derCarsten 21.09.2005, 13:29 Uhr 27 0

Mit 28 an die Uni.... Ich hab Schiss...

Mein ganzes Leben krempele ich um. Lasse den einst geliebten und inzwischen gehassten Beruf endlich hinter mir. Neue Ziele, neues Leben. Neue Ängste..

Nach meinen ersten beiden Semestern Lehramtsstudium wusste ich es schon: "So wirst du niemals glücklich." Ich hatte viel zu wenig erlebt, zu wenig von der Welt gesehen, um mich direkt in ein Beamtendasein hineinzumanövrieren. Und überhaupt.. Ich als Lehrer? Schwer vorzustellen..

Also brach ich ab. Nie wieder Uni, so malte ich mir das aus, und packte die erstbeste Gelegenheit beim Schopf um mich in die bunte Welt der Medien zu wagen: Praktika, Kameraassistent, Kameramann. Dienstreisen in die ganze Welt und eine Menge Abenteuer, niemals Alltagstrott. Der Job hielt was er versprach und ich hatte mein berufliches Glück gefunden.
Doch die "Medienkrise" erwischte auch mich. Mein Arbeitgeber ging auf die Pleite zu und ich sah mich gezwungen mich umzuorientieren. Jetzt drehe ich "Magazinbeiträge" für einen grossen Privatsender. Das heißt mein Leben dreht sich um Schönheitsoperationen und Nachbarschaftsstreit, immer begleitet von der Angst bald, wie viele Kollegen auch, vor der Arbeitslosigkeit zu stehen. Von Spass an meiner Arbeit oder beruflichen Perspektiven kann keine Rede sein. Eigentlich wird mir schon schlecht wenn ich an den nächsten Arbeitstag denke. Soll so mein restliches Leben aussehen? Nein, danke!

Also breche ich ab! Nie wieder TV-Schwachsinn, so male ich mir das aus.
Entgegen all meiner ursprünglichen Pläne werde ich nun doch studieren um Lehrer zu werden und schaffe mir so eine Perspektive, die mir mein Beruf nicht mehr bieten kann. Und stelle damit mein ganzes Leben vollständig auf den Kopf:

1.) Ich kündige meine Wohnung.
Meine geliebte 60 Quadratmeter große Insel der Ruhe im angesagteren Teil der Stadt werde ich mir von nun an abschminken können. WG oder Wohnklo im eher günstigen Teil der Stadt sind die einzigen bezahlbaren Alternativen, weil

2.) Ich kündige meinen Job.
Eine 60-Stunden-Woche neben dem Studium geht halt nicht. Trauer macht sich hierbei nicht breit weil der Job ja wie gesagt inzwischen nur noch übel ist und mir mein Leben versaut. Und sicher ist er ja auch nicht.. Aber mein monatliches Gehalt, auch wenn es nicht soo viel ist, werde ich vermissen. Neue Kellner braucht das Land..

3.) Ich verkaufe meinen Wagen
Lange hätte er es wahrscheinlich eh nicht mehr gemacht. Trotzdem hänge ich dran. Und wie ich ohne ihn mit sechs Alditüten plus Wasserkiste nach Hause kommen soll weiß ich auch noch nicht. Ausserdem mag ich es von Bus und Bahn unabhängig zu sein. Aber allein für Versicherung und Steuern müsste ich wohl zwei Kellner-Jobs haben. Wo ist eigentlich mein Fahrrad...?

4.) Ich verkaufe mein Motorrad.
Das tut wirklich weh! Meine Maschine liebe ich wie man einen Gegenstand nur lieben kann. Leider gehört der größere Teil noch der Bank und auch die Raten werde ich mir nicht mehr leisten können. Vom Sprit ganz zu schweigen. Bin jetzt schon den Tränen nahe..

...

Klar, bis jetzt habe ich fast nur von Dingen gesprochen, von entbehrlichem Luxus. Aber all diese Dinge aufzugeben macht mich ein bischen nervös. Weil es Fragen aufwirft und Zweifel. Zweifel an der Richtigkeit meiner Entscheidung, daran ob alles so funktioniert, wie ich das plane.

Schaffe ich es mich jetzt nochmal in eine WG einzugliedern? Mit 28? Ich, der jetzt schon so lange alleine wohnt?
Kann ich von so wenig Geld überhaupt leben?
Wie bringe ich meinen Eltern bei, das ich meinen Job aufgebe um einen Neustart zu wagen? Wie werden meine Freunde reagieren?
Bin ich noch in der Lage eine Klausur zu bestehen? Meine letzte ist ja schon eine Weile her..
Und dann die Angst vor Prüfungen.. Ich war so froh, das hinter mir gelassen zu haben.
Hoffentlich bekomme ich den Platz an der Uni in meiner Stadt überhaupt. Tausend Formulare und Anträge.. Papierkrieg war noch nie mein Ding.
Und als 28-jähriger Student im ersten Semester fühlt man sich doch wohl auch eher seltsam..

Die Zweifel und fragen beginnen sich vor mir aufzutürmen wie ein kaum überwindbarer Berg. Ob ich da den richtigen Weg eingeschlagen hab?
Ich habe ja schon das ein oder andere Abenteuer erlebt und überstanden. Aber vor dem hier hab ich tatsächlich ein bischen Angst...

27 Antworten

Kommentare

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    das wird schon, muss ja schließlich auch klappen!
    aber soviel aufgabe und lebenswandel muss belohnt werden, in deinem fall mit perspektive!
    hose hoch und gürtel fest schnallen, dann steht dir nichts mehr im weg! von mir alles erdenklich gute!

    28.05.2006, 13:58 von mail_relu
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    Hey hallo Carsten,
    also du gibst mir Mut, ich gebe dir Mut ! Ich habe mit 25 angefangen zu studieren und bereits wieder abgebrochen. Werde jedoch im Oktober wieder in einem neuen Fach beginnen. Ich finde es mühselig, aber machbar. Aber die jungen Leute können schon auf die Nerven gehen :D Jedoch immer schön zu hören, das man mit so einer Entscheidung nicht alleine ist. Vor allem wohne ich mittlerweile wieder zu Hause. Was man nicht alles tut.
    Also dir viel Erfolg bei deinem weiteren Wirken !

    19.04.2006, 14:46 von Malabar
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      @[Benutzer gelöscht] Los geht es im Sommersemester, also jetzt im April. Vorausgesetzt, die Post von der ZVS, die ich Mitte Februar erwarte, enthält die erhoffte Zusage. Obwohl ich mir da mit meinen zahlreichen Wartesemestern, glaube ich, nicht allzu große Sorgen machen muß. Dann noch ein wenig Behörden-Rennerei und im April kanns losgehen. Und trotz aller Sorgen und Zweifel, der Schiss ist groß :-), steht meine Entscheidung. Gekündigt hab ich schon längst, umgezogen bin ich schon, Auto ist auch schon weg und ich habe mich schon ganz gut an den sparsameren Lebenswandel gewöhnt. Ne WG isses nicht geworden, aber das ist eine lange Geschichte. Mal sehen, vielleicht kriege ich die ja online. Auf die Uni, und besonders auf die Ersti-Veranstaltungen, freue ich mich riesig. Viel zu erzählen, so aus der Sicht des Erstsemsester-Opas, gibts da bestimmt. Ich werds versuchen. Und danke für den Zuspruch!

      06.02.2006, 12:06 von derCarsten
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    Hallo Carsten! Du hast das richtge getan, da bin ich sicher! Wer nicht mit dem Herzen bei der Sache ist, wird auch nicht glücklich und gut darin sein! Ich stehe im Moment vor einer anderen Entscheidung, die auch wie man so schön sagt "von der Norm abweicht". Werde dieses Jahr mein erstes Staatsexamen in Englisch und Biologie Lehramt machen, werde aber, soweit ich dann noch den Mut dazu habe, durekt an die FH gehen um dort Gartenbau-Management zu studieren. Ja, das klingt nach Wahnsinn und es wird auch sicher schwierig. Ich habe es durchgerechnet und natürlich wird es nicht leicht werden. Zweitstudenten zahlen in Hessen 500 Euro Studiengebphren, hinzu kommen natürlich Fahrtkosten, Kosten für Bücher, etc. Dann werde ich wieder bei meinen Eltern wohnen. Und natürlich werde ich mit dann 27 nicht gerade unter den jüngsten Erstsemestern an einer FH sein.
    Ich habe bei meiner Entscheidung vor 6 Jahren auf Lehramt zu studieren einen Fehler gemacht, und war zu feige auf meine wirkichen Interessen zu hören. Ich ahbe mich zu sehr von der Umwelt und auch der Gesellschaft beeinflussen lassen, und natürlich auch zu sehr auf Oberflächlichkeirten Wert gelegt.
    Mittlerweile bin ich erwachsener und habe erkannt, dass ich selbst für mein Glück verantwortlich bin.
    Viel Glück und Mut Euch allen, die einen ähnlcihen Schritt wagen! Es ist es sicher wert!!

    04.02.2006, 09:33 von browneyedgirl
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    du wirst bestimmt n guter lehrer. wenn ich mir so unsere lehrer anguck ( mach grad fos um an die fh zu gehen), haben einige von denen sich nich so einen kopf gemacht wie du. also lass es krachen während deines studiums und viel erfolg.

    21.12.2005, 11:49 von fieldy
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    Wieso an die Uni? Du kannst doch als Quereinsteiger anfangen?

    25.11.2005, 14:26 von Senemce
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      @Senemce Auch als Quereinsteiger muß man gewisse Qualifikationen vorweisen, z.B. nen Magister oder ähnliches. Wäre ja auch noch schöner, wenn jetzt plötzlich jeder arbeitslose Maschinenschlosser oder genervte Kameramann Deutschlehrer werden könnte (nix gegen Maschinenschlosser..). Und die Chancen eine dauerhafte Festeinstellung zu bekommen sind so auch wesentlich geringer. Ich möchte auch gerne ein guter Lehrer werden und glaube, das Studium ist da der beste Weg, die entsprechende Qualifikation zu bekommen. Und.. der Weg ist das Ziel. Ein wenig freue ich mich inzwischen auch auf das Studium. Trotzdem danke für den Tip.

      25.11.2005, 15:06 von derCarsten
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    hallo, habe vor 10 jahren meinen traumjob bekommen. Flugbegleiter! wollte immer fliegen, fliegen und fliegen. die welt sehen. unabhängig sein. heute hier, morgen dort. ja, ich war in ländern, die ich nielmals bereist hätte. ja, war in ländern, für die ich als "normalo" niemals ein visum bekommen hätte. ja, ich habe viel gelernt, viel gesehen. ja, ich bin manchmal vor dem alltag geflohen und bin abgehauen mit gepackten koffern. aber für welchen preis? keine bodenhaftung, keine partnerschaft, denn der dienstplan bestimmt das leben... die nächte wach, die tage müde, dank des sogenannten jetlags. immer neue kollegen, die ich nicht kenne... heute bin ich 33 jahre, werde nächstes jahr ein 3-monatiges praktikum in einem krankenhaus absolvieren, um dann endlich mein studium zum sommersemester zu beginnen. fernstudium!!! denn die kohle muß ja irgendwie verdient werden. der lebensstandard muß gehalten werden. muß, ist das vielleicht das flasche wort? oder möchte ich zu viel? was wird, wenn das studium wichtiger wird als der ausgeübte beruf? wenn ich mich entscheiden muß? aber lieber jetzt als nie... und gefrustet auf die rente hin arbeiten. viel glück!!!

    17.11.2005, 00:44 von doraemon
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    Hi, von mir auch: Alles Gute! Muss aber sagen: Bei uns sitzen auch einige Leute drin, die schon älter sind, länger gearbeitet haben etc. Das wird!
    Und lass hören, wie es ist!

    12.11.2005, 11:07 von Zazou
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    einfach: Alles Gute!
    die entscheidung wird die richtige sein, zumindest steht das zwischen den zeilen...

    :)

    11.11.2005, 22:05 von rioja
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