Herz.Bube 16.01.2013, 09:09 Uhr 36 64

04:12 Uhr. Es brennt.

Ein schrilles Piepsen weckt mich auf.

Mein Gehirn braucht einige Sekunden um vom Schlafmodus auf höchste Konzentration zu wechseln.
Licht einschalten.
Hose, Socken und Schuhe liegen immer am gleichen Platz.
Anziehen. Schlüssel greifen. Tür leise zuziehen, damit die Mitbewohner nicht aufwachen.
Zum Fahrrad laufen.
Aufpassen, dass man nicht hinfällt. Vor 30 Sekunden schlug das Herz mit 50 Schlägen in der Minute. Jetzt sind es 150.
Kurz wird mir schwindelig.
Aufs Rad steigen. Losfahren.
Versuchen, richtig wach zu werden.
Nach drei Minuten Fahrzeit komme ich am Feuerwehrhaus an.
Vier Kameraden sind bereits da.
Rad abstellen.
Im Laufschritt zum Spind.
In Hose und Stiefel schlüpfen, Jacke anziehen.
Helm nicht vergessen.
"Welche Fahrzeuge sind alarmiert?"
"HLF, LF, DL."
Einsteigen.
Angriffstruppplatz.
Ein weiterer Kamerad steigt hinzu.
"Staffel komplett!"
Abfahrt.
"Was ist gemeldet?"
"Brandmelderalarm im Altenheim. Bestätigt durch die Polizei."
Hundertfach geübte und durchgeführte Handgriffe.
Atemschutz anlegen. „Alles dicht?“
Kurze Besprechung mit meinem Truppführer.
„Du WBK und Fluchthaube, ich das Rohr?“ - „Passt.“
Ankunft am Einsatzort.
Gruppenführer erkundet. Letzte Handgriffe. Ausrüstung komplett.
Lagemeldung.
"Zimmerbrand im 1.OG. Der Bewohner des Zimmers neben dem Brandraum wird vermisst.“
Pressluftatmer anschließen. Rein in den Treppenraum.
Ankunft in der Brandebene.
Kein Strom. Es ist stockdunkel.
Die Tür zum Brandraum ist geschlossen qualmt bereits stark.
Wasser aufs Rohr; zur Sicherheit.
Wir finden das Zimmer, in dem ein Mensch vermutet wird.
Es ist verqualmt. Die Suche beginnt. Wandtechnik.
"Hab was!" Im Bett. Ein Mann. Bewusstlos.
„Ist die Leiter schon gestellt?“ - „Nein.“
Fluchthaube drüber. Einer an die Arme, einer an die Beine. Raus mit ihm.
Der Trupp, der das Feuer löschen soll, kommt uns entgegen.
Wir sind draußen.
Legen den Mann auf die Trage des Rettungswagens.
Rettungsassistenten beginnen mit der Behandlung.
Ausrüstung ablegen.
Einen Liter Wasser stürzen.
Das Feuer ist schnell gelöscht. Nach knapp zwei Stunden bin ich wieder zu Hause.
Unter die Dusche.
Anziehen.
Wieder aufs Rad.
In die Uni.
Populationsgenetik. Ich schlafe ein.
„Bube, werd´ mal wach.“
Der Vormittag zieht vorbei. Nach Hause radeln. Ich komme an dem Altenheim vorbei.
Ein rußverschmiertes Bettlaken hängt aus einem der Fenster.
„Danke“ steht drauf.

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36 Antworten

Kommentare

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    Helden, die viel besser sind, als die im Fernsehen.

    07.03.2013, 19:23 von Feli_dae
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  • 1

    Tolles Ende und schöner, interessanter Schreibstil. Liest sich gut :)

    20.02.2013, 19:43 von jenamy
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  • 0

    Sehr guter Text ;)

    05.02.2013, 19:37 von einzelsocke
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    sehr schön, hat spass gemacht zu lesen...

    01.02.2013, 23:24 von ilanz
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  • 0

    Vor ein paar Monaten sind ein paar Häuser weiter von mir fast zwei Kinder gestorben, weil der Frau, die das Feuer entdeckt hat, nimmt das Handy leihen wollte, um die Feuerwehr zu holen.
    Irgendwann ist sie dann einfach rein und hat die Kinder selbst rausgeholt.

    Deshalb sehr schön Menschen zu sehen, die noch hilfsbereit genug sind, für andere ihr Leben zu riskieren.

    29.01.2013, 21:17 von WerFaengtShui
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  • 0

    Oft selber schon erlebt, finde ein Danke persönlich motivierender als eine Geldspende der Betroffenen.

    23.01.2013, 12:21 von DarkChucky
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  • 2

    Die letzten 2 Sätze reißen alles raus, die sind der Wahnsinn!

    20.01.2013, 11:36 von Sommerregen03
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  • 0

    "Mein Gehirn braucht einige Sekunden um vom Schlafmodus auf höchste Konzentration zu wechseln."

    Das kenn ich. In den Sekunden muss ich erstmal die Gedanken ordnen. Ganz komisch, kann das Gefühl nicht beschreiben.
    Sehr schön,sehr einfach geschrieben.

    18.01.2013, 19:49 von manao
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  • 0

    Das kennt man irgendwoher..

    Aber wehe der gute Teppich wird nass anstatt mit der gesamten Wohnung zu verbrennen. Wir haben ja Spaß daran mit unserer tollen Technik zu spielen und Kleinigkeiten schlimm aussehen zu lassen.

    Danke an alle die auch wissen wie es sich anfühlt Nachts 4:12Uhr zu rennen!

    17.01.2013, 21:14 von magna.voce
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  • 0

    Mäßiges Update vom Sankra-Text, das klingt mir eher nach vertontem Gutmenschentum.

    17.01.2013, 19:39 von EliasRafael
    • 0

      genau, das dachte ich auch...

      17.01.2013, 20:33 von Gluecksaktivistin
    • 0

      Vielleicht bin ich auch einfach nur zu schlecht denkend.

      18.01.2013, 21:55 von EliasRafael
    • 0

      naja, ich scheib jetzt auch demnächst einen text über anrufe nachts um zwei, halb drei und was dann passiert.
      oder animiere lavish mal wieder ihren alltag auf der intensivstation zu beschreiben. wenn das dann der alleinige grund sein sollte das zu herzen....
      es ist der alltag von vielen von uns.
      ob das dann auch literarisch gut ist, sei mal dahingestellt...

      18.01.2013, 21:58 von Gluecksaktivistin
    • 1

      meine Meinung mein ich noch nicht mal, dass es mir als Text nicht gefällt, das tut es weiterhin nicht, sondern warum ich das Bedürfnis hatte, das auch auszudrücken. Vielleicht sollte man mehr liken. Und irgendwann mag man alles.

      18.01.2013, 22:02 von EliasRafael
    • 0

      hmmm

      ach - im übrigen- finde ich ehrenamtliches engagement sehr löblich. ob man das nun auch noch in welt rausschreiben muss weiß ich nicht

      18.01.2013, 22:08 von Gluecksaktivistin
    • 0

      andere haben es sich zur lebensaufgabe gemacht zu kommentieren...:D

      18.01.2013, 22:09 von Gluecksaktivistin
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    Um den perfekten Kinositzplatz wird gestritten, seit es das Kino gibt. Das ist jetzt vorbei. Die Tipps aus dem August-Heft nun auch im Blog.

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