Kokomiko 29.11.2011, 13:40 Uhr 72 115

Einfach nur Nichts

Sitze nur da und bin einfach nur Nichts.

Schlage den Kopf und mit  Absicht gegen die Wand. Schaue in den Spiegel. Mag das Blut. Es ist meins wie es rinnt und verklebt. Alles meins. Mache ein Foto davon. Rotes Blut. Echtes Blut. Weißes Hemd. Das geht nie wieder raus. Das nicht. Tief in Fasern.

Friere gern. Bin beliebt. Rede leise und am liebsten gar nicht. Beiße mir auf die Lippe bis es schmerzt. Es ist meine. Ich darf. Sie war schön. Verwundet. Gehe mir auf den Nerven entlang. Gehe auf ihnen. Bis ans Ende. Dann verliere ich sie. Ein verschwundener Weg.

Singe nicht. Esse nicht. Nur wenn ich muss. Dann schnell. Der Hunger ist immer sehr ehrlich zu mir. Niemals beißen. Schlucken nur. Für alles gibt es Zähne. Mein Mund geht immer auf. Ein öffentliches Loch in mir. Da geht die Wärme raus. Als Atem. Als Wahrheit. Und es kostet fast nichts. Nur die Sprache. Manchmal Mut.

Bewege mich dauernd. Kontrolle ist Stillstand. Tanzen ist Zittern mit lauter Musik. Für Augen nach Noten. Taktlos. Verstehe nicht. Nie richtig. Frage nicht. Nie wichtig. Musik kann ich nicht sehen. Dann gibt es sie nicht. Die Antwort ist falsch. Es sind Rätsel zum Hören. Sie verschlüsseln Gefühl. Sind am Leben.

Meine Ohren sind schön. So von außen. Dann halte ich sie zu. So höre ich nur meine Hände. Von innen. Flächen. Sehe viel mehr. Alle reden. Es redet sich leicht so ums Leben. Kopf und Kragen verlieren. Ich nicht. Bin lieber still. Entsagen und es hält mich im Zaum.

Bin oft gerne müde. Falle sehr oft. Tief in Schlaf und Herein und um Hälse. Dann hin. Manchmal tief. Bodenlos. In die Falle. Selbst gewählt und befangen darin und beschreibe mich raus. Male Striche und Linien zu Stäbchen. Buchstäbchen. Alles meins. Keiner weiß es. Umfangen.

Kann nichts richtig. Nur ganz vieles. Höre nie zu. Sehe mich an. Mag mich nicht. Dann mache ich einfach das Licht aus. Dann kann ich mich sehen. Unsichtbar wie am Anfang. Ich bin einfach nur Nichts für dich da.

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72 Antworten

Kommentare

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      Ich denke, dem Autoren gehts gut - der Text ist ja vom letzten Jahr und ja, ansonsten kann ich mich dir nur anschliessen - völlig ungeschleimt. ;-)

      28.11.2012, 18:50 von derHalbstarke
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    Immer. besser.

    20.03.2012, 16:07 von Liz89
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    Der letzte Absatz gefällt mir besonders...

    06.02.2012, 22:58 von Janu
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    Du hast es geschafft. Ein Text der mich zum weinen bringt. Weil er wahr ist, weil er auch mich beschreibt, weil er genial ist. Danke

    23.12.2011, 17:57 von LonleyHeart
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    wow..ich bin grade etwas sprachlos..ich kann nur sagen, dass der text einfach richtig gut ist! ich bewundere dich dafür, wie du so etwas schreiben kannst :)

    03.12.2011, 21:03 von MiiSERY-
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    ich lieb den dingdong text nochmehr

    02.12.2011, 22:59 von niranes
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      Nur wenn Du aufhörst zu rauchen und wieder das Bild mit Blick zu Boden machst. Das mag ich am liebsten. Machst Du?

      02.12.2011, 14:03 von Kokomiko
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      Gut.

      02.12.2011, 14:37 von Kokomiko
  • 14


    DingDong! …DingDong!!....



    DingDongDingDongDingDong!!!



    …"Hmmja? (*klingt verschlafen*)…was ist denn?"


    „Mach die Tür auf!"


    „..ich bin müde. Wer bist Du?.."


    „Mach auf! Ich bins! Die Kritik! DingDongDingDong!! Lass mich rein (*Trommelt mit den Fäusten an die Türe*)..los jetzt!"


    „..Is ja schon gut. Moment. Wie ist das Schlüsselwort?..."


    „Schlüsselwort?"


    „..hmnja..das Schlüsselwort. Sonst geht die Tür nicht auf."


    .."Wie jetzt? Du hast keinen Schlüssel für Deine eigene Tür? Wie schräg bist Du denn drauf? SchlüsselwortSchlüsselwort?! Mach auf!! (*Trommelt wieder gegen die Tür*) DingDong!!"


    „Mach meine Klingel nicht kaputt. Die gehört NEON. Lies mal die AGB."


    ….(Stille)…


    …"und..?.."


    …"öhh…’Sesam öffne Dich’ (*murmelt beschwörend*)…


    .."Du bist im falschen Märchen."..


    …"…bitte..?"..


    *Swooooooschauf!*


    „Siehst Du. Geht doch. Komm rein."


    *Swooooooschzu*


    „(*betritt vorsichtig die Stube. Schaut sich um*)..bei Dir is ja unordentlich."


    „Bist Du die Putzfrau?"


    „Nein."


    „Dann setz dich irgendwohin. Morgens vor Kaffee Klappe halten. Klar? (*schlurft in die Küche*) willst Du auch einen?"


    (*jetzt schüchterner*)"Chai Latte?"


    „Bist Dun Mädchen? Hier gibt’s nur Männerkaffee."


    .."Ich bin DIE Kritik. Sehr weiblich. Also.."


    „jaja..schon gut. Ich mach Dirn Tee."


    „Ok. Hast Du zufällig ‚weißen’?"


    „’weißen’ was?" (*Kaffeemaschine gurgelt*)


    „Na weißen Tee?"


    „…Hör mal. Ich bin nicht Captain Starbuck und Tee trinke ich nur, wenn ich Fieber hab. Kamille kannste haben."


    „Na gut."


    ….


    *kommt mit 2 Bechern in die Stube* „hier bitte. Zucker hab ich nicht."


    *kritzelt auf ein Blöckchen.*


    „Was schreibst Du? *schlürft ihren Tee*


    „Warst schon für was nutze. Für den Wortschatz. ‚Teerapie’. *legt das Blöckchen weg. Schaut auf* Also was willst Du?"



    „Herr Vogelfrei schickt mich. Du bist Kitsch. Aber ich bin konstruktiv."


    *kritzelt wieder aufs Blöckchen*


    „Was schreibst Du?"


    „ ‚Konstruktief’ „


    „Ah. Neues Wort. Verstehe. *lächelt*"


    „Herr Vogelfrei. Soso. Hat er ne neue Freundin?"


    „Nein. Noch nicht. Aber ganz viele Anfragen."


    „Dacht ich mir. War ja auch ne sehr kreative Kontaktanzeige. Sag ihm, ich wünsch ihm viel Glück bei seiner Rasterfahndung."


    „Mach ich. Danke. Aber es geht nicht darum. Es geht um *druckst*.."


    „Jaja. Ich hab’s gelesen. Die letzten 3 Worte machen meinen letzten Artikel zum Kitsch."


    „Ja."


    *steckt sich eine Zigarette an. Überlegt. Sieht sie an*


    „Du könntest Dich mal wieder rasieren."


    *gibt ihr den Eisblick*


    „Halt jetzt mal die Klappe. Ich muss nachdenken."..*raucht*


    *hüstelt* „könnten wir mal ein Fenster aufmachen?"


    „Schau dich um. Siehst Du hier Fenster? Hier gibt es nur Türen. Und die gehen alle nur von außen auf. Hier ist Kokowelt."


    „Aha.*hüstelt* na dann."


    Bist Du bereit? Du musst jetzt folgen. Sonst verstehst Du es nicht."


    *Schaut gespannt. Nickt.* „Bereit."



    „ //Ich bin einfach nur Nichts für dich da// das ist der letzte Satz. Er muss ihn als ganzes lesen. Erstmal. Dann auseinandernehmen. Es sind 8 Worte. Nicht 5+3. Keines gehört zunächst zum anderen. Doch alle gehören im Sinn zusammen. Es gibt folgende Verbindungen, die alle für sich stehen und in Kombination miteinander gebracht werden müssen, um es komplett zu erfassen. Ich lasse die Einzeller weg, das führt sonst zu weit, und nehme nur die Verbindungsstücke. Nicht die letzten 3 Worte aus dem ganzen schneiden. Den Satz damit aufs Gedankeschafott legen und opfern. Dann blutet er seinen Sinnverstand aus und stirbt. Durchaus, wenn zu kurz gedacht, auf einem kitschigen Sterbebett.



    Ich bin


    Ich bin einfach


    Einfach nur Nichts


    Nur Nichts


    Nichts für dich


    Nichts für dich da


    Da für dich


    Für dich


    Für dich da



    Daraus, und bei näherer Betrachtung jedes dieser Puzzleteile für sich, sozusagen unter Kopflupe, Fantasiemikroskop, ergibt sich alles, was seine/ihre Welt erklärt. Alles, was darüber steht, löst sich damit auf. Natürlich..und ich denke, da setzt seine Kritik, also Du an, wird sein/ihr Solitaire durch die Ansprache des ‚Dich’ gestört. Noch mehr, wenn ich die anderen 8 Einzelteile gar nicht sehe und nur das ‚für dich da’ sehe. Und darüber hinaus wird es noch dünner, wenn ich das „Dich" als Leser festlege und eine Person dahinter interpretiere, die damit angesprochen, angedacht wird. Da liegt das Missverständnis Deines Senders begründet, denke ich. Wenn ich selbst in diese Spurrinne reindenke, kann ich mit einiger Mühe auch zu dem Schlussurteil ‚Kitsch’ kommen. So hat er es wohl dahin geschafft. Doch das ist zu einfach. Viel zu einfach. Aber natürlich erlaubt und auch gewünscht. Ohne knirschende Zähne. Denn es erlaubt ja einen Erklärungsversuch wie diesen. Und letztlich kann jeder Breitband oder Schmalspur denken und schreiben, wie er mag. Ist ja Internet. Damit Freiheit in Grenzen.



    Doch weiter.


    Das ‚Dich’ ist oder kann sein:



    Sein/Ihr Ich


    Jeder Mensch


    Die Welt


    Und dazu noch eine fiktive Einzelperson, die er/sie kennen mag. Eine Frau oder ein Mann meinethalben. Eine Freundin vielleicht. Sein/ihr Bruder. Seine/ihre Mutter. Irgendjemand. Oder auch niemand. Weil er/sie nur sich selbst anspricht. Vielleicht aber auch alle Optionen zusammen?


    Du musst den Text eigentlich gar nicht ganz lesen. Der ganze Kosmos erschließt sich aus dem letzten Satz. Hätte ich zwischen ‚Ich bin einfach nur nichts’ und ‚für dich da’ einen Punkt gesetzt, was ich längere Zeit überlegt hatte, wäre der Sinn für mich nicht so zu subsumieren gewesen, wie er es als ganzes ohne Punktunterbrechung ist. So erschließt es sich. Für mich. So ist es ausgedacht.


    Daneben fand ich den Satz als solches gut für eine kleine Denküberraschung am Ende. Einfach ein nettes Konstrukt. Konstruktief *grinst*



    …hast Du das verstanden? Konntest Du folgen? Warum hast Du auf einmal Kreise in den Augen? Soll ich dir ein Glas Wasser holen? *schaut sie besorgt an*


    „Äh..neinnein. Geht schon. Danke."


    „Sehr theoretisch, was."


    „Allerdings."



    „Checkt er das?"



    „Wohl. Er ist intelligent."



    „ Na dann. Sag ihm, er soll seinen Kopf freilassen. Sich vom Autor/der Autorin lösen, wenn er liest. Hier liest. Solche Sachen liest. Den Fehler, das nicht zu tun, begehen etliche und machen damit den Autoren und Autorinnen manchmal das Leben und den Ausdruck schwer. Sich selbst stehen sie im Weg und versperren sich damit den Zugang zu Welten. Sie sprechen in der Kommentierung den Autor/die Autorin statt den Text an und interpretieren gedachte Motivlagen oder Intentionen darüber hinein, die die Auseinandersetzung, so denn gewünscht, verunmöglichen oder zumindest sehr erschweren. Er soll den vorgestellten Mensch, wie er/sie sich hier präsentiert hinwegdenken und die Worte, Sätze, das ganze Stück als solches ansehen. Fliegen lassen. Schweben. Urheberneutral. Dann geht’s einfacher. Nicht leicht diese Transferleistung. Ist Übungssache. Schon klar. Menschen wollen glauben, was sie zu sehen und zu wissen meinen. Und im Text sehen viele den Autor/die Autorin. Das beeinträchtigt hin und wieder die Wahrnehmung und das Urteil. Nicht alle beschreiben sich selbst. Einige. Viele der Du-Texte sind wohl so angelegt. Aber eben nicht alle und alles.


    Daneben verstehe ich natürlich, dass das hier keine Philosophiedozentur ist, sondern eine Internetcommunity für Spass an der Freud. Doch sind die meisten Leser/Leserinnen die kommende Geisteselite Deutschlands. Werden an Gymnasien und Hochschulen eliteausgebildet. Da darf man hin und wieder eine gewisse intellektuelle Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit zur theoretischen Abstraktion erwarten. Zumindest, wenn es das Stück erwartet. Nicht wahr?"


    ….


    „Ja. Ich denke. Machst Du Dir immer so Kopfweh, wenn Du was aufschreibst?"


    *lachtlaut* „Nein. Oh Gott nein. Schreiben ist Spaß. Aber knifflige Sachen schreiben ist eben auch Spaß. Ich habe eine sehr intime Beziehung zu Sprache und bin verliebt in alles, was man aus Buchstaben so machen kann. Also hier. Kokowelt. *lächelt*"



    „Danke für den Tee und den Freiflug. Ich werd dann mal gehen."


    „Ja. Bestell schöne Grüße. Und..*flüstert*…sag Herrn Vogelfrei, er soll einfach hingehen, wenn er eine gut findet und sie auf den Mund küssen. Ohne fragen vorher. Mehr als eine ultrapeinliche Situation und eine schallende Ohrfeige riskiert er nicht."


    „Ich sags ihm. Machs gut….Bitte."


    *Swoooooschauf*


    „Machs gut. Und allen anderen, die es mochten, sag bitte dankeschön für die Herzklicks. Ich habe mich natürlich über jeden einzelnen und die wunderbaren Kommentare total gefreut wie ein kleines Kind. Sag das allen bitte, ja? Und sag den ‚Sorgenkindfreunden’, dass mir noch ein Übergang fehlt, wie ich als Erzähler aus der Geschichte rauskomme. Dann schreibe ich sie weiter. Ok? Machst Du das?


    „Ok mache ich."


    „Danke. Du darfst gerne wiederkommen, wenn Du dich freundlich verhältst. Aber denk an das Schlüsselwort. Wenn die Klingel kaputt ist, schmeißt NEON mich raus."


    „Ja. Ich vergesse es nicht mehr."


    „Tschüss."


    „Tschüss. Danke. Leg Dich wieder hin."


    *Swoooosch zu*



    .."hmm…konstruktief…Teerapie…hinlegen..hinlänglich.."blind.gif

    02.12.2011, 12:55 von Kokomiko
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    • 1

      das ist der allerbeste kommentar unter eigenem artikel JEMALS.

      das ist der beste kommentar zu Kritik.

      das ist so gut. ich les es nochmal.

      02.12.2011, 23:19 von weAreAnimals
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  • Durchs Wochenende mit Lena Steeg

    Und, wie war dein Wochenende so? Jede Woche fotografiert ein NEON-Redakteur sein Wochenende mit dem Handy. Diesmal: Textredakteurin Lena Steeg.

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