weAreAnimals 03.07.2012, 21:11 Uhr 17 22

Es wird Zeit

Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich folge dem Ruf.

Die Wolken ziehen vor den blauen Himmel, ich sehe das Licht der Sonne in den Bäumen, während ich die Sonne selbst nicht sehen kann. Die Aussicht vom Balkon unseres Wohnblocks lässt zu wünschen übrig. Die Nachbarn ziehen bereits ihre Rolläden runter, die letzten Strahlen der Sonne schließen sie aus ihren Wohnungen aus.
Ich höre die Raben im Park nebenan. Angeregt tauschen sie sich aus.

Die Musik aus dem Wohnzimmer ist auf dem Balkon gut zu hören. Keiner beschwert sich. Die letzte Zigarette glimmt als ich an ihr ziehe und zischt als ich sie in den provisorischen Aschenbecher schnippe - ein Plastikbecher gefüllt mit Wasser.

Das Nikotin hat es dunkel gefärbt, die Kippen haben sich damit vollgesogen. Ich frage mich wie meine Lunge wohl aussieht.

Ich versuche eine Entscheidung zu treffen. Wie ich die Leere aus der Wohnung vertreiben kann. Doch eigentlich suche ich nur nach einem Grund diese zu verlassen. Die Wohnung, mitsamt Leere.

Mich erfüllt die abkühlende Luft des Abends und ich überlege mein Nachtlager hier aufzuschlagen, da kommt das erste Insektenmonster angebrummt.

Kein Auto fährt auf der Straße. Man könnte meinen es sei Sonntag, aber so ist es nicht.
Die Menschen sitzen zu Hause nach einem mehr oder minder anstrengenden Arbeitstag und wollen vielleicht deswegen ihre vier Wände nicht verlassen.

Es wird Zeit, den Blick vom Himmel zu nehmen und sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Langsam spanne ich meine Flügel und bin gar nicht überrascht daürber, dass ich welche habe, obwohl ich es nie zuvor gemerkt habe.

Es ist nicht so leicht mit den sperrigen Dingern hier auf diesem kleinen Balkon, deswegen springe ich leichtfüßig auf das Geländer und wende mich dem Park zu. Als ich die Flügel weiter ausstrecke und sich jede Feder spreizt höre ich die Raben rufen. Ich komme, denke ich und lasse einen Laut aus, den ich zuvor noch nie gemacht habe.

Die Antwort kommt zwischen den Bäumen hervor. Ich stoße mich fest ab und höre die letzten Akkorde des Liedes aus dem Wohnzimmer verstummen, als ich zwischen dem Geäst verschwinde.

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17 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Schöner Text und schöne Metapher...wobei ich persönlich einen anderen Vogel gewählt hätte. Mit Raben verbinde ich nichts Gutes oder Freies. Sind geflügelte Ratten ;) Aber das ist ja geschmackssache.

    06.07.2012, 09:41 von Herzgesteuert
    • 0

      ich finde aber ratten auch gar nicht so unsympathisch!

      14.09.2012, 13:25 von weAreAnimals
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  • 0

    gähn

    05.07.2012, 17:26 von analog
    • 0

      dito

      05.07.2012, 23:15 von weAreAnimals
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  • 2

    Schön, wie der Text zu deinem Benutzernamen passt! Das macht es gleich authentisch. ;)

    05.07.2012, 13:51 von sellardore
    • 0

      Das dachte ich auch.

      05.07.2012, 14:12 von Tanea
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  • 1

    Raben verkörpern die dunkle Seite. Da wolltest du aber wohl nicht hin. Dennoch ist es ein sehr gelungener Text.


    Also kurz und knapp: Was Tanea unten geschrieben hat. .) 

    05.07.2012, 11:50 von jetsam
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    • 2

      Ein Aha-Erlebnis. Auch was Gutes.

      05.07.2012, 00:58 von weAreAnimals
  • 0

    Klingt irgendwie kafkaes. Aufbruchsstimmung eben...

    04.07.2012, 18:29 von lebenslust
    • 0

      yes. no lovestory today. Aufbruchsstimmung halt...

      05.07.2012, 00:59 von weAreAnimals
    • 0

      und los geht´s!

      05.07.2012, 02:29 von lebenslust
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  • 1

    was forst sagt.

    04.07.2012, 13:42 von Tanea
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  • 2

    Schön!

    03.07.2012, 23:09 von forst
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