Goldmarie86 12.12.2012, 14:47 Uhr 0 1

Das Mädchen und das Sein

Und dann kam er, aus dem Nichts, ein kleiner Jemand lud einen schweren Stein auf ihrer Brust ab und war auf und davon.

Und dann kam er, aus dem Nichts, ein kleiner Jemand lud einen schweren Stein auf ihrer Brust ab und war auf und davon, ohne zu beabsichtigen ihn jemals wieder abzuholen.
Seitdem liegt er da, gräbt sich immer tiefer in ihren Brustkorb, macht das Atmen schwer.
An manchen Tagen ist sie vor dem Stein wach, dann liegt sie ganz ruhig um ihn ja nicht aufzuwecken. Diese Minuten sind meist die einzige Gelegenheit tief Luft zu holen und die Lungen mit Sauerstoff zu füllen.
Mit aller Kraft atmet sie dann ein, und man könnte meinen es sei ihr letzter Atemzug, so viel Luft presst sie in ihre kleinen Lungen.
Pssstttt.... doch dann geschieht es, der Stein erwacht, er ufft und ätzt und fängt an seine Gedanken zu sortieren "Warum bin ich hier?" fragt er sich dann. Doch es fällt ihm meist auch gleich wieder ein und noch einmal seufzt er tief. Dann macht er sich ganz schwer und drückt sich immer tiefer auf die Brust des Mädchens und vor Anstrengung steht ihm der Schweiß auf der Stirn. "Mhhhh" ätzt er dann.
Wenn das Mädchen dann das Haus verlässt und sich auf den Weg zu ihrer Arbeitsstelle macht, hat der Stein meist schon mehrere Zentimeter tiefe Furchen in die Brust gequetscht. Und wenn das Mädchen dann in die Straßenbahn steigt, dann droht sie beinahe zu ersticken, ist doch kaum Sauerstoff zwischen den vielen Menschen und Sitzen und Haltestellen und Orten.
Es gibt Tage, da schafft es das Mädchen nicht, morgens tief genug Luft zu holen. An diesen Tagen muss sie sich die wenige Luft gut einteilen, also atmet sie flach und langsam und konzentriert. Menschen muss sie dann meiden.
Eines Tages, so hofft sie, wird sie den Stein loswerden, ihn aus ihrer Brust reißen, ihn packen, an sein scharfen Kanten und ihn fortwerfen, so weit wie sie kann, mit aller Kraft. Dann wird er zerspringen, in viele kleine Teile, und nie mehr wird er zurückkommen können und ihr die Luft zum Atmen nehmen.

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