schickschick 16.07.2009, 17:36 Uhr 2 1

Heute mach' ich mal einen auf beschäftigt…

Schnell den „Ich-bin-gerade-sowas-von-beschäftigt-Blick“ auflegen. Wenn du etwas können musst, dann ist es das.

06:00 Uhr: Das Gedudel unterbricht meinen ach so schönen Traum. Verschlafen taste ich nach meinem Handy und beende den nervigen Weckton genauso apprupt, wie er meinem Schlaf einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Alleine der Gedanke daran aufzustehen, macht mich schon wieder müde.

06:30 Uhr: Okay, jetzt ist es aber wirklich höchste Zeit zum Aufzustehen. Ich setze mich auf mein Bett und trinke einen Schluck Wasser. Beim Trinken schießt mir plötzlich eine Frage in den Kopf: „Für was stehe ich eigentlich auf?“.

06:35 Uhr: Unter der Dusche geht mir ständig die Frage durch den Kopf, eine Antwort finde ich allerdings darauf nicht.

07:30 Uhr: Auch im Bus suche ich ständig nach einer passenden Antwort. Ich suche und suche, finde aber nicht. Schon traurig, sehr traurig irgendwie.

08:00 Uhr: Mit meinem Dienstausweis in der Hand schlendere ich am Pförtner vorbei Richtung Stechuhr, steige in den Fahrstuhl, bekomme vielleicht das ein oder andere Mal ein „Guten Morgen“ zu hören, aber die meisten Menschen ziehen wortlos und ohne eine Mine zu verziehen an einem vorbei. Oh du freundliche Arbeitswelt!

08:02 Uhr: In meinem Büro angekommen, schalte ich als erstes meinen Computer an und frühstücke gemütlich mit meiner netten Arbeitskollegin. Der Lichtblick im tristen Arbeitsalltag.

08:30 Uhr: „Haben wir heute was zu tun?“, fragen wir uns gegenseitig. „Nein“ ist darauf die Antwort. Also gehen wir erstmal eine rauchen.

08:45 Uhr: www.neon.de Man muss sich ja weiterbilden.

09:15 Uhr: Mal schauen, ob jemand eine Mail geschickt hat. Oh ja toll! Also kann ich etwas Zeit mit Antworten verbringen. Selbstverständlich in privater Sache.

09:30 Uhr: "Gehen wir doch noch mal eine rauchen!"

09:45 Uhr: Draußen laufen Kollegen entlang, die wahnsinnig wichtig sind, zumindest halten sie sich für wichtig und unheimlich beschäftigt. Ich bin auch beschäftigt. Beschäftigt damit die Nachrichten des Tages zu lesen und so ziemlich alles zu lesen, was ich in die Hände kriege.

10:00 Uhr: Kollegen kommen ins Büro. Schnell den „Ich-bin-gerade-sowas-von-beschäftigt-Blick“ auflegen. Wenn du etwas können musst, dann ist es das. Sobald du unbeschäftigt aussiehst, auch wenn du unbeschäftigt BIST, hast du schon verloren.

10:30 Uhr: “Gehen wir eine rauchen?“ „Na klar!“

10:45 Uhr: Die Zeit ist gekommen, um sich eine sehr bedeutende Frage zu stellen: „Was werden wir heute zu Mittag essen?“ Kantine? Pizza? McDonald’s? Oder aber doch zum Supermarkt gehen und sich einen Joghurt und Obst besorgen?

11:00 Uhr: Ups…es klopft. Ui…ich bin grade so was von beschäftigt.

11:30 Uhr: "Los…lasst uns essen gehen!"

12:30 Uhr: "Und jetzt? Gibt es was zu tun?" "Nein!" "Sorry, blöde Frage!"

12:32 Uhr: "Rauchen?" "Rauchen!"

12:45 Uhr: Der Blick wandert auf die Uhr: Noch dreieinhalb Stunden. Nichts zu tun.

12:46 Uhr: Ein Spiel muss her!

13:30 Uhr: Genug gespielt! Wir sind hier schließlich auf der Arbeit und da muss man beschäftigt aussehen! Idealerweise müsste man auch noch beschäftigt sein, aber das wäre wohl zu viel verlangt! Man kann anscheinend nicht alles haben! Ach ja, eine E-Mail kam hereingeflattert!

14:00 Uhr: Puh…rauchen!

14:15 Uhr: Oh, da kam gerade ein Anruf! Dienstlich! Ich werd’ bekloppt!

14:16 Uhr: Anruf erledigt. Konnte weiterhelfen. Mein erstes Erfolgserlebnis an diesem Tag! Einminütiger Anruf mit kurzer Auskunft = Erfolg. An welche Erfolgserlebnisse man sich in der Not klammert!

14:17 Uhr: Gibt’s denn jetzt auf Neon was Neues? Den neuen Artikel lese ich mir durch und danach starte ich eine Runde Auszeit. Naja, um ehrlich zu sein, gönne ich mir zwanzig Runden.

14:45 Uhr: Nach dem ganzen stressigen Rumgeklicke muss man sich erst einmal mit einer Zigarette belohnen.

15:00 Uhr: Noch eine Stunde und 15 Minuten. Ach ja, E-Mails schreiben.

15:30 Uhr: Rauchen.

15:45 Uhr: Planen, was man heute noch so alles anstellen kann. Das Kino-Programm durchlesen, Freunde anrufen, ob sie mit am Start sind und dann noch schnell Karten reservieren.

16:15 Uhr: Feierabend! Der ein oder andere Mensch, dem man auf dem Flur begegnet, wünscht einem einen „Schönen Feierabend!“, aber die meisten lassen es dann doch und rennen beschäftigt und in großer Eile an einem vorbei.

16:17 Uhr: Ich bin draußen, ich bin müde, ich bin fertig! Warum? Schon mal ein paar Monate auf beschäftigt gemacht?

1

Diesen Text mochten auch

2 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Ich rauch seit einigen Monaten nicht mehr.
    Da bleibt mir nur das Auszeit-Spiel :P

    17.07.2009, 11:44 von tattah
    • 0

      @tattah Oh das ist aber viel viel viel gesünder :-) !!!!

      17.07.2009, 11:45 von schickschick
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Klingt wirklich bissl stressig.
    Ich hab das andere Extrem und muß nicht so tun als ob. Vielleicht sollte ich mich tatsächlich darüber freuen...
    Aber falls Dich das wirklich stört: Warum suchst Du Dir nicht nen neuen Job? Da draußen sind bestimmt einige Arbeitgeber, bei denen man tatsächlich was tut; anderen Leuten hilft und dadurch wahrscheinlich tatsächlich sowas wie Erfolg verspürt.
    Alles Gute für die Zukunft!

    16.07.2009, 18:08 von Kampfkruemel
    • Kommentar schreiben

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare