han-na 26.06.2005, 19:38 Uhr 16 0

ich möchte...!

Ich möchte später am Theater arbeiten. Aber das ist ein Hirngespinst, denn ich bin viel zu jung um das schon wissen zu können. Sagt man mir dauernd.

Schlechte Bezahlung, keine Perspektiven, wenige überlaufende Ausbildungsangebote, und überhaupt: Kultur zählt in unserer modernen Welt doch nicht mehr!
Mal wieder lasse ich mir Kritik an meinem Traum an den Kopf werfen. Dabei hat der nette Verwandte doch vorher selbst gefragt, was ich später einmal machen möchte. Das Ritual läuft jedes Mal gleich ab: zunächst die unverfängliche Frage an das kleine Mädchen, dann das Erstaunen über die Antwort, zuletzt das wohlwollende Verbessern und Kritisieren.
Aber ich bin ja schon froh, wenn überhaupt mit mir diskutiert wird. Am allerschlimmsten ist ein wissendes Lächeln und ein „Jaja, wir werden schon sehen.“ Dann fühle ich mich wie mein kleiner Bruder, der wöchentlich zwischen Polizist, Feuerwehrmann und Pilot wechselt.
Ich bin sechszehn und keine sechs mehr, meinen Polizistinnentraum habe ich mittlerweile hinter mir gelassen, und ich weiß auch sehr genau, wovon ich rede!

Also bombardier ich mit Fakten zurück. Zugegeben, das macht mir Spaß. Aufgrund eines Praktikums bei einem Theaterprojekt, einer Schauspielhausführung, jahrelanger Schultheatererfahrung und weil ich jede Woche alle erdenklichen Zeitungen nach den Wörtern „Theater“ „Intendant“
„Schauspiel“ oder „Kammerspiel“ durchforste, bin ich bestens informiert. Manchmal verwandelt sich das Gesicht meines Zuhörers dann langsam in Erstaunen, Hochachtung, Respekt. Und endlich, endlich wird begriffen, dass ich gar kein so kleines Mädchen mehr bin.
Leider geschieht dies nur sehr selten. Zwar wird nach jedem Gespräch mein Wissen gewürdigt, aber meine Pläne werden meist trotzdem nur als Träume abgestempelt.
Und gegen den Satz mit der schlechten Bezahlung komme ich sowieso nicht an. Was nutzt da schon mein „Lieber glücklich als reich.“, an das ich so fest glaube? Bei der älteren Generation ein Tropfen auf den heißen Stein. Dabei bin ich überzeugt davon, dass sie vor 30 Jahren selbst auch an solche Ideale geglaubt haben. Und genau das beunruhigt mich. Vielleicht hat doch Lebenserfahrung die Wahrheit gelehrt?

Aber ich will daran glauben, dass meine Träume nicht nur Träume sind! Von den ewigen Zweifeln und der Kritik angestachelt, habe ich angefangen zu kämpfen!
- Und mich selbst in eine Ecke gezwängt.
Ich gehe ins Theater, ich spiele Theater, ich lese Theater, ich richte meine Hobbys nach Theater aus, ich denke Theater, ich träume Theater. Theater, Theater, Theater.
Und dann bin ich aufgewacht, und habe festgestellt, dass ich mein Theater nicht mehr des Theaters willen mache. Sonder nur noch, um es mir und allen Zweiflern beweisen zu können.
Obwohl ich Schauspiel natürlich immer noch ganz gerne mag.

Ich finde, man muss immer ein Ziel haben, auf das man hinarbeiten kann. Wenn nicht Theater, dann brauche ich halt etwas Neues. Es gibt zwei Dinge, die ich halbwegs gut kann und dazu auch noch gerne mache:
Theater und Schreiben.
Bliebe also noch das Schreiben, die Idee des Germanistikstudiums gefällt mir immer besser.

Nur dann hätten ja doch alle Recht behalten! Und dann wäre ich doch ein kleines, blödes, verträumtes Kind! Damit will ich mich nicht abfinden.
Außerdem, wenn ich Germanistik studiere, dann bestimmt nicht auf Lehramt!

...mal sehen, vielleicht erzähle ich dem nächsten Verwandten dann doch mal, dass ich Schriftstellerin werden möchte. So zur Abwechslung. Ich müsste mir nur vorher gute Argumente überlegen, denn das wird bestimmt noch schwieriger, als Theater verteidigen zu müssen...

16 Antworten

Kommentare

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    ... lebe deinen traum zu 100%, gib alles dafür, sei ehrgeizig und arbeite auf deine ziele hin, kämpfe mit enttäuschungen, ringe um den erfolg! das ist eine möglichkeit.
    ... die andere ist, dass du dir das theater als eine feine kleine welt bewahrst, die dich durchs leben begleitet und mit der du stetig in kontakt bleibst - in der du in prozessen mit dir selber und mit kunst steckst, gefordert wirst - dich zurückziehen kannst.
    entscheide selber!
    liebe grüsse von einer laienschauspielerin, regieassistentin und angehenden germanistikstudentin :)

    14.03.2006, 17:29 von alea
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    ja - so ungefähr ging es mir und meinen freundinnen auch immer, wir haben 6 jahre lang zusammen theater gespielt und eigenständig inszeniert, es war wunderschön und wir fühlten uns als heroische außenseiter in einer unkultivierten welt. und jetzt? studieren wir medienwissenschaften, sozialpädagogik und ethnilogie - o.k. zugegeben eine freundin von mir studiert auch angewandte theaterwissenschaften in ist ganz froh darüber. das probelm ist doch, das man entweder alles für sein karriere tut und arbeitet wie blöd ( und am theater muss man das 100% ) oder man hat ein privatleben.

    14.11.2005, 19:05 von mondkind
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    ja... wie heisst es doch so schoen im "handbuch des kriegers des lichts"? den genauen wortlaut weiss ich nicht, aber ungefaehr so: "der krieger des lichts kennt die macht des wortes (...) er weiss, dass jedes mal, wenn er von einem traum erzaehlt, ein stueck energie verloren geht, die er braeuchte, um ihn zu erreichen. deswegen geht er vorsichtig mit seinen worten um."
    oder so. frei nach paulo, wuerde ich mal sagen.

    find ich sehr wahr; es verhaelt sich auch andersrum, meiner meinung nach. wenn man tag und nacht von einem seiner traeume erzaehlen muss, ist man meistens dabei, sich selbst davon zu ueberzeugen - und dann ist es kein wahrer traum. sondern eher das, was du selbst geschrieben hast: du wolltest es dir und allen anderen irgendwann nur noch beweisen.

    aber gut dass dus erkannt hast! und: das theater geht ja nicht verloren, wenn du germanistik machst. es ist nie aller tage abend. ausser du stirbst.

    22.10.2005, 21:14 von jennerle
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    mach das, was du willst und hör nicht auf die anderen. ich selbst liebe auch das theater und würde gerne mal später was in der richtung machen, und wenn es soweit sein sollte, dann lass ich es mir bestimmt nicht von irgendwelchen leuten ausreden. immerhin entscheide immer noch ich, wie mein leben aussieht. demnächst steht erstmal ein praktikum bei den kammerspielen an, mal sehen, wie es wird.

    lg, fabio

    09.09.2005, 22:53 von Fabio
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    Schreiben, Theater... schreiben für's Theater?

    Leider muss ich sagen, dass das Theater schon immer mehr ausstirbt.
    Ich habe auch viel am Theater gemacht (Regieassistenzen), aber bei aller Romantik, das Theater erfüllt inzwischen weder einen epischen, noch einen irgendwie aufklärerischen Auftrag. Und Kunst habe ich auf der Bühne auch schon lange nicht mehr gesehen.
    Ok, ich lüge. Die Nacht kurz vor den Wäldern (Koltes) hat mich sehr beeindruckt.

    Wenn du schreiben willst, schreib, aber nicht fürs Theater. Das können die allerwenigsten.

    Germanistik studieren, wenn man schreiben will??? Wo hast du das denn her?

    11.08.2005, 14:08 von princessoverthere
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    Hmm .. ich wollte auch immer ans THeater. Habe ein Berufspraktikum absolivert und bin in den Jugendclub eingetreten. Zweimal die Woche dreistündiges Schauspieltraining.
    Ab und an verdiene ich mir meine Knete durch Auftritte - wunderbar, was will man mehr?
    Für mich hat sich durch die Erfahrung der Jahre - und den Einblick in jegliche Bereiche des Theaters gezeigt - dass es mich interessiert und fasziniert, das ich mir aber nicht sicher bin, ob ich das wirklich will.
    Ich habe damals viel auf der Seites des Deutschen Bühnenvereines ( http://www.buehnenverein.de ) herumgestöbert - und wenn Du Germanistik machen möchtest, kannst Du es ja noch immer mit Theaterwissenschaften o.ä. verbinden und in die Dramaturgie gehen etc.

    07.08.2005, 20:07 von Stjaernaflicka
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    mach deine Träume wahr, es gibt schon genug Leute die unglücklich in ihrem Job sind und wenn man gleich richtig einsteigt, hat man Glück gehabt und sonst kann man immer noch etwas anderes machen, hab ich auch so gemacht. Und jetzt ist alles schön. Liebe Grüße Selina

    28.06.2005, 20:33 von Sillypower
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    Hmmmm*überleg*aber ham sie nicht doch recht behalten? Ich verstehe nicht so ganz, wieso du jetzt es jetzt auf einmal doch nicht mehr willst und an Germanistik denkst -weißt du wirklich was du willst? Du schreibst ´Und dann bin ich aufgewacht, und habe festgestellt, dass ich mein Theater nicht mehr des Theaters willen mache. Sonder nur noch, um es mir und allen Zweiflern beweisen zu können. ´. -Ja, aber wenn man etwas wirklich will, dann kann einem das doch nicht den Traum kaputt machen ?!?! Vergiß was andere denken und rechtfertige dich nicht -lass sie einfach. Sollen sie doch denken was sie wollen...LG an dich

    27.06.2005, 23:21 von Jolie30
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