zweimannagentur 09.01.2004, 09:20 Uhr 9 0

Die Macht der Werbung – oder das Märchen vom bösen Wolf.

Du wirst manipuliert. Durch Werbung. Ferngesteuert greifen die Menschen nach Markenprodukten...

Du gehst durch den Supermarkt und willst Bier kaufen, aber nicht irgendeins, sondern nur Becks, weil es nach der großen weiten Welt schmeckt. Du kaufst Zigaretten und greifst nach den Gauloises, der Marke, die Dich als Individualisten ausweist. Du willst eine Jeans und holst die nicht bei Aldi, sondern im neuen Diesel-Store.

Warum? Ganz einfach! Du wurdest manipuliert. Durch Werbung. Wie in Science-Fiction Romanen werden Dir immer und immer wieder Markenbotschaften eingetrichtert. Wie ein Mantra graben sich die Produktnamen in Dein Hirn. Du wurdest manipuliert. Durch Werbung. Du würdest Dich ja gerne anders entscheiden. Nach dem Preis. Nach Qualität. Nach objektiven Kriterien. Aber Du wurdest manipuliert. Durch die böse Werbung…

Ich arbeite seit 10 Jahren in dieser Branche und diese Argumentation begegnet mir immer wieder. Und jedes Mal verblüfft sie mich aufs Neue. Intelligente und selbstbewusste Menschen versuchen mir zu erklären, dass sie durch Werbung manipuliert werden. Sie glauben allen Ernstes, dass sie gegen die Markenbotschaften wehrlos sind. Doch das ist Unsinn. Denn Werbung kann niemanden den freien Willen nehmen. Jeder bleibt zu jedem Zeitpunkt Herr seiner Entscheidungen.

Werbung schafft es lediglich die Entscheidung für eine bestimmte Marke wahrscheinlicher zu machen. Dadurch, dass die Marke sympathisch dargestellt wird. Durch die Lieferung von Argumenten, die die Wahl für dieses Produkt und gegen die Konkurrenz leichter machen soll. Oder durch eine häufige Wiederholung des Logos an allen Orten, damit die Marke wichtig und präsent erscheint. Die letztendliche Entscheidung liegt aber ganz in der Hand des selbstständig denkenden Menschen.

An diesem Punkt der Diskussion trumpft dann immer jemand auf, dass es aber in den 50er Jahren dieses Experiment in Amerika gegeben hat. Damals wurden im Kino in nicht wahrnehmbaren Sekundenbruchteilen Befehle wie „Iss Popcorn“ oder „Trink Cola“ eingeblendet. Der Verkauf schnellte dann in die Höhe. Die Menschen wurden durch so genannte „unterschwellige Werbung“ manipuliert und konnten sich dem Konsumzwang nicht entziehen.

Ein schönes Beispiel. Nur es hat einen Haken: Es ist erlogen. Es stammt aus dem Buch „Die geheimen Verführer“ des Werbefachmannes James Vicarny. Fünf Jahre später gab der Autor in einem Interview dann zu, dass er die Geschichte nur erfunden hatte, um Kunden für sein Unternehmen zu akquirieren. Bei allen zukünftigen Experimenten unter Laborbedingungen wurden die Ergebnisse stets widerlegt. So wurden bei einem groß angelegten Versuch eines kanadischen TV-Senders eine versteckte Botschaften in einer Fernsehsendung eingeblendet. Danach wurden 500 Zuschauer befragt: Fast die Hälfte der Befragten gab an, sie hätten Hunger oder Durst, denn sie vermuteten wohl, dass bei dem Experiment ähnlich wie bei dem bekannten Kino-Experiment zum Konsum von Lebensmitteln aufgefordert wurde. Die tatsächlich versteckte Botschaft „Call now!“ hatte niemand wahrgenommen.

Genauso wenig wie Vicarny’s Befehle machen Werbeanzeigen oder TV-Spots die Menschen zu willenlosen Konsum-Zombies und Marken-Junkies. Sie haben den freien Willen und sie können frei entscheiden. Gruppenzwang, Prestigesucht oder Gewohnheit kann Menschen zu mancher Markenwahl manipulieren. Werbung vermag das zum Glück nicht."Wichtige Links zu diesem Text"
Unterschwellige Werbung
Artikel zum Thema aus der \"Zeit\"
Studie zum Thema unterschwellige Wahrnehmung (engl.)

9 Antworten

Kommentare

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    uhuh....
    die werbung ist von allen dingen die uns beeinflussen das schwächste....
    davor stehen:
    - Familie
    - peergroup
    - Medien
    - Filme
    - Bücher
    - Spiele

    19.03.2006, 22:37 von fabiang
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    Durch mehrmaliges Wiederholen und eine sympathische Werbekampagne, gewinnt das Produkt zwangsläufig an Aufmerksamkeit.
    Wer guckt nicht einem Menschen hinterher, den er attraktiv findet, manchmal ohne es zu merken.
    Eine Attraktivität für ein bestimmtes Produkt ist damit zu vergleichen. Sex sells. Sympathische Menschen werden häufiger angesprochen und Produkte gekauft. Warum sollte es sonst Werbekampagnen geben ? Ob alle Menschen einen freien Willen in solchen Kaufsituationen haben bezweifle ich. Aber von einem selbstständig denkenden wäre es zu erwarten, dass er sich die unbewusste Kaufsympathie für ein Produkt bewusst macht. Identifikation fängt im Bewussten an und wird durch die Wiederholung der Werbung genährt. Natürlich gibt es diejenigen, für die die Preise im Vordergrund stehen. Aber wenn man sich zwischen einem Markenprodukt und No-Name Marke entscheiden soll, greift der Mainstream zur Werbekampagne.

    21.09.2005, 22:15 von ideenhimmel
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      @[Benutzer gelöscht] Hi susa,

      danke für deinen ausführlichen kommentar & die konstruktive kritik.

      so sehr ich mich gegen eine pauschal-verurteilung der bösen werbung wehre, so wenig möchte ich damit eine generelle heiligsprechung oder absolution erteilen.

      auch werbung, genauer die werbungtreibenden und die werber, haben natürlich auch eine gesellschaftliche verantwortung. wenn bspw. fremdenfeindlichkeit als gesellschaftlicher trend festgestellt wird, kann man das nicht einfach in der werbung aufgreifen. das ist klar.

      und was werbung für kinder betrifft: auch hier ist das verantwortungsbewusstsein der unternehmen und agenturen genauso gefragt, wie das der eltern.

      stellt sich die frage, wie man das steuern kann. einerseits sind werbeverbote kaum zu realisieren, denn kinderprogramme im privat-fernsehen (die nicht alle nur schlecht sind) können halt nur durch werbeeinnahmen finanziert werden. und wo zieht man die grenze zwischen sinnvollen kinderprodukten und konsum-trash?

      so ist es ja z.b. begrüßenswert, wenn kinder durch den harry-potter-hype wieder mehr lesen. die merchandising-produkte drumherum sind aber dann wieder eher zeichen des sog. "konsumterrors"...

      meiner meinung nach ist auch hier das beste korrektiv der gesellschaftliche druck. wenn solche produkte nicht gekauft werden, ist das die beste strafe für die unternehmen.

      kinder haben weder die medienkompetenz noch die werbeerfahrung um zwischen "guten und schlechten" produkten zu unterscheiden. hier sind wirklich die familien gefragt. fakt ist jedoch, dass es für viele eltern viel einfacher ist, den wünschen des kindes nach der neuen barbie/felix/janosch/diddl-figur die grade "in" ist nachzukommen, anstatt es auf eine diskussion ankommen zu lassen.

      die gesetzlichen regelungen für werbung sind in deutschland mit die härtesten weltweit. hinzu kommen laufend neue regelungen durch die eu.
      trotzdem wird es immer wieder auswüchse geben, die kinder als zielgruppe aggressiv ansprechen.

      hier ist jeder einzelne gefragt. der entwickler, der bessere produkte macht. der unternehmer, der sich seiner verantwortung bewusst ist. der werber, der eine geeignete sprache wählt und sich vielleicht machen produkten verweigert. die industrieverbände, die sich gewisse selbstverpflichtungen auferlegen (siehe deutsche zigarettenindustrie). die eltern, die sich mehr mit ihren kindern auseinandersetzen müssen. der patenonkel, der an weihnachten vielleicht mal nicht mit dem neuesten trend-produkt glänzt.

      14.02.2004, 10:01 von zweimannagentur
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      @[Benutzer gelöscht] gute Argumente, kurze Antwort: wie wär es mit einer "STIFTUNG kinderprodukte TEST" analog zur Stiftung Warentest? So eine Art halb-offizielle Empfehlungsstelle für gute Kinderprodukte. Kein Scherz. Fänd ich nicht so blöd...

      16.02.2004, 20:45 von zweimannagentur
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    ...da Sie es aus dem Kontext "reißen", stimmt es.
    Grundlegend sind Ideen und Strategien verschieden.
    In Bezug auf "bessere Lösung" sind Ideen und Strategien dieselbe Variable!
    Alles andere wäre jetzt "Wortklauberei" :)

    12.02.2004, 07:05 von jorg
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    "Der Gipfel der Frechheit"
    oder "vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun"

    ich kann nicht glauben, was der artikel hergibt und las ihn nochmal...und nochmal....nun muss ich antworten, um ihn wieder aus meinem kopf zu kriegen :)

    Sie schreiben:
    >>>>>Intelligente und selbstbewusste Menschen versuchen mir zu erklären, dass sie durch Werbung manipuliert werden. Sie glauben allen Ernstes, dass sie gegen die Markenbotschaften wehrlos sind. Doch das ist Unsinn. Denn Werbung kann niemanden den freien Willen nehmen. Jeder bleibt zu jedem Zeitpunkt Herr seiner Entscheidungen.<<<<<

    und begründen es mit:

    >>>>>Gruppenzwang, Prestigesucht oder Gewohnheit kann Menschen zu mancher Markenwahl manipulieren. Werbung vermag das zum Glück nicht.<<<<<

    und wollen uns "weissmachen", werbung "arbeitet" nicht auf der ebene von "gruppenzwang, prestigesucht und gewohnheit"?
    wollen sie erklären das frau meyer, musterstrasse irgendwo ihr "Zielgruppe"?
    steht das wort ziel"gruppe" nicht im widerspruch zu der einzelperson frau meyer?

    darüber hinaus erklären sie unterschwellig demnach, das jeder der sich von werbung zum konsum, entgegen freier entscheidung, verleiten läßt, zwangsläufig nicht intelligent sein kann.


    denken sie nicht auch, dass all die intelligenten menschen, denen SIE nicht glauben und sogar unterstellen unsinn zu reden, denken, sie haben selbige überhaupt nicht verstanden, weil sie scheinbar ihre eigene arbeit und deren "früchte gar nicht begreifen? :)

    im weiteren schreiben sie "entkräftend":
    >>>>>Werbung schafft es lediglich die Entscheidung für eine bestimmte Marke wahrscheinlicher zu machen.<<<<<

    toll..und wie macht werbung das, wenn werbung so gar nicht manipuliert?

    ich hofffe sie selbst verwechseln werbung nicht mit einer neutralen, technischen produktbeschreibung.


    ein weiterer (schlechter)"witz" ist ihre "lügen-analyse" der unterschwelligen kino-werbung, bei der
    befehle wie „Iss Popcorn“ oder „Trink Cola“ eingeblendet
    wurden,was ja so gar nichts bewirkt hätte.
    als "beweis" schildern sie den "groß" angelegten versuch (500 leute *lach*) des canadischen tv's, der die versteckte botschaft "Call Now" einblendete, den "angeblich" niemand wahrgenommen hat.

    nun bitte ich sie zu nachzudenken:

    wo ist der unterschied zwischen
    "iss popcorn" , "trink Cola"
    und
    "Call Now".

    richtig, guter mann, es ist die adressatengerechte zuweisung, was bedeutet, wäre statt "call now" zum beispiel "call oma" eingeblendet worden, hätten sich eventuell 150 von 500 oma's gefreut :)

    verzeihen sie meinen gesteigerten, agressiv anmutenden kommentar, ich bin mir nur nicht schlüssig ob sie es nicht besser zu schreiben wußten, oder schlichtweg die unwahrheit publizieren.

    übrigens haben sie auch auf ihrer eigenen web-site schon fehler "eingebaut":
    auf ihrer seite "kreative strategien" schreiben sie "wir finden die bessere lösung....durch neue ideen"
    während sie auf der seite "brand intersection" schreiben "...durch die nutzung bewährter und erfolgreicher strategien großer marken."

    ...weil das für sich spricht, lass ich es mal so im raum steh'n.

    jorg winter

    10.02.2004, 23:46 von jorg
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      @jorg hallo herr winter,

      ...ich möchte ihre aufgeregten kommentare nicht zurück-kommentieren. da soll sich jeder leser sein eigenes bild machen.

      nur ganz kurz zum vermeintlichen fehler auf unserer website: ideen und strategien sind zwei so grundlegend verschiedene dinge, dass sich auch hier ein kommentar erübrigt - weil ihr diesbezügliches unverständnis für sich spricht, wie sie so schön sagen.

      11.02.2004, 10:54 von zweimannagentur
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    das thema kann man wohl schwer durch ein ja oder nein darstellen. in unseren breiten, wo werbung fixer teil der wahrnehmung ist, ist sie weit aus unwichtiger, als es werber hören wollen, bzw. es ihren kunden sagen.

    geht man allerdings in länder, in denen verkaufsförderung eine neue art der öffentlichen verschmutzung darstellt, entstehen mit sicherheit effekte, die der werbung zu zu schreiben sind. sieht man sich in china den dortigen wertewandel im schönheitsideal an, merkt man es deutlich.

    bei uns ist das konglomerat aus kommerziellen medien bereits viel zu dicht, um es auf einzelne faktoren schieben zu können. eine gute kampagne zeichnet sich nicht nur durch den klassischen teil aus, sondern auch einer guten pr-kampagne, damit fachmagazine auch eine redaktionelle unterstützung geben. wer keine anzeigen schaltet, bekommt auch keinen bericht. weiters sind auch themen wie sie in "war photographer" von nachtwey angesprochen werden, ebenfalls zu bedenken. anzeigenkunden schätzen es nicht, wenn neben ihren teuren scheinwelten, die wahren welten dargestellt werden.

    aus meiner sicht geht aus der beeinflussung der redaktionellen medien durch die werbung viel mehr manipulation aus, als von der schnöden anzeige.

    06.02.2004, 13:45 von scheibl
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      @[Benutzer gelöscht] ..hmm....ich denke es ist unmöglich werbung von kindern fernzuhalten, weil in fast jedem haushalt ein fernseher oder radio läuft.
      dazu kommen zeitschriften in hülle und fülle, prospekte frei haus, plakate und "...hast du noch nicht gesehen"!.

      ich "fordere" schlicht und ergreifend eine werbung, die wirbt und nicht lügt.
      das würde eine ganz neue, gesellschaftliche qualität formen, dessen bin ich mir sicher.
      sicher,die produkte sollen und müssen präsentiert werden, ja, auch nach allen regeln der "kunst", aber OHNE lügen und suggestionen.das ist wirklich NICHT notwendig, es sei denn, es ist ohnehin ein sch.. produkt, und dessen resourcen können wir lieber sparen :)

      dann wird auch "made in germany" wieder ein begriff,
      zur zeit heisst es ja eher "promoted in germany" :)

      12.02.2004, 17:20 von jorg
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    Nun, "die" (globale) Werbebranche insgesamt hat sicher astronomische Umsätze, ich traue mir hier gar nicht irgendeine Zahl zu sagen, aber ein paar hundert Milliarden werden bestimmt nicht reichen.

    Das dieses ganze Geld nicht ausgegeben wird, nur
    um "die Marke sympathisch darzustellen", dürfte liegt doch wohl auf der Hand.

    Und DEN selbstständigen Menschen, der alle Entscheidungen eigenständig und noch dazu unabhängig tätigt, möchte ich einmal sehen. Ein kurzer Blick in die Psychologie (sollte ja grade für Werbefachleute nichts ungewöhnliches sein...) zeigt: Die Entscheidungen werden eben nicht allein rational gefällt, sondern sind zumeist mit emotionalen Komponenten gefärbt und oft geben diese Emotionen den Ausschlag für Handlungen.

    Werbung - ganz allgemein, markenunabhängig - schafft Bedürfnisse. Und diese wurden mit Sicherheit NICHT aus freiem Willen evoziert! Wie der/die Einzelne damit umgeht, ist widerrum die andere Frage...

    26.01.2004, 19:50 von Garp
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    natürlich können sich die menschen immer frei entscheiden. Wenn sie ein Prdukt kaufen, liegt das an ihnen. Aber dennoch suggeriert die Werbung verschieden Qualitäten eines Produkts, die das Kaufverhalten stark beeinflussen. Das ist der Werbeindustrie sehr recht- verständlich. Nur werden somit auch, wei arnearen sagte, Bedürfnisse künstlich erzeugt. Dennoch finde ich hinkt das Beispiel mit der" schwarzen , überzuckerten Limonade". Zwar wird ein Anreiz gegeben, das Produkt zu kaufen um es zu probieren. Der wiederholte Verzehr hängt aber dann alleinig beim Konsumenten. Anscheinend trifft die " schwarze, überzuckerte Limonade" einfach den Geschmack der Mehrheit der Menschen. Wenn ein Produkt überzeugt, hat die Werbung nur bedingt Anteil daran.

    14.01.2004, 16:41 von jacuzzi
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      @jacuzzi Hallo arnearne & jacuzzi,

      dass Werbung Einfluss hat will ich ja garnicht bestreiten (ich zieh mir ja nicht selbst den Boden unter den Füßen weg!). Werbung ist aber nur eine Facette, die zur Meinungsbildung beiträgt. Weitere Aspekte können Zeitungsartikel sein, Empfehlungen von Freunden oder auch die Verfügbarkeit der Produkte, die Verpackung - und natürlich der Preis.
      Hinsichtlich der Qualitätsaussagen in der Werbung sind im Übrigen die Anforderungen der GEsetzgebung in Deutschland, wie auch die neuen EU-Gesetze höchst streng, so dass irreführende oder falsche Aussagen eigentlich garnicht möglich sind.
      Wichtig ist einfach, dass man trotzdem noch selbst entscheiden kann. Wenn man das bestreitet hat man letztendlich Zustände wie in den USA, wo dicke Menschen gegen Süßwarenhersteller prozessieren.

      14.01.2004, 18:11 von zweimannagentur
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      @zweimannagentur ...oder menschen mit lungenkrebs gegen tabakimportierende firmen...
      nun ja..., lasst uns zugeben, dass der ständig wiederholte ablauf der werbung vor unseren augen uns nicht zu sabbernden, willenlosen coca cola-, lewis- und l'oreal-konsumenten macht.
      ---überhaupt: immerhin haben wir ja auch die wahl gehabt, den fernseher anzustellen oder uns einer anderen unterhaltungsquelle zu widmen...meinetwegen der nintendospielekonsole oder dem gameboy ...oder der werbung-enthaltenden neon... oder einem echt anspruchsvollen krimi...dazu dann noch ein glas schwarzer süssstoff- und geschmacksverstärkerhaltiger limonade (nach der man dank emulgator süchtig wird) auf die wir dank deiner tollen werbung gestossen sind ...dazu vielleicht noch eine tüte chips ....und wir schwelgen in unserem zucker-fett-rausch, der die selben glückshormone auslöst, wie die milkaschokolade mit oder ohne extra-portionmilch, die sich unser abkömmling neben uns auf dem sofa reinzieht ---im guten glauben, er ernähre sich gesund...und bei dem nächsten supermarktbesuch haben die bunten werbeplakate ein leichtes spiel.
      genauso, wie das süchtigmachende nikotin in der gaulloises die menschen -trotzdem sie wissen, dass der übermässige konsum zum tode führt- immer wieder an der kasse in die metalkäfige greifen lässt.

      prost mahlzeit, zweimannagentur,...
      damit du besser schlafen kannst:
      nein, es bist nicht nur du, der uns zu willigen konsumenten macht....

      18.01.2004, 18:31 von miss.yoshimi
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      @miss.yoshimi Ihr macht alle den gleichen Fehler: Ihr unterstellt, daß Methode dahintersteht, daß die Leute sich etwas dabei denken.

      Ich bin auch Werber und so lange wie zweimannagentur dabei. Wir haben eine Reihe wirklich großer Kunden in unserem Portfolio, die wir teilweise seit über 20 Jahren ununterbrochen betreuen. Wir haben aber auch mittelständische und kleine Unternehmen als Kunden, und somit die komplette Bandbreite.

      Aus meiner täglichen Praxis kann ich attestieren, daß nicht die geringste Methode hinter all dem steht. Es ist nicht nur das vollkommene Dauerchaos auf Seiten unserer Kunden, das sich in penetranter Art auch auf uns niederschlägt (alleine schon in Form ständigen Deadline-Feueralarms), es ist das Schlichte Fehlen eines "Masterminds", das irgendwo, bei Coke oder bei der Agentur sitzt, und sich denkt "so, jetzt ersinnen wir die Über-Psycho-Falle, um alle zu Sklaven des Produkts zu machen".

      Ich arbeite gerade an einem Buch, das diese Thematik streift, deswegen könnte ich jetzt en detail einiges dazu sagen, aber dafür ist es mir jetzt zu spät. Der Punkt ist, daß die heutige Werbung genau so ein Witz ist, wie uns heute die Werbung der 50er und 60er Jahre erscheint. Wir sind noch *sehr* weit davon entfernt, daß Werbung tatsächlich mehr als marginale Wirkung auf den Konsumenten hat.

      Aber das macht nichts. Bis dahin zeigen wir den Kunden Studien, aus deren Zahlen man mit ein paar statistischen Tricks zeigen kann, wie fürchterlich nützlich die Werbung für das Produkt ist und daß die Verkaufszahlen doch irgendwie hochgegangen sind, da war nur dieser neue Konkurrent, der zum Zeitpunkt der Kampagnenerstellung noch nicht da war und deswegen sollten wir auch gleich eine neue Kampagne... na, klingelt's?

      Uns Werbern geht es doch überhaupt nicht um euch Konsumenten. Wir sind selbst auch Konsumenten, schon vergessen? Wir haben auch die Schnauze voll von Werbung. Wir wollen nur weiterhin dafür bezahlt werden, im Internet zu surfen, ab und zu ein paar schlaue oder dämliche, je nach Kundenwunsch, Sprüche auf ein Plakat oder eine Website zu stellen und uns generell als Helden der Arbeit dafür feiern zu lassen. Nur die vielen Überstunden sind ätzend, aber das erledigt sich mit laufender Rezession, dann ist auch wieder mehr Platz im "kleinen Großraumbüro".

      Ich bin gerne Werber, und ich habe ganz sicher kein schlechtes Gewissen deswegen. An welchem Arbeitsplatz kann man mal eben zwei Stunden wegfahren, um auf Firmenkosten essen zu gehen? Wo kann man mit den Kollegen kickern, Basket- und Fußball spielen, im See hinter dem Gebäude schwimmen gehen, alles während der Arbeitszeit? Bei uns.

      Willkommen in der wunderbaren Welt der Werbung. Wenn Sie streßresistent und bereit sind, Ihr Privatleben zu opfern, haben wir den perfekten Job für Sie. Ich habe nun schon Familie und sehe deswegen so langsam zu, daß ich andere Arbeit finde, aber hey, als Junggeselle war das ein klasse Job.

      Die Firmen sind nur an Gewinnmaximierung interessiert, das ist richtig. Wir sorgen dafür, daß die Firmen glücklich sind, auch das ist richtig.

      Aber darum geht es gar nicht. Ehrlich nicht.

      - Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen... -

      06.02.2004, 00:55 von hamato-san
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    mag ja gut sein, das du als berufsmaessig in der branche taetiger von deren notwendigkeit ueberzeugt bist und alles, was von einer firma bezahlt und in einer agentur teuer in multimediale formate umgewandelt wurde, als wichtige und leicht ignorierbare "produktinformation" empfindest.
    wenn du dich allerdings durch die grossstaedte, zeitungsmagazine, fernsehabende, sportereignisse und musikkonzerte dieses landes bewegst, die in ihrer gesamtheit identitaetsstiftende wirkung auf fast alle menschInnen haben, dann wirst du vielleicht zustimmen, das durch die dauernde konfrontation (und darum handelt es sich ja meist) und die aufmerksamkeitssteigernde gestaltung dieser "produktinformationen", die zum grossteil von einigen wenigen riesigen konzernen stammen, und denen man eben NICHT WIRKLICH GUT entkommen kann, doch ein manipulativer charakter entsteht.
    wie gesagt, ich rede hier nicht von subtilen versteckten botschaften zwischen den schnellen bildern, sondern von der allgegenwart der grossen marken und dem damit gepraegten lebensstil.
    man kann ja der meinung sein, das die menschen schon immer darauf gewartet haben, das sie statt wasser oder fruchtsaeften endlich schwarze, ueberzuckerte limonade trinken koennen und das UEBERALL auf der welt, man kann aber auch den eindruck haben, das es dabei jenseits von "produktinformationen" mit einer (aus werbestrategisch sicherlich sehr grossartig erscheinenden) kampagne gelungen ist, ein beduerfnis zu kreieren, das vorher nicht wirklich da war.
    man kann das manipulation nennen, aber man muss es natuerlich nicht.

    14.01.2004, 13:38 von arnearne
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