YOLK 30.11.-0001, 00:00 Uhr 311 19

Echt ekliges Essen

"Ein mit Asche bestreutes Sandwich, wen freut es?" – Die Prinzen, so um 1992

Vorgestern Abend lag ich im Bett und konnte nicht schlafen, da hab ich spontan über die Top Ten der ekelhaftesten Lebensmittel nachgedacht, die ich jemals zu essen gezwungen war. Dann hab ich überlegt, dass ich da auch gut ein NUT draus machen könnte. Dann hab ich da ein NUT draus gemacht. Also:

#1  Frischkornbrei 

Meine Eltern waren Ökos. Unter anderem deshalb hatte meine Mutter eine Getreidemühle und Zentnersäcke mit Getreide in der Speisekammer stehen. Mein Vater, geprägt durch russische Kriegsgefangenschaft, verstand, was Essen nicht essen wollen anging, wenig Spaß. Sein Frischkornbreirezept bestand aus am Abend vorher grob geschrotetem und eingeweichtem Roggen, dem er spartanisch eine halbe zerdrückte Banane hinzuzufügen pflegte. Ein grau-braun schleimiges Grauen erwartete mich jeden Morgen am Frühstückstisch. 

#2 Mit Marmelade überbackener Reis 

Mein Vater war nicht der Koch des Jahrhunderts. Aber es gab ein Rezept von ihm, das ich als Kind geliebt habe. Seinen Spaghetti-Auflauf (Rezept auf Anfrage). Den machte er immer in einer bestimmten Schüssel und als mein Bruder und ich eines Tages aus der Schule kamen, sahen wir die Schüssel durch das geriffelte Glas der Küchentür auf dem Tisch stehen, vom Geruch her wars fast ein Treffer. Vorfreude erfüllte unsere Herzen und Speichel unsere Münder. Bis wir in der Küche am Tisch standen und unser Blick auf das fiel, was die Schüssel (geschändet und entweiht!) beinhaltete. Erstmal haben wir bloß fassungslos auf die unidentifizierbare Masse gekuckt. Mein Vater dann so: "Reis mit Marmelade! Überbacken! Das schmeckt!" Im Klartext: In Salzwasser gekochter Vollkornreis mit der ekligen Uraltmarmelade von den Omas ausm Dorf vermengt und für 20 Minuten in den Ofen. Ich habe den Geschmack verdrängt. Ich weiß nur noch, dass es grauenhaft war. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass mein Vater gleich 2 Kilo Reis gekocht hat, weil der ungekocht "so wenig ausgesehen" hat und wir die komplette Woche Vollkornreis-Variationen über uns ergehen lassen mussten. Ich hasse Vollkornreis bis heute. Wirklich. 

#3 Bohnensuppe zum Stricken 

Als Ökos hatten meine Eltern natürlich auch einen Garten. Das war meistens schön und im Ergebnis lecker. Nicht so, als meine Mutter im Hinblick auf die Kriegsgefangenschaft meines Vaters zu lange am Busch hängengebliebene Bohnen anstatt auf den Kompost in einen Suppentopf schmiss und daraus ein Mittagessen machte. Es roch schon nicht gut. Feierlicher Höhepunkt des Essens war, als meine Mutter die erste Kelle kuhfladenenfarbener Matschpampe aus dem Topf hob und die Bohnenfäden lang und zahlreich an der Kelle herunter hingen. Ich habe bis abends am Tisch sitzen müssen weil ich das Zeug nicht essen konnte. Ich habe versuchsweise einen Löffel der Katze hingehalten, die wollte nicht mal dran riechen und ist aus der Küche gerannt. Ich habe das Zeug dann peu à peu in den Topf zurück geschaufelt. 

#4 Birnen Bohnen Speck 

Birnen und Bohnen kamen natürlich aus dem Garten, der Speck war wabbelig und rosa und ich hab fast gekotzt. Die Kombi hat mich echt umgehauen. Meine Mutter wollte das Rezept mal testen. Ja, danke. 

#5 Schweinskopfsülze auf Knäckebrot 

Es gab zwei ältere Schwestern, die mit meinen Eltern befreundet waren und die mich als Kind immer wieder zum Übernachten eingeladen haben. Die waren wirklich lieb und zu deren Ehrenrettung muss man sagen, dass ich dort den ersten und einzig leckeren Grünkohl meines Lebens gegessen habe. Allerdings haben mich Henriette und Erna eines Morgens mit einer dicken Schicht Schweinskopfsülze auf Knäckebrot zum Frühstück begrüßt. Nachdem ich eine Ecke angenagt hatte und ansonsten betrübt auf meinen Teller starrte, bekam ich Knäckebrot mit Schmelzkäse. 

#6 Leberknödel 

Das einzige Essen, von dem ich als Kind so prompt gekotzt habe, dass ich es auf väterlichen Erlass wirklich nie wieder essen musste. 

#7 Forelle Blau 

Unsere Nachbarn hatten leider Forellenteiche. Eine Weile gab es deshalb jeden Sonntag "Festessen". Forelle, Rote-Beete-Rohkost, Sellerie-Rohkost, Möhren-Rohkost, Pellkartoffeln und Butter. Mal davon ab, dass Forelle schlammig schmeckt, wenn die in Teichen gehalten wird, waren die vom Nachbarn unglaublich grätig. Höhepunkt der ganzen Sonntagsfestessen war, dass meinem Vater eines Sonntags total spektakulär eine Gräte im Hals feststeckte, er zuerst den übrigen Mundinhalt über den Tisch hustete, leicht Blau anlief und dann kam meine Mutter. Mit dem größten Esslöffel, den sie auftreiben konnte. Bog den Kopf meinen Vaters in den Nacken und kratzte ihm unter viel Geröchel und Gewürge die Gräte aus dem Hals. So was macht echt Eindruck auf ein Kind. Ich habe danach jahrelang jeden Fisch solange gekaut, bis daraus ein nicht runterschluckbarer Proteinklumpen geworden war. 

#8 Gemüse an totem Fisch 

Schüleraustausch in Frankreich, Abendbrot. Die Mutter stellt einen riesigen Topf auf dem Tisch aus dem verwesungsartiger Geruch steigt. Schnell war klar, woher der kam: In dem Topf war ein riesiger toter Fisch mit Kopf noch dran. Die Mutter klatscht das Vieh auf eine Platte. Der Fisch kuckt garstig in meine Richtung. Ich kucke zurück. Und beschließe sofort zu sagen, dass ich niemals Fleisch, Fisch oder Ähnliches esse. Ich hab dann das Gemüse, mit dem der Fisch gekocht wurde, gegessen. Zwischen Baguette-Brocken geklemmt. Schon das hat so widerlich geschmeckt, dass ich dafür eine Stunde gebraucht habe und gefühlt 2 Liter Wasser zum runterspülen. 

#9 Geräucherter Ziegenfeta 

Freundin auf La Palma besucht. Freundin schwärmt von dem Ziegenfeta ihrer Freundin. Die Ziegen würden das ganze Jahr über draußen rumlaufen und Kräuter essen und deshalb wäre der Käse so aromatisch. Sie empfahl mir den Geräucherten. Es war ein schöner Morgen, wir saßen auf der Terrasse mit Blick auf den Atlantik. Leckeres frisches Brot. Ich schneide mir die Empfehlung drauf. Angenehme Luft. Ich fühle mich wohl. Ich beiße in das Brot und alles bekommt eine schreckliche Schieflage. Nichts ist mehr gut. Nachdem sich meine Freundin eine Weile angesehen hat, wie ich erst schlagartig totenblass wurde und dann versucht habe, mit 2 schnell hintereinander runter gestürzten Tassen Kaffee den Geschmack (als hätte man den Käse einem Ziegenbock in der Prunft 2 Wochen lang zum Reifen an die Eier gebunden) aus meinem Mund zu bekommen sagte sie mir, dass ich nicht aufessen müsse. Danke. 

#10 Kopfsalat, Mecklenburgische Art 

Erste Essenseinladung bei den neuen Nachbarn. Auf dem Tisch steht eine riesige Schüssel angemachter Kopfsalat. Die Nachbarin meint, der wäre aus dem eigenen Garten. Freudenssteigerung bei mir. Ich schaufel mir total viel auf den Teller. Nehme den ersten Bissen und verstehe zuerst überhaupt nicht, was in meinem Mund passiert. Die Verbindung Geschmacksknospen-Gehirn ist kurz unterbrochen. Dann frage ich mich, wie man es schafft, Kopfsalat so zu verhunzen. Ich bin plötzlich überhaupt nicht mehr fröhlich und ganz still und mümmele langsam den Salat in mich rein. Des Rätsels Lösung: Wenn man Salat mit einem Dressing aus Puderzucker und Zitronensaft versaut, kann das auch nicht schmecken. Immerhin habe ich daraus eine wichtige Lehre gezogen: Immer erst probieren und dann kann man immer noch nachschaufeln.


Und jetzt ihr: Hattet ihr Eltern, bei denen ihr aufessen musstet, egal wie eklig ihr das fandet? Was ist euer schlimmstes Albtraumessen? Musstet ihr von Essen schon mal spontan kotzen? Haben gewisse Aversionen bis ins Erwachsenenalter überlebt oder gibt es Essen, das ihr als Kind voll widerlich fandet und das ihr jetzt aber mögt? 

Wer den Text voll doof findet, der möge hier einen besseren schreiben.


Tags: Kotzwürg, NUT, BähBähBäh
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311 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Ich war mit Bekannten meiner Familie in der Metro. Mittagstisch: Spaghetti Carbonara. Ich feierlich einen Riesenberg in mich reingeschaufelt. 20 Minuten später mussten wir mit dem Auto direkt anhalten und ich verfehlte nur knapp die Autotür. Folgende 14 Jahre die totale Carbonara-Verweigerung.

    Letztes Jahr in einem italienischen Restaurant gegessen. Im 7. Himmel geschwebt. Jetzt Lieblingsessen.

    10.07.2015, 21:40 von k.thrin
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  • 1

    Ich habe ein leichtes Fischtrauma. Habe Fisch schon als Kind verweigert, meine Eltern versuchten mir daraufhin Fischstäbchen als Gemüsestäbchen zu verkaufen... Ja nee ist klar. Außerdem hatte und habe ich immer wahnsinnige Angst vor Gräten, mittlerweile esse ich ein paar Sorten Fisch (ich liebe Sushi, das ist grätenfrei!) zupfe jedes Stück das Gräten enthalten könnte aber winzig klein ehe ich es esse.

    Ansonsten: ist zwar ein Getränk, aber: Zwiebeltee! Ich war ständig krank und was haben Mama und ich stur in der Küche gesessen weil ich erst aufstehen durfte wenn ich den Kram getrunken hab. Nur der Gedanke daran... Würg.

    Linsensuppe + Erbsensuppe (das ist doch eindeutig schon mal gegessen), Flecke, Papas toller Meerestieresalat (mit vollständigen Minicalamari mit Fangärmchen, natürlich), Tote Oma, Kohlrabi, Radieschen, Sellerie, Grünkohl...

    15.06.2015, 22:38 von FrolleinW
    • 0

      Und warme Milch und alles worauf sich diese widerliche Haut bilden kann. Stirb Pudding, stirb Kakao!

      15.06.2015, 22:43 von FrolleinW
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    • 1

      Auf (noch warmen) Pudding hilft Zucker gestreut. Dann bildet sich keine Haut. ;)

      13.07.2015, 14:21 von k.thrin
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  • 0

    büchsenmais

    15.06.2015, 21:50 von libido
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  • 0

    (englisches eigelb)

    15.06.2015, 21:49 von libido
    • 0

      schnüff.

      16.06.2015, 07:26 von YOLK
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  • 2

    eiskonfekt

    15.06.2015, 21:49 von libido
    • 0

      widerlich fettig. bzw. fett mit zucker. ähnlich lecker wie nutella.

      16.06.2015, 07:26 von YOLK
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  • 4

    Ich hätte ja jetzt gern ein farbiges Foto von Vatis serbischen Reisfleisch aus Salami- und Jagdwurstresten mit Tomatenketchup und Zwiebeln reingesetzt... aber das lass ich besser wohl besser bleiben. Und genausowenig in Erweiterung dessen, die am Tag darauf erfolgende Seebestattung dieser Reisfleischreste in einem Topf voller Würfel-Brühe unter Beihilfe gemeingefährlich quietschsaurer Spreewälder Gurken und eines Schlags flockig untergequirlter Sahne zur Wiederauftischung als Soljanka^^

    12.06.2015, 18:46 von BremsBacke
    • 1

      :D klingt nett.

      oh, bei spreewälder gurken fällt mir ein, dass einer meiner exfreunde ein faible für salz-dill-gurken hatte. meine erste begegnung mit dem zeug: ich lag mit grippe im bett, mein ex kocht mir suppe (was ja nun nett ist) und öffnet für sich nebenbei einen topf gurken. ich hab das zeug trotz total dichter nebenhöhlen gerochen. konnte es aber nicht als essbares identifizieren. ich dachte nur: was riecht hier so nach verfaulter scheiße? dann kam mein freund ins zimmer, ne gurke in der hand, ich check immer noch nix. er beißt ab und schiebt mir den rest in den mund (jaja, haha) da hats dann klick gemacht. ich hab essen echt auch als kind nicht an die wand gespuckt. aber irgendwann ist immer das erste mal. da wars dann soweit.

      12.06.2015, 19:47 von YOLK
    • 0

      :D XD oh jeh Kopfkino [Rosa Pony von links...]

      12.06.2015, 19:50 von BremsBacke
    • 0

      ich bin manchmal ein wenig ungebildet. was heißt "rosa pony von links"?  kopfkino hab ich kapiert.

      12.06.2015, 19:56 von YOLK
    • 0

      Ich hatte gerade dieses Würg-Bild aus dem Exzorzisten - nur mit schrumpeligen grauen dillfadenbehangenen Gurkenwürmlingen statt der eigentlich manierlichen Erbsensuppe... [ähm]
      Wenn so etwas auftritt, einfach an ein rosa Pony denken und die Welt auf der großen weißen Kinoleinwand im Hohlraum unter dem Schädeldach ist wieder heil^^

      12.06.2015, 20:14 von BremsBacke
    • 0

      ej, die gurken von meinem freund waren keine würmlinge! eklig waren die, aber keine würmlinge!

      den exorzisten hab ich nie gekuckt weil ich nach sowas drei wochen nicht schlafe und das nur mit licht.
      okay, ah, verstehe. ich nehm halt kein rosa pony für sowas. aber wenns hilft hilfts, nech. :D

      12.06.2015, 20:30 von YOLK
    • 0

      :Chakka:

      12.06.2015, 21:10 von BremsBacke
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  • 1

    Toller Artikel, es geht offenbar noch schlimmer als in meiner Kindheit! :-)

    Hier meine Top 3


    Trauma 1: Wirsing
    Ich musste auch immer sitzen bleiben, bis der Teller leer war und hab das Zeug in den Topf zurückgeschaufelt.

    Trauma 2: Rosenkohl
    Allein der Geruch verursachte mir Brechreiz. Da war ich zum Glück schon älter und konnte mich erfolgreich weigern.

    Die ultimative Lachnummer: Grünkernbratlinge
    Meine Mutter war mal auf dem Öko-Trip und hat Grünkernbratlinge fabriziert, die schon auf der Gabel zerfielen, bevor man sie zum Mund führen konnte. Geschmeckt haben sie wie Pappkarton.

    12.06.2015, 14:32 von Wolpi
    • 1

      grünkern riecht doch schon so gut! 

      12.06.2015, 15:15 von YOLK
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  • 3

    Ich möchte mich hiermit im Namen von Gott für die Dramen und die Traumata der verwöhnten Mittelschichtkinder entschuldigen, die durch nicht rücksichtsvoll ausgewählte Nahrungsmittel und nicht auf Befindlichkeiten individuell ausgerichtete Bedürfnisbefriedigung kulinarischer Art so perfide entstanden sind.

    Nach intensiver Beratung wurde beschlossen, in Zukunft wieder Hunger und Not walten zu lassen, so dass zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: a) wird Nahrung wieder wert geschätzt und b) sind die Mittelschichtkinder weniger fett. Außerdem übertönt c) deren Magenknurren ihr Gejammer.

    Gut, das warn drei. Aber wen interessierts. Wir ham noch anderes zu tun. Auf Centauri 4078 beschweren sich die Dinosaurier, weil sie wieder durch einen Kometen ausgelöscht werden sollen. Echsenpack.

    12.06.2015, 13:58 von quatzat
    • 2

      Grumpel?

      12.06.2015, 14:21 von MaasJan
    • 3

      Quatze, geh endlich an die frische Luft.

      So langsam wird es wirklich sehr ersichtlich, dass du dich hier verloren hast.

      Knödelkopp, du.

      12.06.2015, 14:53 von FrauKopf
    • 1

      Wenn über die frische Luft berlinert wird, muss ich lachen.

      Und warum sollte ich gehen, solange die therapeutische Qualität hier so einwandfrei ist?

      12.06.2015, 15:05 von quatzat
    • 0

      :D okay, dann bist du wie unser hund. der frisst auch alles, hauptsach, die katz kriegt es nicht. 


      ich verstehe das dann mal so, dass du, da du von kindesbeinen an einfach alles voll unverzogen in dich reingestopft hast, was mama quatze dir so serviert hat, bestimmt auch bereit bist, essen das ich nicht mag zu verwerten. das find ich prima! endlich nicht mehr grüne tonne. die stinkt immer so.

      12.06.2015, 15:08 von YOLK
    • 0

      Wie wärs, wenn du ersma auf dich guggst? Hm? Vielleicht vergleichst du dich mit Tieren? Oder ist das nicht nötig?

      12.06.2015, 15:10 von quatzat
    • 3

      wie wärs, wenn du mal, anstatt
      mit dem finger auf andere zu zeigen (oder "fassadentreten" zu
      betreiben, wie das nennst, wenn du meinst, du könntest erstmal bei allen
      anderen anfangen bevor du die rückfrage, wie es denn bei dir so aussieht,
      zulässt), erstmal auf dich kuckst?  



      noch mal zum mitschreiben: nur
      weil man sachen nicht mag, heißt das nicht, das man verwöhnt ist. es wäre
      außerdem ziemlich ekelhaft davon auszugehen, dass man als kind, das von hunger
      betroffen ist, automatisch auch alles mag, was einem noch zwischen die zähne
      gerät. da gibt es bestimmt auch präferenzen. mir ist durchaus bewusst, das ich
      dinge, die ich jetzt nicht essen würde, im falle von richtigem hunger sehr
      wahrscheinlich essen würde. es besteht sogar die möglichkeit, dass ich ein tier
      schlachte. was hat das mit meiner situation jetzt zu tun? richtig, nichts. 



      gehst du so einkaufen, dass du
      sagst: geben sie mir bitte alles, was die andern nicht wollten? containerst du?
      nein. dann halts maul. 



      zum tiervergleich: da kann ich
      dich beruhigen, unser hundi war toll. 

      12.06.2015, 15:28 von YOLK
    • 0

      'dann halts maul.'

      Ich denke, das beschreibt deinen inneren Zustand sehr gut. Und warum sollte ich jemand mit einer solchen Haltung gegenüber argumentieren? Vielleicht weils mir dann doch ein wenig um die Sache geht.

      Und weniger um Befindlichkeiten - aber das kann die jetzige Schmalspurgeneration wohl nicht mehr trennen.

      Selbstverständlich hat es was mit einer jetzigen Situation zu tun, ob und was man essen würde, wenn die Ressorucen kanpper wären. Und das schrieb ich ja in dem Post. Es geht um Wertschätzung. Es geht um die Einordnung der eigenen Befindlichkeiten. Es geht um die innere wie äußere Relativierung des Suppenkaspersyndroms.

      Und wenn ich mir die innere Haltung, die äußere Form und den Ton deines Posts da oben ansehe, dann kann ich nicht erkennen, dass das Bewußtsein vorherrscht, wie suppenkasperisch alles davon ist.

      12.06.2015, 15:34 von quatzat
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    • 3

      schnorch.


      mein innerer zustand hält nicht das maul. aber danke der nachfrage.

       Es geht um Wertschätzung. Es geht um die Einordnung der eigenen Befindlichkeiten. Es geht um die innere wie äußere Relativierung des Suppenkaspersyndroms.

      versus

      Ich möchte mich hiermit im Namen von Gott für die Dramen und die Traumata der verwöhnten Mittelschichtkinder entschuldigen, die durch nicht rücksichtsvoll ausgewählte Nahrungsmittel und nicht auf Befindlichkeiten individuell ausgerichtete Bedürfnisbefriedigung kulinarischer Art so perfide entstanden sind.

      Nach intensiver Beratung wurde beschlossen, in Zukunft wieder Hunger und Not walten zu lassen, so dass zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: a) wird Nahrung wieder wert geschätzt und b) sind die Mittelschichtkinder weniger fett. Außerdem übertönt c) deren Magenknurren ihr Gejammer.

      klingt für mich erstma echt unterschiedlich bzw. im ton ganz anners.

      so. nochmal. nur, weil man etwas nicht gerne isst, heißt das nicht, das man seine verfügbarkeit nicht schätzt oder die generelle verfügbarkeit. gerichte oder lebensmittel nicht zu mögen und die anzahl an zwei händen abzählen zu können - und mir wäre nicht aufgefallen, das hier jemand nur 2 sachen mag und alles andere nicht, gegenüber der unglaublichen menge an möglichkeiten, die uns hier derzeit zu ernährung offen stehen, halte ich auch nicht für verwöhnt. nur weil man, eben weil es das nut thematisiert ohne die durchaus auch wichtigen themen hunger/welternährung/lebensmittelverschwendung anzuschneiden, mal erzählt, was man nicht gerne isst. man darf sachen nicht mögen und man darf es durchaus traumatisch empfinden, wenn der eigene vater einem mit stundenlangem stuhlsitzen unter androhung von schlägen versucht, essen, das einen anwidert (und laut meinem vater isst man sowas auch nicht gerner, wenn man kurz vorm hungertod steht, man isst es halt einfach nur) reinzuzwingen. ich finde das muss nicht. egal wie sehr man essen wertschätzt.

      zumal essen, das bei der familie nicht reißenden absatz findet, eher vergammelt und auf den müll fliegt. man sollte kinder eher vermitteln, essen nicht zu verschwenden. und nicht zuviel zu kaufen. und darauf zu achten, dass möglichst wenig in den müll muss. und wenn man einen garten hat, kann man kindern auch beibringen, dass es da einen kreislauf gibt. aus essensresten wird kompost und der ernährt dann neue pflanzen. tolle sache.

      suppenkaspersyndrom? mit struwwelpeter-pädagogik brauchste bitte nicht kommen. man kann kindern auch ohne zwang und liebevoll vermitteln, das man erstmal probieren soll, bevor man den teller an die wand schmeißt. und ich denke, es sollte auch möglich sein, echte aversionen von launen zu unterscheiden. und trotzdem kindern wertschätzung für ihre eigene situation zu vermitteln und dafür, sich mit relativ frei wählbaren produkten satt zu essen.

      und einfach mal davon auszugehen, dass es schlichte verwöhnung ist, wenn man sich an "traumatische" ess-erlebnisse aus der kindheit erinnert finde ich falsch. nur weil man nicht kurz vorm hungertod steht, kann man essen trotzdem wertschätzen. man muss diese erfahrung auch nicht machen, um das zu tun. natürlich hat meinen vater die kriegsgefangenschaft geprägt. und natürlich kann ich das verstehen. ich mag trotzdem seinen frischkornbrei nicht.

      und: du willst mir doch nicht erzählen, dass es nicht essen gib, dass du lieber isst als anderes.

      und wenn wir schon bei mittelstands- bzw. überhaupt verwöhnung sind, dann ist alles, was nicht aus nem dach überm kopf, paar klamotten am leib und der nötigen nahrungszufuhr besteht, ebenfalls verwöhnung. kunst, bücher, filme, musik? solange ein mensch auf diesem planeten hungert sollte man sein geld nicht für sowas verläppern. is halt gar nicht so einfach, mal so richtig konsequent zu sein.  

      und dann kommen wir mal wieder zu dem, was du so gerne machst und mich so aufregt: du interpretierst. und wenn du erstmal zu deinem schluss gekommen bist, dann ist und bleibt der so. deshalb versichere ich dir noch einmal und zum letzten mal: mir ist von kindesbeinen anerzogen worden, wie priviligiert es ist, hier geboren zu sein und leben zu dürfen. nichts in meinem leben hat mich dazu gebracht, das zu revidieren, im gegenteil. 

      achso: gekochten kohlrabi mag ich auch nicht. aber wenn ich verhungern müsste sonst, würd ich ihn essen. das kannste gott nochmal ausrichten.

      12.06.2015, 17:37 von YOLK
    • 0

      und sag gott, er soll tante edith auf neon installieren, wennde schon am ausrichten bist.

      12.06.2015, 17:59 von YOLK
    • 0

      Du hast das Wort 'Befindlichkeit' nicht verstanden. Und solltest du Kinder haben oder bekommen - viel Spaß mit den ADHS-Blagen.

      12.06.2015, 20:42 von quatzat
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    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

       Und solltest du Kinder haben oder bekommen - viel Spaß mit den ADHS-Blagen.
      jau. sonst noch was? oder wars das jetzt?

      15.06.2015, 07:47 von YOLK
    • 1

      ihr seid ein sehr alertes paar!

      15.06.2015, 08:49 von MaasJan
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  • 2

    Gazpacho, Milchnudeln, Rotwurst, Oliven, Spargel, Meerrettich, Rucola, lose Wurst, der Geruch von Nierchen im Topf.....bzw im ganzen Haus....zum Brechen

    12.06.2015, 13:56 von Jule86
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    • 0

      Spanische Suppe mit rohem Gemüse. 

      Wenn ich nur daran denke......großes Trauma in Llorett de Mar damals. Es sah lecker aus, nach dem ersten Bissen bin ich nicht nur aufgrund der Wärme aus den Latschen gekippt. 

      12.06.2015, 16:48 von Jule86
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    • 0

      Na doch, kann aber auch an der Zubereitung liegen, vielleicht schmeckt sie woanders besser. aber sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.

      12.06.2015, 16:53 von Jule86
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    • 0

      Hab grad was zu Gazpacho gelesen... Find ich jetzt auch erstmal undramatisch...

      13.06.2015, 10:11 von sailor
    • 0

      Ich bin aber echt mäkelig was Essen angeht.
      In der 2. Klasse zwang mich die Lehrerin mein Fleisch aufzuessen.

      13.06.2015, 14:41 von Jule86
    • 0

      Ich bin manchmal recht froh, daß ich da weitgehend befindlichkeitsfrei bin...

      13.06.2015, 16:03 von sailor
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  • 2

    Ich ergänze Blutwurst, Blutkuchen, Wurstbrät....wer als Kind erlebt, wie sich der Onkel beim Wurstmachen über den Bottich hängt, sich die Pampe innen an die Backe schmiert und dazu philosophiert: "Wenn's leicht fischig schmeckt, ist's gut", hat danach eine andere Sichtweise auf Wurst.

    Rosinen sind auch einfach nur bäh und somit auch Stollen, Apfelstrudel und Co.

    Und warmes Obst. Nein zu Toast Hawaii oder Hefeklößen mit Zwetschgenkompott!

    12.06.2015, 13:52 von .RehLein.
    • 0

      blutkuchen? muahahaha, oh mein gott und ich dachte, die blutklöße aus michel aus lönneberga könne man nicht mehr toppen. 

      12.06.2015, 19:58 von YOLK
    • 0

      Blutkuchen habe ich auch zum ersten mal gehört. Klingt für mich irgendwie nach Psycho.

      14.06.2015, 08:51 von Cyro
    • 1

      http://mobile.chefkoch.de/rezepte/m365091121985265/Thueringer-Blutkuchen.html


      Ich glaube das Rezept kommt hin. Ansonsten kann ich ja mit Thüringer Hausmannskost leben...aber das ist einfach bäh.

      15.06.2015, 16:01 von .RehLein.
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