stereoG 05.12.2012, 20:46 Uhr 27 17

Weihnachtsfeier

Nix neues aus dem Hause G

Ein letzter Blick in den Spiegel, ob alles sitzt, dann geht es los in das Restaurant zum Essen. Ich sehe sehr gut aus, mit dem Mantel sogar noch besser. Am Alex muss ich auf eine Atze warten und komme dadurch wieder in den Genuss blöde Menschen in freier Wildbahn zu erleben. Ein Königreich für ein Gewehr, doch im Moment muss mein Blick reichen um zu töten. Klappt aber nicht, doch ich erspähe meinen Kumpel. Hat ja nur zehn Minuten Verspätung.

Nach zwei Kippen sind wir an dem Restaurant angekommen, das uns dieses Jahr die Grundlage für das offizielle Besäufnis verschafft. Wir küssen links, rechts, links zur Begrüßung bei unseren hübschen Kolleginnen, weil wir die Stars im Betrieb sind und blendend aussehen. Jemand sagt: "Gut gebräunt, Bateman!" Keine Ahnung, wer die niederen Belegschaften eingeladen hat, aber man erkennt sofort, dass die hier nicht hin gehören. Ein Haufen ausgebrannter Tränensäcke, deren beste Zeit in einem anderen Leben war. Aber man trifft auch Kollegen wieder, die wissen worum es geht. Nämlich auf Kosten des Hauses richtig einen zu ballern.

Das Essen und ein paar Schnäpse haben wir schnell hinter uns und die coolen Leute hängen gleich aufeinander und schmieden Pläne für später, wenn der offizielle Teil vorüber ist. Die Hälfte der Kolleginnen sind nach zwei Weißweinschorlen ziemlich angeschossen, so dass der Weihnachtsfeierpunkt bei den Meisten schon als gemacht gilt. Also alle Konzentration aufs Ballern. Der Chef ordert eine Runde Aquavit für alle und dann geht es weiter zum Bowling, wo ich gleich auf Long Island umsteige. Die Weiber pilgern in Zweier- und Dreiertrupps aufs Klo. Die Männer aber auch, denn fast jeder hat sich mit Charlie eingedeckt und so wird kaum gebowlt. Hat eh keiner Lust drauf, weil die Zusammensetzung der Bahnen ausgelost wurde und kein Mann mit ein bißchen Selbstachtung und einem 160er Schnitt würde mit diesen Lachsen gesehen werden wollen. Usain Bolt rennt doch auch nicht bei den Paralympics mit.

Ich bin den Long Island zu schnell angegangen und merke wie ich zügelloser fast allem Weiblichen im Bowlingcenter Aufmerksamkeit schenke. Mehr als mir lieb ist. Zunächst mecker ich erstmal, was das für ein Bowlingcenter ist, wenn es hier nicht mal White Russian gibt. Osten halt, kann froh sein, dass es überhaupt etwas anderes als Futschi gibt. Der Long Island ist aber gut gemacht, man schmeckt den Alk kaum raus. Sozial wie ich bin, habe ich diese Erkenntnis mit den Kolleginnen geteilt, die sich nun wie Ostler auf die Bananen darauf stürzen. Nennt mich Armor, denn nun sollte auch der letzte Hänger zu einer Nummer kommen.

Aus dem Klo kommen sie geknickt heraus. "Was ist los?" - "Da kann man nicht ziehen!", antwortet es mir unisono. Einmal mit Profis, denke ich und klaue eine CD-Hülle hinter dem Tresen, als die Tresenkraft sich umdreht. Darauf wären die nie gekommen. Der Titel lautet "White Christmas". Wenn das kein Zeichen ist. Wir belegen eine der zwei Kabinen und das Folgende ist schon zu oft beschrieben worden. Immer wieder faszinierend, wie sich Männer liebevoll und behutsam benehmen können. Möchte zu gerne wissen, wann ihre Frauen das letzte Mal so umsorgt wurden wie diese Lines, die sehr großzügig ausgeteilt werden. So schnell geht das: Eben noch am Boden zerstört und nun himmelhoch jauchzend. Man bietet mir die letzte Line an, aber ich verzichte zugunsten des Streits darüber, den ich erwarte, wer denn stattdessen ruppen darf. Falsch gedacht, das größte Alphamännchen knallt sie ohne zu fragen weg, ohne dass es Aufstand gibt.

Die Reste auf der Hülle reibe ich mir ins Zahnfleisch und - jawohl - das Zeug ist richtig gut, denn meine Fresse ist sofort taub. Ich behalte die Hülle erstmal, denn der Gang zum Klo wird bestimmt noch öfter gegangen werden. Als nächstes sind die Perlen dran, während ich zu einer Bahn beordert werde, an der Cheffe und Konsorten bowlen wollen. Das wird kein Fest, da die genauso ekelhaft ehrgeizig sind und schlecht verlieren können wie ich. Zusätzlich sind sie jetzt auch noch gedopt und angetrunken, während ich nach zwei Long Islands erstmal bei Cola bleibe. Mit dem Trinkhalm sieht es wie ein Long Island aus. Wir bowlen auf Augenhöhe, grölen und pöbeln mit Zitaten aus "Big Lebowski" oder "Kingpin" rum und ab dem 8. Wurf räume ich nur noch ab und gewinne die Champions League. Als Siegerpokal darf ich die Hülle behalten, denn man weiß ja nie, wie Koksunfreundlich die nächsten Kneipenklos werden. Außerdem bin ich der anscheinend Nüchternste und Zuverlässigste in den Augen der Druffis. Ich bin erstaunt, wie schnell die drei Stunden auf der Bowlingbahn vorbei gerast sind.

Die Luschen der Belegschaft torkeln nach Hause und der größere Trupp fällt in die Taxen zu der Kneipe vom letzten Jahr, in der wir bis Dienstbeginn soffen. Ich lande in einem Taxi mit den Perlen, die lattenstramm sind und gacker mit denen um die Wette. In der Kneipe sind nur wir und eine andere Weihnachtsfeier beim inoffiziellen Teil. Und wie es nun mal ist, kennen sich die Ostler untereinander und der Rest des Abends wird noch geiler. Ich stromer auf einem guten Turn von Haufen zu Haufen bis ich am Kickertisch lande, wo Cheffe gegen zwei Typen von der anderen Firma kickern will. Kokskickern sollte unbedingt olympisch werden, ein absolutes Highlight wie die hektisch mit den Stangen hin- und herrockern. Die Emotionen sind großes Kino und bald haben wir den ganzen Laden als Publikum, das mitjubelt oder -stöhnt bei dem spannenden Match. Nein, Argh, Schwul, Uuuuuh, Jaaaaaaaaaaaaaa!

Als große Nummer im Kickern entscheide ich das Spiel für uns. Danach geht es aufs Klo. Der Alk in mir ist verschwunden und ich spüre wie konzentriert und überlegen ich der Welt bin. Neben mir mühen sich zwei bei einer Suffnummer ab und aus der anderen Kabine erklingt der vertraute Sound von Kreditkarten, die hackend auf eine CD-Hülle treffen. Man kann es auch übertreiben. Gleich halb vier, kann nicht glauben, dass wir schon wieder drei Stunden hier sind. Die Feier wird so schnell nicht enden, also kaue ich ein paar Ohren ab, bis ich mit Atze einen polnischen Abgang zu ihm hinlege. Wo war der eigentlich den ganzen Abend?

Halb sechs sind wir bei ihm und er will sich runterkiffen, während ich am Kaffee saufen bin. Falls das Charlie nachher abbaut, fängt mich das Koffein wieder auf. Um Acht geht der Job schon wieder los und das gibt richtig Pluspunkte, wenn wir pünktlich und frisch auf der Matte stehen. Ich bekomme heraus, dass er ein Teil der mühevollen Suffnummer war, während ich irgendein Ballerspiel auf seiner Konsole spiele und mich in sämtlichen Highscores verewige. Ich rede ihm ein paar fiese Gedankenspiele ein, dass er die Perle geschwängert hat und so. Nach der Dusche und einem Espresso erreichen wir pünktlich unseren Arbeitsplatz, küssen verstrahlt links, rechts, links alle Kollegen zur Begrüßung und bedanken uns für die tolle Feier gestern bei der Vize-Chefin. Die mustert uns entsetzt: Ihr habt doch die Woche frei genommen, weil ihr noch zwei weitere Weihnachtsfeiern habt. Also keine Pluspunkte gemacht. Im Gegenteil. Und die Weihnachts-CD hab ich auch noch in der Tasche. Die kann ich wenigstens noch verschenken. 

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27 Antworten

Kommentare

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  • 0

    TipTop!

    02.01.2013, 14:31 von Daner
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  • 1

    ich persönlich finde ihn langweilig. und ein bisschen weniger arroganz würde dem lyrischen ich ganz gut tun^^

    14.12.2012, 14:30 von Nana1409
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  • 1

    ehrlich gesagt wird mir nicht klar, warum der text es auf die Startseite geschafft hat. Ziemlich banal. Und ist die Hybris als Stilmittel gewollt?

    08.12.2012, 10:59 von Schniebline
    • 0

      Hab einmal Geld gezahlt und nein, keine Hybris, eher Darstellung banaler Begebenheiten.

      09.12.2012, 01:49 von stereoG
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  • 0

    Gewisse Längen ja, wirkt auch wirklich hingerotzt, aber trotzdem noch gut. Und doch nicht mein Thema.

    07.12.2012, 17:01 von marco_frohberger
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  • 0

    Na, DA war ja mal was los^^

    06.12.2012, 22:51 von Emil_Empire
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  • 3

    obwohl das so hektsiche geschrieben is, ziemlich langatmig und langweilig.

    06.12.2012, 20:19 von IceIceFriedhelm
    • 0

      *hektisch

      akuter wurstfingeranfall

      06.12.2012, 20:20 von IceIceFriedhelm
    • 0

      ich bin irgendwie unterwegs eingeschlafen

      06.12.2012, 21:34 von Gluecksaktivistin
    • 1

      tja hättest du mal gekokst.

      06.12.2012, 21:55 von IceIceFriedhelm
    • 1

      erinnert nen bisschen an "sowas von da", das war genauso langweilig und genauso hektisch.

      07.12.2012, 09:20 von halbkindmf
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  • 0

    Kurzweilig mit tollem Rhythmus.
    Liest sich, als ob es ma eben hingerotzt wurde. Das ist positiv gemeint und gefällt.

    06.12.2012, 20:04 von RAZim
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  • 4

    @ Waschbär: Lidocain wird nahezu immer als Streckmittel verwendet, weil es die
    besagten Regionen (Zahnfleisch, Schleimhäute ect.) ähnlich wie reines
    Kokain betäubt.

    Gutes Kokain wird man in Europa soweiso nie
    bekommen, wenn man nicht gerade mit der Mafia auf Du und Du ist. Aber so
    lange es noch Idioten gibt, die für einen
    Koffein/Lidocain/Amphetamin-Mix mit Spuren von Kokain den Gegenwert
    eines guten Abendessens plus diverse Drinks zu zahlen bereit sind, ist
    alles gut.


    06.12.2012, 18:27 von holo...
    • 0

      Koffein/Lidocain/Amphetamin/Glas/something-Dreckszeug

      06.12.2012, 23:10 von derWaschbaer
    • 1

      Ja, es gibt definitiv nettere Arten, sein Geld sinnlos zu verbrennen...

      07.12.2012, 01:20 von holo...
    • 1

      bingo.
      das vertriebsbeliebte, weil wesentlich günstigere Derivat

      die gleiche Betäubung, die n Zahnarzt verpasst.

      07.12.2012, 02:41 von schauby
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  • 0

    Ossis sind gar nich soooo schlümm ;)

    06.12.2012, 18:04 von schnutopard
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  • 0

    Welche Branche? Versicherung?


    Und Long Island ist mal echtes Teufelszeug.

    05.12.2012, 22:31 von Pixie_Destructo
    • 0

      Richtig böse ist und bleibt der "Zombie"...


      Ja, das ist wirklich ein Cocktail. Und der ist...poah!

      07.12.2012, 12:47 von independentdreamer
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