sabbelwasser 06.09.2005, 20:47 Uhr 71 0

„Hochbegabung ist die schönste Form der Behinderung“

Diese Worte las ich neulich im Netz. Manch hochbegabter Mensch mag dies anders empfinden.

Unterhält man sich mit Hochbegabten, fallen immer wieder Worte, wie „anders sein“ und „unverstanden fühlen“. Viele äußern den Wunsch, ihre Begabung hätte früher erkannt werden mögen. Für viele war der Moment, in dem sie von ihrer Hochbegabung erfuhren ein einschneidendes Erlebnis.

Die Tatsache, dass Hochbegabung nicht mit guten Schulnoten gleichzusetzen ist, ist mittlerweile allseits bekannt, dennoch wird in den Medien immer noch häufig von den „Wunderkindern“ berichtet. Kinder, die mit drei Jahren Klavier spielen und mit zehn studieren, die ein fotographisches Gedächtnis haben oder Mathegenies sind.

Vergessen werden oft die ganz „normalen“ Hochbegabten. Die, die nicht erkannt wurden. In der Schule halbwegs unauffällig waren. Einigen gemeinsam mag vielleicht sein, dass sie nie gelernt haben zu lernen. Mit geringstem Aufwand zum besten Ergebnis. Warum lernen, wenn es für eine 3 immer noch reicht? Ohne wirkliche Motivation, konsequent unterfordert und oftmals in den Bereichen, die Hirn wach kitzeln könnten, auch noch demotiviert von Lehrern, die innovatives Denken, Nachfragen mit Nicht-Können gleichsetzen.

Was oft vernachlässigt wird, ist die psychologische Komponente. Das „Anders-Fühlen“. Gerade in der Pubertät, wo jeder „normal-begabte“ Teenager schon himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt ist, wirkt das ständige Realisieren des Umstandes so ganz anders zu sein, stimmungsverstärkend.

Im ständigen Vergleich mit den anderen, stellt sich ihnen immer wieder die Frage, warum sie sich nicht für die gleichen Themen begeistern können, warum es Unterhaltungen gibt, die sie nur mit sarkastischen Bemerkungen kommentieren können. Und immer wieder die Frage: „Warum bin ich so anders, was stimmt nicht mit mir?“

Viele geraten zufällig in einen Intelligenz-Test. Das Ergebnis hebt dann einen Vorhang der Erkenntnis. Anders sind sie zwar immer noch, aber das Wissen macht es leichter. Es hilft, sich selbst zu akzeptieren. Einige geraten nun in das Dilemma, zwei Leben zu führen.

Aus Angst, mit Vorurteilen gesehen zu werden, als „sonderbar“ oder „Eierkopf“ abgestempelt, ist in den meisten Fällen der Grund, nicht einmal engen Freunden die „Begabung“ zu gestehen. Offenheit macht in diesem Fall verletzbar. Es scheint in unserer Gesellschaft „cooler“ zu sein, zu sagen „Ich hab nur Hauptschulabschluss, mehr wollte ich nicht“, als zu gestehen: „Ja, mein IQ liegt über 130.“

Dieses Geständnis ruft oftmals eine Mischung aus Neid, Missgunst und Vorurteilen hervor. Manch einer schweigt lieber und trifft sich heimlich mit Gleichgesinnten. Mensa e.V. ist wohl einer der bekanntesten Vereine, die das Treffen Hochbegabter fördern und erleichtern.

Lernt man erst einige kennen stellt man fest, dass es sich trotz großer Parallelen doch um eigenständige Persönlichkeiten handelt. Mathematik-Fans, Literatur-Liebhaber, langweilige, witzige, anarchische und spießige Menschen.

Gemeinsam scheint ihnen ein breit gestreutes Interessenspektrum zu sein. Ein hungriges Hirn will beschäftigt werden. Immer.

71 Antworten

Kommentare

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    Ihr seid echte Vollidioten (die meisten jedenfalls). Schaut euch nochmal eure Diskussion oben an! Was gibts da eigentlich zu diskutieren? Ob Fischer dumm oder genial ist... wen interessierts! Der Artikel ist nicht schlecht, aber Kommentare zu lesen muss ich mir echt abgewöhnen, sonst werd ich garantiert asozial. So und jetzt troll ich mich. Ihr könnt euch die Kommentare sparen (siehe oben).

    29.11.2006, 16:12 von tek0
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    test

    29.11.2006, 16:04 von tek0
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    hin und wieder frage ich mich, ob ich nicht mal einen test machen sollte, nur um zu sehen, ob ich hb bin...
    von den meisten problemen, die hier angesprochen wurden, kann ich nämlich auch ein kleines liedchen trällern - das gegrübel, die übertriebene und reflexhafte metakognition all dessen, was einem so im kopf rumgeht, dass nicht-lernen-können, weil einem in der schule alles in den schoß gefallen ist, nachdem man über die null bock-phase und die differenzen mit den klassenkameraden (weil man immer so grausam altklug war) hinweg war (in meinem fall hat das jahre und ne therapie gebraucht), die gespräche, die man selbst für grenzdebil hält und die sarkastischen bemerkungen, mit denen man um sich schmeißt, weil man ab und zu doch ganz intensiv das gefühl hat, nur von leuten umgeben zu sein, deren horizont den durchmesser einer teetasse hat und denen die worte ''differenzieren'' und ''reflektieren'' absolut fremd zu sein scheinen. da werden dauernd schokoriegel und karamellbonbons in einen topf geworfen. aber im endeffekt interessiert mich das wenig. wahrscheinlich käme auch nicht viel bei raus, grade bei den mathematisch orientierten tests... ich bin nicht so fürs abstrakte. vor analysis hab ich mich regelrecht geekelt (und tue es noch). bei sowas schlägt voll meine verweigerungshaltung durch, auch bei zahlenreihen. wahrscheinlichkeitsrechnung dagegen... das hatte sinn und inhalt und beschrieb sachen, die ich wissen wollte. entsprechend leicht fiel mir das.
    wenn übrigens diese tendenz, beständig die welt retten zu wollen, weil man der ansicht ist, dass das alles durch ein bissl nachdenken besser sein könnte, ein anzeichen ist - dann stell ich mir die diagnose demnächst einfach selbst. ab und an könnte ich heulen angesichts der ignoranz, die mir bei meinen ewigen erklärungsversuchen von sachverhalten, die für mich klar wie kloßbrühe sind, entgegenschlägt. da ist dann wieder das schoko- und karamellbonbonproblem. das ist (natürlich im übertragenen sinne) für viele leute dasselbe. *seufz* ich liebe meine grautöne, und ich hasse schwarz-weiß.

    02.07.2006, 01:45 von Keenacat
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      @Keenacat So manches deiner geschriebenen Worte kommt mir sehr bekannt vor.

      07.08.2006, 13:09 von cocoakiss
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    Hmm... Ich denke nicht, dass Hochbegabung automatisch(kann jedoch sein.. will ich gar nicht leugnen)soziale Probleme mit sich bringen, ich glaube von mir behaupten zu können, ein offener und kontaktfreudiger Mensch mit einigen Freunden zu sein.
    Ich denke, wie ja schon oben diskutiert, dass das größte Problem ist, dass man sich viel zu viele Gedanken macht und immerzu nach Lösungen und Wegen für Probleme und auch für das eigene Leben sucht. Manchmal lebt man so sehr in der "Welt der Gedanken", dass man das Leben ganz aus den Augen verliert. Vielleicht ist es besser nicht so viel zu denken. Nur man kann einfach nicht aufhören...

    02.07.2006, 01:14 von LillySW
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    Sehr gut geschrieben. Du triffst die Sache recht gut.

    Man kann als Hochbegabter schon glatt als Behinderter abgestempelt werden, weil man halt anders ist als alle anderen. Ich finde es sehr traurig und kann das nur bedauern, dass die Gesellschaft nicht fähig ist, diese Menschen aufzunehmen wie jeden anderen auch.

    28.05.2006, 14:20 von puera
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    Und das Wissen, das man damit nicht allein dasteht, sondern zumindest zu einer Minderheit gehört, sei für viele eine große Erleichterung.

    Nicht nur das Wissen, nicht allein damit zu sein, sondern es auch einordnen zu können, wollte ich eigentlich schreiben.

    25.05.2006, 18:03 von Taurina
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    Denjenigen, die sich betroffen fühlen oder mehr zu dem Thema wissen wollen, kann ich nur das Buch "Jenseits der Norm - hochbegabt und hoch sensibel?" von Andrea Brackmann empfehlen. Ich habe es letztes Wochenende gelesen, und mir ist dabei ein ganzer Kronleuchter aufgegangen. Es ist das einzige Buch, das ich bisher kenne, das sich teilweise auch mit erwachsenen Hochbegabten befasst, und die Autorin vertritt die (Hypo?)These, dass Hochbegabung was mit höherer Reizempfindlichkeit zu tun hat. Sie erklärt viele Phänomene, auch anhand von Beispielen aus ihrer Praxis, sehr schlüssig und aus einer sehr menschenfreundlichen Haltung heraus. Außerdem schreibt sie, dass sie es oft erlebt hat, dass späterkannte Hochbegabte sich mit der "Diagnose" plötzlich allein deswegen besser gefühlt haben, weil sie immer das Gefühl hatten, irgendwie anders zu sein, teilweise "wie von einem anderen Stern zu kommen", ohne zu wissen warum. Und das Wissen, das man damit nicht allein dasteht, sondern zumindest zu einer Minderheit gehört, sei für viele eine große Erleichterung.

    25.05.2006, 18:02 von Taurina
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      @Taurina Ja, das Buch kann ich auch nur weiter empfehlen.

      23.06.2006, 23:10 von Kassengift
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    Also ich hab den Text ja schon vor längerer Zeit mal gelesen und wollte da eigentlich nix zu schreiben, aber nachdem ich die Kommentare dazu gesehen hab, hab ich mich doch dazu entschlossen.

    Ich bin in den Bereichen Sprache und Logik hochbegabt, das weiß ich seit ich zwölf bin. Damals hatte ich ziemliche Schulprobleme, klassenkaspern und so, die Lehrer meinten ich soll doch bitteschön auf die Realschule gehen und meine Mutter hat mich erst mal zum Psychologen geschickt. Von da an hatte ich ein, zumindest in schulischer Hinsicht, leichtes Leben. Nebenbei habe ich meinem gesamten Freundeskreis glaubhaft gemacht strunzdumm zu sein, es sollte ja nur niemand etwas davon merken. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Die Schule hat mich, bis auf wenige Fächer, wie Deutsch, wenig interessiert. Genausowenig wie die Hochbegabung.

    Mir ist Intelligenz, sowohl bei mir als auch bei anderen, einfach nicht wichtig. es ist ganz praktisch, ich muss zum Beispiel im Studium wesentlich weniger Zeit in Lernen investieren und kann mich mehr mit anderen Dingen beschäftigen. Aber das ist auch schon alles. Andere Menschen haben andere Talente in anderen Bereichen als ich und schon allein deswegen kann es anregend sein sich mit ihnen unterhalten, ob die nun hochbegabt sind oder nicht, ist mir wurst. Und wer denkt, dass Hochbegabte nur mit Gleichgesinnten sinnvoll kommunizieren können, der tut mir ein bisschen leid, weil er viel verpasst. Es nützt doch nichts, sich den Kopf zu zerbrechen über etwas, das man ohnehin nicht ändern kann. Entweder man akzeptiert es und macht das Beste draus, oder man verzweifelt dran. Das ist jedem selbst überlassen.

    13.05.2006, 13:49 von odradek
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