Jocx 30.11.-0001, 00:00 Uhr 29 1

Engel oder Teufel?

Ich habe einen Job der Menschen hilft. Und einen, der Menschen an den Rand des Ruins bringt. Wie passt das zusammen?

Ich bin in der Altenpflege gelandet. Ich mache diesen Job gerne und er füllt mich aus. Und ich arbeite nebenbei in einer Spielhalle und ziehe den Leuten das Geld aus der Tasche. Indirekt.

Der Kontrast könnte kaum grösser sein: Am einen Tag darauf zu achten, dass es den Leuten gut geht, dass sie glücklich und unbeschwert ihr Leben leben können, am anderen Tag danach zu streben, den Leuten das letzte Hemd auszuziehen, sie zu motivieren ihr ganzes Geld zu wechseln und möglichst bald wiederkommen.

Es ist ein besonderes Gefühl, einem alten Menschen ein Lachen herauszulocken. Und es ist ein besonderes Gefühl, einem Süchtigen die unmöglichen Gewinnchancen immer und immer wieder schmackhaft zu machen.

Beide Gefühle sind moralisch nicht kompatibel.
Nur ich bin kompatibel.

Manchmal denke ich mir bei einem alten Menschen, dem ich Gutes tue: Wenn ich das in meinem anderen Job auch tun würde, wäre ich bald arbeitslos.
Manchmal denke ich mir bei einem Familienvater, der, am Abend des Geldeingangs auf seinem Konto, über 1500 Euro verspielt: Würde ich so im Altenheim mit Menschen umgehen, wäre ich bald arbeitslos.

Das eine ist moralisch richtig, das andere nicht. Vom Gefühl her möchte ich jedem neuen Gast der Spielhalle zurufen: Nicht! Nicht heute und nie wieder!
Ich kann die Erklärung der Kollegen nicht akzeptieren, die immer wieder sagen: Wenn sie nicht zu uns kommen, dann gehen sie woanders hin.

Stimmt das wirklich? Könnte es nicht sein, dass einer oder zwei oder viele aufhören würde, würde sich nur mal jemand trauen und sagen: "Hör auf, bei mir nicht!"?
Brauch ich das Geld im Nebenjob wirklich? Bin ich egoistisch?
Gibt es noch andere, die zwei gegensätzliche Berufe haben?
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29 Antworten

Kommentare

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    Schlimmer wäre es wenn du nebenbei für ne Versicherung arbeiten würdest, Nebenjob versteht sich! Quasi die Briefmarken für die Briefe, in denen die Verweigerung für die Pflegestufe drin ist, anlecken!
    Das wäre wirklich nicht kompatibel!
    Aber wenn du das Geld brauchst ist es zu ver einbaren... Meine Meinung!

    10.08.2006, 22:14 von b-button
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    Es gibt Dinge, die ich nicht für Geld tun würde !
    Und dazu gehört, Süchtige nicht in ihrer Sucht zu unterstützen.
    Ich finde es unglaublich, wie Du diesen Job machen kannst !

    11.06.2006, 05:25 von Anoriel
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    wenn dus nicht machst, dann macht es eine andere;den Spruch kenn ich: seit ich 19 bin, habe ich als "Tittenmädchen" für Blätter wie Praline und Neue Revue posiert, manchmal sogar für irgendwelche Hobbyfotografen auf dem Sofa. Ich fands immer wieder wiederlich nur eine Wichsvorlage zu sein und wohl auch Futter zu liefern für Männer, die als Sextourist nach Thailand fahren o.ä., aber die Gier nach dem schnellen Geld war stärker.

    09.06.2006, 14:24 von bambinarina
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    irgendwie habe ich das Gefühl, du brauchst den Nebenjob noch eine Weile um herauszufinden, ob DU es moralisch richtig findest dort zu arbeiten. Vielleicht testest du ja auch nur deine eigenen Grenzen aus.

    09.06.2006, 00:27 von Minosch
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    also ich weiss ja nicht was das für eine spelunke ist in der du da arbeitest, aber ganz so dramatisch seh ich das nicht.

    ich hab selber zwei jahre in einer spielothek gearbeitet, und mal ehrlich, man steht doch nicht da und animiert die leute zum spielen, das machen die doch von ganz alleine, im grunde genommen schenkt man doch nur getränke aus und putzt und wartet. ich weiss nicht was ihr alle für eine vorstellung von dem job habt. oder was du falsch machst, ich hätte mich niemals da hingestellt und leute belabert zu spielen, das ist genauso bescheuert wie eine kellnerin die leute belabert zu saufen. das unternehmen in dem ich gearbeitet habe ist sehr bekannt, der marktführer, und natürlich gab es da auch so corporate identity / motivationsscheiss, aber meine kolleginnen und ich hätten einen teufel getan da für die firma das geld aus den leuten zu leiern.

    egal, jedenfalls finde ich die diskussion ziemlich überspitzt und naiv. was ich verstehen kann, ist das der job aus vielen anderen gründen belastend ist, deswegen mach ich es ja auch nicht mehr. die aggression, schlechtes karma was durch die hallen schwebt usw., ich finde das war eine gute erfahrung mit bestimmten situationen klarzukommen, aber zu lange sollte man das auch nicht unbedingt machen.
    ich will die erfahrung auf keinen fall missen, es hat mir sehr viel gebracht.

    ich weiss ja nicht wie lange du das schon machst, ich würd dir raten wenn du merkst du nimmst es immer öfter nach hause mit, dann geh.

    und by the way, ich persönlich würde viel schlechter damit klarkommen altenpflegerin zu sein, meine bewunderung dafür.

    lg, elvissa

    07.06.2006, 13:03 von elvissa
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    oh mein gott wie alt biste denn entscheid dich mal was du im leben willst und was du vom leben erwartest.

    05.06.2006, 19:15 von Sennystar
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    Also............
    Ich habe damals einen Job gehabt wo ich Alkohol an den Mann/Frau gebracht habe.Mit der Zeit bekam ich auch schwierigkeiten damit,weil viele dieses Zeug nicht vertragen und viel unheil anrichten.Ich bekam immer mehr gewissensbisse.
    Dieses Zeug hatte in den Momenten wo ich es ausgeschenkt habe u.a streitereien verursacht.Ich wollte dieses nicht mehr untersützen,obwohl ich sehr gut verdient habe.Aber es war eine sehr gute entscheidung :-).Wenn du damit nicht klar kommst,guck dich anderweitig um.Es gibt wirklich sehr viele Alternativen glaub mir......

    05.06.2006, 13:29 von Goek
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    evtl. verbindest du beide jobs besser miteinander, gehst mit deinen pflegebedürftigen mal einen tag in die spielhölle oder bringst ihnen bei, wie man Blackjack, Baccara oder Stud Poker zockt. Evtl. entsteht ja eine Senioren Poker Gemeinschaft daraus...

    05.06.2006, 11:48 von phanaeus
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    Ich hab in einer Spielhalle meinen Onkel (Vater von zwei Kindern) verloren. Auch bei ihm wussten viele Menschen bescheid, selbst Verwandte, nur diejenigen nicht, die ihm versucht hätten zu helfen. Jetzt ist er tot.

    Was soll ich dazu noch sagen? Das Glücksspiel ist eigentlich ein Spiel mit dem Leben. Dass andere daran verdienen können, finde ich ... gegen jede Regel.


    *J

    04.06.2006, 17:29 von Yinn
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