Dani 26.01.2004, 20:59 Uhr 4 0

Tod-Schlank

Wieder steh ich vor dem Spiegel, alleine, magersüchtig. Kann oder will mich niemand verstehen?

Der Spiegel ist mein größter Feind. Teilnahmslos hängt er an der Wand und teilnahmslos ist er auch, denn ich bin es der pausenlos vor ihm steht. Der Spiegel ist Mittelpunkt meines Lebens geworden. Eine Zeit lang hatte ich ein großes lilanes Seidentuch über den Spiegel gehängt, meine Psychiaterin sagt, das war ein Selbsthilfeversuch.

Ich sitze wieder in ihrer Praxis, meine Mutter hat mich hergeschleppt. Der Raum in dem wir sitzen ist weiß, leer und wirkt tot wie meine Seele. Heute sehen wir Bilder an, nein ich sehe Bilder an und muss beschrieben was ich sehe. Langsam fängt mir das Spiel an zu gefallen, ich habe den Sinn durchschaut und werde den Spieß umdrehen. Aber ich schaffe es nicht. In meiner weiten Latzhose sitze ich auf dem harten Stuhl, ich lächle. Mit ihren großen Augen sieht die Psychiaterin mich verständnisvoll an. Ich betrachte ihre breiten Wangenknochen. Es ist ihr Job verständnisvoll zu sein, ich fühle mich belogen.

Zitternd sitze ich auf dem Sofa, mir ist kalt. Im Hof spielen Kinder, ich hasse Lärm, ich hasse mich selber.

Schon wieder stehe ich vor dem Spiegel, ich ziehe mein T-Shirt hoch. Meine Rippenbögen stehen vor und meine Wirbelsäule zeichnet sich ab. Ich fühle mich dick, wahnsinnig dick. Mir wird schwarz vor Augen, der Kreislauf. Seit mehreren Wochen habe ich kaum noch gegessen. Ich ziehe einen weiten Pulli über meine Latzhose, niemand soll sehen, dass ich seit Tagen sie gleiche Hose trage - keine andere passt mit noch.

Wiegen: 35 Kilo. Starkes Untergewicht. 2 Kilo weniger und ich muss in die Klappse, geschlossenes Therapiezentrum für magersüchtige Mädchen nennen sie es. Meine Mutter weint. Jeder 10. Magersüchtige stirbt, ich bin todkrank.

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Kommentare

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    ich hatte das auch mal.

    das schlimmste sind die psychater. die gelesen haben wie das denn alles ist. und keine ahnung haben sie. und lassen einen die familie mit puppen darstellen. um zu sagen, dass man sich selber viel zu sehr ignoriert und mal selber zu wort kommen sollte. so ein quark.

    was hilft ist eine beste freundin. ein bester freund. der mensch, der einzige, der mich zum essen bringen konnte: meine beste freundin lina.

    17.03.2004, 21:46 von sonnenfliegerin
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    Gib dich bitte nicht auf. Auch wenn das jetzt das letzte ist, was dir helfen könnte: Ich wünsch dir viel Glück!

    15.03.2004, 14:54 von croco
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    Wenn die Ärzte, Freunde und Familie sagen du bist magersüchtig und du es selbst erkannt hast.
    Na dann wirst du wohl nie dick, denn Magersüchtigen fehlt der Reiz am Essen und selbst wenn du es wolltest, so würdest du es niemals schaffen. Das Maximum was man mit solchen Essstörungen schaffen kann ist ein annäherndes Normalgewicht. Mehr ist nicht drin. Auch in hundert Jahren...

    07.03.2004, 23:32 von MightyG
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      @MightyG erst mal Respekt, dass du diesen echt schweren Schritt gewagt hast, du siehst schon mal das du schwer krank bist, dass ist ein rießen Schritt. Gib bitte nicht auf, vielleicht wirst du Gesund, vielleicht auch nicht, wer weiß das schon? Es liegt an erster Linie an dir. ICh wünsch dir alles, alles gute
      Kiara

      10.03.2004, 10:41 von Kiara
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      @Kiara liebe dani, was soll, was kann ich dir schreiben. ich weiß, was du durchmachst. bin selbst seit acht jahren essgestört. zuerst MS dann Bulimie. inzwischen von allem ein bisschen, aber ohne wirklich akut zu sein. ich würde dir gerne etwas aufmunterndes schreiben, etwas, was dir hilft. nur weiß ich aus eigener erfahrung, dass von außen nicht wirklich viel durchdringt, wenn man in seinem film ist. trotzdem - glaub mir, so ausweglos, sinnlos deine situation zu sein scheint, es gibt einen weg raus. es gibt ein leben, es gibt glück - auch und gerade für dich. gib nicht auf, nur weil du vielleicht denkst, es wäre sowieso alles zu spät und hätte keinen zweck. und such dir hilfe. auch wenn du dich innerlich dagegen sträubst, wenn du glaubst, es hätte sowieso keinen sinn. wenn du keine kraft mehr hast, um raus zu gehen - bitte jemanden aus deiner familie, von deinen freunden (hast du die noch?) oder bekannten. oder wenn du das nicht kannst, ruf bei irgendeinem arzt an. die werden dir helfen. noch mal: auch wenn es keinen sinn zu machen scheint - tu es trotzdem. ohne sinn. schlimmer als das, was du jetzt durchmachst, kann es nicht werden. und schreib mir, wenn ich irgendwas für dich tun kann. wenn du reden willst, wenn ich dir von meiner geschichte erzählen soll, wenn du hilfe brauchst. ich bin da


      @MightyG: dem ist leider nicht so. und ich glaube, es wäre falsch, magersüchtigen in der hinsicht etwas vorzumachen. gerade mit einer magersucht nimmt man sehr schnell zu und ich persönlich kenne zumindestens drei personen (mich eingeschlossen), die nach einer magersucht in doch nicht erheblichem maß über dem "idealgewicht" lagen. aber vielleicht ist es eine erleichterung für die betroffenen, wenn sie wissen, dass es kein unwiderrufbarer weg ist, den sie gehen. für mich war es einfacher mit dem wissen, dass ich den weg zurück kenne. ich weiß, wie ich in kürzester zeit wieder dünn werde. nur will ich es inzwischen nicht mehr.

      14.03.2004, 17:48 von nelka
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    Uff,ein harter Text zu einem harten Thema.
    Leider verschliesst unsere Gesellschaft vor solchen Erkrankungen die Augen.Bewußt.
    Denn es trifft ja immer nur die anderen.
    Ich drücke Dir die Daumen,daß Du wieder einen Weg findest zusammen mit deiner Familie und den Ärzten,deinen Körper zu akzeptieren mit seinem Normalgewicht,wie es jedem eigen ist.
    Gib nur nicht auf,dann schaffst Du es.

    03.03.2004, 20:25 von Frauke
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      @Frauke Hallo Dani!
      Du hast recht: Du bist todkrank. Und mit dieser Einsicht bist Du schon einen Schritt gegangen! Für Dich ist die Magersucht kein "Lifestyle" mehr, sondern eine gefährlich Krankheit. Wie gefährlich genau Anorexie und Bulimie sind, kannst Du unter http://www.bulimie-online.de/dossiers/folgen/schaeden.htm nachlesen.
      Was Du vielleicht auch schon gemerkt hast, ist, daß weder ein Arzt, noch Deine Eltern Dich heilen können, wenn Du nicht willst. Die Entscheidung liegst bei Dir selbst. Und nur Du hast die Macht, Dich aus dem Morast der Essstörung herauszuziehen.
      Du bist nicht allein. Viele junge Frauen machen die gleiche schrecklichen Erfahrung, magersüchtig zu sein, wie Du. Und viele entschließen sich an dem Punkt, an dem Du bist, zu kämpfen, statt zu sterben!
      Wenn Du auch die Chance, die Du hast nutzen willst, dann kannst Du Dich mit Anderen unterhalten und Erfahrungen austauschen, denen es ähnlich geht. Schau einfach mal vorbei:
      http://www.hungrig-online.de/cgi-bin/ultimatebb.cgi
      Gruß,
      Daniela

      04.03.2004, 10:22 von DanielaMunz
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