robert_suydam_reloaded 30.11.-0001, 00:00 Uhr 2 13

fräulein schneider und der verzückte zärtlichkeitsbiss

...

gefühle wären um so vieles leichter zu ertragen, wenn sie sich nicht andauernd von hinten anschleichen würden, um einem mit gierigem beutesprung die samthäutige zwickmühlenzwangsjacke überzuziehen, nur um sich anschließend dumm und dämlich zu freuen im angesicht der angestifteten verwirrung. denn oben ist natürlich unten viel schöner, links ist das bessere rechts, was man will ist toll, weil man es nicht haben kann, verzehrende sehnsucht ist ein super reiseziel für immer und drei tage, die große liebe ist blödgrüner kinderscheiß, aber nur, weil sie das größte überhaupt ist, und über allem schwebt der heilige bimmbamm mit einem fetten joint.

solcherart gedanken purzelten durch den kopf von fräulein schneider, während sie am nagel ihres rechten daumens kaute und dabei von brennender eifersucht weißgeglüht wurde. leider fand dieses leuchtende wunder keinerlei angemessen begeistertes publikum, denn die einzigen anwesenden sielten sich zu füßen von fräulein schneider auf dem küchenboden und beachteten sie mit nichts und gar nichts und null. 
es handelte sich bei diesem verachtenswerten ignorantenpack um die beiden männer im zentrum des intimlebens von fräulein schneider: 
den kartäuserkater parzival und den menschenherrn anson. beide waren hoffnungslos ineinander vernarrt und bezeugten sich diese artübergreifende liebe gerade wieder auf eine derart intensiv körperliche weise, dass fräulein schneider beim besten willen nicht anders konnte, als an sex zu denken, sowie an kribbelnde nacktheit und bergeweise küsse auf die sorgsamst verborgenen schatzorte ihrer fräuleinheit. außerdem fühlte sie sich furchtbar gründlich ausgeschlossen, mit sieben schlössern und allem drum und dran. 

anson hatte in der zurückliegenden viertelstunde den nobelpelz von parzival in alle denkbaren richtungen gestreichelt, gerubbelt und gewuschelt. der kater wälzte sich dabei unter den liebesdienerhänden genüsslich hin und her, hielt die augen halb geschlossen und schnurrte wie ein dieseltraktor. dann strampelte er in rückenlage mit den hinterbeinen, stemmte sie schließlich kraftvoll gegen ein bein von anson und packte dessen linken handballen verzückt mit den zähnen. der menschenmann lächelte innig dazu, liebkoste mit zwei fingern der rechten hand die geheimen stellen an parzivals kopf und sprach dabei zärtlichkeitsworte:
„mein lieber kleiner ascheprinz, du. schöner. schönster.“

das war zu viel für fräulein schneider. sie schritt in majestätisch schmollender haltung aus der küche und plumpste kurz darauf mit einem beleidigten schnaufen auf ihr sofa. 
dies drama blieb dann doch nicht ohne wirkung. die männer folgten. zuerst parzival mit wachsamem kontrollblick und aufrecht zittrigem schwanz. dann anson, gänzlich weich und anhänglich. beinahe war auch seine sprache ein schnurren; fragend, schmeichelnd. seine hände baten zugleich vielfach um verzeihung. fräulein schneiders widerstand, ohnehin wenig eisern aufgestellt, schmolz vollkommen und erfand sich neu im mystischen tau der südlande. 
dann gab es zwischen zwei anderen körpern kein halten mehr. es war nun an parzival, die eifersucht des ausgeschlossenen zu erdulden. sein fordernder protestmauz wurde ignoriert. mit einem feurigen bernsteinblick fügte er sich in die niederlage des augenblicks und tappte geräuschvoll davon. 

fräulein schneider hingegen erlag in diesem moment einem zustand der weitgehenden selbstverflüssigung. sie tropfte warm aus hohen wolken. ansons äußeres war tief in ihrem inneren zu gast. auch für sie erfand er köstliche worte und flüsterte sie über die grenze der zweiheit. sie fühlte sich zu einem jubelschrei genötigt und spürte es plötzlich geschehen: angefüllt mit nichts als verzückter zärtlichkeit, biss sie anson in einen muskel zwischen hals und schulter. es wunderte sie nicht im geringsten, dass sie dabei deutlich feine fangzähne in ihren kiefern spürte und ein wohliger schauer unzählige pelzhaare auf ihrer haut sträubte. in diesem zeitlosen augenblick, der vielen sehnsüchten bestimmung ist, löste sich jede frage und aller widerspruch in wunderbares auf. 
der rest war atmen und nähe.                
      








13

Diesen Text mochten auch

2 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 2

    auch für die beiden worte "sielen" und "selbstverflüßigung". kann man machen, muss man nicht. aber schön, wenn mans kann.

    18.03.2016, 13:13 von libido
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare