Hippiekind 01.05.2009, 11:34 Uhr 3 0

Jungfräulichkeit

Die Jungfräulichkeit einer Frau hat in patriarchalischen Gesellschaften eine hohe Bedeutung und galt oft als Bedingung für ihre Heirat.Bis ins 20. Jahrhundert war in Europa die Jungfräulichkeit der Frau vor der Ehe auch rechtlich geschützt: Männern, die ihre Verlobte deflorierten, sie dann aber nicht heirateten, drohte in Deutschland nach § 1300 des Bürgerlichen Gesetzbuchs die Zahlung eines sogenannten Kranzgeldes. Einer unbescholtenen Verlobten sollte ein „Schmerzensgeld“ für die geminderten Chancen auf dem Heiratsmarkt infolge ihrer Defloration zugesprochen werden. Die letzten Urteile stammen aus den frühen siebziger Jahren . Erst 1998 wurde der § 1300 BGB ersatzlos gestrichen.Im Islam gilt vorehelicher Geschlechtsverkehr als unzüchtig. In einer nordiranischen Stadt wurde ein 15 Jahre altes Mädchen im August 2004 wegen vermuteter „Unzucht“ mit einem unverheirateten Mann gehängt.In den USA wird oft die voreheliche Enthaltsamkeit gefordert. Die christlich-konservative Bewegung "True Love Waits" (purity rings) ist zunehmend populär und hat auch Ableger in Deutschland und der Schweiz. Jugendliche legen hierbei gegenseitig den Eid ab, vor der Ehe keinen Sex zu praktizieren.Gegen den vorehelichen Geschlechtsverkehr in Deutschland richten sich aktuell in ihren Publikationen unter anderem die Zeugen Jehovas und die Neuapostolische Kirche, sowie Organisationen wie die Christliche Mitte. In der Schweiz nimmt die ICF Movement eine ähnliche Position ein.Das Christentum verurteilt nicht nur vorehelichen geschlechtsverkehr sondern auch das gezielte Denken an eine sexuelle Handlung . Ebenso wird Wiederheirat nach einer Scheidung als Ehebruch angesehen.

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    Meine erste Reaktion ist:
    Wen interessiert heute schon Jungfräulichkeit ?
    Meine zweite ist:
    Grundsätzlich ist alles, was Freiheit einschränkt, nichts Gutes. Die persönliche Freiheit hört nur da auf, wo die Freiheit anderer beeinträchtigt wird.
    Über seinen Körper sollte man selbst bestimmen.
    Regeln und Einschränkungen wecken in mir den Widerstand. Zumindest solange, bis ich sie verstehe oder einen Grund habe sie zu tolerieren.
    Meine dritte Reaktion ist:
    Nachdenken. Fakt ist ja, dass der Papst selbst Aidskranken den Gebrauch von Kondomen verbietet, was in meinen Augen ein Aufruf zur vorsätzlichen Körperverletzung ist. Fakt ist auch, dass die christliche Kirche nicht nur beim Thema Verhütung ein Problem mit dem Thema Sex hat. Da man (oder ich sollte vielleicht sagen: Mann) nun mal in der Pubertät und auch danach meist reges Interesse für das weibliche Geschlecht hat, finde ich es unsinnig allein das Denken an „unzüchtige Handlungen“ (was für ein Wort ) schon schlecht ist.
    Das soll nicht heissen, dass man ab der Pubertät völlig frei sein sollte in Sachen Sexualität, und was immer tun und lassen kann was man will, gibt es ja nicht umsonst den Jugendschutz und andere diverse Gesetze. Aber etwas moralisch verteufeln erzeugt nur Komplexe, Hemmungen und Frust oder Doppelmoral, die einen u. U. ein Leben lang verfolgt.

    Trotzdem regt mich das zum Nachdenken an, warum denn die Kirche so ein wahnsinnig großes Problem mit dieser Problematik insgesamt hat. Was ist in den entsprechenden Bibelstellen wirklich gemeint ? Momentan fällt mir keine Antwort ein.
    Weil mir aber keine plausible Begründung einfällt, bin ich zunächst mal der Meinung, dass die Forderung nach Jungfräulichkeit Unfug ist. Und dass ich die Regelungen bezüglich vorehelichem Sex in Frage stelle.

    Meine vierte Reaktion ist: Es muss ja Gründe geben, warum es entsprechende Regelungen in der Bibel gibt. Doch bevor ich nun meine Gedanken zur Bibel aufschreibe, mochte ich sagen, dass ich davon ausgehe, dass wir Menschen einen Körper, einen Geist und eine Seele haben. Und dass die Bibel ein Buch voller Metaphern ist, bei dem es um uns gesamt als Menschen geht, also auch, nein, ganz wesentlich, um Geist und Seele. Unter dieser Voraussetzung betrachtet wird da also etwas in der Bibel stehen, was positiv zu interpretieren ist.
    Da mir momentan keine Bibelstelle einfällt, gehe ich anders herum an die Thematik:
    Wie geht es denn denen, die sich eben nicht an die Vorschriften halten, sie Sex haben wann und mit wem sie wollen ? Machen One-Night-Stands glücklich ? Was bringen Trennungen mit sich ? Sind sogenannte „Rosenkriege“, durch Trennungen ausgelöst, eine logische Folge, wenn man sich nicht an die Regeln hält ? Was hat es für Folgen, wenn man mit einer Frau liiert ist, die schon sexuelle Erfahrungen mit anderen Männern hatte ? Hat es überhaupt Folgen ? Positive ? Negative ? Wie sehen grundsätzlich die Folgen einer Nichtbeachtung aus ?

    Diese Fragen will ich mir nicht öffentlich beantworten, aber ich komme wieder zum Anfang meines Kommentars zurück: Über seinen Körper sollte man selbst bestimmen, und Einschränkungen (in Bezug auf Moral, Kirche) nur dann akzeptieren, wenn man ihren Sinn versteht. Denn sonst kommt da meiner Meinung nach nichts Gutes bei heraus. Die Zeiten, wo man blind glauben sollte, was die Kirche von sich gab, sind vorbei ... wer blind und unkritisch irgendwelche Regeln annimmt, die er nicht versteht, ist meiner Meinung nach selber Schuld, wenn er unter eben diesen Regeln zu leiden hat.
    Und da sind wir wieder bei dem Thema „Glauben aufzwingen“ ... bei allem das heutzutage gesellschaftlich schief läuft ... zumindest Glaubensfreiheit haben wir. Kirche und Staat sind getrennt. Und das ist gut so. Solange man selber und die Beteiligten volljährig sind und freiwillig mitmachen, kann man seine Sexualität ja hierzulande privat ausleben.
    Meiner Meinung nach ist das völlig o.k. In beide Richtungen, also auch in die Richtung, dass diejenigen, die auf Jungfräulichkeit Wert legen, sich gegenseitig schwören, keinen Sex vor der Ehe zu haben. Solange sie es freiwillig tun und vor allem auch wissen, was sie da tun : )
    Das andere Beispiel (Mord an einem Mädchen weil sie unverheiratet Sex hatte) weckt in mir spontan einen primitiven Rachegedanken: Man sollte ihre Mörder gleich daneben hängen.
    Den Gedanken an Sex zu verbieten, finde ich ebenso unsinnig wie Essen, Trinken oder Schlaf verbieten.

    04.05.2009, 13:13 von Cyro
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      @Cyro Hi, ich finds total gut dass du soviel schreibst.

      So jezt zum Beitrag.

      Die kirchliche einstellung zu diesem thema ist wirklich seltsam (Aids und Kondome etc) aber die Kirche ist auch eine patriarchale Institution die gerne an alten dingen festhällt.
      Die Heiligkeit der Jungfräulichkeit ist ja nicht die Erfindung der kirche.

      Ich finde das diese allgemeine Überhöhung von sex einen weitaus größeren schaden auf die gesellschaft bringt als Pornografie... obwohl....ich sehe die pornografie als direkte Folge dieser überhöhung.

      Für mich gehört Sex und Liebe ins private. sollte darüber öffentlich geredet werden, so doch bitte nicht mit Verboten sondern mit geboten.(so wie beim essen,:sie sollten 5 Portionen obst am tag essen.....)

      Außerehelicher Sex kann schaden da hast du recht aber was spricht gegen partnerschaftlichen sex, zwischen zwei menschen die sich lieben.
      Ich bin schon seid knapp 5 Jahren mit meinem Freund zusammen. Wer erklärt mir warum wir bis zur Ehe hätten warten sollen?

      04.05.2009, 14:02 von Hippiekind
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      @Hippiekind Hm, ich kann das jedenfalls nicht erklären, warum ihr warten solltet. Im Gegenteil, eine Partnerschaft, die schon mehrere Jahre hält sollte man genießen, mit allem Drum und Dran.
      Ich glaube bei dem Thema sind wir uns sehr schnell einig.
      Insgesamt fällt mir bei diesem Thread auf, dass ich eigentlich alle Kommentare hier unterschreiben möchte. Das kam bisher in einer Diskussion hier auf Neon noch nicht vor :)

      05.05.2009, 10:34 von Cyro
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    Ich finde auch, dass die menschliche Sexualität einfach dazu gehört und man sich nicht dagegen stellen sollte.
    Da ist es auch schwachsinnig, dass der Papst die Verhütung verbieten will.
    Anscheinend will er seine unzüchtigen Katholiken lieber ungewollt schwanger oder krank sehen.

    01.05.2009, 17:59 von T.B.
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      @T.B. Die Sexualität wurde damals verteufelt, und die Jungfräulichkeit geschüzt, damit Frauen nicht ungewollt schwanger werden und ihre Kinder unversorgt bleiben.

      Heutzutage noch an dieser Tradition festzuhalten hat keine offensichtlichen Gründe, oder seht ihr einen?

      Ich finde eine Welt mich viel liebe und Sex ist eine bessere Welt als ohne. Die kirche sollte die gewalt verbieten.

      01.05.2009, 18:06 von Hippiekind
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      @Hippiekind Ich glaube nicht ,dass das mit den ungewollten Kindern der einzige Grund ist.
      Sünde spielt da auch ne ganz große Rolle...

      01.05.2009, 18:09 von T.B.
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      @T.B. Aber warum erklärt man etwas zur Sünde?
      Morden, stehlen etc.
      weil man nicht möchte das soetwas passiert, man versucht sich eine bessere Gesellschaft zu schaffen indem man den Menschen mit strafen droht.

      01.05.2009, 18:15 von Hippiekind
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      @Hippiekind Ich hätte jetzt viele Ansätze darauf zu Antworten,aber ich kann mich für keinen entscheiden:
      Ehre, Unzucht.....sowas alles spielt da ja auch mit rein.

      01.05.2009, 18:22 von T.B.
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    Die Sexualität gehört zum Menschen wie Schlafen, Essen und Trinken. Niemand sollte das verbieten dürfen, wenn dabei keine Straftat begangen wird. Vergewaltigung sollte also schon verboten werden, die Sexualität eines jungen Paares aber nicht.

    Ich weiß eigentlich gar nicht so genau, warum die Kirche sie so engerisch dafür einsetzt. Was sind noch mal die genauen Gründe?

    01.05.2009, 17:46 von Linguistiker
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