ksc 30.11.-0001, 00:00 Uhr 12 2

Quit Job go surf

Jeden Morgen, wenn du im Office deinen Rechner anknippst, schaust du als erstes wie das Wetter zum Beispiel, in Kuala Lumpur ist.

Wie koennte das Leben dort wohl sein? Welche Moeglichkeiten gibt es dort und wie ist das Wetter in Buenos Aires?
Neben deiner Matratze stapeln sich die Reisemagazine und dein Gewuerzregal ist voll mit Curry und Chilli und getrocknetem Koriander. Du liesst Buecher ueber einsame Surfer auf der Suche nach der Welle und von Abenteuern auf der Panamericana.

In deiner Stadt suchst du nach Details, im Regen, die dich an Kuba erinnern, wenn du die Augen zukneifst und verschwommen siehst. Und du liebst das Viertel um den Hauptbahnhof, in dem es nach Gewuerzen und Urin riecht, die Menschen fremde Sprachen schreien und die Werbung handgepinselt ist.

Du sitzt in der Bahn und zaehlst die Regentropfen auf dem Fenster, die sich tragisch verzerren, das kommt durch den Fahrtwind.
Woanders ist jetzt Sommer, denkst du, da gibt es staubige Strassen und Menschen die sich ohne Hast in der Mittagshitze bewegen.
Auf Eurosport kommen Beitraege ueber Bigwavesurfer auf Hawaii. Du schaust in den Fehrnseher, abends, zuhause, deine Katze schnurrt auf deinem Bauch und die Pasta kocht auf dem Herd.
Draussen ist es ganz ohne Wellen und Abenteuer. Draussen ist es deutsch und windig. Warum nicht einfach weggehen?

Oh, die Welt ist so gross und die Wege, mittlerweile sind sie so kurz geworden, dank grosser Maschinen die uns in hoechstens vierundzwanzig Stunden ueberall hinbringen.
Die moeglichen Abenteuer sind zusammengerueckt. In dein Wohnzimmer, in deine Gedanken, ereichbar durch Kurzwellen und Langstreckenfluege. Du hast eine Ahnung davon, wie es sein koennte. Du hast Bilder. Und Geraeusche die sie hervorufen.
Aber deine Kollegen geben keine Ruhe, der Traum bleibt oberflaechlich und die Mittagspause reicht grade um neben einem Reis mit Huhn schnell die Fluege bei xxxx.de zu checken.

Und spaeter sitzt du in deinen neuen Seven Jeans, zusammengefaltet auf einem spitzen Barhocker, gibst dir Muehe das dein Chef deinen Tanga nicht sieht und fragst dich ob du nicht einfach kuendigen solltest. Fragst dich wie das Leben so sein koennte, weit weg von Businesslunch und Creativrankings, ob ein Cutback eigendlich schwer ist. Und welche groesse ein Surfboard haben sollte auf dem man noch lernen kann. Und welche Straende man zur Auswahl hat auf unserem Planeten.

Dein Chef spricht viel, an diesem Abend und die Musik ist laut und voller Leute, um dich herum. Und du denkst, scheiss drauf, so schlimm ist mein Leben auch nicht.

Die Tage vergehen und deine Freunde sind genervt. Weil du staendig meckerst. Ueber deine Arbeit, ueber deine Stadt und ueber dich selbst. Und weil du traurig aussiehst und keiner weiss warum.
Ab und zu scheint die Sonne, da gehst du raus und streunst durch deine Stadt. Entdeckst Ecken die du noch nicht kanntest, obwohl du schon seit ueber zwanzig Jahren hier wohnst. Aber wirklich befriedigend ist das nicht. Nur zeitvertreibend. Dann machst du Fotos und andere Sachen und fuehlst dich kreativ. Und irgendwie beteiligt am Leben.
Du gehst aus, triffst jede menge Leute und sprichst ueber jede menge Sachen aber irgendwie ist dein Leben wie eine durchgefickte Matraze, ausgebeult und hingeschmissen sieht sie gar nicht gut aus. Du kennst jede Feder die dich piekst, das kleine Muster an der Kante, jedes Quitschen das dich stoert und jeden Fleck. Und du weisst auch wo er her kommt.

Am Ende weisst du selber nicht wie es so kam, aber eines Tages gehst du dann in das Buero deines Chefs und raeusperst dich. Und raeusperst dich ein zweites Mal. Entschuldige, sagtst du, haettest du einen Moment Zeit fuer mich?
Die Kuendigung und Alles ist kein grosses Ding fuer die Agentur, Arbeitsgeraete werden schnell ersetzt und deine Wohnung nimmt ein Freund. Auch deine Katze. Das ist wichtig. Und auf einmal sitzt du im Flugzeug und landest woanders.

Die Sonne ist grade aufgegangen, es ist Sieben uhr Morgens. Du sitzt auf deinem Surfboard und wartest auf das naechste Set. Am Strand stehen ein paar Jungs und ziehen sich ihre Wetsuits ueber. Du schaust auf das Meer, das sich bewegt und in der Morgensonne glitzert. Du siehst wie sich langsam das Wasser vor dir zurueckzieht, sich lautlos wie ein Berg vor dir auftuermt, die Oberflaeche schimmert glatt, das Sonnenlicht bricht sich in winzigen Facetten. Dann haeltst du einen Moment mit der Welt den Atem an und bist ganz leise, bevor der Wasserberg so steil geworden ist das seine Spitze mit lautem Getoese nach vorne bricht. Du drehst dich schnell und springst aufs Board und es ist wunderschoen.

Und als du wieder rauspaddelst, erinnerst du dich, wie du vor einiger Zeit getraeumt hast. Von genau den Sachen die du jetzt machst. Wie dunkel es Zuhause jetzt wohl sein mag und wie winterlich. Du laesst deine nassen Haare in der Sonne trocknen und ueberlegst ob du wohl einer der gluecklichsten Menschen auf der Welt bist. Weil du einfach deinen Traum verwirklicht hast und auf alles andere geschissen.

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12 Antworten

Kommentare

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    gut gemacht.

    10.11.2008, 23:30 von MosBar
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      @MosBar ist zwar ein bisschen spät aber:

      was für ein pathetischer haufen bullshit. wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen, dass der text von jemandem stammt der surfen nur von tollen magazinen und aus dem fernsehen kennt und selbst noch nie auf einem brett stand.
      die welle baut sich nicht vor, sondern hinter einem auf. und wenn sie sich schonso aufgebaut hat, dass sie bricht, der sog. closeout eintritt, dann ist es längst zu spät sie zu nehmen.
      apropos nehmen, zu schreiben man würde aufs brett springen und die welle reiten
      ( offenbar wenn sie bereits gebrochen ist o_O )...klar, vielleicht beim towin, nur steht man da schon die ganze zeit auf dem brett... also ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass diese story hier real ist.

      aber selbst wenn sie es wäre, würde ich sagen: was für ein pathetischer haufen bullshit.
      wen es erfüllt von luft und liebe zu leben, der ist ein armes und sehr kleines licht. ich bin auf sylt aufgewachsen und stand schon als halbe portion auf dem board und auch ich habe recht bald beschlossen woanders mein glück zu suchen. aber nicht als abgewrackter aussteiger. so ein leben kann doch niemand ernsthaft wollen, sich mit 40 umdrehen und sehen, dass man NICHTS hat.

      ich bin nach meinem medizinstudium nach neuseeland gegangen und arbeite dort als arzt, surfe jeden tag ( zumindest wenn es der blöde groundswell hier es zulässt ) und ab und an gehe ich snowboarden. surfen ist nach wie vor mein leben, aber auch die medizin, eine sinnvolle tätigkeit zu der surfen ein ausgleich ist. ein ausgleich der im mittelpunkt steht, aber dennoch nur ein ausgleich.

      wer meint sein leben nur mit surfen verbringen zu können, ist für mich bedauerswert arm, und zwar geistig.

      04.02.2009, 13:31 von JimmySaint
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      @JimmySaint jimmy jimmy... dein kommentar ist mindestens genauso pathetisch wie mein text.. was weisst du von meinem leben? ist das hier NEON - mein onlinetagebuch???
      aber du bist wahnsinnig real, jimmy und hast im leben alles richtig gemacht! und leider bestaetigst du mein vorurteil, das deutsche surfer klugscheisser sind!

      19.02.2009, 09:58 von ksc
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    habe Deinen Eintrag erst jetzt entdeckt, aber er hat mir direkt aus der Seele gesprochen. Ich habe es 2003 genauso gemacht wie Du. War gelangweilt in meinem Job und der Gedanke tobte schon seit über einem Jahr in meinem Kopf. Irgendwann wollte der Zufall es oder mein Schicksal half nach, wer weiß das schon, und ich wurde auf Australien aufmerksam. Dann ging alles ganz schnell, ich habe gekündigt, einen Kredit aufgenommen, meine Wohnung untervermietet und bin für ein Jahr auf und davon. Ich habe Dinge getan, die ich nie getan habe, ich habe Surfen und Tauchen gelernt, habe an den geilsten Strände gelegen und mich mit roter Outback Erde dreckig gemacht und mich verliebt...nicht in einen Kerl, sondern in ein Land und seine Menschen, eine Lebensphilosophie und seine Landschaft. Ich habe mein zu Hause gefunden und mich gefragt, worauf ich eigentlich so lange gewartet habe. Wenn man erst mal im Flieger sitzt, merkt man, dass es eigentlich total leicht ist zu gehen. Klar finden das immer alle anderen total mutig, aber ich würde mich nicht als mutig bezeichnen. Ich war einfach nur mal ehrlich zu mir selbst und habe endlich das getan, was ich wirklich will und es war die beste Zeit meines Lebens bisher. Mein Visum lief zwar nach einem Jahr ab, aber ich habe viele wertvolle Freundschaften geschlossen, die mir jetzt dabei behilflich sind, wieder ins Land einzureisen mit Arbeitsgenehmigung. Spätestens in einem Jahr bin ich wieder weg, dorthin wo ich hingehöre. -

    Und für alle zögernden, die mit dem Traum noch schwanger gehen: Eigentlich ist es total egal, wie es "weitergeht" oder was danach kommt. Was zählt ist nur, dass man fort war und Neues kennengelernt hat, eine neue Perspektive erlangt hat, um die eigene Welt mit neuen Augen zu betrachten. Alleine das ist es schon wert.
    Für Euch schließe mit Worten von George Moore: "A man travels the world over in search of what he needs and returns home to find it."

    Also, worauf wartet ihr noch?

    05.03.2006, 23:21 von LittleWoman
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    Genau - lebe Deinen Traum!!!
    Freiheit ist seinen eigenen träumen und wünschen zu folgen, anstatt den erwartungen anderer zu entsprechen.
    Was gibt es schöneres als bei Sonnenuntergang im Lineup zu sitzen, auf Deine Welle zu warten, goldenes Licht, anpaddeln, den steilen Drop zu stehen, im Tal zum Bottom Turn ansetzen und dann das Face entlang zu gleiten.........

    Es gibt kein Empfinden, was nur annähernd so intensiv ist, wie das Surfen! Man ist Teil vom Ozean, der Welt, .....

    Nur wer dieses Gefüh einmal empfunden hat, weiß, dass es nichts gibt, was einem davon abhalten kann, diesen Traum zu leben......

    KSC - lebe Deinen Traum !!! - so wie ich es auch tue...

    24.12.2005, 20:11 von Surfdidi
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    wo bist du hin? ich weiß was du meinst mit haare von der sonne trocknen lassen und salz und wellen...und immer der strand und das meer und ein bier bei sonnenuntergang. deutschland ist grau gerade, kalt und dreckig....

    21.12.2005, 17:46 von fairlight
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    tja, bis auf die letzten 3 Absätze könnte das von mir sein. Glückwunsch, und Respekt vor Deinem Mut. Ich hoffe, ich bin auch bald so weit und lasse mich nicht von den vielen wenn und abers à la Barni (die sich leider nicht leugnen lassen) entmutigen. Aber was spricht dagegen, wenn man unabhängig ist und nur für sich selbst verantwortlich? Im Job ist man so schnell ersetzt, will man nicht wahrhaben wenn man sich jeden Tag dafür abmüht für 10 Stunden. In denen nur kurze Momente zum Luft holen bleiben, in denen man das Wetter in Kuala Lumpur checkt.

    09.12.2005, 13:36 von gap
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    super stil.
    das ende kommt nich zu mir durch... konflikt gelöst, happy end?
    aber dein ich fragst sich immer noch was sein leben wert ist anstatt sich daran zu erfreuen - da scheint das problem im kopf zu sein und nur duch eindrücke nicht rausspülbar.

    06.12.2005, 16:07 von xzess
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      @xzess lieber xzess,
      ich glaub wir verstehen uns nicht. oder ich zumindest deinen eintrag nicht.
      von ende kann keine rede sein, ende ist wenn ich tot bin!
      liebe gruesse vom strand!

      09.12.2005, 19:24 von ksc
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    hmm, hört sich verlockend an!!
    leider kann man sich das nicht immer leisten, einfach zu verschwinden..
    aber irgendwann...die sache mit dem cutback interessiert mich auch!
    genieß es!

    23.11.2005, 11:08 von undsonstso
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    Hm scheint ein interessanter Traum zu sein. Aber wenn Du das jeden Tag machst wird es dort nicht auch trist und langweilig? Was machst Du wenn das Geld ausgeht und die Gebrechen vom Alter usw. kommen? Kommst Du dann wieder zurück und liegst dem hiesigen Steuerzahler (sofern er noch Steuern zahlen kann .>) mit Hartz XY oder Sozialhilfe auf der Tasche??
    Geniese diesen Traum als langen Urlaub und komm blos bald wieder.

    21.11.2005, 21:12 von barni1000
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      @barni1000 lieber barni,
      so viele wenn und aber - glaub mir, es gibt sogar noch viel mehr!
      und es gibt eben menschen die sich davon abhalten lassen und andere nicht.

      es kommt immer darauf an, welche ziele man sich setzt und was man vom leben erwartet.

      liebe gruesse ksc

      23.11.2005, 15:52 von ksc
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