circaviolett 11.03.2010, 17:16 Uhr 2 0

Start und Durchbruch.

Mehrere Ärzte drücken auf meinem Bauch herum, man schüttelt mich, schließt mich an Monitore ,gibt mir Kochsalzlösung.

Es spannt in meinem Bauch. Es zwickt. Mein Exfreund fragt mich, ob er noch bleiben soll, ich verneine, er geht und ich lege mich ins Bett, meine Hose war einfach nur zu eng.

Ich drehe mich zur Seite, das spannen verstärkt sich. Versuche zwischendurch, die Schmerzen wie Wehen zu veratmen. Vergeblich. Mehrmals renne ich in mein Badezimmer und versuche ebenso vergeblich, mich zu übergeben. Irgendwann klappt es. Es ist grün, das unter mir. Selbstverständlich spüle ich und lege mich zurück in mein Bett.

Der Schmerz wandert, nun ist er auf der rechten Bauchseite. Ich rufe meine Mutter an und bitte sie, zu mir zu kommen. Ein paar Minuten und Kampfattacken später steht sie mit Tee und Wärmflasche bei mir. Ich solle trinken, es wäre ein Magenkrampf und die Wärmflasche würde helfen. Sie fühlt sich an, als würde sie Tonnen wiegen, während sie meine Schmerzen nur verschlimmert. Ich werfe die Flasche zur Seite, nehme einen Schluck Tee und starre auf meinen Ipod, wo mich im Sekundentakt Nachrichten erreichen, ob ich denn heute Zeit hätte. Ich verneine. Ich verneine selbst ewig erwartete Besuche.

Nachdem ich mir ein paar Minuten später die Finger in den Hals schiebe, um den Schmerz und die Übelkeit zu unterdrücken, will meine Mutter den Notarzt rufen. Ich solle mich doch auf die Couch legen. Dort läuft der Film „Terminal“ im Fernsehen, Tom Hanks schiebt sich Burger in den Mund und mir eine neue Ladung Übelkeit hinzu.

Ein paar Minuten später schon sitze ich im Auto meines Stiefvaters, wir fahren ins Krankenhaus. Dort fragt man mich, ob ich dort bleiben will oder lieber Ambulant behandelt werden will. Ich denke an meinen Sohn, an die Einsamkeit der Krankenhäuser, möchte umdrehen und schon läuft mir kalter Schweiß über meine Stirn, ich muss mich setzen und werde bleiben.

Mehrere Ärzte drücken auf meinem Bauch herum, mal sei der Schmerz hier und dort, man schüttelt mich, schließt mich an Monitore und gibt mir Kochsalzlösung. Ich verdamme den März und meinen Körper, während der Schmerz sich nun auf meinen ganzen Bauch ausgebreitet hat. Nach ein paar Stunden soll ich selbstständig mit meiner Krankenakte in den zweiten Stock, dort wäre ein Bett, ich solle froh sein nicht im Flur zu schlafen.

Ich laufe gekrümmt nach oben, setze mich zur Nachtschwester, die erst einmal telefonisch abfragen muss, ob ich hier richtig wäre, teilt mir dann ein Bett zu und stellt mir eine Flasche Wasser ans Bett. Nach ein paar Schlücken muss ich erneut erbrechen, bekomme keine Luft mehr, sitze im Krampf auf meinem Bett und kann die Nierenschalen nicht mehr zählen, die man mir unter die Nase hält, ich dürfte jetzt nichts mehr trinken, denn wenn es mein Blinddarm wäre, müsste die Narkose wirken.

Am nächsten Tag, irgendwann morgens, fährt man mich zum Ultraschall. Man findet meinen Blinddarm nicht. Ob ich sagen könne, wo mein Schmerz nun sitzt, muss ich verneinen, weil ich nur noch schwer atmen und reden kann, ohne sofort zu verkrampfen.

Schwestern stürmen in mein Zimmer, ich müsse mich umziehen. Man hilft mir auf, gibt mir Netzhose, Hemd und Strümpfe, ich müsse mich beeilen denn meine Zeit wäre ihr Geld, ich ziehe mich so gut es geht um, falle in mein Bett und schlafe, schicke meinen Besuch weg.
Noch einmal wache ich auf, während man mich in den siebten Stock fährt und nur „oh .. oh“ sagt, weil ich wohl 39,5 °C Fieber habe, ich kann nur noch „okay“ sagen.

Draußen ist es Dunkel, die Tür geht auf, ich werde jetzt operiert. Obwohl mich die pure Angst übermannen sollte, nicke ich und man fährt mich hinunter, setzt mich im Untergeschoss auf eine Schleuse, gibt mir eine geheizte grüne Decke und eine blaue Haube für meinen Kopf, während man mich danach auf einem sehr kalten Tisch in den Op rollt.
Eine blaue Gasmaske befindet sich über meinem Kopf, es riecht grausam. Die erste Spritze sei für meine Ruhe, meine Augen könnten flimmern sagt man mir, ich bejahe und atme. Die zweite Spritze sei jetzt die Narkose, es könnte ein wenig brennen.

Ende.

„Sind sie wach?“ fragt es. „Ja“ sage ich.

Ende.

Ich liege wieder auf meinem Zimmer, eine Schwester gibt mir erneut eine Infusion. Ob ich etwas trinken möchte, ob ich Tee mag fragt man. Kurz danach steht eine Schnabeltasse mit Fencheltee auf meinem Bett. Ich trinke einen Schluck und erbreche sofort. Nach knapp 24 Stunden ohne Trinken ist es zutiefst deprimierend, dass nichts in mir bleibt.

Am nächsten Morgen sehe ich meinen Bauch. Ein großes Pflaster auf meinem Bauchnabel und zwei Drainagen links und rechts. Tüten voller Blut. Mir wird schlecht. Die Visite steht an, man sieht besorgt in meine Augen.

„Was war es?“ frage ich. Völlig gefasst. Man sieht mich besorgter an, als vorher. Der Bauch Schmerz genauso, wie vorher. Noch bevor die Antwort meinen Kopf erreicht, streichelt eine Schwester meine Schulter. „Blinddarmdurchbruch mit Bauchfellentzündung“ heißt es. Ich verstehe nicht, also nicke ich einfach. „Sie können froh sein, dass sie Leben. Es war knapp. Die zwei Drainagen lassen uns kontrollieren, was in ihrem Bauch vorgeht. Bei erneuter Eiterbildung müssen wir wieder operieren“. Ich nicke.

Den achttägigen Aufenthalt über nicke ich jedem zu, der mir sagt, wie froh ich sein kann, dass ich lebe. Wie knapp alles war. Welches Glück es wäre, dass ich so jung und gesund wäre.

Die erste Nacht in meinem eigenen Bett übermannt mich meine verloren geglaubte emotionale Veranlagung. Knapp war es. Aber ich bin noch da. Dabei hat es so klein angefangen. Es war so knapp und davon habe ich gar nichts mitbekommen. Es waren kleine Schmerzen, kurz darauf ein ganzer Krampf und dann war es doch so unglaublich gefährlich.

Hallo, neues Leben.
Was klein anfängt, sollte beachtet werden.

2 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      @[Benutzer gelöscht] Dankeschön.
      Soweit ist das größte doch überstanden :)

      13.03.2010, 00:04 von circaviolett
  • 0

    Tut mir leid aber...BAAAAAAAAAAAAAAAH !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Mir wird schlecht wenn ich das lese, und irgendwie leide ich dann mit dir und dann mache ich mir Vorwürfe und mehr fällt mir gerade nicht ein, jetzt, wo ich doch einen tollen Kommentar schreiben wollte.

    11.03.2010, 17:27 von HeavenKnowS
    • 0

      @HeavenKnowS Dennoch ;)

      13.03.2010, 00:04 von circaviolett
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