dieAusgang 26.07.2012, 21:57 Uhr 0 0

Sterben ist wie Kaffee trinken

Du hast noch nie so sehr gespürt zu leben, wie in dem Moment, in dem du damit aufhörst.

Nicht wie der Kaffee, den du auf Opas Geburtstag oder mit der besten Freundin bei Starbucks trinkst.
Sondern wie die drei Liter, die du dir in der Nacht vor der Matheklausur reinhaust.
In der Hoffnung, noch etwas wach zu bleiben, dass dein Kopf das noch irgendwie mitmacht. Irgendwie.


Aber nein. Eigentlich nicht ganz.
Es ist mehr so, wie wenn du dich dann ins Bett legst. Und alles ist ruhig. Ganz ruhig.
Und dein Herz pocht. Du kannst es nicht nur hören, sondern sehen.
Ganz schnell. Getrieben vom Koffein.

Genau so ist sterben.

Nur, dass es ein bisschen dauert, bis du merkst, dass dein Herz diesmal nicht schneller schlägt, sondern langsam. Und immer langsamer wird.
Je langsamer es wird, umso härter schlägt es.
Ganze 3 Schläge versuchen noch das Blut durch deinen Körper zu pumpen, was vorher 80 geschafft haben.
Du hast noch nie so sehr gespürt zu leben, wie in dem Moment, in dem du damit aufhörst.

Dauert ein bisschen, bis du merkst, dass die Schwester zu viel von den Schmerzmitteln in den Tropf gepumpt hat.
Aber dann ist es irgendwie auch egal. Ist schon ok.

Jetzt hab ich den Salat mit den Narben auf der Brust von den Schocks.
Sieht aus als hätte der Schaffner das Ticket schon gelöchert. Aber ich bin kurz vorher abgesprungen.
Und ganz, ganz manchmal frag ich mich, wo ich jetzt wäre, wäre ich geblieben.
Oder ob der Zug immer weiter gefahren wäre. Und man im Tod nie ankommt. Immer weiter.
Man wartet und wartet. Aber es kommt nichts. Nichts, was der Fahrt seinen Sinn gibt.
Du wartest nur auf ein Ziel, das es nicht gibt. Lächerlich.

Und dann fällt dir auf, dass das nicht der Tod ist. Sondern das Leben.
Laufen und Laufen. Und niemals ankommen.
Irgendwas treibt mich von Tag zu Tag. Die Klausur, das Lernen, die Aufgaben, die Ideen, die Herausforderungen, der Koffein treiben mich.
Treiben mich immer weiter voran. Ohne genau zu wissen, wo es hingeht. Einfach mal mitfahren.

Sterben ist wie Kaffee trinken. Eigentlich ist Sterben wie Leben. Irgendwie sinnlos.


Tags: Sinn, Frage, Koffein, Panik, Antrieb
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