Fernsehen
FUTURAMA & ANGEL vs. DIE SIMPSONS & BUFFY
09.09.2004 12:43 Uhr
Warum Futurama und Angel besser sind als die Simpsons und Buffy.
Es gibt Fernsehserien, die sind sehr gut, z.B. die Simpsons. Und Buffy. Buffy, the Vampire Slayer wohlgemerkt. Was viel besser klingt, als die lapidare deutsche Untertitelung: Buffy. Im Bann der Dämonen. Obwohl die auch nicht schlecht ist.
Es gibt aber auch Fernsehserien, die sind noch viel besser, auch wenn man zunächst daran zweifelt. Da wäre zum einen Futurama. Auch von Matt Groening, der Mann hinter den Simpsons. Das ganze sieht ähnlich aus, lustige Cartoons und frohe Farben. Die Geschichten sind aber viel besser. Das gleiche bei Angel, ein Spin-Off von Buffy. Angel musste seine große Liebe, Buffy, verlassen, da ihre Liebe - nun ja, potentiell tödlich ist. Also ist Angel nun in Los Angeles, und auch da müssen Vampire und Dämonen bekämpft werden.
Es scheint, als waren die Simpsons und Buffy jeweils die Vorbereitung auf Größeres und Komplexeres. Vielleicht sind diese beiden die Rettung unserer Teenagerjahre, während Futurama und Angel uns die Twenty-somethings, die unglaublich schwierigere Phase des Erwachsenwerdens leichter machen.
Als Teenager lebten wir noch wohlbehütet im Elternhaus, gingen zur Schule und verbrachten unsere Nachmittage irgendwie. Wir mussten uns nicht mit schlampigen Mitbewohnern rumplagen, überlegen, wovon wir die nächste Miete bezahlen, Termine auf Ämtern einhalten und uns obendrein ernsthaft Gedanken über unsere Zukunft machen. Die geschützte Atmosphäre der Adoleszenz spiegelt sich in den konsumierten Fernsehserien wider: Die Simpsons leben abgeschirmt in Springfield, ab und zu steht mal ein Ausflug nach Capital City, Afrika oder Australien an. Die Probleme sind die alltäglichen Kleinigkeiten und der unschuldige Unsinn Heranwachsender. Das gleiche bei Buffy: Obwohl viele Gefahren in Sunnydale lauern - Vampire, Dämonen, Monster - bleibt auch dies ein hermetisch abgeschirmter Bereich, der irgendwie Wohlbehagen ausstrahlt. Die Dämonen sind ohnehin alltäglich und symbolisieren vermutlich die Gefahren und Anstrengungen des Heranwachsens. Man überlebt irgendwie.
Und dann stößt man plötzlich auf Angel, in Los Angeles. Das ist wie die Schule beenden und vom Land in die Großstadt zu ziehen. Plötzlich ist man auf sich allein gestellt, Freunde und Familie sind zurückgeblieben. Und man ist Dingen und Situationen ausgeliefert, mit denen man erstmal klarkommen muss. Es gilt, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, überlegen, wohin man will und wie man das erreichen kann. Plötzlich enthüllt sich einem die Komplexität des Erwachsenwerdens. Oder ist es bereits das Erwachsensein?
In Angel gibt es plötzlich finanzielle Sorgen, reale Bedrohungen von anonymen Konzernen mit fragwürdigen Machenschaften (Wolfram & Hart), Verrat, Rache, Eifersucht, etc. Zudem gibt es in Los Angeles eine Menge mehr Menschen und Dämonen. Die Welt wird bunter und damit spannender. Wir sprechen hier von kultureller und ethnischer Vielfalt, dem Nebeneinander verschiedener Lebensstile. Sind wir offen, so führt das zu mehr Toleranz und wachsender Lebenserfahrung und Weltkenntnis. Nicht zu vergessen, dass Angel mehr als 200 Jahre alt ist und schon so einiges erlebt hat. Letztlich stellt sich beim Anschauen immer wieder das Gefühl ein: „Da ist jemand, der mich versteht.“ Und genau das brauchen wir im Chaos unserer Zeit.
Futurama geht da sogar noch einen Schritt weiter. Die ganze Geschichte ist nicht länger in einer Stadt angesiedelt, sondern mehr oder weniger im Weltraum. Und in der Zukunft. Ausgehend von der Basis in Neu New York reisen Fry und Konsorten durch das All, um Lieferungen auszutragen. Da wird die kulturelle Vielfalt nochmal exponentiell gesteigert. Während sich bei den Simpsons lediglich der Quoten-Inder und der Quoten-Afro-Amerikaner finden, sind Frys Freunde Amy vom Mars, Bender der Roboter, die einäugige (auch außerirdische) Leela, Frys Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel Prof. Farnsworth, der jedoch 160 Jahre alt ist, sowie Zoidberg, ein Art Hummerspezies. Mit der Ansiedelung der Geschichte im vermutlich unendlichen Weltall, steigen auch die Gefahren und Möglichkeiten des Daseins. Futurama greift genau die Probleme auf, mit denen wir Mittzwanziger konfrontiert sind: Die stetigen Erwartungen von Freunden, Familie, Arbeitgebern, Staat und Kunden, Liebe, Freundschaft, die Möglichkeiten und Risiken gesellschaftlichen Auf- und Abstiegs, Drogen und der latente Kampf ums Überleben. Immer gepaart mit der Frage nach dem Sinn des Daseins, der sich doch nie enthüllt.
Was bleibt ist die konstante Frage: Mache ich es wie Fry und konzentriere mich darauf, irgendwie aber einfach und genüsslich durchs Leben zu kommen? Oder doch lieber wie Angel und suche mir eine Aufgabe, irgendein Ziel, das es zu erreichen gibt - eine Mission? Aber die Entscheidung muss wohl jeder alleine treffen.




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Evenstar
RE: FUTURAMA & ANGEL vs. DIE SIMPSONS & BUFFYbin völlig deiner meinung. musst evor kurzem zu meinem eigenen erstaunen, dass mir das verpönte futurama mittlerweile besser gefällt als die simpsons.
und angel fand ich gleich von anfang an besser als buffy. obwohl die serie viel trauriger ist.
09.09.2004 13:36 Uhr
flowsen
RE: FUTURAMA & ANGEL vs. DIE SIMPSONS & BUFFYFuturama ist, wie Du bereits geschrieben hast, um einiges vielschichtiger und komplexer, d.h. es gibt mehr Moeglichkeiten, aber auch mehr Probleme, wohingegen die Simpsons doch oft mit aehnlichen Sorgen zu kaempfen haben bzw. diese leichter zu bewaeltigen scheinen. So wie es eben im voranschreitenden Leben auch ist. Zuerst ist alles Simpsons und spaeter wird's Futurama.
10.09.2004 09:35 Uhr
M0zkit0
RE: FUTURAMA & ANGEL vs. DIE SIMPSONS & BUFFYmeine güte. das sind zeichentrickserien und nicht sachriftstücke von goethe oder schiller, denn die könnte man interpretieren. Simpson und Futurama sind haupsächlich zu meiner belustigung da, denke ich. den rest mag ich eh nich. aber daraus versuchen eventuell lebensweisheiten ziehen zu können finde ich doch etwas komisch.
naja mag ja sein, dass du mit diesen serien gewisse erinnerungen, erfahrungen und lebensentwicklungen verbindest, aber sie spiegeln nicht wirklich das leben wieder.
So ist meine meinung zumindest.
MFG
28.10.2004 19:28 Uhr
Evenstar
RE: FUTURAMA & ANGEL vs. DIE SIMPSONS & BUFFY@moskito: die simpsons und futurama sind gesellschaftssatiren und sollen keineswegs nur belustigen, sondern auch auf bestimmte probleme des lebens aufmerksam machen.
28.10.2004 23:36 Uhr
refuse
RE: FUTURAMA & ANGEL vs. DIE SIMPSONS & BUFFYgenau, Evenstar, das sehe ich auch so. Sonst hätte ich den Artikel natürlich auch nicht geschrieben. Und Moskito: wenn man sich mal anguckt, wie lange die Simpson schon laufen (Futurama wurde ja leider schon abgesetzt), dann wird es wohl auch Gründe geben, warum sich die Macher tagtäglich da hin setzen und sich derlei Geschichten ausdenken, die oft genug Hinweise auf das aktuelle Zeitgeschehen beinhalten. Natürlich soll das Ganze auch unterhalten, sonst hätte Herr Groning wohl ein anderes Format als den TV Cartoon gewählt, um seine Messages rüberzubringen.
30.10.2004 21:05 Uhr
Nyx
RE: FUTURAMA & ANGEL vs. DIE SIMPSONS & BUFFYdarum geths zwar nicht in der diskussion, aber trotzdem der vollstandigkeit wegen: l
eela ist keine außerirdische, sondern ein mutant.
13.12.2004 15:14 Uhr
Kosmo
RE: FUTURAMA & ANGEL vs. DIE SIMPSONS & BUFFYIch dachte, dass es ab einem gewissen Punkt im Medienbusiness eh nur noch ums Geld geht. Mal ehrlich Matt Groening ist doch mittlerweile weit vom gesellschaftskritisc hen Schaffen entfernt.
24.01.2005 15:35 Uhr
crp85
RE: FUTURAMA & ANGEL vs. DIE SIMPSONS & BUFFYInteressante Anischt, die ich auch vertrette. Aber warum soll man sich nicht nochmal in die kindliche Geborgenheit zurückflüchten, um dieser gierigen Geld-Welt zu entfliehen und sich auszuruhen.
Obwohl Buffy auch eine Entwicklung von der 1 zur 7 Staffel gemacht hatte. Anfangs halt typische schulprobleme, später aber auch unterhaltsprobleme, Ämter, Banken usw..Aber Buffy ist nicht so vielschichtig wie Angel, dass stimmt schon!
13.12.2005 11:06 Uhr