Sterben ist wie Kaffee trinken
Du hast noch nie so sehr gespürt zu leben, wie in dem Moment, in dem du damit aufhörst.
Nicht wie der Kaffee, den du auf Opas
Geburtstag oder mit der besten Freundin bei Starbucks
trinkst.
Sondern wie die drei Liter, die du dir in der Nacht vor
der Matheklausur reinhaust.
In der Hoffnung, noch etwas wach zu
bleiben, dass dein Kopf das noch irgendwie mitmacht. Irgendwie.
Aber
nein. Eigentlich nicht ganz.
Es ist mehr so, wie wenn du dich dann
ins Bett legst. Und alles ist ruhig. Ganz ruhig.
Und dein Herz pocht. Du kannst es nicht
nur hören, sondern sehen.
Ganz schnell. Getrieben vom Koffein.
Genau so ist sterben.
Nur, dass es ein bisschen dauert, bis
du merkst, dass dein Herz diesmal nicht schneller schlägt, sondern
langsam. Und immer langsamer wird.
Je langsamer es wird, umso härter
schlägt es.
Ganze 3 Schläge versuchen noch das
Blut durch deinen Körper zu pumpen, was vorher 80 geschafft haben.
Du hast noch nie so sehr gespürt zu
leben, wie in dem Moment, in dem du damit aufhörst.
Dauert ein bisschen, bis du merkst,
dass die Schwester zu viel von den Schmerzmitteln in den Tropf
gepumpt hat.
Aber dann ist es irgendwie auch egal.
Ist schon ok.
Jetzt hab ich den Salat mit den Narben
auf der Brust von den Schocks.
Sieht aus als hätte der Schaffner das
Ticket schon gelöchert. Aber ich bin kurz vorher abgesprungen.
Und ganz, ganz manchmal frag ich mich,
wo ich jetzt wäre, wäre ich geblieben.
Oder ob der Zug immer weiter gefahren
wäre. Und man im Tod nie ankommt. Immer weiter.
Man wartet und wartet. Aber es kommt
nichts. Nichts, was der Fahrt seinen Sinn gibt.
Du wartest nur auf ein Ziel, das es
nicht gibt. Lächerlich.
Und dann fällt dir auf, dass das nicht
der Tod ist. Sondern das Leben.
Laufen und Laufen. Und niemals
ankommen.
Irgendwas treibt mich von Tag zu Tag.
Die Klausur, das Lernen, die Aufgaben, die Ideen, die Herausforderungen, der Koffein treiben mich.
Treiben mich immer weiter voran. Ohne genau zu wissen, wo es hingeht. Einfach mal mitfahren.
Sterben ist wie Kaffee trinken. Eigentlich ist Sterben wie Leben. Irgendwie sinnlos.
Tags: Sinn, Frage, Koffein, Panik, Antrieb




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