Die schönsten Projekte und leichenblass
18.58 Uhr: Ich bin seit viertel vor acht auf der Arbeit und jetzt trau ich mich nicht zu gehen weil ich immernoch nicht fertig bin.
Durch den Lautsprecher ertönt leise aber noch hörbar der nächste Halt. Wehmütig atme ich durch und spüre wie der Zug zu bremsen beginnt. Während sich mein Körper so langsam Richtung Tür bewegt, vernehme ich das quietschende Geräusch wo Eisen an Eisen reibt. Der Zug steht. Die Türen entsichern. Ich wünschte mir die Türen gehen nicht auf und der Zug fährt einfach weiter, mit mir an Bord. Was macht schon die halbe Stunde?! Der Asphalt unter meinen Füssen bebt. Auf den Nebengleis rast ein Güterzug lang. Ehe ich mein Kopf drehen konnte war der Güterzug schon weg und die Schranken gingen auf. Bevor ich meine Kopfhörer aufziehe und den Balsam von den Helden lausche höre ich noch das schrille Pfeifen des Schaffners. Der Zug fährt weiter. Und da stehe ich nun wie jeden Wochentag der letzten drei Monate, manchmal sogar auch am Wochenende.
Mein Puls erhöht sich konstant mit jedem Schritt den ich dem Haus näher kam. Ich schalte mein MP3-Player aus und nehme meine Kopfhörer ab. Für einen Augenblick wollte ich so schnell ich konnte die Strasse wieder runter rennen und in den nächsten Zug nach Hause einsteigen. Stattdessen betrete ich das Büro durch die neue Haustür. Es hat eine ganze Woche gedauert das die Einfahrt neu gepflastert wurde und letztendlich haben wir einen Graben vor der Haustür, weil mein Chef nicht einig mit den Bauarbeitern war und die dann einfach gegangen sind.
Mein Kollege Herr Best steht am Tresen und blättert in einem Stapel Papier. Er wirkt leicht genervt. Leise sage ich guten Morgen und schleiche mich an ihm vorbei zum Nebenzimmer. Bevor ich die Stechuhr erreiche klingelt auch schon das Telefon. Im Hintergrund poltert es. Das klingeln erstarb. „Starck.“ Kurze Stille. „Herr Lichtenstein sagen Sie das nicht mir. Es ist mir völlig egal ob Sie krank sind. Sagen Sie das Herrn Best immerhin muss er Sie ja jetzt vertreten.“ Aufgelegt. Meine Karte klickte ein. 'Pieps.' Ich zog sie wieder raus und schnappte mir die Schlüssel vom Tresen. Noch während ich den Raum verließ summte es in Herrn Best seiner Hemdtasche. „Planungsbüro Starck, Best Guten Tag.“ Die Tür fiel ins Schloss und ich trabte die Treppen hoch. Die Antwort des Gesprächspartners brauch ich gar nicht abwarten, ich weiß es schon wer dran ist. Ich schloss die Tür auf und betrat den Flur. In Gedanken sagte ich zu mir; Guten Morgen Frau Müller, auf einen neuen aufregenden Arbeitstag.
Seit einer Stunde bin ich schon hier und zeichne so alleine vor mich hin. Eigentlich mache ich mir morgens immer eine Kanne Tee, aber irgendwie schwindet mir die Lust wieder runter zu gehen. Der Zylinder schnappte um und die Tür sprang auf und ein völlig genervter Herr Sword kam zu Tür rein. „Mein Gott was für’n Chaos da unten“ und rannte durch zu seinem Zimmer. Da meine Motivation eh gegen null lief lehnte ich binnen weniger Sekunden lässig am Türrahmen seines Büros und erkundigte mich was denn so schlimm wäre. Es ist noch keine 24 Stunden her und er freute sich schon nach zweiwöchigen Urlaub wieder ein wenig arbeiten zu können. Doch davon merkt man jetzt nichts mehr. „Ja hast das net mitbekomm?“ Hier oben hat man meistens seine Ruhe und kann zufrieden arbeiten. „Was denn?!“ „Was habt Ihr denn mit der armen Frau König gemacht? Die sitzt da unten leichenblass und fällt vom Stuhl. Sie zittert richtig am ganzen Körper.“
Sie hat die letzte Wochen mindestens 70 Stunden gearbeitet an einem der größten Projekte des Büros. Den kompletten Vorentwurf des Flughafenausbaus in Frankfurt, zumindest den Teil den wir bekommen haben (2 Hotels & 2 Bürogebäude mit Tiefgarage). In anderen Unternehmen wurden deswegen neue Leute eingestellt und unser Chef macht so ein Projekt nebenbei. Wir sind mit Arbeit versorgt bis nächstes Jahr und er nimmt trotzden Neues an. Das einzige was mich hierher gelockt hat war die Bezahlung und die Projekte. Die Pläne die auf meinen Tisch liegen davon würde so mancher Träumen. Wir arbeiten mit den wichtigsten Leuten der Baubranche um Frankfurt zusammen. Doch ich will nicht wissen was Sie denken wie groß unsere Firma ist, drei Ingenieure, ein Techniker, zwei Zeichner (incl. meiner Wenigkeit), vier Sekretärinnen und der Chef natürlich. Mir steht die Arbeit bis zum Hals. Zum Glück ist das nur eine Ferienarbeit.
Wir haben’s jetzt gegen elf, der Chef sitzt schon seit einer halben Stunde beim Herrn Sword und erklärt ihn ein paar Punkte zu seinem Projekt. Frau Starck stürzt zur Tür rein und ich ahne schon nix gutes. Sie rennt durch zum Büro von Herrn Sword. Ich habe nicht verstanden was Sie sagte, doch durch geschlossene Tür kann ich klar und deutlich Herrn Starck antworten hören. „Das ist mir doch egal! Und jetzt verschwinde!! Lass mich in Ruhe arbeiten!“ Sie streiten sich oft und das meistens vor uns, da ja der Chef bis ein Uhr Nachts jeden Tag im Büro ist bleibt nicht viel Zeit zuhause zu streiten. Doch so ein Streit wie heute gab es noch nie. Irgendwann am Ende des Gesprächs fragte der Chef in lautem Geschreie seiner Frau ob sie denn der Robin Hood der Firma sei. Ich befand jetzt es sei der richtige Moment mir die Kanne Tee aufzukochen und verschwand nach unten.
Während das Wasser sich im Wasserkocher erwärmt sitze ich bei Frau König im Zimmer. Sie ist seit acht Jahren in dieser Firma. Acht Jahre!! Letztes Jahr bekam sie ein Brief vom Chef das Sie unfähig wäre und unser Techniker Herr Sword alles besser könne als Sie. Natürlich er ist ja deswegen auch Techniker! Da sitzt nun eine 1.65m große, etwas kräftigere Person mit offenen lockigen schulterlangen Haaren vor mir und sie zittert am ganzen Körper. Ihre Augen sind ganz glasig während ich mit ihr rede. Am Wochenende ist sie gegen das Treppengeländer gefallen und hat jetzt ein riesen blauen Fleck am Arm, weil sie nur noch an die Arbeit gedacht hat. Sie fragte sich die ganze Zeit ob sie denn alles richtig gemacht hat. Nur Richtig gibt’s bei uns nicht, der Chef würde immer alles anders machen. Wenn man zum Beispiel ein Lüftungsgerät auf den Dach plant will er es in den Keller haben, plant man es jedoch in den Keller ist das Dach doch tausendmal besser. Frau König hat den ganzen Tag ihren Arbeitsplatz aufgeräumt, Pläne in den dazugehörigen Ordner abgelegt und ist heute schon gegen zwei Uhr nach hause. Sie wird auch die nächsten zwei Tage zuhause bleiben, denn Frau Starck hat ihr befohlen sie solle sich Ruhe gönnen.
Ich sitze wieder oben in meinem Büro und zeichne an meinem Projekt weiter. Mir stehen noch fünf Tage Urlaub zu und ich traue mich nicht sie einzureichen. Wenn es nach dem Chef gegangen wäre hätte ich gar kein Urlaub. Die Motivation im ganzen Büro ist sehr niedrig. Im grunde schaut sich jeder nach was neuem um. In diesem Büro wurde noch niemand gekündigt, bisher wurden alle so lange gemobbt bis sie von selber kündigten. Ein Kollege hat gekündigt weil der Chef ihm kein Wochenende frei gab seinem im sterben liegenden Sohn im Krankenhaus zu besuchen. Er erwartet unmögliches von uns und das mit den besten Ergebnissen. Und meine Tage hier sind gott sei dank auch schon gezählt. Ich halte mir die ganze Zeit das Ende vor Augen und male mir mein Kontostand danach aus, trotzdem habe ich morgen genauso wenig Lust aus dem Zug zu steigen. Wer weiß was da ist!? Vielleicht falle ich dann ja leichenblass vom Stuhl.






Kommentare
oh, das kommt mir sehr bekannt vor. interessanter job, 60-70 stunden pro woche...hab mich und mein umfeld (natürlich nur den eigenen freund, den freundekreis und meine familie - nicht etwa den chef oder die chefin) gequält und sehr unter der situation gelitten. hatte auch nie den mut etwas zu sagen, geschweige denn urlaub zu nehmen (blieb ja keine zeit dafür). das alles für einen hungerlohn.
29.04.2008, 11:52 von palatschinkenach 1,5 jahren habe ich mich aber überwunden und den job gewechselt. endlich! kann mein leben wieder genießen und merke erst jetzt richtig, wie sehr mich der frühere job belastet hat. hätte schon früher den mut zusammennehmen sollen...
und: den mund zu halten ist nie ein guter weg, um die situation zu verbessern. das weiß ich jetzt auch.
oh leute, heult doch nicht immer herum, weil ein paar fehlerchen dabei sind. das ist hier keine deutschstunde. ts.
10.09.2007, 18:21 von NeonBlondSelbst Chef, aber so ein Verhalten kann ich von mir nicht sagen. Fürchterlich, das sind doch keine Menschen denen müsste man doch verbieten sich selbstständig zu machen. Aber jeder bekommt das was er verdient. Ansonsten toll geschrieben.
08.09.2007, 16:03 von FrenziEinerseits galt zumindest früher der Spruch "der Wechsel unterhält, doch nützt er wenig". Andererseits kommt man heute wohl ohne Wechsel nirgends voran. Da braucht es doch eigentlich nur ein Zwischenzeugnis, mit welchem das Weiterkommen einfacher ist. Das Endzeugnis vom Arbeitsplatz muss dann nicht mehr nötig sein für Bewerbungen. So ein Wunsch für ein Zwischenzeugnis sollte nicht schwer zu begründen sein, wenn ein Jahr dort gearbeitet wurde, und man sich überlegt, eventuell weiter dort zu arbeiten.
08.09.2007, 00:52 von schlenkeich weiß ich bin nicht die erste, die das bemerkt, aber solche dinge machen mir den schönsten text zur nervenhölle. du verwechselst die fälle und springst innerhalb der sätze und überhaupt ständig zwischen den zeitformen hin und her. das ist aber kein schusselfehler, sonst würde sich das problem nicht durch den ganzen text ziehen. schade drum.
07.09.2007, 12:21 von enfant.terrible@enfant.terrible Schon mal auf die Idee gekommen, dass Sachen wie wechseln der tempi und unterbrochene Sätze Stilmittel sind, um die totale Erschöpfung und Desorientierung des Protagonisten zu verdeutlichen. Das findet man auch öfter in Büchern, liegt aber wohl ausserhalb der Reichweite, was hier so manche begreifen.
07.09.2007, 17:28 von captainlunaticOk, es fehlen ein paar Kommas, aber das ist wohl keine Kategorie eine Text zu beurteilen, wenn man nicht gerade Streber und Sclaumeier No1 ist.
Hey Spiegel...mir geht es nicht anders. Wochenende, Feiertage...Projekt ist Projekt. Und haben uns unsere Eltern nicht jede Menge Verantwortungsgefühl anerzogen?!
06.09.2007, 14:29 von Judy_JetsonKauft euch mal Vitasprint! Hilft wirklich!
06.09.2007, 12:08 von lowisdie "neue" rechtschreibung ignoriere ich komplett, weil sie eine farce ist.
06.09.2007, 09:56 von _marciin diesem text wimmelt es allerdings von üblen fehlern. gut geschrieben ist er auch nicht.
ob der text nun für die startseite von NEON geeignet ist, kann ich nicht beurteilen, da die meisten ergüsse hier ein ähnliches niveau haben. von den kommentaren gar nicht zu sprechen.
Ich weiß, dass das hier schon angesprochen worden ist, aber sowohl Grammatik, Kommasetzung und teilweise die Rechtschreibung sind nahezu untragbar. Ich konnte mich fast nicht auf den Text konzentrieren, da ich nur noch fehlende Kommata und andere Fehler erblickte. Selbst wenn Rechtschreibung und Ausdruck nicht Deine Stärken sind - lasse jemand anderen rüberlesen oder kopiere den Text in Word und lasse ein Rechtschreibprogramm rüberlaufen.
05.09.2007, 21:32 von SaphiraDeine Arbeitssituation tut mir sehr leid, aber ich konnte mich - wie gesagt - kaum auf den Text konzentrieren. Ich verstehe mittlerweile nicht mehr, ob die Startseitentexte überhaupt noch Korrektur gelesen werden.
@Saphira Mir fielen die Grammatikfehler des Textes auch erst jetzt auf. Was mir aber auch auffällt: Die neue Rechtschreibung hat anscheinend bei vielen Leuten (inklusive mir) den Anschein erweckt, "Straße" würde jetzt mit Doppel-s also "Strasse" geschrieben. Die Regel, ß --> zu ss gilt aber nur bei kurzen Vokalen also z.B. "Fluß" ---> "Fluss". Interessant, dass auch andere die Regel falsch interpretiert haben (siehe 2.Absatz, 4.Zeile des Artikels)
05.09.2007, 22:57 von koallasuuOh man, irgendwie voll schockieren. Ich sitze gerade bei der Arbeit in der Bibliothek, wo ich eigentlich nur lieb lächeln und Ausweise entgegennehmen muß. Aber ich habe heute erst erfahren, dass ich heute arbeiten muß...1h nach Schichtbeginn und bin ziemlich angefressen, weil mein Kollege das verplant hat. Aber das ist ja mal gar nichts gegen deine Story...ich merke, wie gut ich es habe. Wie lange harrst du da jetzt noch aus?
05.09.2007, 19:55 von koallasuu