und_so_weiter 26.10.2005, 23:19 Uhr 10 0

Jetzt lasst doch mal die Heuschrecken nach vorne!

Eine lustige Geschichte von Herrn Müller - der, mit der Milch - und sehr viel Geld.

Das hier, das ist der Herr Müller. Der Herr Müller kommt aus Aretsried, das liegt in Bayern, also ganz im Süden.
Der Herr Müller ist ein Unternehmer und das, was in den Fabriken von Herrn Müller hergestellt wird, habt ihr sicher alle schon mal gesehen, wenn ihr im Supermarkt wart. Der Herr Müller stellt nämlich lauter Sachen her, die aus Milch gemacht werden. Naja, eigentlich stellen die Kühe die Milch her, aber der Herr Müller verpackt sie schön und sorgt dafür, dass sie in den Supermarkt kommen, wo ihr sie dann kaufen könnt.
Die Sachen, die der Herr Müller herstellt sind so gut, dass sogar der Herr Bohlen und die lustige Else Kling aus der „Lindenstraße“ dafür Werbung gemacht haben und dafür auch ein bisschen viel Geld gekriegt haben, viel mehr, als in euer Sparschwein passt.

Weil der Herr Müller ein Unternehmer ist, hat er sich gedacht, er unternimmt mal was und baut eine neue Fabrik. Und zwar baut er sie in Sachsen, das ist ganz im Osten.

Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon viel zu viele davon gibt, und diese viel zu viele Milchprodukte produzieren, aber der Herr Müller hat sie trotzdem gebaut.

Und weil die Leute in Sachsen ganz arm sind und keine Arbeitsplätze haben, unterstützt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld. Arbeitsplätze hat man nämlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug. Also hat der Herr Müller einen Antrag ausgefüllt, ihn zur Post gebracht und abgeschickt.
Ein paar Tage später haben ihm dann das Land Sachsen und die Herren von der Europäischen Union in Brüssel einen Scheck über 70 Millionen Euro geschickt. 70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen, also ganz viel Geld. Und soviel passt nicht mal in das Sparschwein von Herrn Bohlen oder der Else aus der „Lindenstraße“.

Der Herr Müller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute eingestellt.

Hurra, Herr Müller!

Nachdem die neue Fabrik von Herrn Müller nun ganz viele Milchprodukte hergestellt hat, hat er gemerkt, dass er sie gar nicht verkaufen kann, denn es gibt ja viel zu viele Fabriken und Milchprodukte. Na ja, eigentlich hat er das schon vorher gewusst, auch die Herren vom Land Sachsen und der Europäischen Union haben das gewusst, es ist nämlich kein Geheimnis. Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben. Ist ja nicht ihr Geld, sondern eures. Klingt komisch, ist aber so.

Also was hat er gemacht, der Herr Müller? In Niedersachsen, das ist ziemlich weit im Norden, hat der Herr Müller auch eine Fabrik. Die steht da schon seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr Müller sie gekauft. Weil er jetzt die schöne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr Müller die alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie geschlossen und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren.

Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher schon gemerkt, dass der Herr Müller 17 Arbeitsplätze weniger geschaffen habt, als er abgebaut hat. Dafür hat er 70 Millionen Euro bekommen.

Wenn ihr jetzt die 70 Millionen durch 17 teilt, dafür könnt ihr ruhig einen Taschenrechner nehmen, dann wisst ihr, dass der Herr Müller für jeden vernichteten Arbeitsplatz über 4 Millionen Euro bekommen hat.

Da lacht er, der Herr Müller. Natürlich nur, wenn niemand hinsieht. Ansonsten guckt er ganz traurig und erzählt jedem, wie schlecht es ihm geht. Aber der Herr Müller sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt auch dafür, dass es ihm besser geht. Er ist nämlich sparsam, der Herr Müller.

Sicher kennt ihr die Becher, in denen früher die Milch von Herrn Müller verkauft wurden. Die schmeckt gut und es passten 500 ml rein, das ist ein halber Liter. Seit einiger Zeit verkauft der Herr Müller seine Milch aber in lustigen Flaschen, nicht mehr in Bechern. Die sind praktisch, weil man sie wieder verschließen kann und sehen hübsch aus. Allerdings sind nur noch 400 ml drin, sie kosten aber dasselbe. Da spart er was, der Herr Müller. Und sparen ist eine Tugend, das wissen wir alle.

Wenn ihr jetzt fragt, warum solche ekelhaften Schmarotzer wie der Herr Müller nicht einfach an den nächsten Baum gehängt werden, dann muss ich euch sagen, dass man so etwas einfach nicht tut. Wenn ihr aber das nächste mal im Supermarkt seid, dann lasst doch einfach die Sachen vom Herrn Müller im Regal stehen und kauft die Sachen, die daneben stehen. Die schmecken genauso gut, sind meistens billiger und werden vielleicht von einem Unternehmer hergestellt, für den der Begriff "soziale Verantwortung" noch eine Bedeutung hat.

Tja, der Herr Müller ist ein Unternehmer, weil er war unternimmt und die Arbeiter in seinen Fabriken sind Arbeiter, weil sie arbeiten. Würden die Arbeiter mal was unternehmen, müsste vielleicht der Unternehmer Müller auch mal arbeiten.

10 Antworten

Kommentare

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    tja...hab ich irgendwie auch als mail bei der arbeit bekommen...zwei doofe, ein gedanke?

    31.10.2005, 22:00 von sabbelwasser
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    Oh Mann, der böse Herr Müller!

    Ich würde es genauso machen, wenn ich Herr Müller wäre - solange es im Rahmen der Gesetze bleibt. Das kommt eben davon, wenn die Politik jeden Scheiß subventioniert und riesige Steuergestaltungsmöglichkeiten offen lässt. Darüber darf sich aber KEINER beschweren, denn sobald jemand wie Prof. Kirchhoff kommt und alle Privilegien und Gestaltungmöglichkeiten abschaffen möchte, schreit die Republik auf (hauptsächlich natürlich das Linkspartei und SPD-Klientel). Daher lieber mal ganz still sein, denn das ist genau das was die Bevölkerung möchte.

    28.10.2005, 14:04 von Doktortasche
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    sonst habt ihr keine probleme? wieso wird eigentlich immer auf denjenigen rumgehackt die die öffentlichen gelder in anspruch nehmen? auf legale weise wohlgemerkt. warum sich nichtmal auf diejenigen konzentrieren die sie vergeben?
    und noch zu der flaschenmilch. die flaschenmilch mit 400ml wurde eingeführt und einige zeit gleichzeitig mit der bechermilch mit 500ml inhalt verkauft. und siehe da: die käufer haben den plastikbecher nicht mehr angerührt und sich ganz bewusst für die flasche entschieden. zudem sollte man vielleicht auch sehen, dass die flasche im vergleich zum becher in der herstellung natürlich auch teurer ist.
    nicht das ich den hr. müller besonders gut leiden kann oder ähnliches, aber das ist schon ein bisschen erbärmlich.

    28.10.2005, 13:34 von jimgarrison
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      @jimgarrison Dass die Gelder nicht legal wären, hab ich hier nirgends lesen können. Ich erkenne nur Kritik an mangelnder Moral und Ethik von Herr M.

      Dass ein Großteil der Konsument halb blind ist und dann selbstverständlich zur praktischeren Flasche greifen wird, ist nicht neu.
      Aufgrund der zwei sehr unterschiedlichen Formen kann der Durchschnittsbürger den Mengenunterschied kaum erkennen. Und wenn er nicht zwangsläufig die Menge anhand des Aufdrucks überprüft, kauft er im Vertrauen den bekannten halben Liter eben in der Flasche.

      03.11.2005, 15:56 von anazoolik
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      @anazoolik moralisch einwandfrei finde ich den gleichzeitigen verkauf der flaschenmilch. schliesslich hätter der herr m. ja auch die becher einfach aus den regalen nehmen können und nur noch die becher verkaufen. der grossteil der konsumenten ist halb blind? tut mir ja echt leid, aber wollen wir nicht immer als mündige bürger behandelt werden? ich kann mir echt nich vorstellen das der konsument so blöd ist! aber wenn doch tut er mir in der tat sehr leid. das wäre schon ein ziemliches armutszeugnis.
      was die mangelnde moral und ethik angeht. wieso kommt man immer mit moral und ethik wenn jemand ein gesetz oder eine vorschrift nutzt mit sowas? dass das ganze vielleicht einfach schlecht formuliert, verhandelt oder zu wenig spielräume für den gesetzgeber gibt ist keine möglichkeit?

      04.11.2005, 13:31 von jimgarrison
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      @jimgarrison Deinem letzten Satz kann ich nur zustimmen (ich vermute mal, dass die Frage auch als Meinung betrachtet werden kann). Das Problem liegt auch in meinen Augen beim Gesetzgeber, der Förderrichtlinien so formuliert, dass KMU kaum darauf zurückgreifen können, "Wissende" aber problemlos entsprechend qualifiziert geschriebene Anträge einreichen, welche wahrscheinlich nicht auf Konsequenzen hinreichend überprüft werden.
      Im allgemeinen gibt es ja die Klausel, dass eine negative Marktbeeinflussung, resultierend aus den Fördermitteln, ausgeschlossen sein muss. Schriftlich ist dies natürlich einfach für den Antragsteller darzulegen. Eine unabhängige Bewertung der Situation wäre da wohl sinnvoller.
      Aber dann hätten wir natürlich wieder mehr Bürokratie, Kosten etc...

      Für mich ist die Frage, wo der Begriff Mündigkeit aufhört. Ich verbinde damit nicht, die Mengenangaben auf den Lebensmitteln zu vergleichen. Wobei der Gesetzgeber ja schon dafür gesorgt hat, dass ein Vergleich anhand des immer auszuweisenden Liter/Kilopreises vereinfacht ist. Wer es nicht macht ist so gesehen selbst schuld.
      Falls es oben so rüber gekommen sein sollte will ich noch sagen, dass ich die Flascheneinführung nicht verurteile, eher als geschickten Schachzug betrachte.
      Was anderes wäre es, wenn der gleiche Becher nur noch mit 400ml befüllt wäre.

      05.11.2005, 15:11 von anazoolik
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      @anazoolik jetzt sind wir uns ziemlich einig.

      05.11.2005, 17:27 von jimgarrison
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    http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=9115500&forum_id=86894

    28.10.2005, 12:25 von atrejufuchur
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    Der Stil ist jedenfalls gelungen.

    27.10.2005, 23:37 von Splinter
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    Kam mir beim Lesen auch schon seltsam bekannt vor...

    27.10.2005, 19:27 von tonymontana
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    Das nenn ich mal einen wahrhaftig gelungenen Text im Stil von "Die Sendung mit der Maus" !! Respekt !!
    Mir ist Herr Müller schon immer suspekt gewesen. Erst recht das seltsame, quietschbunte, ungeformte Müllermilchmännchen!
    Ich werde auch in Zukunft zu den Produkten, die neben Herrn Müller stehen, greifen und Herrn M. schadenfroh auslachen und im Kühlregal ne deftige Erkältung holen lassen.
    Jawohl!

    Grüße C*



    27.10.2005, 17:49 von cherrie
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    ich wusste gar nicht das man auch "artikel" hier reinstellen kann, die schon seit ner woche als rundmail kursieren (nicht bei neon wohlgemerkt)....

    27.10.2005, 17:45 von 77Records
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      @[Benutzer gelöscht] ein bißchen abändern musste er die geschichte schon, sonst wär ja aufgefallen das er sie fast eins zu eins kopiert hat.......höhöhö

      27.10.2005, 19:24 von 77Records
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    War der Text nicht gestern auf Telepolis? Na egal, gut allemal.

    27.10.2005, 17:45 von malllen
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