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Die Wahrheit über StudiVZ

04.03.2009 17:15 Uhr

Wie die Website ihren Gründer reich und unglücklich machtSTUDIVZ ist noch immer die größte deutsche Internet-Community. Doch hinter den Kulissen herrscht Chaos. Gründer EHSSAN DARIANI ist daran zumindest nicht unbeteiligt. Dabei gehört er zu den Letzten, die mit der Seite Geld verdient haben: als er sie an den Verlag Holtzbrinck verkaufte.

von Patrick_Bauer

.AmTag, an dem er endgültig die Kontrolle verlieren wird, wacht Ehssan Dariani gegen neun Uhr morgens auf und isst nur ein Schokoknuspermüsli, denn er hat es eilig. Dann verlässt Dariani das Haus, geht ein paar Meter zur Filiale der Deutschen Bank, Friedrichstraße 181, schiebt seine EC-Karte in den Automaten, wählt die Funktion Kontoübersicht. Der Drucker scheint an diesem Tag besonders langsam zu sein, er summt und rattert. Als Dariani endlich den Kontoauszug in Händen hält, sieht er sofort die zweistellige Zahl, dann sechs Nullen. Es ist Donnerstag, der 4. Januar 2007, Ehssan Dariani ist soeben zum Multimillionär geworden. Durch den Verkauf des von ihm gegründeten sozialen Netzwerks StudiVZ an das Stuttgarter Verlagshaus Holtzbrinck. Dariani und seine Geschäftspartner Dennis Bemmann und Michael Brehm, die nun auch reich sind, tragen das Blatt Papier an diesem Tag wie eine Trophäe durch Berlin. Seiner Mutter, die niemals viel Geld hatte in ihrem Leben, wird Dariani den Zettel später auf den Küchentisch legen. Sie versteht nicht, wie ihr Sohn das geschafft hat. Aber sie ist stolz. Ehssan Dariani ist 26 Jahre alt, er glaubt, er wird jetzt nie wieder ein Außenseiter sein. Das Studentennetzwerk StudiVZ, eine Abkürzung für Studentenverzeichnis, hat Anfang 2007 eine Million Nutzer. Die großen Medienkonzerne hatten sich in den Monaten zuvor ein erbittertes Wettbieten geliefert, Holtzbrinck zahlt angeblich insgesamt 85 Millionen Euro. Imperiumschef Stefan von Holtzbrinck hofft im Internet auf das Geld, das sich mit Printtiteln nicht mehr verdienen lässt.

Drei Monate später ist Ehssan Dariani nicht nur seinen Job los, er hat auch ein paar Freunde weniger. Er habe, sagt Dariani heute, eine ganze Menge lernen müssen. Nach Art vieler kleiner Männer hält sich Dariani kerzengerade. Er macht einen fahrigen, aber sympathischen Eindruck. Beim Reden schaut er auf den Boden, lacht, streut Distanzierungszeichen ein, manchmal spricht er mit absichtlich gequetschter Stimme, als parodiere er jemanden, vielleicht sich selbst.

Die Geschichte von Ehssan Dariani ist viel mehr als nur die ganz persönliche Tragikomödie eines einzelnen Menschen, der versucht, in der Very New Economy Erfolg zu haben. Es ist auch ein Lehrstück darüber, wie schlecht sich Geld und Freundschaft vertragen und wie absurd es zugeht, wenn ein verzweifelter Medienkonzern versucht, im Internet Geld zu verdienen. Außerdem gibt es Millionen Nebendarsteller. Im Januar 2009 tummeln sich über 12 Millionen Menschen auf StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ, das Start-up hat die Kommunikation einer ganzen Generation verändert, beschleunigt, verbessert. Wenn Dariani sagt, er habe die Liebe auf den Campus gebracht, dann klingt das zwar ein wenig übertrieben, wie so vieles, was er sagt, aber ganz Unrecht hat er damit nicht.

Schon im März 2007 ist Dariani von StudiVZ freigestellt worden, aber erst jetzt arbeitet er auch offiziell nicht mehr für das Unternehmen, das einst seines war, erst jetzt darf er frei sprechen, hätte er das im vergangenen Jahr getan, seine Worte hätten ihn einige Millionen gekostet. Dariani sagt: »Unser Team wurde schnell entmachtet, nach außen hin wurde bis heute versucht, den schönen Schein zu wahren. « Dariani hatte geglaubt, er würde auch unter dem neuen Eigentümer Geschäftsführer bleiben. Aus Holtzbrinck-Kreisen heißt es, es sei bald klar gewesen, dass man mit Dariani nicht weitermachen könne. Nun wirft Ehssan Dariani den Holtzbrinck-Managern gebrochene Versprechen und Inkompetenz vor. Dariani, der Multimillionär, sagt, das habe ihn viel Geld gekostet. Aus anfänglicher Liebe ist Hass geworden.

Von den angeblich 85 Millionen wurden erst einmal die Gesellschafter ausgezahlt, die schon vor dem Verkauf in StudiVZ investiert hatten. Etwa zehn Millionen hat Dariani sofort bekommen; maximal weitere zehn Millionen werden erfolgsabhängig gezahlt, diesen Kaufmodus nennt man Earn-out. Dariani glaubt, dass Holtzbrinck mit StudiVZ absichtlich keinen Gewinn gemacht hat, um weniger an die Gründer zahlen zu müssen. Vor einem Schiedsgericht streitet er deshalb bald um ausstehen de Zahlungen in Millionenhöhe. Bei Holtzbrinck heißt es, das Earn-out habe bei den Planungen nie eine Rolle gespielt. Man habe nicht auf Gewinne verzichtet, aber auch nicht den Profit über alles gestellt.

Rund dreißig Millionen Euro Umsatz wollte Holtzbrinck mit StudiVZ pro Jahr machen, 2008 werden es aber nur dreizehn Millionen Euro, genauso hoch ist der Verlust, weil es Holtzbrinck nicht schafft, aus Millionen von Usern etwa mit gezielter Werbung Geld zu machen. Die deutschen Studenten und Schüler können gar nicht so viel gruscheln, wie man sich in Stuttgart Sorgen macht über StudiVZ. Letztes Jahr hätte man das Netzwerk fast schon an das übermächtige Vorbild Facebook verkauft, das auf dem deutschen Markt nur langsam wächst. Im Juli 2008 reicht Facebook vor einem kalifornischen Gericht gegen StudiVZ Klage wegen des Kopierens geistigen Eigentums ein, wohl nur, um das Netzwerk für andere Bewerber uninteressant zu machen. Aus der StudiVZ-Zentrale, die sich einst in Ehssan Darianis WG-Zimmer befand und sich heute über mehrere Großraumbüros in Prenzlauer Berg erstreckt, hört man wenig in diesen unruhigen Zeiten. Und wenn doch, dann nur Schlechtes: Der neue StudiVZ-Chef Markus Riecke, Darianis Nachfolger, geht wohl nicht ganz freiwillig im Oktober 2008, im Dezember wird verkündet, dass die Ableger in Spanien, Italien, Frankreich und Polen eingestellt werden. Ende Dezember wird dann offiziell: Auch Michael Brehm und Dennis Bemmann verlassen StudiVZ. Tatsächlich waren die beiden wohl schon viel länger ausgeschaltet. Brehm war seit Monaten vor allem »beratend tätig«, Bemmann, so ist zu hören, stand unter großem Stress. Beide wirkten ausgebrannt. Interviewtermine wurden immer wieder verschoben. Wenn nun die erste Generation StudiVZ verlässt, bedeutet das auch das Ende der Gründereuphorie im Web 2.0.

Konstantin Urban, der Chef von »Holtzbrinck Ventures«, jener Tochterfirma, die für den Verlag etwa vierzig Internetprojekte verwaltet, gibt sich in seinem Münchner Büro alle Mühe, diese Entwicklung als einen natürlichen Prozess darzustellen. Dariani hatte einst Urbans Rücktritt gefordert. Urban, der mit seinen zurückgegelten Haaren aussieht wie ein Posterboy aus dem Manager Magazin, sagt nun: »So etwas wie StudiVZ kann man nur von unten aufbauen, zumindest da hat Herr Dariani große Verdienste.« Es ist das eine, begeisterungsfähig genug zu sein, um eine Idee zu Geld zu machen. Ehssan Dariani konnte das, er überzeugte Investoren, hatte gute Einfälle, wie die Wortschöpfung »gruscheln«, ernannte»Campus Captains«, die als unbezahlte PR-Agenten an den Unis Werbung machten. Aus Dariani spricht immer ein bisschen Wahnsinn und ein bisschen weniger Genialität. Aus Konstantin Urban spricht die Erfahrung und ein wenig Kälte, es ist etwas anderes, aus einer chaotischen Community ein seriöses Unternehmen zu machen. Das konnte Dariani nicht, bloß: Darianis Nachfolger konnten es auch nicht.

Wenn man im Umfeld von Holtzbrinck fragt, was denn dieser Ehssan Dariani für einer sei, dann heißt es: schwieriges Thema. Ein Borderliner. Zu Meetings sei er regelmäßig zu spät gekommen, Mitarbeiter habe er herablassend behandelt. Als StudiVZ mal wegen Serverproblemen offline war, soll Dariani geschrien haben, er müsse aber einem Mädchen dringend eine Nachricht schicken. Dariani komme sich vor wie der deutsche Mark Zuckerberg, heißt es. Zuckerberg hatte mit nicht einmal zwanzig Jahren Facebook entwickelt, dessen Wert heute bis auf 15 Milliarden Dollar geschätzt wird. Zuckerberg ist noch immer Chef seines Unternehmens.

Dariani erzählt eine andere Version dieses Wirtschaftsthrillers, in der er nicht der Täter ist, sondern das Opfer einer Intrige, von Verrat und mangelndem Verständnis für seine kreative Verrücktheit. Graue Männer aus Stuttgart schauten ihm plötzlich auf die Finger. Wenn sich Dariani in Besprechungen darüber beschwerte, schwiegen Brehm und Bemmann. Noch am Abend, bevor Ehssan Dariani freigestellt wurde, habe Michael Brehm ihm versichert: Ich stehe zu dir. Doch Brehm sei längst eingeweiht gewesen. Brehm selber schweigt zu diesem Thema. Vielleicht hatten Brehm und Bemmann erkannt, dass der Erfolg Dariani zu Kopf gestiegen war. Oder sie hofften, ohne die charismatische Gründerfigur Dariani mehr vom StudiVZ-Ruhm abzubekommen. Michael Brehm jedenfalls hat sich nach der Kündigung als Gründer von StudiVZ bezeichnen lassen, obwohl er erst im Frühsommer 2006 zur Firma stieß, irgendwann hat Dariani seinem einstigen Freund diese Bezeichnung gerichtlich untersagt.

Die Verlagsmanager, erzählt Dariani gerne, mögen nur Menschen, die so reden und so aussehen wie sie selbst. Das seien Kulturrassisten, er kenne das aus seiner Studienzeit in St. Gallen. Darianis Biografie folgt einem klassischen Genremuster: Ein Außenseiter steigt auf. Mit sechs Jahren war er aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Scheidungskind, Klassenclown, Physiknerd. Dariani wollte raus aus der Enge und wusste schnell, dass er als Naturwissenschaftler nicht reich werden würde und sein Glück auch nicht im Einzelhandel finden würde - er musste mit Ideen handeln und mit seinem Temperament. In der Schweiz ignorierten ihn die Kinder der Reichen. Heute wohnt Dariani in einem Loft in Prenzlauer Berg. Wesentliche innenarchitektonische Inspirationen scheint er sich in Hip-Hop-Videos geholt zu haben: Kaminfeuer, weiße Ledersofas, ein riesiger Kühlschrank mit Eiswürfelbereiter. Dariani lädt hier gerne zum Catering- Dinner und ist stolz, wenn am Tisch Gäste mit einem Gesamtvermögen von mehreren Milliarden Euro versammelt sind. Seine Mutter setzt Dariani dazu, das ist jetzt seine Party, er bestimmt, wer dabei ist.

Ehssan Dariani hat seine Karriere wohl nie wirklich geplant, nie an einem Businessdrehbuch geschrieben, stattdessen hat eher der Zufall Regie geführt. Seine erste Geschäftsidee scheitert, Dariani wollte Herrenkosmetik verkaufen. Während eines Praktikums in den USA stößt er dann online zum ersten Mal auf Facebook, weil er dort Werbung buchen soll. Anfang Juli 2005 schreibt er an den Informatiker Dennis Bemmann, den er von »Jugend forscht« kennt, eine Mail: Warum mache man so etwas nicht in Deutschland? Was dann folgt, erinnert an ein amerikanisches Internetmärchen aus Silicon Valley, nur dass es nicht unter der Sonne Kaliforniens spielt, sondern im verregneten Berlin, und Ehssan Dariani noch nicht einmal eine Garage hat, um sein Unternehmen zu gründen, nur einen alten Ikea-Schreibtisch in einem WG-Zimmer. Ohne Internetanschluss. Am 30. Oktober 2005 meldet Dariani im »Internetcafé 24«, Schönhauser Allee 188 in Berlin, eine englische Limited-Gesellschaft an, von seinem eigenen WG-Zimmer aus baut Bemmann die Seite zusammen, per Telefon überzeugen sie ihre Freunde, sich bei StudiVZ registrieren zu lassen, vor allem die hübschen Frauen.

In der Nacht zum 29. März meldet sich der 5000. Nutzer auf StudiVZ an. Um vier Uhr morgens gehen Ehssan Dariani und Dennis Bemmann zur Feier des Tages essen. Wie immer bestellt Dariani eine Pizza mit Thunfisch und Oliven und trinkt eine große Cola. Sie haben kein Büro, arbeiten achtzehn Stunden am Tag, haben entzündete Augen, nur noch Geld für ein paar Wochen, aber sie haben die Hoffnung, verdammt reich zu werden. Die amerikanische »Newsweek« verkündet: »Europa könnte mehr Unternehmer wie Ehssan Dariani gebrauchen.« Für eine Weile ist Dariani endlich der deutsche Marc Zuckerberg, und weil er die Rolle des New-Economy-Rockstars so gekonnt gibt, kann sich das ganze Land modern fühlen. Auf Fotos hat Dariani immer den Arm um Bemmann oder Brehm gelegt, denen man ansieht, dass sie frisch von der Uni kommen, sie schauen zuversichtlich in die Kamera und in die Zukunft.

Eine Betaversion bezeichnet ein Webangebot, das noch nicht fertig ist, sich noch in einer Art Testmodus befindet. Im Grunde ist StudiVZ nie über diesen Status hinausgekommen. Das Netzwerk wächst mit der Potenz einer E-Funktion, aber die Seite stürzt ständig ab, Hacker lesen hunderttausende von Userprofilen, in der Öffentlichkeit entbrennt eine Diskussion über die Datensicherheit von StudiVZ, es wird bekannt, dass Dariani den Flyer für seine Geburtstagsparty im Stil der Nazi- Zeitung »Völkischer Beobachter« gestaltet hat, Motto: »Europa steht standhaft und treu zum StudiVZ«, Blogger bezeichnen ihn als »GröGaZ«, den »größten Gründer aller Zeiten«. Die Gesellschafter von StudiVZ werden unruhig, sie drängen zum Verkauf. Die Zeit scheint günstig, die Angebote schwirren durch Raum und Gehirn: Yahoo, Facebook, Springer, 50, 80, 120, 150 Millionen Euro. Es wirkt alles wie in einem Improvisationstheater, das mit rasender Geschwindigkeit abläuft, niemand hat Zeit, einmal aus der Rolle zu treten, sich zu fragen: Was mache ich hier überhaupt?

Den Verkauf an Holtzbrinck hat Ehssan Dariani auf seiner Videokamera aufgenommen. An einem Tisch sitzen auf der einen Seite Dariani im dicken Rollkragenpulli, Brehm in einer Kapuzenjacke, auf der anderen Seite drei Vertreter von Holtzbrinck. Während Dariani schon den Vertrag unterschreibt, Seite um Seite, klingelt plötzlich das Handy von Michael Brehm, der spricht kurz hinein, legt auf, »das war Oliver Samwer«, spricht er, »wir sollen nicht unterschreiben.« Samwer ist ein Veteran der deutschen Gründerszene, er hatte mit seinen Brüdern den Klingeltongiganten Jamba gegründet; Samwer hat bei StudiVZ investiert und berät die Gründer. Dariani starrt Brehm ratlos an, für diese Situation haben sie kein Drehbuch, irgendwann unterschreiben sie dann weiter. Nach der Vertragsunterzeichnung wollen sie in einem Club im Kunstpark Ost feiern, der Türsteher lässt sie nicht rein. Halb im Scherz überlegt Dariani, ins Bordell zu gehen, am Ende wird auch diese Idee verworfen, die beiden gehen heim, übernachten im Haus von Brehms Eltern, im Kinderzimmer.

Ob StudiVZ tatsächlich eine dreiste Kopie von Facebook ist, darüber wird in Kalifornien ein Gericht entscheiden. Ganz sicher handelt es sich bei der StudiVZ-Story um die Kopie einer Kopie. Man imitiert, wie amerikanische Web-2.0.-Firmen den ersten Internetboom der späten 90er Jahre imitieren. Nur dass die Besetzung schlechter ist als im amerikanischen Original. Holtzbrinck hat nach einer Möglichkeit gesucht, an die jungen Leute heran - zukommen, dafür viele Millionen investiert und außer schlechter Presse bisher nicht viel zurückbekommen. StudiVZ erscheint heute erstaunlich veraltet, die Konkurrenz wagt mehr und kommt der Reichweite von StudiVZ auch immer näher. Stuttgart ist nicht Silicon Valley. Fraglich, ob die Geschichte für den Medienkonzern ein Happy End haben wird.

Ehssan Dariani könnte ein Gewinner sein. Er hat viel gemacht aus seinen Möglichkeiten. Viel Geld jedenfalls. Allerdings hat ihm niemand gesagt, dass es eine Welt nicht gibt, in der man sich »Business Angel« nennt, Freunde wichtige Titel wie CEO, COO oder CTO tragen und sich ein Erasmus-Student um den Frankreich-Ableger kümmert. Jetzt ist es zu spät. Ehssan Dariani wirkt wie ein Mann, der nicht so recht weiß, wohin mit seinem Geld und seiner Zeit. »Meine Hauptaufgabe ist es, eine Hauptaufgabe zu suchen«, sagt Dariani. Durch seine Wohnung huscht eine hübsche Blondine im Bademantel. Dariani, der gerne reist, ist gerade von einem Skiurlaub in St. Moritz zurückgekommen, er investiert in diverse Start-ups, manchmal wird er auf Charityveranstaltungen fotografiert, manche sagen, er falle nur noch auf Partys auf, Dariani sagt, er vertrage kaum Alkohol. Er erwägt den Kauf eines Sportwagens, macht sich aber Sorgen, dass der in Berlin doch nur zerkratzt würde. In seinem Büro hängt ein großer Kalender für das Jahr 2008, er ist genauso kahl wie die Wand über dem Designersofa. Eine Leere hat sich breitgemacht in Ehssan Darianis Leben. Wenn er jetzt scheitert, weiß Dariani, freuen sich viele. Also hofft er auf die nächste geniale Idee, kramt manchmal in einer alten Kiste, in der er Erinnerungsstücke verstaut hat, Flyer, Mitschriften bei Finanzierungsrunden, einige Fotos, erinnert sich an die gute alte Zeit, ist täglich angemeldet mit seinem Profil auf StudiVZ, das mal das erste Profil überhaupt war, und sagt, er warte da rauf, dass Holtzbrinck endlich die letzte Rate des Earn-outs überweist.

Bei diesem Wort verspricht sich Ehssan Dariani. Statt Earn-out sagt er Burn-out.

von Patrick_Bauer


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Kommentare

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SubPoetSoulRebel

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Vor lauter Mitleid bekomme ich feuchte Augen....
Gründer unglücklich, Konzern unzufrieden.
Na sowas aber auch...
Bestimmt ein interessanter Artikel.
Mist, jetzt bin ich angefixt und muss ich mir auch noch die neue Neon kaufen :-)))

16.01.2009 16:01 Uhr

PiMPeRNiCKEL

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

hmm.. studivz.. diese meldenazis..

17.01.2009 02:16 Uhr

MaMBa

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

was um alles in der welt sind meldenazis?
rauchst du heimlich hamsterarschhaare?
es ist ja witzig wenn man stasiVZ sagt. aber des muss net sein.

zum artikel: klingt mehr als interessant, freu mich drauf ihn zu lesen. war schon immer gegner dieser eher zwilichtigen community

19.01.2009 05:05 Uhr

PiMPeRNiCKEL

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

wie kommst du darauf, das stasivz witzig sei?

was ich gut finde ist studivotzen, aber dafuer wurde mein account dort gesperrt. fanden die betreiber wohl nicht so witzig ...

23.01.2009 15:26 Uhr

Ben_Chof

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Ich kann dieses arme Würstchen nicht ausstehen. Allein das Bild, lächerlich. (Warum lässt man sich bitte so fotografieren?) Wenn Neon das erreichen wollte, seiner Erbärmlichkeit eine Plattform bieten, wunderbar. Alles Andere bei mir verfehlt.
Sorry, geht gar nicht. Obwohl, in der gleichen Ausgabe geht es auch um Pferdgefickte. Parallelen wären aber unter aller Sau.

17.01.2009 22:31 Uhr

proffi

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Es ist schon verwunderlich, dass sich vor allem junge Menschen gegen den sog. Überwachungsstaat aussprechen, aber gleichzeitig in Foren wie studiVZ aktiv sind. studiVZ ist ja mehrfach wegen Datenschutzangelegen heiten (suerdaten) und Werbeplatzierungen auf ihrer Website aufgefallen und scheint es mit dem Schutz von userdaten nicht immer so genau zu nehmen. Die AGBs wurden deshalb 2mal geändert und viele user haben studiVZ deshalb den Rücken gekehrt.

Desweiteren wundert es auch nicht, dass das Investment für die Holtzbrink Gruppe, die studiVZ in 2006 für Euro 85 Mio. (zahlbar in mehreren Tranchen) gekauft hat, ein finanzielles Desaster wurde und der Verlag nun einen Verkauf prüft. Studenten gelten gemeinhin als kritisch und preisbewusst. Dies bedeutet, dass es schwierig ist, mit einer Website wie studiVZ als Eigentümer Geld zu verdienen. Dies geschieht entweder durch Werbung (Banner oder personalisierte Werbe- e-mails) oder Nutzungsgebühren, die die user bezahlen müssen. Mit beiden Methoden stösst man bei Studenten auf wenig Gegenliebe und so konnten die prognostizierten Umsatzziele von studiVZ nicht erreicht werden.

Jeder muss selbst entscheiden, ob er solchen communities beitritt oder nicht, darf sich dann aber hinterher nicht beschweren, dass er von "big brother" beobachtet wird und somit ein gläserner Bürger ist.

19.01.2009 08:29 Uhr

Surecamp

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Oooooooooooh, "Big Brother" "StasiVZ" "MeldeNazis", "die machen da voll viel Geld mit UNSEREN Daten", "gläserner Bürger" PRRRRRUUUUUST, LOOOOOOOOOOOL, HAHAHAHAHA bla bla bla....gähn
Neon, Bravo.tv, Neu.de,jetzt.de speichern Eure Daten auch, also heult nicht rum...gläserne Bürger..also so ein dummes Wort, auch nach 3 Jahren noch ein Schenkelklopfer..

19.01.2009 08:39 Uhr

proffi

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Ja das Privatleben von wildfremden Menschen muss schon unheimlich interessant sein.....

19.01.2009 09:55 Uhr

proffi

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Das habe ich ja im letzten Absatz meines Kommentars auch geschrieben.

Wenn auch nicht so umgangssprchlich wie Du.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil....

19.01.2009 10:02 Uhr

Surecamp

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

"wer lesen kann.." Spruch ist geil!
Zum Glück gar nicht "Internet Forum 2000" Style....

19.01.2009 10:16 Uhr

lucky_slevin

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Ja also wirklich. Ist ha echt unerhört, dass sich StudiVZ meinen NAMEN merkt! tz tz tz... Wo kommen wir denn da hin. Am ende wirds noch frei verkäuflich irgendwo dicke Bücher mit dünnen Seiten geben wo dann Name, Adresse und Telefonnummer eines jeden Bürgers in diesem Land gibt. Ich bange echt um meine Privatssphäre! -_-

21.01.2009 23:10 Uhr

Fireblade

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Kleine Geschichte:
Ein Freund von mir hatte ein Bewerbungsgespräch, was echt gut verlaufen ist. Am Ende des Gesprächs fragte einer der drei Menschen von der Firma ihn: Ach so, und was bedeutet jetzt: "der frühe Vogel kann mich mal?" Und jetzt rate mal wo er das her hatte? Es ist eine Gruppe in StudiVz, in der mein Kumpel beigetreten war. Und? Hat er den Job bekommen...?
KGB is still watching you....

23.01.2009 11:40 Uhr

marc_

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Und sollen wir jetzt "Mitleid" haben oder Angst vorm nächsten Bewerbungsgespräch haben?

Sorry, aber dann sollte dein Freund sich vielleicht mal genauer anschauen, welche Möglichkeiten StudiVZ bietet, um seine Privatsphäre zu schützen. Wenn er sein Profil für alle komplett zugänglich lässt, ist er es selber schuld. Man kann recht einfach einstellen, was "Nicht-Freunde" sehen können und was nicht.

Das Firmen hingehen und auch mal bei StudiVZ und anderen Netzwerken nachschauen, wer da vor ihnen sitzt, ist auch schon länger bekannt. Und Jetzt arbeitet also das Unternehmen wie der KGB ... so so .... Wer sich mit seinem richtigen Namen anmeldet und alle Infos für jeden zugänglich macht und seine Profilansicht nicht einschränkt, macht es Unternehmen halt leicht. Niemand ist gezwungen seinen richtigen Namen anzugeben, und solange die Freunde wissen, wer hinter dem Namen steckt, reicht das auch vollkommen aus.

01.02.2009 10:42 Uhr

magnich

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

danke! genau meine meinung...hallo! ihr seit HIER bei ner öffentlichen internetplattform *kopfschüttel*
is mir doch egal ob sonstwer weiss was ich so mach, pfft.

23.01.2009 15:30 Uhr

marc_

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Das Beitreten an sich ist ja nicht das Problem. Man muss ja 1) nicht seinen kompletten Namen angeben und 2) muss man auch nicht seine kompletten Daten angeben.

Ich persönlich habe meinen Nachnamen auch nicht komplett angegeben und auch mit anderen Infos geh ich sparsam um. Leute die mich adden wollen, bekommen das auch ohne meinen vollen Namen hin. Außerdem ist mein Profil für "Nicht-Freunde" nicht einsehbar (außer das Profilbild und der Studiengang).

Man muss sich also nicht selber zum "gläsernen Büger" machen, wie du sagst.

Allerdings gibt es natürlich auch Leute, die ihr Profil nicht einschränken, jeder kann alles sehen, und dort halt auch ihre komplette Lebensgeschichte wiedergeben.

01.02.2009 10:49 Uhr

Libby

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Kann mir mal jemand erklären was solche Seiten, oder beispielsweise auch Google etc., so wervoll macht das dafür zweistellige Millionenbeträge gezahlt werden? Das habe ich bis heute nicht verstanden..

19.01.2009 14:27 Uhr

Surecamp

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Libby,
stell dir vor, du hast eine Firma, die z.B. rosa Leggins herstellt und verkaufen will. Dafür brauchst Du Käufer. Da nicht alle Girls auf der Welt die Neon lesen und damit jeden Scheissdreck kaufen, der in dem Mag vorgestellt wird, benötigst du andere Wege, um den Scheiss an die Öffentlichkeit zu bringen also sagen GOOGLE "Ey Libby, auf unsere Seite klicken täglich 23 Leute und suchen was. Was hälstn davon wenn wir die rosa Leggins, Marke Lippy und Co. gleich ganz oben setzen, wenn irgendein Heini die Wörter "Leggins" oder "Rosa" oder "It-World" eingibt? Du bezahlst uns in der Woche 4 Euro und dann schalten wir das für 6 Monate. Deal?

19.01.2009 15:20 Uhr

Fes

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Sehr gut erklärt! Ich hab mich das auch schon gefragt. Aber wieso ist StudiVZ dann auch so attraktiv? Etwa als Werbeplattform? Weil soviel Werbung sehe ich da nicht...

20.01.2009 11:35 Uhr

Libby

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Mmmhh das klingt natürlich logisch.. ;-)

Danke.

20.01.2009 20:43 Uhr

Couchsurfing

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Dazu sag ich nur *doh*
Soviel Mist hab ich schon lang nicht mehr gelsen...
You made my day..

Was Google nun mit StudiVz zu tun hat...
aber noch besser ist deine Erklärung wieso Google wertvoll ist...danke jung du bist mein persönlicher Hero.

22.01.2009 16:52 Uhr

paddsn

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Hab mir heute die Neon gekauft, weil ich diesen Artikel lesen wollte. Endlich erfährt man mal, wie es mit den svz-Gründern nach dem Verkauf weiter ging.

Es ist schon faszinierend, sich beim Lesen zu beobachten. Als ich bei der Zeile mit dem Kontoauszug und der zweistelligen Zahl gefolgt mit 6 Nullen ankomme, bleibe ich unweigerlich mit den Augen stehen und muss schon hart gegen den sich aus der Magengrube hochschleichenden Neid ankämpfen. Wahnsinn, vom 0815-Studentenleben zum Multimillionärdasein in 2 Jahren. What a story!

Ich selbst war 2005 für ein Austauschjahr in den USA und habe damals von Facebook gehört, mich auch dort registriert. Nur der Geistesblitz blieb bei mir aus; ich hab nicht geschnallt, dass Deutschland sowas braucht :)

Dariani hat schon immer sehr überheblich gewirkt und der Artikel bestätigt das auch. Man muss aber wohl über einen beinharten Erfolgswillen und die Mischung aus Genie und Wahnsinn, die bei Dariani augenscheinlich ist, verfügen, um so ein Projekt durchzusetzen. Vom Dusel ganz abgesehen: Richtige Zeit, richtiger Ort. Meiner Meinung nach wird der Text gegen Ende jedoch etwas spekulativ, wenn es um die Verfassung der Gründer geht. Da wird ein Absturz prognostiziert, nur um dem Leser einzubläuen: Viel Geld macht nicht glücklich. Darüber könnte man in einem eigenen Artikel philosophieren, aber hier wirkt es etwas arg eingeschoben. Trotzdem: Schönes Ding, sehr informativ!

Im Übrigen würde ich in Sachen "The next big thing" ein Auge auf Twitter werfen. Bin durch einen Tweet eines Twitterers auf diesen Link gestoßen und hab mir dann spontan NEON gekauft. Wenn das kein Geschäftsmodell ist! :)

27.01.2009 13:24 Uhr

filip-tamundo

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Hallo, wie kann ich den Artikel denn jetzt lesen?

26.02.2009 18:42 Uhr

suspension

RE: Die Wahrheit über StudiVZ

Anfangs stand ich dem StudiVZ recht kritisch gegenüber, dann bin ich eingetreten und war eine Zeit lang "süchtig". Mittlerweile checke ich unregelmäßig meine Pinnwand und Nachrichten und das war's. Eigentlich ist es abgelaufen wie bei jeder Community/Forum.

Mich wundert der Absturz des Gründers nicht, da ihm letztlich die Erfahrung und die Ideen gefehlt haben, aus dem StudiVZ eine gute Plattform zu machen. Unterm Strich kann man dort doch nix machen außer Gruscheln und sinnlosen Gruppen beitreten, deren Beiträge man nicht einmal liest bzw. irrelevant sind. Der Artikel greift das serh gut auf.

30.03.2009 12:44 Uhr



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