kaltefuesse 16.06.2009, 22:56 Uhr 2 0

Ein Obstkorb und eine berühmte Bank

Es war einmal ein ganz normaler Arbeitstag in einer der berühmtesten Banken Deutschlands. Morgens bekam ich den Auftrag, einen Obstkorb zu besorgen.

Nicht irgendeinen Obstkorb. Das wurde mir aber erst später klar. Zunächst war es einfach ein Obstkorb für eine am nächsten Tag stattfindende Zusammenkunft von Mitarbeitern dieses Unternehmens. Sie sollten dort etwas über die geänderte Lage des Unternehmens lernen. Für dieses Ereignis hatte ich schon die Ehre, in der Woche zuvor belegte Brötchen und Kuchen zu bestellen, sowie vierzig schöne Namenskärtchen zu basteln. Der Obstkorb erschien da nur wie eine kleine Aufgabe, die in fünf Minuten erledigen könne.

Da hatte ich mich allerdings geirrt. Denn es dürfte nicht irgendein Obst in dem Obstkorb sein. Sondern nur Obst, dass nicht spritzt, wenn man hinein beisst- und nicht kompliziert zu essen ist- und sich hält, sollten die Mitarbeiter doch den Kuchen bevorzugen- und sättigt. Denn der Grund für den Obstkorb war die Angst, die Mitarbeiter könnten von den belegten Brötchen und dem Kuchen nicht satt werden. Ich enthielt mich weitestgehend der Diskussion um das richtige Obst, da ich in diesem Unternehmen gelernt habe, sowieso meistens alles nur falsch zu machen und auch dass es sich in meiner Position nicht ziemt eine Meinung zu haben. Also notiere ich ungefähr eine halbe Stunde später brav den Namen des Obst- und Gemüsehändlers und die Bestellung: 15 Äpfel, aber keine Granny Smith, 10 Bananen, nicht zu grün und nicht zu braun und 15 Birnen, aber nicht zu weich.

Diesen Auftrag sollte ich dann in der Mittagspause erledigen. Eigentlich dachte ich zunächst, die Mittagspause diene dazu, damit ich mich geistig und körperlich erfrische und Kraft tanke für den Nachmittag. Das dachte ich sollte durch Nahrungszufuhr geschehen und durch Ablenkung im Sinne von Gesprächen mit Menschen, die meinen Arbeitgeber nur aus dem Fernsehen kennen. Darin hatte ich mich aber schon des Öfteren geirrt. Aber an just diesem Tag hatte ich ein so anregendes Gespräch, dass ich Banken und Obstkörben vergaß, außer der, auf der ich saß. Dies führte dazu, dass mir der Obstkorb Auftrag schlichtweg entfiel.

Aus diesem Grunde musste ich dann nach der eigentlichen Pause nochmals das Büro verlassen, und dass unter den gestrengen Blicken der unglücklichen Kollegin. Also eilte zu dem gewünschten Obst- und Gemüsehändler. Die Bestellung verlief einwandfrei, bis es zur möglichen Bezahlung kam. Die Verkäuferin grübelte noch darüber, ob sie eine Rechnung ausstellen könne als ich schon den Namen des Unternehmens nennen musste. Daraufhin wurde sofort auf Barzahlung bei Lieferung bestanden.

In der- wie sich später herausstelle- falschen Annahme, das das kein Problem darstellen könne, ging ich zurück in die kühle Luft des Unternehmens die mir fast Atem nahm- und ich wünschte, doch auch nur ein kleiner Gemüsehändler zu sein. In der Buchhaltung wurde mir dann gesagt, dass dieses Unternehmen keine Barkasse besitze und solche Ausgaben privat von den Organisatoren einer solchen Veranstaltung ausgelegt würden.

Bei dem Anruf bei der Organisatorin des Workshops stellte sich jedoch heraus, dass sie nicht das Geld auslegen könne, und das es ein Fehler war den Obstkorb bei dem gewünschten Händler unter diesen Bedingungen zu bestellen. Auch die Dreistigkeit des Händlers, hier keine Rechnung schreiben zu wollen wurde verflucht. Da ich aber vermeiden wollte, einen Obstkorb beim Tengelmann selbst zusammenzustellen- hier kamen mir zu viele mögliche Faux Pas in den Sinn- wie zu weiche Birnen, keine Birnen, falsch gekrümmte Bananen, grüne Bananen, nicht die richtige Sorte Äpfel, der falsch geformte Korb, ein mögliches Wurmloch in einem Apfel, zu teure Äpfel, Birnen, Körbe, was wenn es keinen Birnen gab und ein Ersatzobst gesucht werden müsste- das darf dann nicht zu feucht sein, dass es beim Reinbeissen nicht spritzt, keinen Kern haben- wo sollen diesen denn die feinen Mitarbeiter der Bank hinspucken?

Die Fehlerquellen erschienen mir hier einfach zu groß. Außerdem wollte ich den netten Obsthändler nicht enttäuschen- und ich konnte auch ein bisschen verstehen, dass er etwas an der Zahlungsfähigkeit einer der berühmtesten Banken Deutschlands zweifelte.

Also ging ich wieder zur Buchhaltung, wo ich erhoffte, Hilfe zu finden. Diese schickte mich zum Verwalter der Kaffeekasse- dieser könne doch sicher Geld für den Obstkorb auslegen. Da aber auch die Kollegen in einer der berühmtesten Banken Deutschlands nicht regelmäßig in die Kaffeekasse zahlten, war hier auch nicht genug Geld vorhanden. Also sollte ein ranghöherer Mitarbeiter der Firma aushelfen. Da dieser aus meiner Heimatstadt stammte schaffte ich es schließlich mit einem netten Lächeln das Geld für den Obstkorb auszutreiben.

Freudestrahlend kam ich zurück in mein Büro- wo ich gerügt wurde, wo ich denn so lange bliebe. Als ich dann der Organisatorin des Workshops mitteilte, dass ich nun endlich das Geld aufgetrieben hätte und der schon bestellte Obstkorb nun bezahlt werden könne, wurde ich jedoch wieder gerügt. Der Kollege, von dem ich das Geld besorgt hatte, wäre doch gar nicht selbst auf dem Workshop eingeladen. Deswegen ginge ihn das doch gar nichts an. In welchem Lichte stünde denn jetzt die Organisatorin des Workshops da? Wie könne ich nur so unaufmerksam sein, ich hätte doch die Namenskärtchen gebastelt. Und was mir denn einfalle, gerade diesen Kollegen zu fragen. Ob ich nicht selber das Geld für den Obstkorb hätte auslegen können.

Da jedoch auch ich mich manchmal frage, wie lange dieses Unternehmen noch zahlungsfähig ist, wollte ich dies vermeiden. Mittlerweile war es halb fünf. Als ich mir dann noch erlaubte, schon nach neun Stunden Arbeitszeit meinen Arbeitsplatz zu verlassen, spürte ich nur die bösen Blicke im Nacken. Doch ich ging heim- und aß Kirschen. Die spritzten und die Kerne spuckte ich einfach aus. So wie sich das nicht für einen Mitarbeiter dieser Bank gehörte. Aber sie schmeckten gut, meine Kirschen.

Mögen morgen die Vitamine den Mitarbeitern einer der berühmtesten Banken Deutschlands gut tun. Ich würde dort gerne einmal Gute-Laune-Drops verteilen. Und Entspannungsmassagen. Vielleicht helfen ja auch Vitamine, vielleicht.

2 Antworten

Kommentare

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    Naja und es ist eben symptomatisch für Entscheidungsfindungsprozesse und ungeklärte Zuständigkeiten in einem Unternehmen wenn ein Obskorb schon ein solches Drama stellt. Auch bei wichtigeren Themen wird man dort von Hinz nach Kunz geschickt und erst wenn es fünf vor 12 ist werden panisch Entscheidunge getroffen. Naja, ich sag da nichts dazu- hab ja keine Meinung zu haben.

    18.06.2009, 07:39 von kaltefuesse
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    haha :)
    Irgendwie total unwichtig, der Text, aber hat mich gerade trotzdem amüsiert. Wenigstens ging er nicht über Liebe und Verliebtsein. Jaja, Obst muss ich auch mal wieder essen.

    17.06.2009, 23:24 von FrauMueller_XIV
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