Un-Schuld 15.06.2010, 11:01 Uhr 0 0

Frustration - mein bester Freund

oder: wie schwer es ist, die Hoffnung nicht aufzugeben.

Ach man, ich würde am liebsten eine Bombe nehmen und in diesen Puff reinfeuern. Ich will allen um mich rum sagen, wie sehr sie mich ankotzen, will mir die Seele aus dem Leib schreien und herausplärren, was ich alles hasse!

Ja, es gibt Dinge, die hasse ich.
Mit Leib und Seele.

Meine Arbeitsstelle.


Es ist unbeschreiblich, was für eine Qual es für mich ist, jeden Morgen aufzustehen, mich anzuziehen, die Zähne zu putzen und das Haus zu verlassen.
Um zur Arbeit zu gehen.


Vor mittlerweile 6 Jahren habe ich hier angefangen, meine Ausbildung zu machen. Eine Verwaltungsausbildung, mitten in einem langweiligen und tristen Rathaus. Mein Strohhalm aus der "Ich weiß nicht, was ich mal machen will"-Tristesse. Nimm was du kriegen kannst.
Wer mich kennt, kann sowieso nicht verstehen, wie ich dazu gekommen bin.
Ich bin viel zu quirlig, zu frech, zu ungebändigt. Und dann macht sie eine Ausbildung in einem strikten, schwarz-weiß-karierten, politisch untergrabenen Rathaus.
Das passt einfach nicht!!

Ich habe meine Ausbildung abgeschlossen, wurde übernommen - was hätte ich sonst machen können, außer mich weiterhin zu bewerben?
Wohl habe ich mich dennoch nicht gefühlt.
Das ist jetzt drei Jahre her. Seitdem renne ich mit meinem Pech um die Wette, bewerbe mich, suche, rechne, überlege.
Ich finde einfach keinen Ausweg!

Man hat mich im Wald ausgesetzt; ich erahne Feldwege, aber die meisten sind zugewachsen oder eine Sackgasse. Einen klaren Weg sehe ich nicht.
Ich schlage mich seit 3 Jahren durch Dickicht und Dornen, von meiner Kleidung sind nur noch Fetzen übrig. Meine Schuhe sind durchgelaufen, ich spüre jeden Stein, jeden spitzen Ast auf meinem Weg, als wäre es ein Berg, den ich überwinden muss.
Je weiter ich gehe, umso verletzlicher und empfindlicher werde ich.
Ich spüre, wie meine Haut immer dünner wird, wie mein Stolz immer weiter wächst, aber mein Selbstbewusstsein im gleichen Atemzug immer schwächer wird.

Ich habe den Job noch nie gern gemacht. Mein Unterbewusstsein hat mich immer weiter heruntergewirtschaftet. Ich habe immer mehr Fehler gemacht, immer mehr vergessen. Anstatt zu lernen, bin ich immer weiter rückwärts gelaufen. Mir wurden immer mehr Aufgaben entzogen, bis ich jetzt, wie ein Praktikant, an meinem Arbeitsplatz sitze, darauf warte, dass man mir etwas zum kopieren oder sortieren gibt.
Ich hasse es.
Ich möchte gar nicht, dass sie kommen.
Ich möchte keine Rechnungen prüfen, keine Briefe schreiben, mich nicht um das verdammte Kopierpapier kümmern. Es ist mir egal, ob die Leute ihr Geld rechtzeitig bekommen, ob der Termin ausgemacht ist oder der Brief heute noch in die Post geht. Es ist mir mittlerweile scheiß egal.

Ich stehe jeden Morgen auf, weil ich muss. Weil ich nicht einfach blaumachen kann.

Gespräche mit den Chefs haben nicht gefruchtet. Wie oft habe ich um eine Umsetzung gebeten. Nichts passierte.

Es bleibt also an mir, zu gehen.
Aber ich kann nicht gehen, wenn ich nichts Neues habe.

Ich weiß nicht, was ich kann.
Ich weiß dafür sehr genau, was ich nicht kann.
Ich kenne meine positiven Eigenschaften nicht.
Ich kenne die, die ich selbst nicht leiden kann.
Ich wäre mir selbst als Arbeitnehmer nichts wert, wie soll ich da einen potentiellen Arbeitgeber imponieren?

Wie soll ich ihm klarmachen, dass ich genau die Person bin, die er sucht?

Ich weiß es nicht. Stecke ich zuviel Hoffnung hinein, ist die Enttäuschung umso größer, wenn ich wieder einen dicken DIN-A4-Umschlag im Briefkasten finde.

Ja, ich bin frustriert. Sehr sogar.
Ich weiß nicht, was ich noch alles in eine Bewerbung schreiben soll, weiß nicht, was die Chefs hören wollen.
Ich habe keine Ahnung, wohin mich das noch führen soll, außer in die Klapse.
Ich fühle mich ganz unten. Gebrochen. Enttäuscht.

Und doch muss ich es schaffen, mich wieder aufzuraffen. Muss neue Hoffnung schöpfen, hier wegzukommen, bevor ich ganz kaputt gehe.

Eigentlich glaube ich an das Schicksal. Was es hiermit bezwecken will, kann ich allerdings in keinster Weise nachvollziehen.

Die Verlockung, einfach aufzugeben, ist sehr groß.
Lieber lasse ich mich irgendwo einweisen, verliere den von mir so gehassten Job, lebe von nichts. Es ist so schon nicht toll, so viel schlechter kann's nicht werden.
Ich bin einfach down. Fast ganz unten. Mal wieder. Und versuche, meine Bewerbung nicht zu verzweifelt klingen zu lassen.

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