Gesundheit
Die Herausforderung
25.10.2009 10:43 Uhr
Als verfressener, unsportlicher Hypochonder kann man das Gesundheitssystem auf die Probe stellen. Es sei denn, man hat Schiss vorm Onkel Doktor.
Ich leide an Hypochondrie: Wenn ich huste, ist es Tuberkulose. Ein leichtes Kitzeln in der Nase kann eigentlich nur die Schweinegrippe sein. Ein bisschen Drücken in der Magengegend nach einem Sechs-Gänge-Menü deutet mindestens auf Bauchspeicheldrüsenkrebs hin. Und auf Pieksen im Zahnfleisch folgt bestenfalls eine Wurzelbehandlung. Da ist es schon beruhigend, wenn nach einer halben Stunde im Schneidersitz das eingeschlafene Bein nicht mehr willenlos und steuerungsunfähig unterm eigenen Körper baumelt, sondern zu kribbeln anfängt – denn dies ist ein gutes Zeichen dafür, dass Leben in ihm steckt.
Außerdem bin ich passionierter Anti-Sportler. Dass ich weiß, was es mit Abseits auf sich hat, verdanke ich eher einem dummen Zufall als Wissbegierde. Bei Tennis, Golf und Gehen weiß ich nicht, welche Sportart langweiliger ist. Außerdem Frage ich mich, warum Reitsport nicht wegen Tierquälerei, Boxen nicht wegen Barbarei und Motorsport wegen Umweltverschmutzung verboten wird. Sollte es in meinem Leben tatsächlich mal so langweilig sein, dass ich wirklich absolut nichts Besseres zu tun habe, schaue ich schon mal Biathlon im Fernsehen. Dass bei all dem sportlichen Desinteresse ausgerechnet auf Skiern davonlaufende und durch die Gegend ballernde Männer und Frauen in Gummianzügen meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen können, spricht aber wohl schon für sich genommen Bände.
Als drittes Manko muss ich mir selbst eine gewisse Vorliebe für Essen eingestehen. Natürlich reicht es auch hier nicht zur Wettkampfstärke beispielsweise fürs Burger-Fressen oder so. Aber am liebsten esse ich Dinge mit viel Fett, vielen Kohlenhydraten, viel Eiweiß und vor allem von allem zu viel. Die fünf kleinen Mahlzeiten, die Ernährungswissenschaftler gerne mal über den Tag verteilt empfehlen, bringe ich locker in der Zeit zwischen Frühstück und Frühstückspause unter. Und zwischen Pause und Mittagessen. Und zwischen Mittagessen und Feierabendsnack. Und zwischen Snack und Abendbrot. Danach gibt’s nur noch Kleinigkeiten: Chips, Schokolade und nach Partys hin und wieder mal einen Döner. Ich sehe zwar nicht aus wie die Wildecker Herzbuben, Ottfried Fischer oder Helmut Kohl, aber schon mit 14 Jahren wurde mir vom Arzt gesagt, dass das so nicht weitergeht.
Zusammengenommen stelle ich also eine super Herausforderung für jedes Gesundheitssystem dar. Darüber bin ich mir aber auch im Klaren. Und ich bin froh, dass es in Deutschland eine gesetzliche Krankenversicherung gibt, die sich um mich kümmert. So werde ich weder zu Sport genötigt – auch wenn das bestimmt nicht schlecht wäre – noch im Ernstfall im Stich gelassen. Aber hier ist ein weiterer Haken an meiner Person: Anstatt das Gesundheitssystem auf Kreuz und Nieren zu prüfen, den Sozialstaat bis zum Erbrechen auszunutzen und regelmäßig den Omis und Opis Plätze in den Wartezimmern wegzunehmen, um auch was von den zehn Euro Praxisgebühr im Quartal zu haben, leide ich zu allem Überfluss an Arzt-Phobie.
Bevor mich ein Onkel Doktor zu Gesicht bekommt, habe ich wochenlang an den Symptomen gelitten (siehe oben), zig freiverkäufliche Medikamente, Tees und Bonbons geschluckt oder den Arztbesuch von Tag auf Tag verschoben – bis zur Einsicht, dass es alles doch nicht so schlimm sein kann. Wenn eine Visite allerdings unabwendbar wird, dann dreht sich der Spieß: dann werde ich zum Herausgeforderten.




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lavish
RE: Die Herausforderungsollte man dir mit deinem hohen "body-mass-index" zuleibe rücken, kannst du immer noch behaupten, du wüsstest das, aber du wüsstest auch, dass muskeln schwerer sind als fett. und dass du nicht zum arzt gekommen bist, um über konfektionsgrößen zu diskutieren, sondern weil du schweinegrippe hast. man muss den ärzten sagen, was man will.
25.10.2009 12:06 Uhr
sun-chan87
RE: Die HerausforderungDas frage ich mich allerdings auch und stelle mir dann vor, wieviele kleine Mädchen in Afrika von dem Geld zur Schule gehen könnten...
27.10.2009 11:05 Uhr