freilaufmenschen 19.01.2012, 22:55 Uhr 18 3

Richtungswechsel

Manchmal muss man erst am Ziel ankommen, um zu realisieren, dass man nicht sein eigenes Ziel verfolgt hat.

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Alles fing damit an, dass ich einen Job bei einem angesehenen DAX Unternehmen angenommen hatte.

Der Traumjob schlechthin - die Art von Job zu dem Alle einem gratulieren und man sich heimlich selber voller Stolz auf die Schultern klopft.

Einer der Jobs, die als Volltreffer angesehen werden, in einem dieser großen und modernen Glasgebäuden.
Die, die von außen wie eine Aneinanderreihung hunderter Schaufenster aussehen.
Die Gebäude, an denen ich früher staunend vorbeilief und mir dachte: “Wenn ich da irgendwo mein eigenes Büro habe, dann habe ich es geschafft!”

Und als ich dann in dem Büro stand, mit meinen 30 Jahren, hatte ich keine Ahunng, was nun als nächstes kommen sollte.

Da stand ich also nach all der langen Zeit und der harten Arbeit und hatte endlich erreicht, was ich wollte.

Den Tag hatte ich mir immer so pompös vorgestellt. In meinen besten Klamotten stand ich also da, mit meiner Aktentasche in den Händen. Um mich herum lauter wichtig dreinblickende Menschen, die sich nicht für mich zu interessieren schienen.

Es war ganz verrückt, genau in dem Moment wusste ich, dass ich alles schlagartig ändern musste. Plötzlich musste ich an den Obdachlosen denken, der mich am Morgen vor dem  Glasbüro um eine Zigarette gebeten hatte. Wie absurd das doch alles war.

Ich hatte keine Ahnung, was ich wollte, aber eins war kristallklar. Nämlich, dass ich dies nicht wollte.

Nämlich in diesem Glaskäfig sitzen. Einem Büro, das nun weniger einem Schaufenster, sondern einem Aquarium glich. Einem Aquarium, in dem kaum Luft zum Atmen bleibt und in dem die großen Fische die kleinen auffressen.

Vor allem wollte ich eines nicht: Nämlich Teil dieser wichtig dreinschauenden Menschen werden. Ich wollte nicht dazugehören. Ich wollte nicht wichtig sein. Oder so tun als ob. 

Sie taten mir einfach nur leid! Wie sie paddelten und paddelten, um ein wenig Luft zu erhaschen. Oder den sehnlich herbeigesehnten Klopfer auf die Schulter vom Herdenvorsteher.

So habe ich meine Tasche abgestellt und bin rausmarschiert, so lange es noch ein Entkommen gab. Nie wieder habe ich mich umgedreht. Wohin es nun gehen sollte, wusste ich noch nicht. Aber eins wusste ich ganz gewiss: Auf keinen Fall zurück.

Heute laufe ich an diesen Glaskäfigen vorbei und denke mir, was für eine verkehrte Welt.

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18 Antworten

Kommentare

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  • 0

    tja, steam kam und die 

    Kommentare mit ihm ;-))

    so ist´s recht. 

    25.04.2012, 14:09 von steam
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  • 0

    Danke für dein Feedback - den Einschub mit dem Obdachlosen hast du falsch aufgenommen, eigentlich ging es mir darum, den Unterschied zwischen den wichtigtuenden und oft ignoranten Angestellten im Glaskäfig und den ärmeren Schichten der Gesellschaft aufzuzeigen und dass es durchaus Wichtigeres gibt, als irgendeinem gut bezahltem Job nachzurennen, der einen nicht glücklich macht. Damit wollte ich sicher nicht ausdrücken, dass Obdachlossein besser ist als in einem Glaskäfig zu arbeiten. Da würden dir wohl auch 99% der Obdachlosen widersprechen!
    Leider geht es vielen Menschen so wie dem Protagonisten, jedenfalls kann ich das aus den vielzähligen Reaktionen auf meinen Blog zum Thema "endlich glücklich im Beruf" entnehmen. Man läuft Zielen hinterher, die nicht die eigenen sind und merkt es erst, wenn man angekommen ist. Dann fällt es vielen Menschen sehr schwer, noch mal die Richtung zu wechseln. Da kannst du dich glücklich schätzen, dass dir das noch nie pasiert ist. Nicht jedem fällt es leicht, seinen eigenen Weg zu gehen!

    25.04.2012, 10:23 von freilaufmenschen
    • 0

      Frach mich nur, was daran neu sein soll und warum man für sone Binsenweisheit nen dedizierten Blog braucht. Außerdem werden _mir_ die Obdachlosen wohl kaum widersprechen, sondern eher _dir_.

      Is ja auch wurscht.

      Haste nochn anderen Blog?

      Endlich n Ständer im Bett?

      oder

      Endlich ein Kind?

      oder

      Endlich befreit Stuhlgängen.

      25.04.2012, 14:35 von quatzat
    • 0

      hellau quatzat,


      frage mich, was an den sich millionenfach wiederholenden Langweilbeziehungskisten-berichten neu ist, dass sie hier taeglich dem User vor die Birne geknallt werden. 

      Habt ihr sonst keine Probleme ?'  Dann muss DE ein Paradies sein?  Hab ich leider nicht mitbekommen, als ich noch dort lebte ;-((

      25.04.2012, 17:10 von steam
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  • 2

    Also mal ganz abgesehen von dem kitschverbrämten Blah außenrum: wenn mir Leute sone Geschichte erzählen, von wegen Erleuchtung usw., die sie gerade im Augenblick des Erreichens eines Zieles hatten, dann frag ich mich immer, warum haste da denn nicht mal früher drüber nachgedacht? Biste nich in der Lage, dich in andere Lagen hineinzuversetzen? Zu wenig Phantasie? Kiff maln bisschen.

    Mir kommt das dann eher immer so vor, dass der eigentlich Antrieb nicht erkannt wird. Zwanghaftes Anders-sein. Triebgesteurte Profilneurose. Impliziert durch gesellschaftliche Zwänge. Aus so einer Perspektive sind dann diese Leute weit mehr getrieben als die grauen Büromulis.

    Außerdem würd ich gerne mal wissen, woher der Protagonist dieses Ergusses sich so sicher sein will, dass ihm die Welt der Obdachlosen besser gefällt. Abgesehen von diesem studentischen, unbewußten Zynismus kann ich mir nicht vorstellen, dass er sich auf seine bisherigen Erfahrungen mit seiner Vorstellungskraft verlassen kann.

    25.04.2012, 08:34 von quatzat
    • 0

      Ja, der Einschub mit den Obdachlosen ist besonders dumm.

      Auch mit den Zwängen hast Du recht. Ich kenne einen, der hat Jura studiert, ist Anwalt geworden, mit grandsiosem Abschluss. Am dritten Tag in der Kanzlei, die ihn sofort nach dem Studium übernommen hatte, hat er gemerkt: Was fürn Scheiß.

      Allerdings hat dieser Typ relativ zeitnah gecheckt, dass er den ganzen Jurakram nur durchgezogen hatte, weil sein Vater ihm das von klein auf eingeimpft hatte. Er meinte, bevor er dann in sein Ursprungsland abgereist ist, dass er nur ein-zwei Mal in diesem Büro hocken musste um zu merken, dass er das keinen einzigen weiteren Tag aushalten konnte-geschweige denn ein ganzes Arbeitsleben.

      Das einzige was er bis heute bereut ist, nicht genug Durchblick gehabt zu haben, um das schon vorher zu merken und er vor allem nicht schon viel früher den Mut gehabt hatte, damit aufzuhören.

      25.04.2012, 09:03 von Sterling4ever
    • 1

      Jepp. Insofern ist das auch keine wirklich nennenswerte Erkenntnis sondern einfach nur eine zwangsläufige Entwicklung.

      Neben der aus Sicht des Schreiberlings wesentlich interessanteren Möglichkeit des unglücklich Werdens.

      25.04.2012, 09:33 von quatzat
    • 0

      @quatze

      Hätte man nicht besser sagen könne, als Du es in Deinem Ursprungskommentar gemacht hast...

      25.04.2012, 10:03 von Chiral
    • 0

      "
      Jepp. Insofern ist das auch keine wirklich nennenswerte Erkenntnis sondern einfach nur eine zwangsläufige Entwicklung."


      Was waere denn z.B.  ne nennenswerte Erkenntnis, quatzi ??

      Nenn doch mal ein paar.  Es gibt viele Erkenntnisse, die die Menschen vor Tausenden von Jahren gesammelt haben, nur umgesetzt wurden sie leider nicht.  Der Mensch im allgemeinen, schein sehr traege zu sein, wenn es um das  Umsetzen von Erkenntnissen geht.

      Auch eine alte Erkenntnis muss immer wieder ins Bewusstsein zurueck gebracht werden, damit ueberhaupt etwas geschieht.

      Eine Erkenntnis allein nuetzt nichts, wenn man sich danach ins Bett legt und sagt:  "Tja, das Leben ist hart und ungerecht. Warte ich mal ab, ob es sich bessert"

      Jedes Extrem ist schaedlich.  Ein zwanghaftes Anderssein ist ebenso dumm, wie ein freiwilliges "sichvordenkarrenspannenlassen".  Und das ist wohl die haeufigste Gangart im Leben eines Normalverbrauchers. 

      25.04.2012, 17:18 von steam
    • 0

      ..scheint...

      25.04.2012, 17:21 von steam
    • 0

      Ich find die Erkenntnis in dem Moment auch etwas seltsam. Wenn man den Text wörtlich nimmt. Sie hat die ganze Zeit darauf hingearbeitet und im Moment der Zielerreichung entscheidet sie sich spontan um, weil die Atmosphäre ihr nicht gefällt, die Anzugträger so wichtig tun. Warum hat sie es nicht einfach mal ausprobiert, frage ich mich da?

      Vielleicht wäre sie glücklich in dem Beruf geworden, vielleicht ist sie es auch jetzt. Was jetzt besser gewesen wäre, kann man gar nicht so genau sagen. Man verändert sich mit den Dingen, die man tut und im Nachhinein stellen die meisten, die jeweiligen Entscheidungen als die einzig guten und richtigen hin. Ist doch ganz klar.

      25.04.2012, 18:52 von Hildegunde
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  • 1

    Leider hat man nicht immer die Wahl... wenn äußere Umstände einen zwingen... Und auch die Menschen in den Glaskästen muss es geben, damit Platz genug ist, für alle die frei laufen möchten.

    25.04.2012, 07:26 von Mrs.McH
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  • 0

    Ein Herzchen gibt es nicht für den Stil oder die Textqualität, sondern allein für den im Beitrag beschriebenen Mut etwas fallen zu lassen, an dem man eigentlich hart gearbeitet hat. Wenn es nicht mehr das richtige ist, sollte man gehen. Die wenigsten tun das. Echtes Loslassen können will gelernt sein.

    25.04.2012, 07:08 von Sterling4ever
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  • 0

    Unglaublich,  kein einziger Kommentar.


    Du hast absolut das Richtige getan.  Jedenfalls aus deiner Sicht. Und ich haette nicht nur die Aktentaschen dort stehen lassen, sondern meine Schuhe auch gleich, um schneller rennen zu koennen. 

    Vielleicht hast du deshalb keine Resonanz hier bekommen,  weil du die meisten Neon-pupser "erwischt" hast.  Sie machen naemlich nix anderes. Sind ein Teil eines Uhrwerkes, in dem jedes Raedchen mitlaufen muss. 

    Sie schaemen sich, dies zuzugeben.  Gratuliere dir zu deiner  Beschreibung. 

    ok. nicht jeder kann selbststaendig sein und seinem erwuenschten Beruf nachgehen. Dafuer gibt es genug Gruende.

    Und aus diesen Situationen  entsteht Frust. 

    Wenn du mal viele "magichpunkte"  erhaschen moechtest, schreib eine Traenendrueckerlovestory. Die kommt hier immer an.  Oder philosophiere dir Probleme herbei. Wird auch immer gern genommen bei NEON ;-)

    Schreib aber niemals etwas, was dein Selbstbewusst sein erkennen laesst,  dann hagelt es aber sowas von......

    Und moechtest du ordentlich viele Kommentare ...............dann schreib so wie ich ;-))

    hab ein schoenes Leben 

    25.04.2012, 01:44 von steam
    • 1

      Sie machen naemlich nix anderes. Sind ein Teil eines Uhrwerkes, in dem jedes Raedchen mitlaufen muss


      Ach was, wir sind alle freie Individualisten, die völlig konträr dem Mainstream gegenüberstehen...

      Weisst was sunnyboy, dass schlimmste an Dir ist, dass Du die leute mittlerweile selbst in Schubladen steckst... finde ich ganz übel (jaja, dass ist Absicht, um zu provozieren, iss klar, aber ist trotzdem kein guter Charakterzug...find ich)

      25.04.2012, 10:06 von Chiral
    • 0

      nein, chirilein, sie stecken bereits in Schubladen.


      Diese Arbeit habe ich mir noch nie gemacht, irgendwen irgenwo hinzustecken:-)

      du weisst: von Natur aus  "faules Schwein".

      Und:  der Zweck heiligt die Mittel.

      Ich habe ein grosses Erfahrungspotential. 

      Du kannst dir ja die Muehe machen und mir dasGegenteil von dem, was ich schrieb, behaupten.  
      Wie viele von den Deutschen sind selbststaendig UND gluecklich in ihrem Beruf ??

      die kannste fast an deinem Haendchen abzaehlen.

      25.04.2012, 14:22 von steam
    • 1

      hmm, naja, ok, dass mit den übellaunigen Deutschen unterschreib ich Dir...^^

      (ich weiss warum ich Italien so gerne mag...^^)

      25.04.2012, 15:28 von Chiral
    • 0

      :-))   siehste.


      und ich die Suedamerikaner,  speziell die unzuverlaessigen,  aber froehlichen Venezolaner :-)

      25.04.2012, 17:23 von steam
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