Mitten im Suff
Verträgt man mit 30 tatsächlich weniger Alkohol als mit 20?
Mit 17, auf Klassenfahrt, leerten wir nachts am Adriastrand die Sambucaflaschen. Am nächsten Morgen gackerten wir fröhlich im Reisebus. Mit 22, in Litauen, teilte ich mir mit einer Freundin eine Flasche billigen Becherovka. Am nächsten Morgen stiegen wir munter über die Dünen. Vor einigen Wochen, auf einer Party, trank ich Weißwein. Na gut, plus drei Runden Tequila. Der nächste Tag begann für mich erst gegen 18 Uhr. Und zwar sehr langsam. Lässt uns mit den Jahren die Leber im Stich? »Nein«, beruhigt Hendrik Seifert, Rechtsmediziner und Alkoholexperte am Hamburger Universitätsklinikum. Nicht der Körper ändere sich, sondern unsere Lebensgewohnheiten. »Alkohol ist ein Gift«, erklärt Seifert. »Wir vertragen nur viel davon, wenn wir gut im Training sind.« Soll heißen: Wer sich die Woche über brav vor dem Fernseher gelümmelt hat, kann es Samstagnacht nicht krachen lassen ohne die Kopfschmerzen danach. Und wer unter der Woche trinkt, hat eh verloren: Der Wecker eines arbeitenden Menschen klingelt am nächsten Morgen einfach unbarmherziger als der eines Studenten. Schuld sind die Überstunden, der Wecker, der volle Terminkalender – nicht die paar winzigen Tequilas. Ehrlich.






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