DKMS - Ja, ich habe Stammzellen gespendet. Und würde es wieder tun.
Ganz ehrlich: Die Tatsache, registriert zu sein, ist das eine - aber dann als Spender in Frage zu kommen, doch etwas anderes...
Mitte August bekam ich Post von der DKMS - "...oh, Werbung!" - und legte sie auf den restlichen Stapel. Eine Woche später bekam ich einen Anruf von einer netten Mitarbeiterin, die mir auf den AB sprach und um kurzfristigen Rückruf bat . Etwas aufgeregt rief ich dort an und bekam die Info, dass ich als Spenderin in die engere Wahl käme! Ganz ehrlich: Die Tatsache, registriert zu sein, ist das eine - aber dann als Spender in Frage zu kommen, doch etwas anderes. Ich wurde auf die Post angesprochen - keine Werbung, sondern ein 4-seitiger Fragebogen. Ok, jetzt kam ich also in die engere Wahl - dazu musste ich zum Arzt gehen und mir dort 6 Ampullen Blut abnehmen lassen. Gar nicht schlimm, die nette Dame hatte alles organisiert, der Arzt wusste, das ich komme, hatte die Ampullen vor Ort und alles ging ganz schnell. Nun hieß es also warten (es kann 6-12 Wochen dauern, bis man Bescheid bekommt...) - aber, hoppla - 5 Tage(!) später bekam ich wieder eine Anruf, dass ICH ausgewählt worden sei und die Merkmale passten!
Toll - ICH darf spenden - ich war völlig aufgeregt und erzählte es sofort meinen Kollegen. Super! Ich wurde nochmals gefragt, ob ich spenden möchte und erneut über alle Risiken, etc aufgeklärt - nach meinem OK bekam ich dann einen Termin in der Uniklinik und musste zur Voruntersuchung (man möchte ja zum einen, dass ich fit bin und zum anderen sicher gehen, dass ich gesund bin...) Ein paar Tage später saß ich also in der Uniklinik - wieder wurde jede Menge Blut abgenommen - dann Urinprobe, EKG, Ultraschall und Lungenröntgen - alles bestens - ich durfte spenden! Nach einem langen Gespräch mit dem Arzt, einer Stippvisite bei einem anderen Spender und einigen Unterschriften bekam ich einen Beutel mit Spritzen. 5 Tage vor der Stammzellenentnahme wird das Blut aufbereitet, damit sich dort die Stammzellen sammeln - diese Spritzen konnte ich mir entweder selbst setzen oder zum Arzt gehen - 5x 3 Stück... Ich entschied mich fürs selber spritzen.
Ein paar Wochen und einen Rimini-Urlaub später ging es also los - Tag 1 der Spritzen: Ich sollte das erste Mal zum Arzt gehen, das tat ich auch - für ihn auch eine Premiere. Die Nebenwirkungen waren mir bekannt: Kopf- und Gliederschmerzen wie bei einer Grippe, hatte man mir gesagt, dagegen kann man aber Paracetamol nehmen. Nach dem ersten Tag dachte ich, ich hätte einen Sportmarathon hinter mir - alles tat weh. Am nächsten Tag hatte ich dann tierische Rückenschmerzen - nicht schön, aber alles ertragbar. Je mehr Tage vergingen, umso mehr hatte sich mein Körper wohl daran gewöhnt - ich fühlte mich nur etwas k.o. Am 27.09. war es dann soweit - mein großer Tag: Morgens um 8 Uhr ging's los!
Da ich - wie immer - noch nicht gefrühstückt hatte, wurde ich dazu erstmal genötigt: lecker Brötchen, Kaffee und Müsli. Dann nochmal zur Toilette gehen (man darf nämlich NICHT aufstehen!), und dann gings los. Zunächst wurde geschaut, welcher Arm der Entnahmearm wird. Dort kam eine starre Nadel in die Vene, an den anderen Arm kam eine biegsame - dort wurde der Rücklauf und das Calcium angeschlossen. Das Calcium benötigt der Spender, weil er bei der Entnahme auch ein Citrat bekommt. Der Körper reagiert darauf mit "eingeschlafenen Füßen" - einige Körperteile fangen an zu kribbeln, häufig im Gesicht. Das Calcium soll dies lindern - mehr dazu später.
Nun hieß es 5 1/2 Stunden an dieser Maschine liegen. Ich hatte das Glück, einen Bettnachbarn zu haben. Wir guckten dann ein wenig Mr. Bean - so ging die Zeit ganz gut um. Leider reagierte mit der Zeit mein Körper ganz schön heftig auf das Citrat, so dass mein ganzer Körper kribbelte - die Calciumdosis wurde immer höher gestellt, bis das Maximum erreicht war: keine Linderung. Die Ärzte besprachen sich und beschlossen, die Spende abzubrechen. Nach 4 1/2 Stunden reichte es aber zum Glück für den/die Empfänger/in! Eigentlich sollte ich den 2. Tag nochmal spenden, da recht viele Stammzellen angefordert worden waren, aber die Ärzte entschieden sich dagegen.
Ich war erleichtert, dass die Menge an Stammzellen ausreichte - aber die Kribbelei war immer noch da. Damit es besser wurde, bekam ich noch eine Kochsalzlösung: Hilft ja gegen Vieles! Und Tatsache, es wurde besser. Mittlerweile war mein Bettnachbar schon lange weg und meine Freundin kam zu Besuch - sie hatte sich nachmittags extra frei genommen.
Nun musste ich noch zur Nachuntersuchung (Ultraschall, da sich durch die Spritzen die Milz vergrößern könnte) und Nachbesprechung mit dem Arzt! Das war's! Gar nichts Wildes, aber die Chance, einem anderen Menschen das Leben zu verlängern.
Ein paar Tage später rief ich bei der DKMS an, denn ich war doch neugierig, wo meine Spende hingegangen war.
Ich erfuhr, dass meine Empfängerin in Schweden lebt und bereits 67 Jahre alt ist. Ich habe nun die Möglichkeit, ihr anonymisiert zu schreiben - das habe ich auch bereits gemacht! Nach 2 Jahren besteht dann die Möglichkeit - wenn beide einverstanden sind - dass man sich kennenlernt und die genauen Adressdaten bekommt. Ich bin gespannt! Jetzt heißt es erstmal Daumen drücken für die Dame! In ca. 2-3 Monate werde ich dann die Info von der DKMS bekommen, wie es der Empängerin geht - leider bekomme ich auch dann Bescheid, wenn sie es nicht schaffen sollte. Aberd aran möchte ich lieber noch nicht denken.
Also - falls Ihr es noch nicht seid: Lasst Euch typisieren! Denn jeder Einzelne zählt!
Übrigens, ich war glaube ich nur 3 Jahre registriert!"Wichtige Links zu diesem Text"
Offizielle Homepage der DKMS





Kommentare
Hab über meine Schule von der DKMS erfahren und mich direkt am 18. Geburtstag typisieren lassen :)
21.11.2010, 17:35 von liarsenicSchön zu lesen, wie das genau von statten geht.
@liarsenic Mittlerweile komme ich übrigens auch als Spenderin in Frage und habe Anfang Juli meine Voruntersuchung :)
07.06.2011, 17:23 von liarsenic@liarsenic ...oh, cool! :-) Ich drück dir die Daumen!
07.06.2011, 17:52 von CudiELeider habe ich kurz vor Weihnachten erfahren, dass es meine Empfängerin nicht geschafft hat :-((( Aber ab Ende des Jahres werden meine Daten wieder für den Pool freigegeben ;-)
Danke für diesen Artikel. Ich habe den Menschen in die Augen geschaut die diese Spenden bekamen. Es war die tollste Erfahrung meines Lebens. Danke für DEINE Hilfe!
20.11.2010, 09:04 von cadeauxDanke für die ganzen Informationen wie sowas von statten geht !!!!!
15.11.2010, 14:50 von krautsalatToller Text der Mut macht !!!!!!!!!
Ich bin schon lange als Knochenmarkspender regestriert, freue mich schon auf den Tag wo ich jemanden Helfen kann.
15.11.2010, 11:44 von Signum-weLoveDavon wusste ich gar nichts. Ich lasse mich gleich registrieren. Danke für den Hinweis.
14.11.2010, 16:32 von Freydis@Freydis ...super!!! Und nicht vergessen - weiter erzählen!!! ;-)
14.11.2010, 16:55 von CudiE@CudiE jajajaJAAAAAA, traget die frohe kunde in die welt hinaus und lasset alles wissen, "ICH! ICH!!! ICH habe geholfen, ICH habe mir ein wattestäbchen in den mund gesteckt!" und später: "hätte ICH! ICH!!! ICH nur geahnt, wie scheiße weh das tut und wie scheiße das ist mit einem resistenten keim und der scheiß-knochenmarksentzündung nach dieser scheiß-punktion! EINMAL habe ICH selbstlos gehandelt und dann DAS!"
14.11.2010, 23:06 von lavishmacht es und gut.
@lavish Lavish, sorry, dass ich in meiner Begeisterung für diese Sache nicht sooo selbstlos bin, dass ich das als mein kleines Geheimnis behalten habe.
19.11.2010, 22:04 von FreydisWas meinst du mit Knochenmarksentzündung? Ich bin in der Broschüre nicht drüber aufgeklärt worden.
In welcher Klinik hast du denn gespendet? Ich hab letztes Jahr in Hameln gespendet und da gab es in beide Arme biegsame Nadeln, sodass ich ganz bequem zwischendurch aufs Klo gehen konnte.
13.11.2010, 13:29 von caralenaIch wünsche dir und deiner Empfängerin alles Gute, meine ist im Februar aus dem Krankenhaus entlassen worden.
@caralena @caralena:
14.11.2010, 16:54 von CudiE...in Münster in der UniKlinik! Oh,ok... Da hattest du wohl Glück! Dank Dir für die Wünsche - ich drück auch noch ganz fest die Daumen! Hast du Kontakt zu deiner Empfängerin???
bin auch registriert! echt toll! :)
12.11.2010, 19:02 von sonnenseglerinder inflationäre einsatz von ausrufezeichen an unpassenden stellen nervt.
12.11.2010, 17:08 von pengBin auch regiestriert und ich finde es könnten mehr sein und da man nun gehört hat, ist die Spende nicht schlimm und sie kann helfen. TOP!
12.11.2010, 14:56 von FlymokatzeSuper! Es müsste mehr solche Leute wie dich geben...und nicht solche Feiglinge wie mich; hab so ne Angst vor pieksigen Nadeln, traue mich auch gar nicht Blutspenden, wobei ich das echt ne tolle Sache finde.
11.11.2010, 21:09 von topfbluemchenIch finde, so erreicht man zum Teil viel mehr Leute, über solche Berichte wie hier. Ich glaube, so fühlen sich mehr Leute animiert, auch zu handeln - mehr, als wenn sie nur an so nem Plakat vorbeihuschen und nen flüchtigen Blick drauf werfen...