Yacop 25.04.2012, 13:16 Uhr 6 0

Berufsfeldfindung: Matratzenvertreter

Schon wieder auf Jobsuche. Ein Blick über den Tellerrand soll ja bekanntlich nicht schaden und so guck ich mal was andere so beruflich machen.

Meine ganz persönliche Arbeitsvermittlerin hat mir ans Herz gelegt, auch andere Berufsbereiche in Betracht zu ziehen. Geisteswissenschaftler braucht hierzulande keine Sau. Da hab ich nun sechs Jahre studiert und brauchte auch fast genauso lange dies zu erkennen. Nun gut, ich werde mich nach coolen Jobalternativen umschauen und spähen, welche potentiellen Sklaventreiber mich zukünftig in die Rente peitschen, die es nie geben wird. Da ich so zwischen 10 und 11 Uhr vormittags auch ein ganz aufgewecktes Kerlchen bin, finde ich auch in meiner Umgebung immer wieder Möglichkeiten, wo ich meine Brötchen verdienen könnte.

Ständig komme ich an Filialen der Firma Matratzenconcord vorbei. Dort zu arbeiten, muss doch traumhaft sein, dachte ich mir. Jede Woche irgendeine Aktion wegen der 134 Feiertage im Matratzenkalendar.. Mannshohe, leuchtende Buchstaben werben für UNGLAUBLICH GÜNSTIGE Rabatte, hunderte Luftballons schmücken den Eingang des Schaumstofftempels. Nur glückliche Menschen wegen günstigen Preise... und wenn ich da als Verkäufer jesusgleich die Federbetten verschenke...hach...endlich ein richtiger Gutmensch sein.

Doch dann betrat ich so ein Geschäft. Der Tür Gong schreckte eine Krähe mit Namenschild auf, die mich nach knapper Begrüßung und kurzen Fragen gleich auf die nächste Federkernmatratze knallte und mir Vorträge über die bevorstehende dunkle Zukunft meiner Wirbelsäule hielt, wenn ich nicht sofort diese Matratze und ein zugehöriges Lattenrost für ca. 8000 Euro erwerbe und gegen meine vermilbte Liegefläche im heimischen Verschlag tauschen würde. Nachdem sie mich noch breit schwadronierend über zwanzig Matratzen schleifte und in ein Dutzend Kissen und Decken stukte, bespikte sie mich mit Werbematerial und einer Visitenkarte und entließ mich aus ihren Fängen.

Draußen wischte ich mir mit einem Luftballon den Angstschweiß von der Stirn, schritt mit weichen Beinen in Richtung Märchenbrunnen und legte mich deprimiert über die steinerne Schildkröte.

Matratzenvertreter ist vielleicht doch nichts für mich. Ich habe den Eindruck, diese Leute stehen unter einem hohen Verkaufsdruck und Druck kann ich bei der Arbeit überhaupt nicht gebrauchen.

6 Antworten

Kommentare

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      Mein Vater hatte früher ein italienisches Restaurant.


      "Können Sie die Pizza auch kleiner machen?", haben die Leute oft gesagt, bevor sie dann für 30 Euro Bier gesoffen haben.

      25.04.2012, 15:35 von MisterGambit
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      de leude

      25.04.2012, 15:49 von MisterGambit
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