicher keine Qualität. Vielleicht wird uns einfach viel zu oft suggeriert, dass Spaß und eventuelle Talent ein gewinnbringender Faktor ist und man sich nur über (äußeren) Erfolg mit der eigenen (kreativen) Tätigkeit identifizieren kann. Aus den Augen verloren wird dann oft das Wichtigste: der Spaß an der Sache selbst und nicht der Spaß am Feedback.
01.09.2006 16:02 Uhr
Playa
Schieben wir es übrigens nicht allein auf den Wettbewerb......Qualität bleibt Qualität und wird auch als solche erkannt.
01.09.2006 16:12 Uhr
Pamina
Schieben wir es übrigens nicht allein auf den Wettbewerb...Stimme dir weitgehend zu, wollte damit auch das Schreiben aus Spaß, das Schreiben als Therapie o.ä. nicht diskreditieren. Und Kinder sind natürlich und vor allen Dingen IMMER zu fördern, das habe ich wohl etwas harsch ausgedrückt. Ob Qualität tatsächlich immer als Qualität erkannt wird, halte ich bei dem zunehmenden Angebot an Schrott jedoch für fraglich. Obwohl: an sich müsste ja auch der Anteil an Perlen proportional steigen, oder? Hmm, grübel...
01.09.2006 16:33 Uhr
Playa
NajaWir sind scheinbar in der Lage (oder beanspruchen es zumindest für uns), Perlen von Schrott zu unterscheiden. Von reiner Unterhaltung erwarte ich tatsächlich nur reine Unterhaltung. Ich (als unverbesserliche Optimistin) würde es also eher umdrehen: mit Anstieg der Perlen, steigt parallel dazu vielleicht auch der Schrott. :) Wir haben ja zum Glück die Freiheit uns allerhand Ausdruckmittel zu bedienen (im Artikel sehr gut dargestellt), da wächst eben die Vielfalt.
01.09.2006 16:41 Uhr
lotta_on_the_rocks
RE: Niemand, der keinen Roman schreibterwischt.
jeder schreibt, malt, macht musik, hat sein eigen weblog und die videos der letzten party mit der crew bei youtube online.
für das riesen publikum abrufbar.
auch ich schreibe, wie so jeder hier.
fragt sich nur mit welcher absicht.
die einen, denen das feedback von 3 leuten schon ausreicht und es spaß macht geschichten zu schreiben.
die anderen die sich von seiten wie diese den sprung in die große welt der literatur etc erhoffen.
diese entwicklung ist ein zweischneidiges schwert.
alle schreiben, aber nur wenige haben sich hingesetzt und wirklich einen roman geschrieben.
komischerweise schreiben immer die falschen leute "romane".
lieber lese ich eine schöne geschichte bei neon, als die lieben und leiden des dieter b oder irgendwelchen spielerfrauen.
einerseits beunruhigen mich weblogs und geschichten anderer. ich bin erstaunt, was andere so schreiben. hey, den die geschichte hätte auch ich (jedermann) schreiben können.
andererseits beruhigen mich geschichten und meinungen anderer.
somit bekomme ich die bestätigung, dass ich nicht der einzige noch lebende mensch in meiner umgebung bin, dessen gedanken nicht von unterschichten-ferns ehen und sinnlos-literatur aufgefressen worden sind.
die unsichtbare hand des nun erreichbaren millionenpublikums legt sich auf meine schulter und vermitttelt mir, dass es jedem, so individuell er auch ist, ähnlich ergeht.
übrigens sind es doch immer die gleichen leute die romane schreiben, die großen schriftsteller, die sich das schreiben zur lebensaufgabe und erfüllung gemacht haben.
wer wirklich romane schreiben will, nutzt dies hier als testlauf, konzentriert sich aber auf seine bevorstehenden 300 seiten.
alle anderen schreiben munter weiter, jeder ist sich selbst ein star.
das eigene millionenpublikum kann weiterhin zwischen gut und schlecht entscheiden und so werden auch die dieter bohlens der weblogs aussortiert.
01.09.2006 12:21 Uhr
reenste
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtWundervoller Text!
Was mich bei diesem Thema am meisten erschreckt: Ich liebe Worte, liebe es, mich in ihnen zu verlieren. Am besten kann ich sie selbst in einer hitzigen Diskussion von mir geben, jedes Wort zur richtigen Zeit am richtigen Ort... Umso schwerer fällt mir das beim schreiben. Dabei würde ich so gerne, wie du schon sagst, diese LEIDENschaft (?) mit meinem Traum von Haus, Garten, Kindern und Urlaub vereinen.
Wenn ich mich dann bei NEON einlogge, so viele wahnsinnig schöne Texte, voll mit Träumen, Wahrheiten und Komik finde, möchte ich meinen eigenen Traum, mein Lebensmodell, gleich wieder vergraben, denn jeder andere außer mir scheint diese Gabe tatsächlich zu haben und ich fühle mich so sch... Und im nächsten Moment lese ich eine Kolumne in einer Frauenzeitschrift und denke: HA! das kann ich schon lange...
Mal sehen was daraus wird.. ich bin erst seit kurzem dabei und muss mich noch üben, meine Träume, Wahrheiten und Komödien öffentlichkeitsreif und kritikwürdig zu gestalten... Für jeden, der seinen Traum nicht aufgeben aber nicht sofort einen Roman schreiben will, sind Plattformen wie NEON auf jeden fall das einzig wahre ;) ...
01.09.2006 12:22 Uhr
schauby
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtrichtig. und selbst?
Warum sollte Wettbewerb gerade an den Dingen und Medien bzw, Ausdrucksformen halt machen, die du beschrieben hast?
Natürlich mag es den ein oder anderen ernüchtern, wenn er durch einen übermächtigen Schwall an „Mitstreitern“ (die ebenso emsig schaffen, schreiben, musizieren, veröffentlichen) realisiert, dass er das Rad grade nicht neu erfunden hat. Anderseits wird sich dann gern auch selbst geblendet und stoisch verdrängt, bei andern madig gemacht was gut ist und Qualität hat, um ja den Eifer nicht zu verlieren, da kaum jemand motiviert bei der Sache bliebe, wenn ihm aufginge, er stemmt sich an irgendeiner schon tausendmal dagewesen- abgegriffenen Scheiße die Hände wund.
Solange es Leute gibt, die ein Stück Quarzstein von einem Rohdiamanten unterscheiden können, Sing Sang von Symphonien, Dichtkunst von einem plumpen Text mit Zeilenumbruch, seichte Prosa von virtuoser Poesie, oder einen Handyschnappschuss von Fotohandwerk - wo Stil, Können, Inhalt, Botschaft und Raffinesse zählen, ist ein großes Angebot und dichte Konkurrenz auch oft ein Gewinn für den Output letztendlich.
Man darf „sein Glück“ und Resonanz halt nur nicht so einseitig, resp. im Internet suchen wollen.
Leidenschaftliche Ästheten, Kenner, Kulturliebhaber usw. werden immer einen scharfen Blick für Geschmackvolles behalten, auch wenn sich vielerlei Murks davordrängeln mag.
Im Übrigen geht die strenge Teilung und das sogenannte Bürgerliche, wie es einst Hesse so treffend in Der Steppenwolf beschrieb, doch nunmehr weiter in unzählig durchmischte Splitter auf.
01.09.2006 13:08 Uhr
sonic_youth
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtja aber worüber denn, bitte? Junge Männer, die nach dem Abi Kulturwissenschaften studieren und ein Jahr nach Paris gehen und dann Romane schreiben über junge Männer, die Philosophie studieren und ein Jahr nach Paris gehen und de als Kind lieber mit Playmobil als mit Lego gespielt haben und deren erste Platte "Dangerous" von Michael Jackson war. etc. LANGWEILT. Echt. Da liegt doch der Hund begraben: dass nichts erlebt wird. Weil Deutschland per se langweilig und konfliktarm ist. Weil alle, die Zeit und Hirn genug haben, an Schreiben zumindest zu denken, die gleiche Biographie haben. Lehrerkindert, zwischen Milchkaffee und Boudieu-Aufsatz mal eben bißchen was hinzuschreiben. "Schöne Geschichten". Aua. Nehmt doch Heroin oder lebt als Frau verkleidet unter Berbern oder arbeitet in der Psychatrie. Der Rest ist Arbeit.
01.09.2006 14:43 Uhr
wildrose
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtgeil!!! das erste mal das ich lachen musste heute!!!
01.09.2006 14:47 Uhr
Playa
Den Nagel auf den Kopf!"Junge Männer, die nach dem Abi Kulturwissenschaften studieren und ein Jahr nach Paris gehen und dann Romane schreiben über junge Männer, die Philosophie studieren und ein Jahr nach Paris gehen"
:D:D
01.09.2006 16:07 Uhr
schauby
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtLANGWEILT.
eben.
deswegen kann man seine Zeit auch viel ergieber damit nutzen, im Angebot für sich interessante originelle Dinge zu focusieren, als so urban-trendy, zynsich faul und pseudoabgeklärt permanent die Abwesenheit von Besonderem zu beklagen.
Die tausende Klischees vor sich hertragen, während sie nicht merken selbst zu einem zu werden.
Über solche Typen gibts nämlich auch schon massenhaft Bücher.
01.09.2006 16:13 Uhr
wildrose
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtschon mal durch berlin gegangen und KEINEN musiker getroffen, der in ner band spielt, nen album rausbringt, nen neuen musikstil erfindet.....?
ein ding der unmöglichkeit!
01.09.2006 14:45 Uhr
Coogar
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtIn Dublin lautet das Klischee auch, dass jeder schreibt, aber in Wahrheit ist jeder Musiker. Ich finde das gut. Finden sich ja auch immer ein paar, denen man gerne zuhört. So wie sich immer ein paar finden, die man gerne liest. Und die Geschmäcker sind nunmal verschieden.
Besser, dass mehr Leute kreativ sind, als dass sie sich gegenseitig aus Langeweile umbringen, um es mal platt auf den Punkt zu bringen.
01.09.2006 15:03 Uhr
SeanSander
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtJep, aber das Problem bei der Sache ist doch dass dadurch viel mehr Müll auf den Markt kommt.
01.09.2006 16:23 Uhr
S.Schunck
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtJa, aber da haben wir's doch wieder: Es ist eben Geschmackssache, so wie bei Musik auch. Jeder definiert doch für sich selbst, was für ihn Müll ist oder nicht. Und ich denke schon, dass sich genügend Talente durchsetzen, so dass für jeden was dabei ist! Und mit Sachen, die ich nicht mag, beschäftige ich mich eben nicht. Ganz einfach!
01.09.2006 17:02 Uhr
JaxSilver
RE: Niemand, der keinen Roman schreibttrial&error
01.09.2006 23:17 Uhr
nd5000
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtOder Trial&Terror!?
29.09.2006 22:59 Uhr
aiko
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtja genau! schrecklich schlimm! =) denn desto mehr leute individueller werden, und sich in verschiedenen richtungen austesten, und vielleicht auch noch richtig gut drin sind, desto weniger nischen, desto weniger bewundert werden durch besonderes anderssein der intellektuellen form! =)
ganz sicher darf sich jeder austesten, und jeder darf richtig gut sein!! und viele sind auch gut!!
01.09.2006 17:13 Uhr
Jesus_Chrysler
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtAlle schreiben sie immer gleich Romane. Gibt doch so viele andere Formate.
Und jeder spielt in ner Band. Hab viele von diesen kleinen Bands gesehen und sie halten sich vielleicht nicht für die größten, aber kommen sich auf jeden Fall so cool vor, dass sie es anscheinend nicht nötig haben die Gitarren zu stimmen. Und als Nu-Metal groß war haben sie alle aufgetrumpft mit fetten Gitarren, extra ein dropped Tuning, damit man selbst nen simplen Power-Chord nur noch mit einem Finger spielen muss. Nun ist die neueste Masche das Alternative Zeug und auf einmal schießen solche Bands wie die Pilze aus dem Boden, zum Teil eben genau mit den Leuten, die vorher noch auf dem Nu-Metal-Trip waren.
Es scheint wohl in der Literaturszene ähnlich zu sein. Es ist halt gerade in Mode einen Roman zu schreiben.
Was ich mich dabei frage ist was das noch mit Selbstverwirklichung zu tun hat. Wenn man wirklich für sich schreibt hat man es ja eigentlich nicht nötig das jedem auf die Nase zu binden. Wenn man aber mit Herzblut eine Geschichte schreibt, die nicht ein 5 mal aufgebrühter Aufguss der eigenen Lebensgeschichte ist hat man heute gute Möglichkeiten, dass es an die Öffentlichkeit kommt und das ist gut.
Im Bereich Musik ist es ähnlich. Heut kann sich jeder ne Gitarre kaufen und den Kram über einen PC aufnehmen.
Jeder sollte es versuchen können, aber dass es so viele tun macht es schwierig herauszufinden, wer den Zug fährt und wer nur mal eben aufgesprungen ist.
01.09.2006 20:37 Uhr
aiko
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtna und? dann kann halt jeder?
du kannst es schlecht unterbinden.
und wenn es den leuten dann besser geht, auch wenn das was sie produzieren nicht wirklich gut ist, dann ist das doch sehr gut!?!wenn ihnen das leben dadurch mehr spass macht, wenn sie neue ideen dadurch bekommen, wenn es entspannt?
02.09.2006 09:34 Uhr
Jesus_Chrysler
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtIch sage ja auch nicht, dass es schlecht für die Schreiber selbst ist, nur ist es für mich schon ein kleiner Unterschied, ob jemand schreibt, weil er/sie es will oder weil es gerade jeder macht. Sicher merkt man letzteres selbst nicht, weil man das Gefühl hat sich selbst zu verwirklichen, aber wenn so jemand nächstes Jahr Teppiche knüpft, weil man damit besser zu sich selbt finden soll, dann leidet die Qualität. Irgendjemand soll es ja auch lesen und wenn ich als Leser erst einmal unter hunderten solcher Bücher den Müll aussortieren muss hab ich auch keinen Bock mehr.
02.09.2006 13:49 Uhr
Domo
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtWo wär eigentlich diese nette Seite hier, wenn wir nicht alle immer so furchtbar kreativ wären, auf der Welle schwimmen und mit dem ganzen Kram, den wir hier verzapfen zu der Inflation in der "Kunst" beitragen würden?
01.09.2006 21:26 Uhr
Struwwel
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtJa, und man schaue sich mal an, was da so alles bei herauskommt...
So ganz neu ist das aber an sich auch nicht. In den 60ern und 70ern gab es (zwar nicht in der Form) auch schon eine Welle von "Verständigungstexte n" und Leuten "wie Du und ich", die mal ihre Geschichte aufschrieben und mitten aus dem Leben erzählten. Jeder erlebte was und jeder konnte es niederschreiben.
Dennoch ist es richtig, dass mittlerweile irgendwie "schick" ist, zu schreiben oder in einer Band zu spielen. Jeder ist so furchtbar individüll, dass man die Individualität des anderen inmitten lauter Induvidualisten gar nicht mehr erkennt.
Trotzdem denke ich nicht, dass es unbedingt schlecht ist. Alleine, wenn ich mal dran denke, was man hier bei Neon so alles zu lesen bekommt. Da sind viele Texte dabei, bei deren Lesen ich laut lache oder mir auch mal die eine oder andere Träne aus den Augen wische. Und ich schaue mir auch gerne in fotocummunities die Bilder anderer Leute an. Schlimm wird sowas halt erst, wenn ganz viele Halbprofessionelle den Markt (in Form von Büchern und CDs) stürmen und ihr Halbgares Zeug veröffentlichen, sodass richtige Qualität rar wird.
Hat alles zwei Seiten.
01.09.2006 22:29 Uhr
CAH
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtOh, verdammt!! Um in dem Strom nicht unterzugehen muss man verdammt gut schwimmen können. Aber vielleicht reicht auch einfach besonders dämlich, mutig, oder wuchtig. Hauptsache auffallen, um dann vielleicht rauszufallen und über dem Strom zu schweben um dann ans Zielufer zu gelangen. Aber warum? Was ist das Ziel? Was bezweckt man eigentlich damit? Warum stecke ich so viel Zeit, Energie und Geld in meine Knipserei? Also mir macht es einfach nur Spaß und wer weiß, vielleicht kann ja irgendwann mal was draus werden. Was auch immer...
01.09.2006 23:03 Uhr
JaxSilver
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtthtz, romane....also ich schreib ja nur drehbücher....
01.09.2006 23:19 Uhr
Sunburnt
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtfinde den beitrag echt gelungen. es gibt eben einen unterschied zwischen kaminer pop"literatur " und literatur, die man nicht in gänsefüsschen setzen muss. die eigentliche literatur wird es wohl eher vermeiden von user-xp oder -xy ein liebes wörtchen zu erhaschen. sie brauch sich auch nicht erst auf einer plattform auszuprobieren.
echt guter beitrag
02.09.2006 00:23 Uhr
hirnschiss
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtihr denkt zu viel ueber euch nach.
ihr seid selbstbezueglich und groeßtenteils redundant in grandioser art und weise.
als wolltet ihr die 2,3 lichtstrahlen die ihr vormals aufgefangen euch bis ans ende eurer tage gegenseitig zuwerfen.
ich kann hier keine kreativitaet erkennen.
kreativitaet bedeutet schaffen.
die einzigen neuigkeiten bestehen in marginalen variationen und modulationen ebenjener 2,3 lichtstrahlen.
aber die eigentlichen lichtquellen werden heute wie frueher rar und hintergrundstrahlung wie stoerende reflektionen um ein vielfaches ueberstrahlen.
jeder gedanke zum thema sollte nur gedacht werden um zu erkennen dass jeder weitere verschwendung ist.
02.09.2006 01:35 Uhr
Federico
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtach - und woher hast du deinen lichtstrahl?
02.09.2006 02:21 Uhr
JaxSilver
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtich glaube er hält sich für die quelle
02.09.2006 03:38 Uhr
hirnschiss
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtich bin kein kreativer in eurem sinne.
vielleicht in keinem.
02.09.2006 12:40 Uhr
hirnschiss
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtwarum sollte ich dir ueber meine lichtstrahlen auskunft erteilen?
02.09.2006 12:39 Uhr
Federico
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtoooch - gemein. ich wollte doch nur ... :(
tja, dann spiel ich weiter mit meinem.
02.09.2006 20:26 Uhr
hirnschiss
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtwie waers mit nem prisma?
hat sogar den alten newton strahlen lassen.
02.09.2006 21:54 Uhr
Federico
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt;) danke für den tipp!
03.09.2006 20:20 Uhr
Federico
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt"thtz, romane....also ich schreib ja nur drehbücher.... "
:D wunderbarer kommentar...
trotzdem - ist diese flut von kreativität, meiner meinung nach, nicht ein phänomen, welches sich die letzten jahre entwickelt hat. Menschen die dichteten, musizierten, oder sich sonst auslebten gab's früher schon, berühmt geworden sind eben die Manns, Hesses, Bachs, Wagners, Bruckners, etc. Viele Künstler sind eben auch dann untergegangen, aus mangelnder Berühmtheit und dann wahrscheinlich an zu wenig Geld.
Dass es heute "so viel" gibt, liegt glaube ich nicht daran, dass wir uns alle seit '68 selbst verwkirklichen wollten und dies umbedingt zeigen müssen - herzeigen wollten erfloglose Komponisten ihre Werke damals sicher auch - nur heute haben wir halt die schon genannten Möglichkeiten. Solche Foren, Föredrungen, Workshops, etc. sind eben durch die Aktivität der Künstler enstanden, nicht umgekehrt. Der Preis ein Buch zu veröffentlichen ist, im Gegensatz zu "früher" lachhaft, Internet hat mittlerweile auch jeder.
Vielleicht wird hier einfach der menschliche Aspekt, seine Kreativität (die, natürlich, in unserer Gesselschaft und Pädagogik einen höheren Stellenwert eingenommen hat) zu materialisieren zu sehr kritisiert, und weniger, dass heutzutage viel zu viel Mist die Möglichkeit hat, sich zu verbreiten (aber dies würde jetzt zu weit führen).
Natürlich stimmt der Aspekt, das Schreiben jetzt "In" ist, dass heute eigentlich jeder Mensch ein Busch schreiben "könnte", ich denke nur, dass es uns aber auch wegen der gegeben Möglichkeiten umso mehr vorkommt.
Zu meinen, an jeder Ecke treffe man einen selbsternannten Künstler, wirkt etwas polemisch - was ist wahrscheinlicher, jemanden zu treffen, der schreibt, oder der es nicht tut (jetzt, natürlich LaPlace-Annahme *g). Das sich hier in NEON ja lauter Schreiber tummeln ist klar - und zudem höchst erfreulich:
Sollen die Leute weiter ihre Werke an die Verlage schicken, sollen sie weiter Musik machen und Demo-Tapes aufnehmen, sollen sie weiter knipsen, malen, filmen -- wie sollten wir heute sonst Buckovskis Werke lesen, hätte er sie nicht weiter hartnäckig an Verlage geschickt.
Und, wie trostlos wäre es umgekehrt:
Niemand, der einen Roman schreibt.
02.09.2006 02:16 Uhr
Legolas449
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtIch denke so viel Kreativität sollte man gut heißen. Wenn ich den Fernseher anschalte oder auf die Straße gehe, sehe ich immer Leute, die noch nicht mal einen Satz grammatikalisch korrekt aussprechen, geschweige denn fehlerfrei schreiben können. Bei Zeitungsredaktionen herrscht immer häufiger ein Mangel an qualifizierten freien Mitarbeitern, weil Schüler und Studenten einfach nicht genug sprachliches Talent mitbringen. Wenn dann ein paar arbeitslose Berliner sich in den Starbucks setzen und auf dem IBook die Datei "Mein erster Roman" anlegen, ist das halt wenigstens etwas. Die meisten sind zum Abwinken, aber zwischendurch ist mal ein Genie dabei und das wird auch gefunden. Und die Lektoren bei den Verlagen sollen sich mal nicht beschweren. Bis vor kurzem noch den Untergang des Buches herauf beschwört (oh oh, das böse Fernsehen und die böse bildungsferne Unterschicht) und jetzt gleich wieder über zu viel Nachwuchsautoren jammern.
02.09.2006 02:19 Uhr
Pixelkatze
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtDu musst dich einfach mit Leuten zusammentun, die das alles beruflich machen MÜSSEN und dann in der Freizeit mal ganz froh sind, wenn sie einfach mal bei nem Milchkaffee die Beine hochlegen können oder so :D
02.09.2006 02:25 Uhr
GroteskeAder
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtAlso, ich finde den Text sehr gut.
Er hat was wohlwollendes.
:)
Zum Thema:
Ich finde es toll, dass den Menschen der Zugang zu Mitteln, mit denen sich Ideen umsetzen lassen, erleichtert wird.
Jeder kann nun seine Vorstellungen umsetzen.
Ob das gut, schlecht, hochwertig, gekonnt, gekünstelt, talentiert, etc ist, liegt im Auge des Betrachters.
Es gibt eine Menge "Schrott", ja.
Aber das ist nunmal die Konsequenz, wenn Menschen die Freiheit haben, das zu tun, was sie wollen.
Zwar erhöht sich der Druck im gegenseitigen Vergleich, aber die, die wirklich was drauf haben, die Visionen haben, die technischen mittel beherrschen, etc. die können sich auch durchsetzen.
Ich bin einfach nur begeistert von der Vielfalt, die sich einem auftut.
Was mir persönlich nicht gefällt, "überlese" oder "übersehe" ich.
Aber der Rest erweitert mein Blickfeld, inspiriert mich, selbst was zu tun.
Nicht jeder kann das Format eines Thomas Mann erreichen (vielleicht nie wieder jemand?), nicht jeder kann ein Dali sein, etc....aber darum geht es meiner Meinung auch nicht.
Es geht darum, sich selbst zu verwirklichen.
Wenn das Schaffen des Einen dem andern ein Dorn im Auge ist: tja, so ist das Leben :)
Ich bin kein Thomas, ich werd auch nie einer sein.
Ich bin kein Dali, will ich auch gar nicht werden.
Ich bin ich und ich versuch einfach nur, die Ideen, die ich hab, umzusetzen.
Primär für mich.
Es ist ein schönes Gefühl, eine Idee nach langem hin und her plötzlich als Ergebnis eines mühsamen Prozesse vor den eigenen Augen zu haben.
Wenn das anderen auch noch gefällt: super.
Wenn nicht: auch super, schließlich bringt Kritik einen weiter.
Wenn andere es einfach nur beschissen finden: super. Immerhin ne Reaktion. :D
Aber im Grunde geht es doch darum, sich selbst in Szene zu setzen.
Das muss nichts negatives sein.
Nur einen Punkt gibt es, der wirklich ein Auslöser für hitzige Debatten sein kann: die Penetranz.
Wie weit geht derjenige, um seine Arbeit an den Mensch zu bringen?
Erdrückt er damit andere, etc.?
Naja, lange Rede, kurzer Sinn:
macht was euch gefällt und nutzt die Freiheiten und Mittel, die euch geboten werden.
Genießt es.
:)
02.09.2006 15:39 Uhr
GroteskeAder
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtAchso ja, by the way...wenn ihr mal ein richtiges Talent lesen wollt:
http://www.neon.de /user/lino -leum
:)
02.09.2006 15:46 Uhr
aiko
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtund warum "selbstverwirklichun g"?
sinn und zweck?
machts gluecklich(er)?
hat der hier so gern umsprochene Thomas Mann selbstverwirklichung als ziel fuer seine schreiberei gehabt?
und hermann hesse? auch ein selbstverwirklicher?
in solchem fall, wo sind dann die "selbstverwirklicher " in den naturwissenschaften? und wann werden naturwissenschaften endlich mode? (*g*)
nobelpreis=preis der gelungensten und auffälligsten selbstverwirklichung ?
oder gibt und gab es gar menschen die zum "kuenstler" geworden sind, ohne grösser drueber nachzudenken? menschen die die menschheit mir ihren "werken" weiterbringen wollten?
02.09.2006 16:57 Uhr
hirnschiss
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtwarum sollten naturwissenschaften mode werden? haben sie es noetig?
der technologische fortschritt beschleunigt sich auch so schon exponentiell und wird frueher oder spaeter unsere kapazitaeten ueberlasten. oder wir werden gluecklich in der technologischen singularitaet.
abgesehen davon ist der gedanke dass es viele selbstverwirklicher unter den naturwissenschaftler n gibt nicht abwegig. in etwa das was der unabomber in seinem manifest schon vermutete.
02.09.2006 21:26 Uhr
Playa
Plappere mal wieder ohne Vorwissen.....aber wäre es nicht wünschenswert, dass die Beschäftigung mit Naturwissenschaften Mode würden, damit unsere Kapazitäten nicht überlastet werden? Ich meine, besteht unsere derzeitige Bildungsauffassung nicht in starkem Maßen aus intellektuellen Elfenbeintürmen?
Außerdem sehe ich irgendwie keinen großen Widerspruch zwischen Selbstentwicklung und Entwicklung der Menschheit. Kann mir nicht vorstellen, dass der vielbediente Thomas Mann sich mit dem Gedanken "ich entwickle die Menschheit weiter!" an den Schreibtisch gesetzt hat. ^^
03.09.2006 20:22 Uhr
hirnschiss
Plappere mal wieder ohne Vorwissen...du verstehst nicht ganz.
mit kapazitaeten meinte ich nicht die der menschheit sonder die des individuums.
es wird nicht daran scheitern dass es zu wenig wissenschaftler gibt.
es wird daran scheitern dass der fortschritt so schnell ablaeuft das kein mensch mehr folgen wird koennen.
nur am rande: guter stoff fuer ein endzeitszenario.
unsere bildungsauffassung aus elfenbeintuermen?
ich kann nicht erkennen was du meinst.
03.09.2006 20:44 Uhr
Playa
Plappere mal wieder ohne Vorwissen...Entschuldige, ich hab mich etwas schwammig ausgedrückt. Du scheinst dich tiefer in der naturwissenschaftlic hen Materie zu befinden, das kann ich von mir nicht behaupten, aber manchmal habe ich beispielsweise bei der neueren deutschen Gegenwartsliteratur das Gefühl, dass keiner mehr im Stande ist einen schwierigen Sachverhalt in einfachen Worten zu schildern. Als ob schwierig formuliert gleich schwierig wäre. Vielleicht ist es ja etwas weit gegriffen, aber manchmal sieht man vielleicht auch eine Art Bildungsschere zwischen denen, die ausschließlich "anspruchsvolle" und denen, die nur "Unterhaltungs"liter atur konsumieren. Das meinte ich mit "Elfenbeinturm". Ich meine, ist es nicht auch eine Aufgabe des Wissenschaftlers (oder Autors) dem einzelnen Individuum den Fortschritt so nahe zu bringen, dass es da keine Entfremdung geben kann? Ansonsten ja...hat wirklich apokalyptische Züge. ;)
03.09.2006 23:25 Uhr
hirnschiss
Plappere mal wieder ohne Vorwissen...also ersteinmal. die deutsche gegenwartsliteratur hat nichts mit wissenschaft zu tun.
wissenschaftler als solche sind keine literaten. und es ist auch nicht ihre primaere (auch nicht sekundaere) aufgabe ihre werke dem volk vorzustellen.
du redest vermutlich von populaerwissenschaft licher und lektuere. die kann durchaus verstaendlich sein. aber auch der beste autor kann ein thema nicht unendlich vereinfachen. gewisse abhandlungen erfordern ob populaerwissenschaft lich oder nicht ein wenig schweiß des lesers. natuerlich sollte aber der anspruch eines populaerwissenschaft slektuere autors sein sein werk moeglichst allgemeinverstaendli ch zu halten.
echte fachbuecher duerfen natuerlich auf vorwissen aufbauen und beliebig kompliziert sein. bleibt zwar fraglich ob letzteres fuer den autor eintraeglich ist zeigt aber zumindest jedem leser was fuer ein toller hecht er ist.
fuer den leser ist es natuerlich aergerlich wenn ein fachbuch unnoetig kompliziert ist. es gibt aber genauso sehr vorbildliche werke denen man auch als quereinsteiger bzw fachfremder folgen kann.
aber das natuerlich mit einem dem thema entsprechenden aufwand.
und bzgl der entfremdung.
bei aller populaerwissenschaft . die 'echte' wissenschaft wird sich wohl immer in einer anderen spaehere als die nichtwissenschaft befinden.
(beispielsweise denkt man bei baeumen nicht mehr zuerst an pflanzen, bei strings nicht an waesche ;)
04.09.2006 23:24 Uhr
aiko
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtmir gings um die vorstellung: "wie wäre es wenn?"
mit dem hintergedanken, dass naturwissenschaften, vor allem mathematik und physik, verlangen dass man sich ausserordentlich mit ihnen auseinandersetzt, um in ihnen fortzukommen. das ich nicht bequem, und so wirds wohl auch nie so sehr in mode geraten können, wie anderes das lediglich verlangt sich hinzusetzen und zu philosofieren. das ist immer bequem.
so, meine ansicht.=)
04.09.2006 20:52 Uhr
hirnschiss
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtgut.
die teile ich.
bleibt nur den kuenstlern und kreativen im hiesigen sinne zu wuenschen dass sie bei ihrem tun aehnlich erhabene momente wie die wissenschaftler empfinden koennen.
04.09.2006 23:01 Uhr
Playa
Nat.wissenschaften PhiloNaturwissenschaften und Literatur oder Philosophie muss man doch nicht als krasse Gegensätze betrachten. Descartes beispielsweise, der zugleich Philosoph und Naturwissenschaftler war. Oder auch der gute alte, Goethe. Es ist doch klar, dass die Fähigkeit aus Begriffen Schlüsse zu ziehen, wie es die Philosophie erfordert, unter anderem auch eine gewisse logisch-mathematisch e Denkweise erfordert.
Natürlich liegt das außerhalb der von uns Normalsterblichen praktizierten Alltagsphilosophie. ;)
In dem Sinne wäre es vielleicht auch ein Fehler der Gegenwartsliteratur, dass sie nichts mit Wissenschaft zu tun hätte. Ansonsten hast du schon recht: in gewisse Sphären kann der Normalverbraucher sicher nicht folgen. Spreche aus (leidvoller) Erfahrung. ;)
05.09.2006 23:16 Uhr
JungeJunge
Nat.wissenschaften Philohm, gibt durchaus auch schriftsteller der gegenwartsliteratur, die sich von den naturwissenschaften befruchten lassen... ulrike draesner oder durs grünbein fallen mir da ein...
05.09.2006 23:19 Uhr
hirnschiss
Nat.wissenschaften Philoals krasse gegensaetze betrachte ich sie ja nicht.
zumindest was wissenschaft und philosophie angeht.
in der geschichte lassen sich freilich viele beispiele finden. nicht zuletzt weil die naturwissenschften erst aus der philosophie entstanden sind.
aber universalgelehrte gibt es praktisch nicht mehr.
und heute scheinen sie oft als gegensaetze weil sich die philosophie aus einem mißverstaendnis heraus bedroht fuehlt.
unterhaltungsliter atur mit naturwissenschaftlic hem hintergrund gibt es natuerlich. aber weniges davon ist tatsaechlich fundiert. das trifft auch auf hochgelobtes wie der schwarm zu.
als positive beispiele moechte ich stanislaw lem (studierter physiker) und neal stephenson der in grandiosen romanen auch wissenschaft im geschichtlichen kontext naeher bringt.
07.09.2006 23:35 Uhr
hirnschiss
Nat.wissenschaften Philoaeh anfuehren
07.09.2006 23:36 Uhr
AlexJott
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtdas ist doch ein lässiger trend - obgleich es dann leuten wie mir wirklich schwerer fällt, aufmerksamkeit zu bekommen...:) ich finde die neuen on-demand-techniken zum veröffentlichen sehr geil, also wer sowas spaßigerweise vorhat: www.lulu.com oder zum engelsdorfer verlag
ansonsten: immer weiter fleißig mein buch kaufen und empfehlen: "der unzeitgemäße rebell"
isbn: 3833420979
02.09.2006 18:58 Uhr
bibliophile
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtEs ist gut, dass ein so großer Schaffensdrang vorhanden ist. Nur sollte der Drang nicht so übermächtig sein, dass man sich jedem aufbinden muss. Und über alles und jeden schreiben... muss.
Also nicht Massenware, sondern sollte es immer noch bei einer Manufaktur bleiben, um es bildlich zu formulieren.
Der Satz jedoch "Ich schreibe ein Buch." lässt sich selten mit "Ich bin kreativ tätig." gleichsetzen.
02.09.2006 22:03 Uhr
nitraM
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtdarüber zu schreiben bindet aber eine gewisse Doppelmoral ein oder findest du etwa nicht, dass du durch diesen Text versuchst dich zu profilieren wie all die andern Menschen die malen, fotografieren, komponieren oder eben grade schreiben?
02.09.2006 22:16 Uhr
Federico
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt"darüber zu schreiben bindet aber eine gewisse Doppelmoral (...)" - ja, stimmt, is schon ziemlich ironisch.. *g
03.09.2006 20:19 Uhr
JungeJunge
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtja, natürlich ist das so. ich schließe mich da selber ja auch ein. ich dachte, das wäre offensichtlich.
03.09.2006 23:16 Uhr
Tania
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtmir jedenfalls ist eine gesellschaft lieber, in der jeder irgendwie kreativ ist und sich für was besonderes hält, als eine uniforme masse, die ihren einzigen dichter, musiker und autor hat.
durch das viele kommt ja das besondere noch besser zur geltung ;)
03.09.2006 13:24 Uhr
ionut
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtinteressante These. Ich halte sie für halbquatsch. Die sucht nach Anerkennung und Kritik, doch andererseits würde ich nicht behaupten wollen, dass jeder seine geistigen Ergüsse der Öffentlichkeit zeigen WILL! Sicher gibt es solche die so etwas brauchen, aber viele schreiben oder malen einfach für sich und seine Freunde.
03.09.2006 22:59 Uhr
uschi_fisch
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtOh da sagst Du was, dass gefällt mir besonders gut!
Die Leute von heute kommen sich mächtig toll vor, wenn sie nur einen Text mal fehlerfrei schreiben können, der auch noch was aussagt ;o) Nein, ich will nicht zynisch sein, aber ein bisschen ärgerlich ist es schon zu sehen wieviel literarische Ergüsse manchmal heftigst diskutiert werden.
Soll mancher meinen es wäre eine aufstrebende Gesellschaft. Ha, da lach ich nur. Diese Gesellschaft hat schon immer gut geschrieben, behaupte ich mal und denke mit Wehmut an die verschollenen Briefe meines Großvaters aus dem Krieg an meinen Großmutter. Oder an die Seitenlangen meiner Mutter an ihre Anverwandten und Freundinnen auf dem Landstrich hinter der deutschen Grenze. Diese waren für mich (weil ich noch nicht lesen konnte) vom Schriftbild her schon reine Kunstwerke.
Also neigt der Mensch dazu literarisch künstlerisch tätig zu sein. Es erfüllt, es macht spaß, es kribbelt Menschen geradezu etwas zu schaffen für andere und er hat in diesem Moment die Gewissheit, dass was ich da schaffe ist für mich und den anderen, jenseits der Probleme (Krieg, Armut, Bedrohung, Heimatlosigkeit, Arbeitslosigkeit) ein Denkanstoß, eine Beruhigung, ein Trost und vielleicht sogar Hilfe, die bezahlbar ist und des Miteinanderseins zuträgt.
Schreibt einfach weiter, Leute. Egal ob´s trendy ist, macht einfach.
04.09.2006 10:55 Uhr
k.janeway
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtDanke, daß Du "Quentchen" mit "e" geschrieben hast!!!
04.09.2006 19:06 Uhr
JungeJunge
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtist doch ehrensache :-)
04.09.2006 20:56 Uhr
cesar
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtDa ist was dran. Ich habe so eben auch mein erstes Buch fertig gestellt, allerdings kein Roman, sondern ein Sachbuch "Die 200 wichtigsten Italo-Western". Ist bei Amazon, Bol.de und auch sonst überall erhältlich! ;-)
04.09.2006 20:34 Uhr
aiko
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtich sag nur, blablabla...!
05.09.2006 10:09 Uhr
kamakatze
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt"Es gibt nichts Gutes, außer amn tut es!".
...Ich bin froh das die Leute sich endlich trauen kreativ zu sein! Egal in welcher Form!
Besser als vor der Glotze hängen und darauf zu warten das die Hirnmasse von den Medien zu Brei zerhexelt wird!
05.09.2006 10:53 Uhr
hh-katrinchen
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtich weiß was Du meinst. versteh ich gut, diesen überdruss, aus individualismus ist eben doch wieder mainstream geworden. früher dachte man noch, denker sein etwas besonderes- heute ernennt sich jeder zum philosophen, künstler und autor.
trotzdem, einem wird ja immer noch die wahl gelassen- verdrießlicherweise als konsument von künsten, fragwürdig, zugegeben- auszuwählen aus diesem überfluss.
die frage ist nur, wollen diese " künstler" nur bewunderung, achtung, reaktionen, zurufe in ihre einsamkeit- oder einfach gedanken darstellen und zum nachdenken anregen?
denn nur letzteres ist kunst meiner meinung nach.
tagebücher im internet zu veröffentlichen wiederrum nicht
" nicht alles, was man nicht versteht, ist kunst"
05.09.2006 18:01 Uhr
aiko
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtwas heisst "nur bewunderung, nur beachtung"? fuer die menschen in frage kann da von grosser bedeutung sein, und vielleicht der eintritt in grosse genialität.
05.09.2006 20:50 Uhr
aiko
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtjeder als kuenstler seines eigenes lebens? das duerfte ja durchgehen, oder?*g*
05.09.2006 20:51 Uhr
medienspacken
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtjepp, alter, du hast recht. manchmal werden träume allerdings auch wahr. ich schreibe bspw. auch hobbymäßig so text zu diesem und jenem. die habe ich erst bei NEON veröffentlicht. inzwischen zahlt mir der axel-springer-verlag geld dafür. also danke, NEON ;) also manchmal wird aus der brotlosen kunst eben doch eine einnahmequelle.
ich lehne mich mal etwas weiter aus dem finestra und behaupte folgendes: jeder, der seine kunst zur profession ausbauen will, schafft das. unter zwei bedingungen:
(1) harte arbeit | er/sie muss hartnäckig sein, seine kunstwerke zur perfektion ausarbeiten, den markt sondieren und seine kunst geldgebern anbieten, die damit was anfangen können.
(2) talent | und das ist viel wichtiger: er/sie muss ehrlich zu sich selbst sein. die brille der verklärung abnehmen, die eigene kunst und die eigene auffassungsgabe kritisch beleuchten und sich ehrlich eingestehen, wie gut man wirklich ist.
und die anderen?
leute mit mäßigem talent oder arbeitseifer beleben über youtube & co. noch immer die kultur - und das in ausmaßen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. hab ich auch mal was drüber geschrieben in meinem - höhö - bezahlten blog:
http://www.abendbl att.de/z/p log/blog.php/twiligh t/medienku ltur/2006/06/01/webk unst
ist vielleicht ganz interessant für dein thema.
grüße
medienspacken
05.09.2006 21:11 Uhr
aiko
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtder axel springe verlag ist gross...
06.09.2006 09:50 Uhr
bliss
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt> Beides passt irgendwie ohne größere Verrenkungen in das eigene Lebensmodell.
ach ja? meiner erfahrung nach taugt das modell thomas manns leider auch heute noch sehr gut... man merkt es nur vielleicht nicht so sehr, wenn man sich erst einer der seiten zugeschlagen hat.
06.09.2006 22:41 Uhr
Bigsmooth
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtZunächst: interessanter Artikel und ein tolles Forum hier. Nun muss ich aber auch mal meine Meinung rauslassen:
Das mit der Selbstverwiklichung ist so ne Sache:
1. Wenn alle es als ihr Hauptziel benennen, wo bleibt dann das "Selbst-"?!
2. Die vollzogenen Tätigkeiten zur Selbstverwirklichung sind leider selbst Resultat sozialer Konventionen: Journalist werden ist "in", Buchhalter werden ist "out". 3. Wunderbarerweise lässt sich Selbstverwirklichung ökonomisch toll umsetzen -Stichwort Selbstausbeutung: Für den "Traumjob" belegt man in seiner Freizeit Fortbildungen, macht für lau Praktika, biedert sich in nur jeder erdenklicher Weise an -"Überstunden?! Kein Problem!!!"
4. Man ist ohnehin jederzeit "Selbst": Oder kann hier jemand behaupten, er kenne jemanden, der eins zu eins mit ihm selbst identisch wäre?! Ich rede hier von Charaktereigenschaft en.
Zum Schreiben: Es gibt wohl Personen, die mit dem Schreiben eine Art Katharsis betreiben, sprich: "das muss jetzt raus!!!" Gleichzeitig ist dies eine Mitteilung an den Nächsten über sich selbst, frei nach dem Motto: "Das bin Ich!". Das hat meines Erachtens nicht so viel mit Selbstverwiklichung zu tun. Pathologisch wirds wohl erst dann, wenn jemand schreibt, um in den Augen anderer besser dazustehen: "Ah, der Detlev hat einen Roman geschrieben -Soso." Wenn das die Leitvorstellung eines Schreiberlings ist, dann gnade uns Gott.
Viel Spaß noch
08.09.2006 11:39 Uhr
gregory
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtIch denke kreativ sein ist in Amerika noch viel mehr angesagt als in Deutschland. Da spielt fast jeder zweite Jugendliche in einer Band, malt zusätzlich noch oder schreibt Gedichte.
08.09.2006 21:17 Uhr
puppe
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtJa, geht alle auf meine Seite und schaut euch meine Fotos und Zeichnungen an. (www.ichbinjasokreat iv.de) Dort sind sie, dort bin ich... okay, vielleicht nur ein Teil von mir, der Teil, den ich euch zeigen will... meine Schokoladenseite sozusagen...
Sekunde! Erst einmal ein Selbstportrait schießen und es zu den hundert anderen unter meinem NEON-Profil stellen, und wenn ich schon einmal dabei bin, myspace könnte auch wieder ein paar neue Fotos von mir vertragen. SelbSTdARstellung eben, stehe auch dazu!!
Einen Blog habe ich natürlich auch... 3. Januar 2006, 13Uhr: aufgestanden, Zähne geputzt, Stuhlgang etwas trocken gewesen, trinke gerade Kaffee... wollt ihr ein Foto davon sehen? Mich beim Kaffeetrineken, natürlich! Schon Upgeloaded!
Ob ich mir was darauf einbilde, wenn ihr mir sagt, wie toll ich bin? Natürlich! Schreibt es am besten in mein Gästebuch, damit es ja jeder lesen kann. Aber wenn ihr mir sagt, dass es Scheiße ich, was ich so fabrizierte, dann sage ich: "Peh...!" und lösche den Eintrag einfach.
Und morgen? Morgen mache ich vielleicht bei der neuen Staffel DSDS mit... Und auch wenn ich am Ende unter der Kategorie: "Die 10 schrägsten Vögel der Fernsehegeschichte" ausgestrahlt werde, Hauptsache ich war mal im Fernsehen. Und wenn ich's mir so recht überlege, werde ich bestimmt zum neuen Engel Deutschlands, denn schließlich hat mir meine Mama schon immer gesagt, wie doll ich schon als Kind singen konnte!
10.09.2006 14:37 Uhr
juhulia
ENDLICHeiner, der das problem erkennt.
soll doch jeder für sich selbst schreiben wenns ihm gut tut (schließe mich da nicht aus) aber sich deswegen bitte nicht selbst zum "poeten" ernennen.
11.09.2006 00:11 Uhr
phenomenon
RE: Niemand, der keinen Roman schreibtDem ist wohl nichts mehr hinzu zu fügen.
Und trotzdem verabschiedet sich kaum jemand deswegen von seinen Illusionen. Nein. Wirklich nicht. Die sind doch was schönes. Etwas, das einen über den Tag bringt. Und die doch manchmal so öde Pflichtarbeit. Mit irgendwas muss ich ja Geld verdienen. Also schreibe ich dafür: Geld. Abereben nicht das, was ich denke.
Das findet seinen Platz an einem anderen Ort
11.09.2006 16:09 Uhr
Sommerle
RE: Niemand, der keinen Roman schreibthmm ist ja nen bischen demprimierend :D dachte ich wär nen bissel besonders. allerdings gibt es in meinem umfeld niemand der schreibt oder mixt o.ä. . Hier ist man leider schon eine Ausnahme wenn man mehr als 5 Bücher in seinem Leben gelesen hat.
19.09.2006 16:34 Uhr
caspars
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
bei uns ist das nicht so. das ist eben szeneabhängig, wenn man nicht in der großstadt lebt, muss man erst mal richtig suchen gehen, um ähnliche menschen kennenzulernen. ich kenne zumindest keine dieser menschen persönlich, die du da beschreibst.
21.09.2006 20:47 Uhr
northjiggi
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
freuen wir uns doch über die zeit, die wir alle zu haben scheinen..
muss man nach berlin ziehen, damit alle um einen herum schreiben? in meiner umgebung gehen die zum paintball spielen und schreiben zum glück nicht darüber.
24.09.2006 17:10 Uhr
die_Moehre
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Allerdings. Wie es aussieht ist das nur in Großstädten wie Berlin, Muenchen oder Hamburg so.
26.09.2006 22:59 Uhr
jennerle
ein pflaster, bitte
aaaah! wie wahr! das ist so wahr dass es weh tut... aua... ich frage mich, was mach ich hier??
mensch. grade hatte ich mein selbstvertrauen wieder aufgebaut. dahin ists... naja vielleicht find ichs ja wieder, irgendwo unter meiner zahnbürste oder so...
lieben gruß aus london, hoffe es geht dir gut!!
la j
03.10.2006 00:11 Uhr
Angela_Bulloch
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
He he! Unsere Freunde/Bekannten sollten sich wohl auch in Acht nehmen...
13.10.2006 22:58 Uhr
ekstasY
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
mich kotzen diese ganzen hobby poster auch an :D selbst 90% der artikel hier sind zum wegwerfen, ZENSUR!
17.10.2006 21:53 Uhr
Keksmaus
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Ja, stimmt schon- heute werden sehr viele Menschen "kreativ" und versuchen sich in vielen verschiedenen Bereichen. Aber ob diese Entwicklung negativ zu beurteilen ist...
Ich mache gerne Fotos, zeichne und freue mich natürlich über Komplimente. Man hat das Gefühl, als stünden einem so viele Möglichkeiten offen, etwas Besonderes aus dem eigenen Leben zu machen.
Natürlich ist heute Literatur nicht mehr selbstverständlich "anspruchsvoll". Trotzdem hat der Leser (oder derjenige, der Kunst betrachtet,) meiner Meinung nach die Möglichkeit, nach eigenem Ermessen "die Spreu vom Weizen zu trennen". ;)
24.10.2006 23:22 Uhr
dreiwortemaedchen
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Ich find es wunderbar, dass es so viele Künstler auf der Welt gibt. Kunst ist viel wert, und die richtige Auswahl erst recht. Ich fühle mich nicht von der Masse erschlagen, ich bin froh, schreiben zu können und viel positives Feedback zu bekommen - und geben zu können.
03.11.2006 14:25 Uhr
dreiwortemaedchen
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Zu diesem Thema hab ich gerade etwas neues entdeckt: Bei der suche auf der Definition von Individualismus stieß ich auf einen Wikipedia-Eintrag, der deutlich macht, dass besonders Künstler als Individualisten bezeichnet werden. Jeder weiß, dass der Individualismus heutzutage wichtig ist, besonders unter Jugendlichen. Vielleicht wird gerade auf der Suche nach der Unabhängigkeit, nach der eigenen Persönlichkeit, die kreative Lebensgestaltung immer wichtiger? Weil man durhc Kunst eben Individualismus ausdrückt. Interessante erklärung, finde ich. Gruß
06.11.2006 10:58 Uhr
JackB
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Sehr richtig. Kunst und ihre Produzenten sind unentberhrlich. Ich habe jedoch manchmal die Furcht keinen Überblick zu haben, wo ich wann wem meine Texte, Bilder oder was auch immer präsentieren möchte/könnte/sollte . Man kann nicht überall präsent sein, doch wo soll ich anfangen, was ist (mir) wichtig? Am schönsten sind Zufälle, Verbindungen, die sich ergeben ... anders kommen viele Künstler garnicht zu ihrer Bekanntheit. Manchmal muss man es einfach auf sich zukommen lassen und aus dem Bauch heraus entschieden. Viel Erfolg!
13.11.2006 23:39 Uhr
JensEGelbhaar
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Hätte vich diesen sehr gut geschbriebenen Artikel nicht schon vor zehn Jahren finden können? Dann hätte ich ihn nämlich Dutzenden Menschen, die es immer sehr lieb meinen, wenn die sagen "Geh doch mal zu einem Verlag mit deinen Texten", einfach nur unter die Nase halten brauchen statt lange zu labern.
18.11.2006 11:16 Uhr
das_Deckblatt
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Schlimm?
"Wo jeder ein Künstler ist, wird der Wettbewerb um Aufmerksamkeit aber umso härter, denn das potentielle Publikum schrumpft eher als das es wächst."
Ich finde genau das ist heutzutage nicht mehr so ausgeprägt. Jeder der sich in irgendeiner Kunstform zuschaffen macht, ist interessiert an den Arbeiten anderer. So wird aus schaffen, erschaffen.
Aber netter Beitrag.
20.11.2006 21:10 Uhr
Indigoblau
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Ja dieser Trend ist mir auch schon aufegfallen...Es scheint wohl schick zu sein,jetzt einen auf Künstler zu machen.Fahr ich nach Köln rein oder sonst wohin,du siehst tausende von solchen Leuten die allein schon rein äußerlich so tun als ob.Natürlich ist es jedem sein bier was er mit seiner freien zeit anfängt,aber wenn dann so genannte ,,Meisterwerke" immer wieder veröffentlicht werden um Aumerksamkeit zu erheischen und man sieht,dass derjenige total untalentiert ist dann finde ich das schade.Denn dann wird der Wert der Kunst total verschandelt grade weil es dann ncihts mehr besonderes ist und dann soll es ja sein...
Außerdem geht der gute Gesprächsstoff über Kunst aus,du kannst echt nicht mehr auf gutem Niveau mit jemanden diskutieren und das hat jetzt nichts damit zu tun das man sich wie nen Klugscheißer aufführt...
Also ich sthe dem Thema zwiespältig gegenüber...Anderers eits ist auch toll,dass sich mehr Menschen für diese anscheinend ,,brotlose Kunst" interessieren aber Qualität zählt mehr als Quantität...
29.11.2006 19:30 Uhr
PDK
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Schreiben und schreiben. es gibt da zwei verschiedene wege. der eine führt nirgendwohin, der andere auch nur zu sich selbst. schreiben ist immer selbstvergewisserung und reflektion. alles andere ist allzutrivial. allzutriviales hat konjunktur. niemand liebt mehr als mittelmaß. fast niemand. man könnte das dann so ja nicht selbst, ergo ist man abgestoßen. künstler sein heißt doch: sich aufs spiel setzen. gegen alles da draußen und drinnen. und über leichen gehen, metaphorisch gesprochen. dazu sind alle hobbyneutrotiker, die sich in darstellerischen Zwängen jedweder couleur austoben aber nicht bereit. sollen sie es deshalb lassen? nein. aber sie sollen es, um gottes willen, nicht veröffentlichen. danke. sehr schöner artikel!
02.12.2006 13:49 Uhr
flughund
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Ich konnte es auch nicht lassen und habe nun einen Roman veröffentlicht, und zwar auf dem von alex.jott bereits erwähnten "Lulu.com". Diese Plattform bietet in der Tat weit mehr Möglichkeiten als bisherige Foren, in denen man seine Texte posten kann. Wen das interessiert, der lese bitte hier weiter:
http://www.neon.de /kat/freie _zeit/literatur/1697 37.html
04.12.2006 08:53 Uhr
Roxie
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
ja, genau so ist es. ich bin auch in einem forum, wo man eigene fotos und bilder posten kann. find ich aber eigentlich ganz gut, die ganze sache, denn durch die kritik der anderen lernt man was dazu, man sieht sich selbst auch eher kritisch. bei hobbies gehts zwar im ganzen ja eher um spaß, aber meistens möchte man ja schon nach ner zeit schon wissen, was die anderen denken.
07.12.2006 17:55 Uhr
H_a_n_n_a
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
*LOB*
um deinen Aufwand wett zu machen;-)
Ja, irgendwie schade, dass der Kindheitstraum vieler, einmal Schriftsteller zu werden, von so vielen geteilt wird und von daher weniger realistisch wird.
17.01.2007 23:25 Uhr
theend
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Es streben aber weniger Menschen nach künstlerischem Ausdruck, als ich gut finden würde. Wenn ich nmir viele Leute anschaue, die einfach nur nach den neusten Kicks und einem Billigen Fick suchen. Das ist schade, man braucht doch einen Gegenpol zu Mtv und Viva und co., wie denn, wenn nicht durch Kreativität (die meistens noch Kritik austrahlt) ?
26.01.2007 18:09 Uhr
Martha-Sophie
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Ich finde es insgeamt einen schönen Text, teilweise doch etwas überzogen! Es kommt immer darauf an in welchen Kreisen man sich so bewegt! Und ich glaube, nein eher ich weiß, dass nicht "jeder" heute, schreibt, fotografiert, etc.! Ich glaub die Mehrheit der Menschen in Deutschland tut vergleichbares eher nicht, entweder kein Intresse, keine Lust oder ein häufiges Problem einfach keine Zeit! Wenn man sich hier bei NEON oder überhaupt im Internet umschaut, kommt es einem so vor, als würde wirklich jeder sich irgendwie kreativ betätigen! Aber das ist doch wirklich ein sehr kleiner Bruchteil der Bevölkerung und auch ein gewählter Kreis der sich diesbezüglich interessiert und so tritt der KREATIVE MENSCH prozentual viel häufiger beispielsweise bei Neon auf, als vielleicht beim Forum eines Wirtschafts Magazins! Schade eigentlich, denn ich würde es eine positive Entwicklung finden, wenn jeder seiner Kreativität freien Lauf lassen würde.
Lg, Martha
28.01.2007 14:44 Uhr
schusche
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Schauts denn nicht so aus, dass in unserer schnelllebigen Gesellschaft keine alternative Möglichkeit besteht, die dem Einzelnen Raum und Platz bietet, seine Gedanken und Gefühle loszuwerden? Zudem finde ich, dass diese Vielfältigkeit doch auch etwas hat und sein Publikum bestimmt doch einjeder selbst mit seinen künstlerischen Tätigkeiten.
05.02.2007 12:04 Uhr
FrauRoth
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Das macht die heutige Zeit aus: Jeder wird zum Künstler, jeder ist individuell. Und diese Neon-Institution ist doch das beste Beispiel: Die Plattform für die Andersdenker, denken sie...Ich mag es, dass diese Zeit jedem die Chance gibt, sich frei zu entfalten, aber andererseits wirds dadurch auch schwieriger das Gute herauszupicken. Zum Beispiel muss man sich so viele schlechte Bücher antun, sie enttäuscht weglegen und alles umsonst und vertane Zeit. Keine Übersicht, denn zuviele Künstler sind auf der Welt, so viel Vielfalt...aber wir können stolz darauf sein, denn das ist ausgelebte Meinungs- und Pressefreiheit...
18.02.2007 23:02 Uhr
humpsy
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Jedenfalls fördert man so sein Hobby mehr, und erschafft sich die Fülle der Kreativität anstatt vor dem Fernseher oder sonstwo zu verdummen.
Und das ist doch wundervoll ...
05.03.2007 19:59 Uhr
ninchen-lu
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
...du hast recht...
_künstler sind die, die keine sein wollen, die geheimisvollen menschen, die einfach nur das tun, was sie am besten können...nämlich das was sie wollen...
05.03.2007 21:12 Uhr
Perspektivsache
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
schoener text ueber ein thema mit dem ich mich auch gerne beschaeftige...aber warum schreiben wir eigentlich alle, warum haben wir nu dieses beduerfnis uns mitzuteilen?...gute ansichten haben mir entgegen gelaechelt als ich mir deine zeilen durchgelesen habe und haben fuer weitere gedankliche anstoesse gesorgt...danke dafuer
15.03.2007 19:41 Uhr
otium_ink
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
das problem liegt ja nicht darin das jeder schreibt. musiziert, fotografiert oder mahlt. das kann ja jeder gerne für sich im stillen kämmerlein machen.
kritisch wird es erst wenn man seine kreativen ergüsse der welt mitteilen möchte. das internet ist da ja noch die harmloseste form. da soll ruhig jeder sein misst verzapfen kann den rest ja begeistern oder egal sein.
wenn es aber um das reale leben geht sollte man doch noch ne runde selbstkritik nachlegen und vieleicht nochmal drüber schlafen. das gespräch mit menschen suchen, die einem nicht von rechtswegen versichern das man grandios ist.
denn ehe man sich versieht steht man bei den empfehlungen von tvspielfilm oder der lokalen tageszeitung als 'total hipper newcommer, der auf moderne ironische weise den altag neu reflektiert'..... also wirklich, was ist den bitte schön an 'heute hab ich dem wellensittich ne darmspiegelung verpasst...' in irgend einer weise innovativ. da kann man ja gleich die 'gesammelten werke der rüttlie-schule' rausbringen[fänd ich mal interessant]..... von 'prominenten' die 'bücher' mit ihrem gesicht drauf dem volk andrehen wollen mal abgesehen.
oder wie viel scheiß als kunst durchgeht. jedes jahr auf's neue wird die nackheit, müll, white-trash, riesengenitalien oder ansammlungen von undefinierbaren als kunst angepriesen.... und mit streetart will ich gar nicht erst anfangen. die 'szene' schreit auf, das feuilleton freut's.
24.06.2007 00:30 Uhr
lovingthe.alien
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
der artikel gefällt.
und ich finde trotzdem, hat diese Entwicklung was trauriges ansich. was ich jetzt auch nicht explizit bennen können.
aber natürlich schätze auch ich die Möglichkeit,
dass man seine "Kunst" so leicht der Öffentlichkeit zur Schau stellen kann.
10.09.2007 00:23 Uhr
_mirror_
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
ich glaube,die menschen haben einfach mehr zeit sich zu beschäftigen und da ist auch der große wunsch nach selbsterfüllung und anerkennung der anderen.ich mache musik,aber für mich selber.für mich ganz allein,es macht mich glücklich.aber wie erkennt man eigentlich diejenigen die wirklich talent zum schreiben haben und die die einfach nur schreiben um des schreibens willen?
04.11.2007 20:05 Uhr
JoannaStarlette
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
ich find auch,dass inzwischen sogar jeder krampfhaft versucht kreativ zu sein,gut trotzdem,dass es immer noch meistens nur die besten schaffen.
leider gibts immer irgendwo mark medlocks,monrose und was weiß ich noch.
02.07.2008 16:17 Uhr
glasgedanke
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
ich finde du hast etwas entscheidendes in deinem artikel vergessen. ja es ist zum trend geworden künstler zu sein, ob autor oder fotograf. ich sehe oft genuch leute die sich als fotograf angeben und nichts davon verstehen und deren fotografien echt scheisse sind. aber es gibt da noch diejenigen die gut sind und es ernst meinen mit der kunst. und bitte wirf diese leute mit den pseudo-artisten nicht in einen topf. 80 prozent sehen es als trend an, die anderen 20 meinen es ernst.
20.09.2008 17:17 Uhr
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Oh scheiße, das zieht mich jetzt echt runter.
Meine Zukunftsplanung ist darauf aufgebaut, davon zu leben.
Sonst kann ich doch nichts.
Was mach ich denn jetzt.
05.11.2008 21:47 Uhr
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
WORD
17.01.2009 12:34 Uhr
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Guter Text und so Wahr....
01.04.2009 10:36 Uhr
RE: Niemand, der keinen Roman schreibt
Ich finde es ganz wunderbar, kreativ zu sein. Das wird ja nicht gerade ständig in Schule und Beruf gefördert. Außerdem ist es tatsächlich nichts Ungewöhnliches. Wie dieJudith schon schrieb, letztendlich gibt es viele kreative Bereiche. Schreiben und Musik machen sind einige davon. Klöppeln oder Patchwork kommt bei vielen nicht so an. Deshalb gibt es auch nicht die entsprechenden Plattfomen dafür. Bei Videos, Musik, Blogs etc. ist das anders. Wenn es also Plattformen gibt, auf denen man sich austoben kann, ist das nur super!
04.06.2009 13:13 Uhr