Alltagsroutine
Sind sie Weihnachten auch hier?
Fragte mich neulich eine Dame, ca. 70 Jahre jung.
Ja, sie sah wirklich sehr damenhaft aus, mit ihrem roten, aber dezenten Hut, und dem langen, schlichten Stoffmantel.
Ich mag ihre Art sich auszudrücken.
Ja, eine Dame.
Sie hat gerade ihren Mann besucht, und ist auf dem Weg zum Ausgang.
Ihrem Mann geht es zur Zeit weniger gut.
Gerade aus dem Krankenhaus zurück, nach Behandlung einer Lungenentzündung.
Sie sagt, sie wird ihren Mann morgen, am 24.12.2009, zusammen mit ihren Kindern und der Enkeltochter besuchen.
Wir unterhalten uns über den Heilungsverlauf ihres Mannes, die Ärzte, und wie viel Kaffeegeschirr sie benötigen.
Sie unterhält sich mit ihm, erzählt ihm, wie ihr Tag war, dass Weihnachten ist, und alle zu Besuch kommen. Dass die Temperaturen gefallen sind, wie es den Kindern und Enkeln geht, fragt ihn, wie es ihm geht. Sie weiß, er wird es gleich wieder vergessen haben.
Ihr Mann liegt in dem Bett vor ihr, und starrt an die Decke.
Er spricht kaum noch, beim Laufen benötigt er Unterstützung.
Hin und wieder lächelt er, ein beinahe entschuldigendes Lächeln, vorsichtig, die Mundwinkel nur minimal gehoben, als würde es jeden Moment zerspringen und er müsse ganz vorsichtig sein, und blickt sie an.
Ich gehe zu ihm.
Spreche ihn an und weiß, er bemerkt es.
Er blickt mich an, wie ich da stehe, und über Gott und die Welt rede, und lächelt dieses Lächeln.
Nur den Bruchteil einer Sekunde.
Ich weiß, er wird in einigen Minuten nicht mehr wissen, was ich gesagt habe.
Der übliche Ablauf.
Unterhose herabziehen, zur Seite drehen, Inkontinenzmaterial wechseln, zurück auf den Rücken, Unterhose mit einigem Drehen und Wenden wieder anziehen, nochmals zur Seite, Kissen leicht in den Rücken, die Fersen erhöht lagern, Bettdecke nicht vergessen, den Kopfteil des Bettes erhöhen.
So, sieht bequem aus.
Schlaf gut.
Und frohe Weihnachten






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