Musik
Messias der Pop-Oper
03.05.2005 12:22 Uhr
Tiefe Trauer überschattet fast jedes seiner kleinen musikalischen Epen und dennoch erstrahlen Rufus Wainwrights Pop Opern geradezu in Glamour.
Vielleicht hat man den Namen Rufus Wainwrights bislang nur als musikalischen Geheimtipp von Showgrößen wie Gwen Stefani, Ryan Adams oder Kirsten Dunst vernommen. Womöglich kennt man Wainwright aber auch wegen seiner besonderen Ambitionen: Gesellschaftlich und schöpferisch gegen den Strom zu schwimmen und den immer weiter ins Rechte verfallenden USA die Stirn zu bieten, scheint die treibende Devise des Songwriters zu sein. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sorgt der Emigrant aus Montreal mit Titeln wie „Gay Messiah“ und „The Art Teacher“ bei konservativen Hardlinern für einen Kreislauflaufkollaps nach dem anderen.
Kein Wunder also, dass die prüden Amis der zweiten Auskopplung der „Want“-Session einen ganz besondern Stempel aufdrückten: Der bei Rappern mittlerweile als Standard geltende schwarz-weiße Warnhinweis „Parental Advisory – Explicit Content“ findet sich auch auf dem Cover von „Want Two“ wieder. Im alten Europa hingegen traten Rufus Wainwrights musikalische Auseinandersetzung mit Drogenabhängigkeit, Homosexualität und Kindheitstraumata bislang nur vereinzelt in das Licht des öffentlichen Interesses.
„I don’t know what I’m doing, I don’t know what I’m saying...“ säuselt der Kanadier auf seiner aktuellen Platte “Want Two”, dem mittlerweile vierten Longplayer einer bislang durchwachsenen Karriere. Dass diese langsam auch auf unserer Seite des großen Teiches Fahrt aufnimmt, beweisen frenetischer Applaus im Vorfeld der europäischen “Keane“- Konzerte, bei denen Wainwright im vergangenen Monat als Support-Akt auftrat. Und obwohl der 31-jährige anscheinend nicht ganz genau weiß, was er tut und sagt, macht sich der „Meister des Arrangements“ nun auf, auch den alten Kontinent mit tiefgründigen und abwechslungsreichen Kompositionen, die von Ironie und Sarkasmus durchzogen sind, zu erstürmen.
Immerhin, so erzählt der Wahl-New Yorker jüngst in einem Rolling Stone-Interview, ist „Want Two“ sein letzter Versuch die Radio, - Fernsehen- und Videowelt zu erobern. Für seinen musikalischen Feldzug scheut er weder Kosten noch Mühe, warf Unsummen für die auf „Want Two“ zu hörenden Streicher, Bläser und Chöre aus. Zur Freude der Plattenfirma werden für die derzeitige Tour auch reichlich Dollarscheine verbraten: Gleich mit einer ganzen Liveband wartet Rufus auf, um seine opulenten und glamourösen Kompositionen auf der Bühne zu präsentieren.
„Ich werde alles dafür tun, damit meine Musik die kreischenden Teenager erreicht“, sagt der ambitionierte Wainwright, der sich auch in filmischen Gefilden versucht: Neben zahlreichen Soundtrack-Beiträgen zu Mainstreamfilmen wie „Shrek“, „Zoolander“ und zuletzt „Bridget Jones – The Edge of Reason“ verschlug es den Opernliebhaber in Martin Scorseses „The Aviator“ auch vor die Kamera. In einem Kurzauftritt mimt Wainwright einen...Sänger. Suprise, suprise!
Das Jahr 2005 scheint auch hierzulande im Zeichen des Rufus Wainwright zu stehen: Bleibt zu hoffen, das der Songwriter und seine mit Pop versetzten Pianoballaden Horden von kreischenden Teenagern in die Clubs und Konzerthallen stürmen lassen. Dies könnte zumindest für ein paar Dollar sorgen, das Stil-Chamäleon Rufus Wainwright in neue Aufnahme-Session investieren könnte. „Want Three“? Aber lassen wir Rufus Wainwright erstmal einmal die Gelegenheit, seinen derzeitigen Feldzug auszuleben. An die Operngläser und Ausschau halten!




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ina-simone
RE: Messias der Pop-OperSchöner Text! Nur mit der "tiefen Trauer" bin ich nicht d'accord, das höre ich anders. Und Rufus selbst sagt ja auch (man achte auf den vorletzten Satz): "i want everyone to live an alternative lifestyle in their own way. alternative in that, life is beautiful, and life is short. it goes by so quickly. one of the things i’m realizing right now is, where i am in my career, this moment, it seems like the blink of an eye from when i’d first started. and i remember there were moments--within that blink of an eye-- when it felt like it was going to be an eternity before i had any success. now that it’s happening, it seems to go by so quickly. for my fans, or anyone who gets into my stuff, it’s about enjoying the beauty of life now and not fretting about anything. just look for that silver lining. that’s my basic message for everyone."
03.05.2005 18:46 Uhr
Totekadan
RE: Messias der Pop-OperSchöner Text! Songs wie "Cigarettes and Chocolate Milk" und "Imaginary Love" haben mir den lieben Rufus nahe gebracht. Auch sehr schön für Chansonfreunde:
"Complainte de la butte" aus Moulin Rouge.
03.05.2005 23:43 Uhr
Lohengrin.Held
RE: Messias der Pop-Operwer ist denn rufus wainnwwright?
08.05.2005 16:28 Uhr
Corika
RE: Messias der Pop-OperHab zum ersten Mal was von Mr Wainwright letztes Jar im Juni gehört,als er Support von Sting war und als ich seine Stimme so hörte,dachte ich mir,ups,den kenn ich doch...vom Moulin Rouge Soundtrack;)
18.05.2005 15:34 Uhr
Fiona_kb
RE: Messias der Pop-Operhey, seine schwester ist tolL!
23.03.2006 10:05 Uhr