kaulquappenmassaker 23.02.2012, 17:10 Uhr 2 2

Ach, Kacke...

Wer weiß, wozu es gut war. Nehmen wir mal an, es gäbe sowas wie Schicksal... ok, jetzt klinge ich richtig verzweifelt. Lassen wir das.

Es war nicht der obligatorische, große Briefumschlag, den man mit dem Gedanken "Wenigstens die Mappe hätte ich nochmal nehmen können, wenn ihr sie nicht so zugerichtet hättet..." aus dem Briefkasten zieht. Es war eine kleine, unscheinbare E-Mail, die vor dem Öffnen eine 50:50-Chance hat, einen positiven oder einen negativen Inhalt zu transportieren.

Das vielgepriesene Zeitalter der modernen Kommunikation, es sei gepriesen! Oder so ähnlich. Zumindest spart es jede Menge Geld für Bewerbungsmappen, Briefumschläge, Briefmarken und Papier. Von den unausgereiften Onlinebewerbungsformularen, deren Programmierer bei der Unterrichtseinheit "Benutzerfreundlichkeit" wohl gerade bei Youp*rn "recherchiert" haben, wollen wir an dieser Stelle besser nicht reden...

Die Absage kam also in jenem Postfach mit der besonders seriösen elektronischen Adresse an, die speziell für Bewerbungen ins Leben gerufen wurde und deshalb immer sofort einen kleinen Adrenalinschub auslöst, sobald sie eine Aktivität verzeichnet...

Aber dann fühlte es sich echt doof an. So richtig blöd für jemanden, bei dem immer alles glatt lief. Grundschule, Gymnasium, Abitur, Studium, Praktika, Nebenjobs: Selbstläufer. Ok, die ein oder andere Klausur habe ich sicher auch in den Sand gesetzt. Aber das ist zu verkraften, besonders dann, wenn man noch einen von den "guten, alten Studiengängen" als Polster hat, bei denen alles vor den Abschlussprüfungen sowieso irgendwie nicht zählt. Und jetzt - Enttäuschung pur.

Runter vom fluffigen Kuschelkurs, ab auf den steinigen, harten Boden der Realität. Mit dem Gesicht zuerst. So richtig mit Konkurrenzkampf und allem, was dazugehört. Insgeheim hatte ich wohl gehofft, dass ich das Glückskind bin, dem auch zukünftig alles zufliegt. Und jetzt hat mich eine einzige E-Mail von meiner naiven Cumuluswolke geschubst, auf der ich bisher über den mitteleuropäischen Bildungsmischwald geschwebt bin.

Naja, eigentlich bin ich auch gar nicht so dämlich, wie ich mich gerade darstelle. Ich wusste, dass der Tag kommen würde. In Wirklichkeit ist es auch gar nicht so schlimm. Eine Absage, was soll's. Andere kriegen hunderte und auch bei mir wird es sicher nicht die letzte gewesen sein. Aber die erste tut vielleicht auch mehr weh als die zweite oder die fünfundvierzigste. The first cut is the deepest und so. Abhaken. Next!

Wer weiß, wozu es gut war. Nehmen wir mal an, es gäbe sowas wie Schicksal... ok, jetzt klinge ich richtig verzweifelt. Lassen wir das.

Eine Nacht drüber schlafen. Schwamm drüber. Andere Unternehmen haben auch schöne Stellen. Weitermachen!

Okay... morgen vielleicht. Heute möchte ich lieber noch ein bisschen beleidigt sein.


Tags: Selbsterkenntnis
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