04:12 Uhr. Es brennt.
Ein schrilles Piepsen weckt mich auf.
Mein Gehirn braucht einige Sekunden um vom Schlafmodus auf höchste Konzentration zu wechseln.
Licht einschalten.
Hose, Socken und
Schuhe liegen immer am gleichen Platz.
Anziehen. Schlüssel
greifen. Tür leise zuziehen, damit die Mitbewohner nicht
aufwachen.
Zum Fahrrad laufen.
Aufpassen, dass man nicht
hinfällt. Vor 30 Sekunden schlug das Herz mit 50 Schlägen in der
Minute. Jetzt sind es 150.
Kurz wird mir schwindelig.
Aufs Rad
steigen. Losfahren.
Versuchen, richtig wach zu werden.
Nach
drei Minuten Fahrzeit komme ich am Feuerwehrhaus an.
Vier
Kameraden sind bereits da.
Rad abstellen.
Im Laufschritt zum Spind.
In Hose und Stiefel schlüpfen, Jacke anziehen.
Helm
nicht vergessen.
"Welche Fahrzeuge sind alarmiert?"
"HLF, LF, DL."
Einsteigen.
Angriffstruppplatz.
Ein weiterer Kamerad steigt hinzu.
"Staffel
komplett!"
Abfahrt.
"Was ist gemeldet?"
"Brandmelderalarm im Altenheim. Bestätigt durch die Polizei."
Hundertfach geübte und durchgeführte
Handgriffe.
Atemschutz anlegen. „Alles dicht?“
Kurze
Besprechung mit meinem Truppführer.
„Du WBK und Fluchthaube, ich
das Rohr?“ - „Passt.“
Ankunft am Einsatzort.
Gruppenführer erkundet. Letzte Handgriffe.
Ausrüstung komplett.
Lagemeldung.
"Zimmerbrand im 1.OG. Der Bewohner des Zimmers neben dem
Brandraum wird vermisst.“
Pressluftatmer anschließen. Rein in
den Treppenraum.
Ankunft in der Brandebene.
Kein Strom. Es ist stockdunkel.
Die Tür zum Brandraum ist geschlossen qualmt bereits stark.
Wasser
aufs Rohr; zur Sicherheit.
Wir finden das Zimmer, in dem ein
Mensch vermutet wird.
Es ist verqualmt. Die Suche
beginnt. Wandtechnik.
"Hab was!" Im Bett. Ein Mann.
Bewusstlos.
„Ist die Leiter schon gestellt?“ - „Nein.“
Fluchthaube drüber. Einer an die Arme, einer an die Beine. Raus mit
ihm.
Der Trupp, der das Feuer löschen soll, kommt uns entgegen.
Wir sind draußen.
Legen den Mann auf die Trage des
Rettungswagens.
Rettungsassistenten beginnen mit der Behandlung.
Ausrüstung ablegen.
Einen Liter Wasser stürzen.
Das
Feuer ist schnell gelöscht. Nach knapp zwei Stunden bin ich wieder
zu Hause.
Unter die Dusche.
Anziehen.
Wieder aufs Rad.
In
die Uni.
Populationsgenetik. Ich schlafe ein.
„Bube, werd´
mal wach.“
Der Vormittag zieht vorbei. Nach Hause radeln. Ich
komme an dem Altenheim vorbei.
Ein rußverschmiertes Bettlaken
hängt aus einem der Fenster.
„Danke“ steht drauf.






Kommentare
Helden, die viel besser sind, als die im Fernsehen.
07.03.2013, 19:23 von Feli_daeTolles Ende und schöner, interessanter Schreibstil. Liest sich gut :)
20.02.2013, 19:43 von jenamySehr guter Text ;)
05.02.2013, 19:37 von einzelsockesehr schön, hat spass gemacht zu lesen...
01.02.2013, 23:24 von ilanzVor ein paar Monaten sind ein paar Häuser weiter von mir fast zwei Kinder gestorben, weil der Frau, die das Feuer entdeckt hat, nimmt das Handy leihen wollte, um die Feuerwehr zu holen.
29.01.2013, 21:17 von WerFaengtShuiIrgendwann ist sie dann einfach rein und hat die Kinder selbst rausgeholt.
Deshalb sehr schön Menschen zu sehen, die noch hilfsbereit genug sind, für andere ihr Leben zu riskieren.
Oft selber schon erlebt, finde ein Danke persönlich motivierender als eine Geldspende der Betroffenen.
23.01.2013, 12:21 von DarkChuckyDie letzten 2 Sätze reißen alles raus, die sind der Wahnsinn!
20.01.2013, 11:36 von Sommerregen03"Mein Gehirn braucht einige Sekunden um vom Schlafmodus auf höchste Konzentration zu wechseln."
Das kennt man irgendwoher..
17.01.2013, 21:14 von magna.voceAber wehe der gute Teppich wird nass anstatt mit der gesamten Wohnung zu verbrennen. Wir haben ja Spaß daran mit unserer tollen Technik zu spielen und Kleinigkeiten schlimm aussehen zu lassen.
Danke an alle die auch wissen wie es sich anfühlt Nachts 4:12Uhr zu rennen!
Mäßiges Update vom Sankra-Text, das klingt mir eher nach vertontem Gutmenschentum.
17.01.2013, 19:39 von EliasRafaelgenau, das dachte ich auch...
17.01.2013, 20:33 von GluecksaktivistinVielleicht bin ich auch einfach nur zu schlecht denkend.
18.01.2013, 21:55 von EliasRafaelnaja, ich scheib jetzt auch demnächst einen text über anrufe nachts um zwei, halb drei und was dann passiert.
18.01.2013, 21:58 von Gluecksaktivistinoder animiere lavish mal wieder ihren alltag auf der intensivstation zu beschreiben. wenn das dann der alleinige grund sein sollte das zu herzen....
es ist der alltag von vielen von uns.
ob das dann auch literarisch gut ist, sei mal dahingestellt...
meine Meinung mein ich noch nicht mal, dass es mir als Text nicht gefällt, das tut es weiterhin nicht, sondern warum ich das Bedürfnis hatte, das auch auszudrücken. Vielleicht sollte man mehr liken. Und irgendwann mag man alles.
18.01.2013, 22:02 von EliasRafaelhmmm
18.01.2013, 22:08 von Gluecksaktivistinach - im übrigen- finde ich ehrenamtliches engagement sehr löblich. ob man das nun auch noch in welt rausschreiben muss weiß ich nicht
andere haben es sich zur lebensaufgabe gemacht zu kommentieren...:D
18.01.2013, 22:09 von Gluecksaktivistin