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NadiFlanders
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Die irreale Welt der Filme - Eine Analyse

05.02.2007 21:40 Uhr

Es ist, glaube ich, jedem klar, dass die Filmwelt uns nicht die Realität vor Augen führt (oder zumindest äußerst selten).

von NadiFlanders

Vielmehr versucht sie unsere Sehnsüchte und Wunschvorstellungen einzufangen, um uns so an das Fernsehen in einer Art ehe-ähnlichen Beziehung zu binden („Ehe“ hier im Sinne von Bund bis zum Tode). Damit wir uns so gut wie möglich in das Gezeigte hineinversetzen und mit den Darstellern identifizieren können, versucht die Filmbranche ein möglichst reales Abbild unseres Lebens zu schaffen. Dass dies nicht immer gelingt, beweisen unzählige (regional gewählte) Filmbeispiele: u.a. alle verfilmten Rosamunde-Pilcher-„Klassiker“, die herausragenden Werke Hansi Hinterseers á la „Da wo die Liebe wohnt“, um nur die wichtigsten Filmverbrechen der deutschsprachigen Menschheitsgeschichte zu nennen. Ohne Zweifel nicht die einzigen, aber meiner Meinung nach gehören diese zu den Unvergesslichsten und Unverdrängbarsten. Daher sind sie es wert, genauer beleuchtet zu werden. Fangen wir an mit dem Helden einer Nation, der ich nicht länger angehöre: Hansi Hinterseer. Ein Mann, nein…eine Persönlichkeit, die es geschafft hat den amerikanischen Traum in einer kleinen Alpenrepublik zu vollziehen: vom Starslalomläufer zum Schnulzensänger und favorisierten Schwiegersohn aller Frauen über 60. Wer könnte jemals seinen ersten Hörsturz vergessen als er „In den schönen Tiroler Bergen“ vernehmen musste? Unzählige Lieder, die unterschiedlicher nicht sein könnten, folgten. Die Republik wollte mehr. Die Leute forderten Hansi nicht mehr nur singend auf den Bildschirmen, sondern glaubten auch an seine schauspielerischen Fähigkeiten. So stellte sich der draufgängerische Hansi einer Herausforderung. Er sollte tatsächlich einen jung gebliebenen Naturburschen namens Hansi spielen, der in den Tiroler Bergen zu Hause ist. Nach monatelanger Vorbereitung konnte er dies in die Tat umsetzen. Leider kam ich erst in den Genuss eines seiner vielfältigen Werke zu sehen. Den bereits erwähnten Film „Da wo die Liebe wohnt“. Hansi verkörperte darin den verheirateten Hansi, der ein Wirtshaus und eine Alm und weitere Grundstücke besitzt( sprich noch weitere Almen). Eine intrigante Geschäftsfrau will ihm sein Grundstück oder so abspenstig machen. Ihre vernachlässigte Tochter(18!) sieht in Hansi den perfekten Typen und wird Kellnerin in seinem Gasthaus. Von diesem Standpunkt aus, versucht sie alles erdenklich Mögliche, um den begehrenswerten Hansi ins Bett zu kriegen. Doch der ehrenwürdige und stets treue Hansi widersteht der Versuchung natürlich. Neben den nicht zuletzt dadurch verursachten Problemen mit seiner Frau hilft der stets nette Hansi dem Mädchen über ihren Liebeskummer hinweg. Da sein Grundstück/Geld oder so in Gefahr ist, geht er in die Firma der intriganten Geschäftsfrau, wo welch Überraschung herauskommt, dass auch sie sich nach ihm verzehrt. Doch der stets standhafte Hansi ist natürlich auch dieser Verlockung gegenüber resistent. Schließlich hat er nichts mehr zu befürchten und er wandert Seite an Seite mit seiner Frau in trauter Zweisamkeit durch die Tiroler Berge, wobei der Wellensittich, ich meine …Frauenschwarm Hansi „Da wo die Liebe wohnt“ trällert. Ende.
Ist das unsere Wirklichkeit? Soll das die Welt sein, in der wir tagtäglich unseren Lebensalltag verbringen? Wenn ja, versuche ich mit sofort mittels des Füllers mit welchem ich so eben schreibe, dessen Inhalt in meine Venen zu leiten, umso schnell wie möglich diesem Leben zu entrinnen. Dies wird aber nicht von Notwendigkeit sein, denn wir sind uns, denke ich alle einig, dass dies nicht unsere Welt ist. Der blonde Barde ist, Gott sei Dank, weder die beste Partie unserer Nation noch ein Musterbeispiel für die österreichische Lebensweise.

Bei aller Qual war diese Hinterseerfilm-Beschreibung wichtig, um das gezeigte, irreale Abbild unserer Welt in Filmen Ihnen, denen die Augen einmal geöffnet werden mussten, zu verdeutlichen. Zu diesem Zweck kann auch eine kleine faktische Schilderung von Rosamunde Pilcher-Filmen nicht erspart bleiben.

Fakten, die auf jeden Rosamunde Pilcher-Film zutreffen:
•spielt immer in England, Schottland oder Irland
•spielt immer nur zur Sommerszeit
•„Namhafte“, deutsche Schauspieler verkörpern Charaktere mit ausgefallenen Namen á la Kathy.
•2 mögliche Handlungsstränge:

1)Frau oder Mädchen verliebt sich in einen reifen, charmanten Typen, der sich immer als böse herausstellt und übersieht dabei den oft unscheinbareren Mann oder Jungen, der immer für sie da war. Nach einigen retardierenden Momenten kommen Weibchen und letzteres Männchen natürlich zusammen.

2)Frau oder Mann mit schlechten Beziehungserfahrungen hat Angst sich auf eine neue Beziehung einzulassen und verpasst so fast die Chance auf die ganz große Liebe.
Schließlich schafft Männchen oder eben Weibchen diese Angst zu überwinden (denn Liebe birgt immer ein gewisses Risiko…was für ein rührseliger Schmu, aber wie wahr, wie wahr) und kann die/den Geliebte/n in letzter Sekunde davon abhalten, das Land zu verlassen.

Kurz: Geschichten, die das wahre Leben alltäglich schreibt. In diesem Zusammenhang fällt mir noch etwas Kurioses aus dem Filmgeschäft ein. Ich frage Sie, verehrtes Publikum: Was ist die allgemeine Darstellungsweise in Filmen von fehlender Kreativität im weitesten Sinne, des Sich-schriftlich-nicht-Ausdrücken-Könnens, des Nicht-Einfallen, des Nicht-Konzentrieren-Könnens auf etwas zu Schreibendes?
…..Es sind die legendären zerknüllten Papierkugeln!

….die vorzugsweise neben einem überfüllten Papierkorb liegen oder auch am Boden oder wie ich aus den R.Pilcher-Filmen gelernt habe, auch in der Wiese(!).
Irgendeine Kathy hatte keine Einfälle als sie irgendwas im Garten ihres wunderschönen Hauses in Schottland verfassen wollte und warf daher ihre auf Papier gebrachten Fehlentwürfe auf die unschuldige, hypergrüne Wiese. Diese Tatsache dürfte jeden Naturliebhaber zum Weinen gebracht haben. Sah schon irgendwie abstrus aus das ganze Trauerspiel. Aber vielmehr frage ich mich, wer hat dieses immer wiederkehrende Motiv, diesen Topos (Schöne Grüße, Prof. W.!) vom kugelförmigen Papierdurcheinander ins Leben gerufen? Wer von uns würde das schon tun im realen Leben? Mal abgesehen von der ungeheuren Papierverschwendung, wer? Richtig: Genau niemand. Jeder Normalverbraucher hätte im Hinterkopf: „ Des muass i aufhebn a wieda irgendwaun. Spätestens waun da nächste Besuch kumt.“ Natürlich glaube ich nicht, dass Tom Hanks von der Filmcrew, mit der er gerade zusammen an einem Film arbeitet, aufgefordert wird, gefälligst den von ihm verursachten Papierschlamassel wegzuräumen. Deshalb kann der das auch mit ruhigem Gewissen machen und wahrscheinlich müssen sich die Rosamunde-Kathys auch nicht abmühen, obwohl ich die Vorstellung ganz amüsant fände.

von NadiFlanders


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