RetrospektivMalSehen 12.01.2012, 23:31 Uhr 0 0

Und ich plane meinen Abgang.

Und ich sagte noch.. Adieu!

Und ich packe einfach meine Sachen, Ihr ahnt noch nichts, liebe Menschen, die Tag ein, Tag aus mit mir Zeit verbrachten.

Ich plane meinen Abgang, ganz still und leise sitze ich hier und plane vor mich hin und schreibe diesen Brief.

Es ist 9 Uhr, ich werde das Büro betreten, so wie jeden Morgen sonst auch, ein neckisches Lächeln ziert meine bartumrandeten Lippen, ich begrüße Euch alle, es wird ein sonniger Morgen sein - für mich.

Ich checke meine Mails, so wie sonst auch, das Telefon klingelt, ich hebe ab, wie immer. Ich funktioniere, bin freundlicher denn je.  Ich scherze mit Euch, meinen lieben Kollegen, Euer merkwürdiger Humor und all die Oberflächlichkeit, ihr werdet mir fehlen.

Wenn du im Nachhinein diesen Brief lesen wirst, bemerkst du vielleicht, dass ich im Laufe des Tages mehr und mehr in meiner Schublade krame, diese Schubladen waren mein Leben, Teebeutel, Post-its, vollgeschriebene Collegeblöcke, Telefonnummern, Emailadressen, so viele Geschichten stecken in dieser Schublade, auch eine Weihnachtskarte von einer lieben Kundin, an mich adressiert. Ich packe sie ein, sie ist weg, die Karte, wenn Du Montag meine Schublade öffnest und ich bin es auch. Weg.

Ich bedanke mich, ganz still und leise, auf diesem Weg, der, sehr förmlich ist, wenn ich bedenke, dass Ihr ihn gar nicht verdient.. diesen Brief. Hart war es bei euch, lehrreich zugleich, vermehrt unerträglich in letzter Zeit. Ich möchte mich nicht mit gesprochenen Worten verabschieden, lieber mit diesem Brief, werde ich doch so leicht emotional und verdrück womöglich noch eine Hassträne vor lauter Wut oder lauter Erinnerungen, die mich jeden Tag zu dir schleppten, liebes Büro.

Meine Schublade wird nun gleich leer sein. Aber erstmal verschwinde ich in die Mittagspause, sage Adieu und schlender in den Park, so wie sonst auch immer, setze mir vorher noch Wasser auf, um meinem letzten Teebeutel, den ich in meiner Schublade fand, noch eine Verwendung zu schenken. Im Park sind wie immer viele Hunde, leider konntet ihr nie sehen, wie sehr ich diese Pausen genossen habe, so ganz ohne Euch, ohne das Telefon, ohne Eure nervigen Stimmen, ein laues Lüftchen und mein Butterbrot, ja wir verstehen uns gut.

Ich tippe nochmal schnell den Schalter des Wasserkochers um, tunke meinen Beutel in meinen Lieblingsbecher und kehre zurück zu Dir, liebes Büro. Ich begrüße Euch wie immer mit einem Bonjour. Meine Pause war gut, sonnig wars, werde ich sagen.

Es wird bald dunkel sein und ich denke mir, bald gehst du Heim, Heim mit einem guten Gefühl. Ihr werdet diesen Brief erst Montag lesen, ganz in der Früh, zu gern würde ich Eure Gesichter sehen, Eure Reaktionen, Emotionen.. und besonders den Moment, in dem Ihr die Pfandflasche entdeckt, die ich Euch als Erinnerung an mich hinterließ.. in meiner Schublade.. für Euch, als Erinnerung an den Jungen, der so gerne Cola trank. Light. Und mit diesem Gefühl sage ich Adieu, ganz light!

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