estreja 28.06.2007, 20:09 Uhr 5 6

Das Spiel mit dem Tod.. oder dem Leben...

Ich erinner mich noch sehr genau... Wie es war und wie es sich angefühlt hat.

In der 6. Klasse muss es gewesen sein, oder besser gesagt hat es begonnen.
In der Schule, wir sind jung und unheimlich neugierig. Das Leben ist geil, wir sind stark und ohnehin nicht aufzuhalten.

Es ist einer dieser normalen Nachmittage. Eine Stunde Pause bis zum Nachmittagsunterricht. Wir sitzen am alten Schloss, ganz in der Nähe unserer Schule. Es sind meist die gleichen Leute die da sitzen. Wir rauchen, trinken ein wenig Spezi und die "Großen" haben sich ein Radler vom griechischen Imbiss um die Ecke geholt.

Das Wochenende wurde besprochen und, ich muss sagen, damals war weniger das Wochenende interessant, als die Schule unter der Woche. Da passierten immer all die aufregenden Dinge. Die Sachen mit den Jungs, die ersten Küsse, die ganzen Geschichten die man sich immer unbedingt erzählen musste, man glaubte es würde einem den Brustkorb sprengen wenn man es nicht sofort erzählte.
Wir waren immer auf der Suche nach einem neuen ultimativen Kick, etwa, dass das Vorherige noch in den Schatten stellen konnte.
Erst der Alk, dann der Joint . Dinge die man in trauter Zweisamkeit anstellte und noch mehr Drogen. Aber es muss doch noch weiter gehen, und was soll ich euch erzählen, es geht weiter...

Wer es war, der an diesem Mittag an dem Schloss uns von diesem neuen "Kick" erzählte, ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass wir alle Feuer und Flamme waren. Es auszuprobieren und zu erleben.

Schnell wurde beschlossen, dass ich eine der ersten sein sollte.

Schließe die Augen. Verschränke deine Arme und lehn dich an die Person die hinter dir steht, wurde mir gesagt und atme tief ein und aus. Hab keine Angst, es wird nicht weh tun und vor allem, vertrau uns…
Okay, einmal tief ein und ausatmen und los geht es.

Tanya, zählen werden wir, bis zehn und dann wirst schon sehen wie geil das ist.
Ich schließe die Augen und atme, langsam, tief und noch tiefer. Ich konzentrierte mich auf mein atmen und vergaß das wir mitten auf dem Schlossplatz standen, dass um mich herum einige Leute standen und ich gleich das Wahnsinnigste in meinem Leben erleben sollte…

Ich atmete, jemand rannte um mich herum und wie aus der Ferne vernahm ich das nahezu euphorisch und immer lauter werdende Zählen meiner Mitschüler.
Auf einmal schnürte es mir die Luft ab. Mit einem heftigen Ruck drückte der hinter mir zu und ich sackte in mich zusammen.
Ich glitt durch die Hilfe meiner Mitschüler auf den Boden und war bewusstlos. Doch wie fühlte ich mich?
Wie wunderbar leicht und wie warm. Ich hatte keinerlei Ängste in diesem Moment. Keinerlei Sorgen die meine Stimmung trübten. Ich war leicht, warm und glücklich, ja, das war ich. Einfach nur glücklich. Dieses helle etwas, dass mir zurief, Tanya, mach dir keine Sorgen, das ist richtig. Sich gut zu fühlen ist richtig und kann nicht falsch sein.

Wie viele Sekunden ich auf dem Boden verbrachte weiß ich nicht mehr. Ich flog, flog über meinen Körper, über diesen Schlossplatz, über die Köpfe meiner Klassenkameraden und wollte lachen. Wollte lachen und jedermann sagen und zeigen wie einmalig ich mich fühlte.

Den Schlag auf meine Wange, vernahm ich mit Missgunst. Mich aus diesem wunderschönen Gefühl zu reißen. Mir diese Wärme zu nehmen, die mir lange gefehlt hat. Was sollte das??
Ich wachte auf und schaute in mindestens 5 erwartungsvolle Gesichter. Ich war benommen und für diesen Mittag nicht mehr in der Lage mich mehr oder weniger geistreich zu artikulieren. Die Mittagschule ließen wir ausfallen und jeder kam mal dran. Welch wahnsinniges Gefühl und wie wurden wir süchtig danach. Das war unser Spiel. Schnell bildete sich eine Gruppe aus drei Mädels die dieses wunderbare Gefühl sich immer gegenseitig schenkten. Wir verabredeten uns während des Unterrichts auf der Toilette um mal „schnell“ in Ohnmacht zu fallen.

Bis zu diesem Tag im Kunstraum. Unsere Lehrerein war krank und wir waren mit Stillarbeit beschäftigt. Und „still“ waren wir ja wenn wir unserem Hobby nachgingen. Zuerst kam Mira dran. Diese kleine zierliche Person. Immer wenn ich an sie denke, sehe ich Ihre großen hellbraunen Augen und die vielen Sommersprossen, die sie zwar hasste, ihr aber ein unvergleichliches Äußeres gaben. Sie war klein und so zerbrechlich, steckte aber diese „Ausflüge“ in eine andere Welt ohne Probleme weg. Danach war Mo dran. Auch ich sollte meinen „Spaß“ heute wieder haben und ich bat Mo, diesmal fester zu drücken und Mira mich nicht gleich aufzuwecken. Es hatte sich so etwas wie Monotonie in dieses Spiel mit eingeschlichen. Wir waren ja schon Profis. Ich senkte den Kopf, begann zu atmen und zu zählen. Sie drückte zu und ich fiel um. Mira konnte mich nicht auffangen und ich fiel hart auf den Boden. Ich flog und schwirrte um mich umher und betrachtete mir die Gesichter meiner Freunde die um mich herum standen. Irgendwann begann Mira mit den Füssen zu scharen. Sie schaute auf Ihre blaue Swatch (das werde ich nie vergessen) und zupfte nervös an ihren langen Haaren. Sie schaute zu Mo und diese wurde ebenfalls nervös. Ich wollte ihnen zurufen. Dass mit mir doch alles okay sei und es mir gut, ja wunderbar ging. Aber sie hörten mich nicht. Mo schlug mir ins Gesicht und Mira begann zu weinen. Ich verstand nicht warum, aber mein Blick war getrübt, durch das wunderbare Gefühl, dass ich verspürte.
Mira wurde immer hysterischer und Mo schrie laut um Hilfe. Ich betrachtete es mir von oben und hatte das Gefühl ich müsse meine Freundinnen trösten. Mein Körper wurde von den beiden geschüttelt und reagierte nicht. Mo legte ihre Hand auf meinen Brustkorb und schüttelte verzweifelt den Kopf.
Mira schrie und der Rest der Klasse scharte sich um meinen Körper. Viele weinten und einige liefen hinaus um Hilfe zu holen. In diesem Moment verstand ich was passiert war. Ich atmete nicht mehr. Ich lag da, mit geschlossenen Augen und einem kleinen Lächeln auf den Lippen. Nur ich wusste, dass es mir gut ging. Nur ich konnte ihnen sagen, dass ich glücklich war und doch konnte ich es nicht.

Auf einmal wurde mir schlecht. Es wurde dunkel um mich und ich hatte Angst. Mir wurde kalt und ich bekam Panik. In diesem Moment schlug ich die Augen auf.
Mira schrie, weinte und lachte in einem. Mo schlug mir noch mit der flachen Hand ins Gesicht und ich begann zu weinen. Wir hatten mit unserem Leben gespielt, mit dem Tod und waren noch mit einem blauen Auge davon gekommen.
Nie werde ich dieses sichere Gefühl vergessen, dass ich in diesen Sekunden verspürt habe. Nie. Aber auch nie werde ich die blanke und nackte Angst in den Gesichtern derer vergessen, die sich um sich sorgten…

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5 Antworten

Kommentare

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    Fällt wohl in die gleiche kategorie wie die aorta am hals abzudrücken um sich ins fröhliche nirvana weg zu schießen...

    Ich weiss warum ich immer lieber zu den "ehrlichen" mittelchen der bewusstseins veränderung gegriffen habe statt so ein zeugs zu probieren.
    Gut geschrieben trotzdem ;)

    12.07.2007, 07:28 von leBosh
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    yep, erinnere mich, nich gut...

    ...abba gut erzählt!

    ;-)

    12.07.2007, 07:20 von Kiyan
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    Das Spiel mit dem Solarplexus, das haben wir alle gemacht.....bis was beaebgstigendes passiert ist.
    Deine Story ist super geschrieben Schnecke. Gefeallt mir sehr gut.

    10.07.2007, 11:44 von Nisha_212
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    daher das interesse also :)

    29.06.2007, 17:21 von zett
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    ich bin mal ganz ehrlich und gestehe, dass ich garnicht weiß, wie das funktioniert ;-)
    schon heftig was du da schreibst und wohl eine lehre für`s leben.
    und lässt sich wieder sehr gut lesen ;-)

    28.06.2007, 21:48 von Sasou07
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