Kein Traumberuf?
Haben Lehrer einen zu schlechten Ruf?
.„Topkräfte aus der Wirtschaft ab in die Schulen!“ – mit dieser Forderung hat Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) gestern auf einen Mangel hingewiesen, den viele zu verdrängen versuchen: In Deutschland fehlen Lehrer. Die Ursachen für den Missstand sind vielfältig und variieren von Bundesland zu Bundesland, denn Bildungspolitik ist immer noch überwiegend Ländersache. Was sich aber wie ein roter Faden durch die Diskussionen um den Lehrermangel zieht, ist die Tatsache, dass der Lehrerberuf einen auffallend schlechten Ruf hat. Kaum gestraft von der Öffentlichkeit konnte schon Gerhard Schröder, damals noch niedersächsischer Ministerpräsident, über Lehrkräfte schimpfen: „Das sind faule Säcke!“ Hartnäckig hält sich die Vorstellung, dass Lehrer sein vor allem viel Freizeit und üppige Ferien bedeutet. Gleichzeitig beklagen dieselben Kritiker, dass sich laut einer Studie des Ifo-Instituts nur Abiturienten mit mäßigen Noten für den Lehrberuf entschieden.
Wo können da Reformen ansetzen? Ist es nur ein Vorurteil, dass Unterrichten eine wenig anspruchsvolle Arbeit ist? Oder müssen tatsächlich erst Absolventen mit Spitzennoten und glänzenden Karriereperspektiven fürs Lehramt entscheiden, damit der Beruf wieder attraktiver wird? Und könntet ihr euch vorstellen, als Quereinsteiger noch Lehrer zu werden?





Kommentare
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01.03.2009, 12:16 von RedSonjafazit. licht und schatten..
(aber freie tage hätte ich auch gerne mehr... ehrlich jetzt mal)
Lehrer sein, ist kein leichter Job. Er stellt hohe Anforderung an Selbstmotivation, Charakterstärke, Selbstbewußtsein, Disziplin und Vorbildfunktion.
25.02.2009, 19:49 von Tim123Aber: er wird in DE auch hervorragend bezahlt und damit besser als in fast allen anderen westlichen Ländern. Das Gehaltsniveau eines Lehrers an einem Gymnasium ist exakt das gleiche wie bei einem Arzt, Apotheker oder Konsul im Staatsdienst. Da kann man wohl einiges verlangen.
Mein ganz persönlicher Eindruck aus meiner Schul- und Studienzeit ist jedoch, dass viele, die den Lehrerberuf anstreben oder ausüben, gerade nicht die Typen sind, die die oben genannten Kriterien erfüllen oder erfüllen wollen. Ich habe nie verstanden, warum in der Ausbildung oder spätestens bei der Einstellung nicht die aussortiert werden, die diesen Anforderungen nicht entsprechen.
Das entscheidet sich zunächst nicht unbedingt von anderen Berufen, aber nur wenige Berufe geben einem der nicht will oder nicht kann so vielfältige und lebenslange Möglichkeiten auch einfach nicht zu müssen. Und darin liegt für mich auch der schlechte Ruf begründet: die, die wollen und können werden nicht belohnt, die die nicht können und/oder nicht wollen nicht aussortiert. Die Guten gehen oder werden frustriert, die Schlechten bleiben und bestimmen das Gesamtbild.
Da fällt mir sofort mein Mathelehrer mit seinem Surfboard auf dem Auto ein, dessen Stunden Mittags immer früher aufhörten "weil der Wind gerade so gut ist". Und eine solche Geschichte kennen wir wohl alle, oder?
ich gehe mal auf die fragen des ausgangstextes ein.
25.02.2009, 09:35 von RedSonjaunterricht ist ein hochanspruchsvoller job. unabhängig von dem typ der schüler. und ja, ich rede mit gesundem halbwissen.
2 jahre erwachsenenbildung, deutsch für aus- und übersiedler (die berufsgruppe meiner schüler war "kraftfahrer und landarbeiter") sind sicherlich etwas anderes als belletristik und integralrechnung für jugendliche in neukölln. aber son bissel einblick hab ich da schon bekommen. und MIR hat es soviel spaß gemacht, dass ich am liebsten dabei geblieben wäre.
unterrichten ist kein ding, nach dem man nach hause geht und innerlich die tür zumacht.
der lehrer an sich muss als mensch belastbar sein und sein fachgebiet beherrschen UND noch vermitteln können. schwere kost.
spitzennoten, ach naja. was sagen die schon aus. ich sehe bei mir jeden tag wie alltagstauglich juristen mit spitzenoten sein können. lass sie ein gutachten schreiben, ganz klasse, lass sie in eine krise kommen, in der andere softskills gefragt sind und ende gelände. noten per se sagen wenig aus über die menschlichen qualis einer person.
attraktiv? der beruf?
naja, also bitte.
ein aspekt, und da rede ich frei weg von der leber, weil ich es kann, ist doch die materielle absicherung. oder ist das alles nix wert, dass man nicht gekündigt werden kann als beamter? hallo? wo lebt ihr denn? habt ihr keine freunde und bekannte, die finanziell am seidenen faden hängen und die nicht wissen, ob sie ihren job morgen noch haben oder nicht? wenn man das noch verbinden kann mit etwas, das einem spaß macht, mit menschen zu arbeiten und vllt auch noch das fachgebiet, das einem freude macht. was denn noch?
es ist doch herrlich, wenn man sich im beruf verwirklichen kann, aber wenn mal nicht, dann steht man genau da, wo man vllt. am band in der produktion auch stünde, nur verdammt noch mal gut bezahlt und unkündbar. wer interessiert ist, kann ja mal in die besoldungstabellen schauen.. ist ja alles öffentlich.
ja na klar, geld is nicht alles. aber zu verachten sind diese aspekte doch nicht. schon mal ne schlaflose nacht gehabt weil das geld für die miete nicht mehr auf dem konto ist?
und ja, ich könnte mir vorstellen, als quereinsteiger lehrerin zu werden. weil mir oben beschriebene aspekte freude machen, weil mir aber auch klar ist, dass auch das berufsleben kein ponyhof ist und man ab und an mal den arsch zusammenklemmen muss.
geliebt wird man zuhause. und für die eigene seelische gesundheit trägt man AUCH eigenverantwortung.
lehrerbashing ist sicherlich fehl am platze, viel ist auch ne neiddebatte, aber alles hier gleich persönlich zu nehmen ist auch wenig hilfreich.
zz, du bekommst noch ne PM von mir.
Es geht mir ja nicht darum, darzustellen, dass wir es viiieeel schwerer hätten als andere in ihren Berufen. Es geht ja um das Image hier..und viele haben nunmal das Bild vom Lehrer im Kopf, der in der Schule n bißchen "die Eier schaukelt", mittags nach Hause fährt und den REst des Tages frei hat und am Wochenende und in den Ferien sowieso. So ist es nunmal bei vielen nicht. Es geht doch einfach nur um mehr Anerkennung, die, wie ich finde, bei der heutigen Jugend, die man als Lehrer nicht mehr nur als Lehrer, sondern auch in allen anderen Bereichen unterrichten muss und soll, einfach fehlt.
25.02.2009, 06:46 von glenna
24.02.2009, 22:18 von zzebraDanke für die Lehrer/Lehrerinnen, die hier das altbackene Lehrerbild etwas zurecht rücken und denjenigen, die wenig Ahnung haben, aber dafür eine fett geBILDete Meinung anklagend vortragen und pauschal den Lehrerstand aburteilen, ordentlich über den Mund fahren.
Lehrer sein ist Stress pur.
zz.
@[Benutzer gelöscht]
25.02.2009, 08:59 von zzebra@LAG
Völlig überflüssiger Einwurf, der das Problem verlagern will von Herabwürdigung auf Verdienst. Ich wollte nur ein paar der naiven obigen BILD-Meinungen zurechtrücken. Weiter nichts.
Ich bin gespannt, wie sich Schavans angeheuerte Schergen pädagogisch schlagen; wahrscheinlich rennen sie nach drei Tagen heulend aus dem Klassenzimmer. Die meisten kriegen es ja noch nicht mal gebacken, ihre eigenen Blagen vernünftig zu erziehen, stecken sie in Fremdhorte, fallen aber aus allen Wolken, wenn was daneben geht. Dass sie selbst ordentliche Teilschuld Schuld daran tragen könnten, dass ihre Kinder schlechte Noten haben, darauf kommen sie nicht.
Frei nach dem Motto: Erziehung soll Kita, Kindergarten, Schule und Omma richten, und wenn etwas daneben geht, dann kann man es selbst ja nicht gewesen sein, weil man ja nie wirklich zu Hause war, sondern nur fett Kohle rangeschafft hat, damit es lieben Kleinen "gut" geht.
zz.
Ich bin Lehrerin. An einer Hauptschule. Mein Tag sieht momentan so aus: 6 Uhr aufstehen, zur Schule, unterrichten, nach Hause, Unterricht vorbereiten bis ca 22 Uhr. Schlafen.
24.02.2009, 21:36 von glennaAchja, wenn denn nicht die Konferenzen, Fortbildungen, Elterngespräche, Elternabende etc pp. dazwischenfunken...dann komme ich abends nach Hause und mache dann meine Vorbereitungen. Auch am Wochenende. Achja, Klassenarbeiten nicht zu vergessen..Hausaufgaben, die man dummerweise eingesammelt hat....Tests usw. Denn mein Büro ist mein zu Hause. Nur mit dem einfachen Unterrichten ist es nicht getan...Vorbereitung und Nachbereitung gäbe es da ja auch noch...und das kann man nunmal logischerweise nicht parallel zum Unterrichten am Vormittag tun (wobei mein Vormittag bis halb 3 reicht, denn da endet die letzte Stunde). Und nein, man hat nicht nach einem Jahr das Repertoire, aus dem man einfach schöpfen kann. DAfür muss man ja erstmal immer wieder die gleichen Klassenstufen haben. In der gleichen Schulform. Und die gleichen Schüler, die immer gleich schnell das Gleiche lernen. In den Ferien bereitet man die Unterrichtseinheiten nach den Ferien halbwegs vor, schaut die mitgenommenen Klassenarbeiten nach. Achja, essen und aufs Klo gehen tu ich auch manchmal...natürlich nicht vormittags. Wann denn auch..
Also wenn man bedenkt ,dass ich eigentlich nie ein freies Wochenende habe, finde ich die Ferien (die ja eigentlich "unterrichtsfreie Zeit" heißen), doch mal ganz nett...auch wenn ich nicht frei habe. Es können ja gerne alle mal ein Jahr tauschen...dann sprechen wir uns wieder.
Mein Traumberuf ist es trotzdem (noch).
24.02.2009, 16:09 von mezzanineEine Lehramt-Laufbahn wurde mir ans Herz gelegt, da rutschte sie zu den Füßen. Für mich nicht, danke.
Lehrer allgemein.
Das Berufsbild will ich hier gar nicht diskutieren, wohl aber die Frage, ob sie einen 'zu schlechten Ruf' haben. Kommt wohl auch auf die Region an, aber was sich für mich wie ein roter Faden zieht: der Beruf ist so öffentlich, wie wenig andere. Jeder kennt Lehrer, jeder war in der Schule, jeder denkt, dass er insofern Ahnung hat.
Das glaube ich eher weniger.
Ich darf mich mal äußern, ich hab Lehrer in der weiteren Familie und beobachte Interessantes: für mich sind nicht wenige Lehrer primär anstrengend. Ich habe nur noch nicht herausfinden können, ob man eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur für diesen Beruf braucht oder ob man diese im Studium und bei der Arbeit erst anlegt - die Feldforschung meinerseits lebt allerdings mit Probanden im Beruf und Studierenden, ich werte erst nach Berufsantritt Letzterer aus ;)
Viele wissen alles besser, lenken ungemein gern und unerwünscht ihre Mitmenschen (jaja, ich kenn die Lehrer ja gar nicht - AchtungAchtung, alles subjektiv, wie übrigens die anderen Kommentare auch) und erwecken später bei ihren Kindern den Wunsch, dass diese sich ständig beweisen wollen, weil gedacht müssen. Sicherlich sind nicht alle so, aber der Muster bleibt erkennbar.
Ferien hin oder her, ich verstehe nicht, warum so viel gejammert wird.
Ist natürlich schwierig sich für das pädagogische Besteck zu erwärmen und die Kinderchens unter einen Hut zu bringen, wenn die eigene Motivation so lautet 'och ich war gut in Sport und Geschichte, da bin ich Lehrer geworden' - na Prost Mahlzeit, sowas riechen Schüler auch.
Aus meiner Schulzeit bleibt folgender Geschmack: ich war keine einfache Schülerin. Aber ich war ein dankbarer Schwamm für all jene Lehrer, die von ihrem Fach etwas verstanden - mit Kompetenz kriegt man die Biester nämlich durchaus zum Spaß am Unterricht. Die Erfahrung zeigte mir, dass gerade Leherer mit für den Schüler erkennbaren Strukturen, Engagement für ihre und Interesse an ihren Schüler(n) (und das mag auch nicht in 3 stündige Seelsorge ausufern sondern nur ein 'Alles in Ordnung?' oder 'Ich taste das mal in der Dienstbesprechung an' sein), Offenheit und schlichtweg sozialer Kompetenz einen deutlich erkennbaren Fan-Stamm in der Schülergemeinde verzeichnen konnten. Darunter der strengste Lehrer, der Disziplin ausstrahlte, aber eben immer um seine Matheidiotenschäfchen bemüht war und mit der vermeintlichen Härte grundsätzlich fair verfuhr.
Will sagen: ich glaube, dass hinter dem schlechten Ruf, hinter all der Schmach und Witzelei.. über die armen, überarbeiteten Lehrer, eigentlich ein Eigentor steht - die Jungen mögen für manches nichts können, aber die Alten haben bestimmt schon den einen oder anderen Klischeetreiber mit ihrer gnadenlosen Inkompetenz traumatisiert.
Nen Lösungsvorschlag habe ich nicht, schließlich bleibt mein unglaublich wertvolles pädagogisches Handeln, fast revolutionär motivierend, den armen Kindern vorenthalten ;D
Ein Bekannter von mir (Gymnasiallehrer) entkräftet jedes Getue, dass er es als Lehrer doch soo gut habe einfach mit der Gegenfrage:
24.02.2009, 13:16 von crashtestdummie"Wenn Lehrer so toll ist, warum sind Sie dann nicht einfach selbst Lehrer geworden!"
Und Ruhe ist dann auf der anderen Seite...
@[Benutzer gelöscht] Eben dieser Gymnasiallehrer ist zwar manchmal etwas sarkastisch, doch übertrieben jammert der nicht, zumindest nicht wesentlich mehr als Otto-Normalo-Büroangestellte. Damit kann man bei ihm den Spieß nicht umdrehen!
25.02.2009, 21:34 von crashtestdummieNichtsdestotrotz: Lehrer haben es nicht leicht und nur wenige meiner alten Lehrer (Gymnasium) erreichten tatsächlich das maximale Alter, die meisten gingen früher und waren auch ziemlich fertig!