Schneefrau 15.07.2004, 22:08 Uhr 11 2

Seine Depressionen - Mein Leid

Sie erschreckten mich fürchterlich, seine Reaktionen, die keine wirklichen mehr waren...

Es war spät und ich wollte bei ihm sein. Obwohl es mitten in der Nacht war, hatte er noch immer seine Sachen an, saß oder vielmehr lag auf dem Sofa, rührte sich nicht, sagte kein Wort und quälte mich mit seiner Apartie. Vermutlich hatte er einen Marathon-Schlaf hinter sich. Es war ihm egal, dass ich morgens um vier zu ihm kam, obwohl er sich solche Überraschungsbesuche immer gewünscht hatte.

Ich sprach und er erwiderte nur mit einem schwachen Stöhnen im Dunkel der Nacht. Sie erschreckten mich fürchterlich, seine Reaktionen, die keine wirklichen waren, sein Desinteresse welches mich überlegen ließ ob er mich überhaupt noch mochte. Ich zerrte ihn vom Sofa und zog ihn ins Bett. Nahm ihn in den Arm und streichelte seinen Kopf. Er rührte sich nicht mehr, hielt meine Hand. Ich lag wach und empfand sein Verhalten schon fast als Beleidigung aber immer wieder ging mir durch den Kopf was er mir damals vor langer Zeit, kurz nachdem wir uns kennenlernten geschrieben hatte: die kalte Hand im Nacken und der vorsichtig gewählte Ausdruck von den extremen Stimmungsschwankungen, Medikamente, die offenbar nicht halfen.

Er hatte mir von seinen Depressionen erzählt, von den gewalttätigen und perversen Phasen, die ich nie kennengelernt habe und davon, dass ich eigentlich nicht wirklich ihn, sondern eine Vorstellung mochte. Zum zweiten Mal in all den Jahren hatte ich ihn kurz zuvor gefragt ob wir etwas gemeinsam unternehmen, er schien begeistert. Dann kurz vorher sagte er mir ab. Er würde mir nicht gut tun, schrieb er.

Ich sehe einen intelligenten, feinfühligen Menschen den ich sehr mag. Er kommt damit nicht zurecht, stösst mich weg um mir irgendwann doch wieder näher zu kommen. Er will nicht, dass mich sein Seelenzustand belastet aber dafür ist es zu spät, es belastet mich doch. Ich denke an ihn und komme damit nicht klar. Ich weiss, dass ich nichts tun kann und am allerwenigsten kann ich etwas gegen diese Krankheit machen, ohne die es so schön sein könnte....

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Kommentare

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    Es ist so schwer in einen depressiven verliebt zu sein. Man darf nichts zu persönlich nehmen, wärend den Phasen, sonst wird man ziemlich verletzt. manchmal wünsche ich mir ihn einfach aus diesem Loch herausziehen zu können. Ich weiß einfach nicht wie ich ihm helfen kann, dabei würde ich so gerne.

    31.01.2010, 17:16 von Lullabe
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    Depressionen und Panikattacken usw rühren sehr sehr oft von der Schilddrüse her.. nur weiss das kaum jemand.. statt dass beim hausrarzt die schilddrüse untersucht und behandelt wird, werden antideepressiva aufgeschwätzt, die dann aber garnicht helfen, denn das was fehlt, sind schilddrüsenhormone... nurmal so als anregung. greetz.....

    30.06.2006, 18:58 von blumenmaedchen
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    Ich war schwer depressiv. Geschnallt habe ich es erst, als es mir die Therapeutin sagte. Vorher gab es nur Probleme in meinem Kopf. Alles Schlechte dieser Welt passierte nur mir. Ich reagierte bei der kleinsten negativen Nachricht total überzogen.
    Ich wollte ständig schlafen, da ich schell ermüdete.
    Morgens vorm Jobben fing ich an zu Heulen und fühlte mich nur mies. Ich rief meine Freundin an um mich nicht allein zu fühlen. Allein ... einsam passt besser. Ich überforderte sie. Sie verlies mich. Für uns war es so am Besten. Sie hatte Ruhe und ich keinen Halt mehr, so dass ich mir selbst helfen musste. Von keinem Menschen kann ich verlangen, sich auf Dauer selbst aufzugeben oder auch nur so sehr in den Hintergrund zu stellen, dass es mir halbwegs gut geht, wenn es zu nichts führt. Wenn jemand merkt, dass es zuviel wird, sollte er Konsequenzen ziehen. Jeder ist für sich verantwortlich, auch, oder gerade, der Depressive.
    Nach 10 Monaten Gruppentherapie ohne Medikamente wurde ich als gesund bezeichnet. Diese Zeit war das Härteste, das ich bisher erlebt habe.
    Nicht einer meiner Bekannten schnallte, was mit mir los war, da ich nach außen hin ein perfektes Schauspiel abzogen hatte.
    An "Hilfe" habe ich als es raus war so Einiges erfahren dürfen.
    "Stell dich nicht so an" - Riesennummer, denn das Handeln und Denken wird einem vorgegeben. Da ist nichts mit Anstellen.
    "Och, das wird schon" - Klar, alles wird von alleine gut, besonders bei schweren Depressionen.
    Das SCHLIMMSTE aber waren die Versuche, mich zu therapieren. Überall lauerten diese Hobby-Psychologen, die das mit mir ausdiskutieren wollten.
    Das was das Umfeld eines Depressiven machen kann, ist Hilfe zur Selbsthilfe. In den positiven Momenten das Thema professionelle Hilfe aufgreifen. Keine Betroffenheit, kein Kümmern. Depressive sollten für ihr Handeln nicht belohnt werden, sonst merken sie nicht, das etwas nicht stimmt. Oftmals denken sie nämlich, ihre Situation wäre normal.
    Ganz wichtig ist aber, ein Gefühl von Unterstützung herzustellen. Das ist nicht einfach und vieleicht gibt es oft auf die Fresse, aber das Ergebnis kann sich lohnen.
    Ich hatte während der Therapiezeit nur eine Person an meiner Seite - meinen besten Freund Stephan. Er stand immer zu mir, obwohl sich ansonsten alle abgewandt hatten. Ich werde ihm das nie vergessen können. Ich fragte ihn einmal, warum er den Scheiß auf sich genommen habe. Er sagte nur einen Satz:" Weil ich meinen besten Freund wiederfinden wollte und ich wusste, dass er irgendwo da drin steckt."
    Gott sei Dank habe ich die Krankheit, die ich inbrünstig hasse, hinter mir.

    Mir fiele noch so viel ein, aber besser als dott könnte ich es nicht formulieren.

    14.02.2005, 16:21 von elgrekko
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      @[Benutzer gelöscht] Ich sehe das anders, Beobi. Wie soll den jemand, der keine Depressionen hat oder hatte ermessen können wie das ist?
      Wenn jemand darüber nachdenkt, wie hart eine solche Situation für ihn ist, zeigt das nur, was für Schmerzen ein Depressiver einem gesunden Menschen zufügen kann.
      Meinst du, das Gefühl der Hilflosigkeit ist für einen Gesunden toll?
      Die Überschrift ist kein Hohn, sondern nennt einfach die Wahrheit!

      20.02.2005, 17:59 von elgrekko
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      @elgrekko @Elgrekko: Danke! Genauso sollte es auch rüber kommen. Übrigens hat ER das auch immer so gesehen. Die Depressionen eines anderen können einem Gesunden Schmerzen zufügen und dies war mein Thema. Oftmals wird nur der Depressive gesehen und nicht die Angehörigen und Freunde die darunter leiden.

      21.02.2005, 12:10 von Schneefrau
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      @Schneefrau ich kann elgrekko und schneefrau nur zustimmen. meine beste freundin hat sich irgendwann von mir zurückgezogen, weil sie die art, wie ich mit ihr umging, nicht mehr ertragen hat. ich habe gefordert und gefordert. kümmer dich um mich. beschütz mich. bau mich auf.
      die problematik liegt darin, dass es zu nichts führt. sie hat einiges versucht, aber aus dem loch, in dem ein depressiver mensch sitzt, helfen auch die besten bemühungen nicht heraus. jeden macht es hilflos, zu sehen, wie sich eine geliebte person (unfreiwillig) zugrunde richtet. und mit der zeit überträgt sich das problem. hätte sie sich nicht von mir gelöst, wären heute wir beide depressiv. der schmerz, den sie mir mit ihrer abstandnahme zugefügt hat, hat mich in die therapie getrieben. sonst hatte ich ja niemand mehr.
      das war meine wiedergeburt. die, die ich jetzt bin, ist zwei jahre alt. ich passe nicht mehr zu meiner ehemals besten freundin, aber wir sehen uns noch ganz gern, auch wenn wir nichts mehr unternehmen. sie hat uns irgendwo beide gerettet, um den preis unserer freundschaft. dafür werde ich ihr mein leben lang dankbar sein.
      was glaube ich die wenigsten menschen ermessen können ist das gefühl, sich über einen sonnentag so freuen zu können, dass man hüpfen möchte wie ein kleines kind.

      02.03.2006, 13:36 von Keenacat
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    Ich kenne das von einem Bekannten.Er leidet auch seit Jahren unter Depressionen und konnte auf dessen bis zum heutigen Tage keinen Beruf erlernen,weil er immer wieder krank geworden ist.
    Sein Vater war früher Spiel-und Alkoholabhängig und soll seine Mutter und ihn misshandelt haben.
    Davon hat er bis zum heutigen Tage schweren seelischen Schaden erlitten,denn er hat selbst einmal zugegeben das er gar nicht weiß wie ein friedliches Familienleben aussieht.
    Er hat mir erst auch leid getan,aber nachdem er sich mir gegenüber einmal ziemlich agressiv und launisch verhalten habe,nehme ich lieber Abstand von ihm,denn damit hat er mir Angst gemacht....

    22.12.2004, 20:17 von T300Eis8
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    meine mutter war depressiv. war. ich fand diese zeit grausam. es war ein schleichender prozess. ganz, ganz langsam. irgendwie kamen dann die probleme von ihr alle auf einmal. etwas war mit ihrem auge nicht in ordnung, und kein arzt wusste, was es war. sie lag wochenland in verschiedenen krankenhäusern. und es wurde nicht besser. zu hause lief es nicht so, wie es sollte, und und und.
    dann kam sie stationär in eine psychatrie. und ich hab praktisch mit 12/13 erwachsen werden müssen. als erstgeborene von vier kindern übernimmt man automatisch die mutterrolle. egal wie alt.
    ab und zu war sie dann an den wochenenden daheim. und es war einfach unerträglich. für mich. zu sehen, wie sie geweint hat. und nicht zu wissen, was man tun kann, soll, muss. der stress zu hause, bei dem ich ständig das gefühl hatte, er wird wieder zu groß für sie.
    ich weiß nicht mehr, wie lange sie im krankenhaus war. ich fand es viel zu lange.
    nachdem sie wieder daheim war hat sie wochenlang medikamente geschluckt. medikamente, gegen die depression, medikamente, um die nebenwirkung anderer medikamente so niedrig wie möglich zu halten...
    jetzt läuft alles wieder einigermaßen rund. zumindest meiner ansicht nach. sie nimmt keine medikamente mehr und die sache mit ihrem auge ist auch wieder normal.
    was vielleicht noch zu erwähnen wäre:
    meine ma ist selber pschologin.

    15.10.2004, 20:05 von Mystique
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    Ich kann anchvollziehen,wie es Dich permanent belasten muss.Auch wenn ich es aus einem anderen Blickwinkel sehe.
    Eine Freundin von mir ist seit dem 10.07. in einer Psychiatrischen Einrichtung.
    Sie hat mehrere Jahre stakr unter ihrem Freund gelitten und sich erst einen Tag vorher ihrer Chefin anvertraut.
    Daraufhin fing ihr Freund an,sie per Telefon,Handy etc zu terrorisieren und zu bedrohen.
    Wir,mein Bruder und ich,sind noch am selben Abend zu ihr gefahren und haben sie aus ihrer Wohnung rausgeholt.
    Am nächsten Mittag hat sie kurz anch 12 einen Nervenzusammenbruch bekommen und erklärte mir und meiner Schwägerin,wie und wann sie sich umbringen wollte.
    Wir waren beide ziemlich überfordert und haben den notarzt gerufen,der sie dann auf freiwilliger Basis eingewiesen hat.
    Es wurde eine schwere Depression festgestellt,die sie wohl aber schon seit einigen Jahren hat.
    Sie hat immerhin schon 2 Suizidversuche hinter sich und das wäre der dritte gewesen.
    Sie zerschneidet sich den linken Arm vollkommen und egal,wie oft ich sie besuche,jedesmal höre ich sie wieder sagen,daß sie tot sein will.
    Es kratzt mir in letzter Zeit ziemlich an den Nerven und kostet mich jedesmal wieder Kraft,hinzufahren.
    Ich lebe gerne und weiß mit dieser Todessehnsucht,nicht umzugehen...

    01.09.2004, 13:21 von Frauke
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    Also ich habe auch Depressionen, auch wenn sie nicht so stark sind wie in anderen Fällen. Ich war über ein Jahr in psychologischer Behandlung und sie treten nicht mehr so oft auf, weshalb sich meine Mitmenschen glücklich schätzen können.
    Aber es gab auch Pahsen, in denen ich sehr schwierig war, z.B. habe ich irgendwelche Sachen durchs Zimmer geworfen, habe mich selbst verletzt, habe meine Mitmenschen beleidigt und ihnen schlimme Dinge vorgeworfen und ich habe sie in Sorge versetzt, als ich anfing vom Selbstmord zu reden.
    Selbst jetzt wachen sie morgens mit Angst auf, denn manchmal kommen die Depressionen zurück und man weiß nie genau wann.
    Helfen kann man mir kaum. Natürlich hat meine psychologische Behandlung geholfen, aber währrend eine Sitzung verfiel ich kaum in ein "Tief". Solche "Tiefs" kommen zufällig. Ich sitze auf meine Bett denke über etwas nach und raste auf einmal aus. Manchmal liege ich dann auch nur heulend im Bett. Meine Mutter versucht mir zu helfen, aber sie kann ich in solchen Situationen gar nicht ab. Sie will mich nämlich immer in den Arm nehmen. Mein Vater reagiert da schon besser: Entweder er macht einfach meine Zimmertür zu oder setzt sich neben mich ohne irgendetwas zu tun. Und genau das ist meine Hilfe. Manche würden sagen er tut nichts, aber er hilft mir. Ich weiß dann, dass jemand da ist und mich selbst in so einem Moment noch leiden kann.
    Ich glaube das grauenvollste an Depressionen ist, dass ich immer das Gefühl habe neben mir zu stehen. Ich stehe dann neben mir und weiß selbst nicht wieso ich das tue.

    02.08.2004, 21:03 von Nea
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      @Nea Als ich den Artikel las, dachte ich im ersten Moment, das könnte auch ein Alkoholiker sein, um den es hier geht. Dann habe ich die ganze Korrespondenz dazu verfolgt. Und Parallelen gesehen. Zu Freunden, zu Bekannten, zu mir selbst. Zu Lebensschwierigkeiten, zu existenziellen Problemen, zu den Menschen darin. Sorry, das klingt jetzt so allgemein. Damit meine ich aber nicht kleine Verstimmungen, ich meine schon sehr gravierende Krisen (klingt ja schon sehr opitimistisch - Krise - ne Sache, die man halt überwindet, aber das meine ich nicht. Und dann wieder doch). Ich meine, diese Sache, kein Depressiver ist 365 Tage im Jahr gepressiv/alkoholisch-depressiv ... or whatever ... es ist vielleicht die Sache, daß man einerseits diesen Menschen ganz anders (agil, vital, zumindest mitteilsam und verständig) erlebt hat und dann doch wieder völlig hin- und hergerissen ist, wenn er sich verhält, wie das hier zum Teil beschrieben wurde. Krankheit als Etikett. Und das kann anhaften. Im Kopf derjenigen, die denjenigen so ansehen und auch so mit ihm umgehen. Schwierig das alles. Man erwartet ja schon regelrecht den nächsten Hammer bzw. die nächste Totalverweigerung. Und das spürt derjenige dann ja auch. Ein sich selbst erfüllender Prozeß womöglich. Vielleicht, denke ich dann manchmal, ist dieses Etikett "Depressiver Mensch" auch so eine Art Brandzeichen, das weder der Betroffene noch alle die, die mit ihm zu tun haben oder mit ihm menschlich verbunden sind, je wieder loswerden zu können glauben. Klingt jetzt vielleicht naiv, aber wenn bei den Indianern wer sagt "dein Geist ist verwirrt" oder bei den Afrikanern so sinngemäß, ein böser Geist habe sich desjenigen bemächtigt, dann schmeckt das wenigstens nicht so nach Endgültigkeit, sondern birgt die Hoffnung, wenn nicht sogar die Zuversicht, daß das alles ja nur vorübergehend ist. Und das ist der Unterschied zu diesem Stempel. Self-fullfilling prophecy. Kann sein, daß das bloß idealistisch gedacht/gefühlt ist. Keine Ahnung. Sorry.

      19.08.2004, 03:45 von flughund
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      @flughund Die Erfahrung hab' ich im Laufe des letzten Jahres auch gemacht.
      Nun geht es mir besser, nicht 100%ig gut, aber die Phasen, in denen ich schon wieder so etwas wie Glück empfinde, werden immer länger& intensiver...als die Schatten.
      Phasen, in denen Farben wieder leuchten, die Luft förmlich zu sirren scheint und mein Herz wild klopft, einfach, weil dieses Lebensgefühl mich fast überwältigt taumeln lässt, weil ich schon beinahe vergessen hab', wie es sich anfühlt.
      Und als ich mich ein Stück weit aus meiner selbstauferlegten Isolation befreie, muss ich feststellen, dass die Menschen scheinbar vergessen haben, wie ich ohne Depressionen bin.
      Dass ein Jahr gereicht hat, um aus der fröhlichen, unternehmungslustigen,-was-auch-immer-sonst-noch- Freundin, ein verheultes, agressives, zynisches, ängstliches, irgendwie scheinbar unberechenbares Wesen zu machen...dauerhaft...in ihren Köpfen.
      Wo ich früher z.B. eine der 1. war, die auf irgendwelche Parties eingeladen wurde, bekomme ich heute die Begründung: "Wir dachten, Du hättest eh' keine Lust...und bevor Du wieder...".
      Ich bin wirklich unerträglich, wenn ich depressiv bin, und das ist mir gerade in den "lichten" Phasen richtig peinlich- bewusst...dann, wenn ich fähig bin, zu differenzieren, dann wenn ich in der Lage bin, Dinge ganz objektiv& ohne jegliche Dramatik zu erfassen...dann tut mir vieles wirklich schrecklich leid& ich bin so dankbar für die Hilfe meiner Freunde...jene die wissen, dass all' die Abgründe, die da zu Tage kommen, wenn meine Welt im schwarz versinkt, nicht Teile meiner Persönlichkeit sind, sondern Symptome meiner Krankheit, für die ich mich hinterher immer ganz armseelig fühle. Für die ich mich schäme. Weil ich mich sonst ganz entgegen gesetzt verhalte, oder besser unter Kontrolle habe.
      Auch ich hasse diese Verallgemeinerungen a la "Ooooh ja, erzähl' mir nix...ich kenn' sie aaaaaalle...(Weil ich mit 2en mal kurz geschnackt hab'.)." Und es macht sooo schrecklich müde, dagegen pausenlos anzukämpfen, und nach dem 3., vermeintlich einsichtigen, Satz eines "Hüters des Topfes"*g* feststellen zu müssen, dass er eben n i c h t verstanden hat.
      Diese pausenlose Stigmatisierung ist das schlimme.
      Ich hatte beispielsweise noch in der Zeit vor meinen Depressionen eine schwer- depressive Zimmerkollegin. Als meine Depressionen anfingen und diese Kollegin längst ausgezogen war, wurde ich p a u s e n l o s mit ihr verglichen...es schien eine Verschmelzung statt zu finden...wo wir doch von der Persönlichkeit her kaum verschiedener sein könnten.
      Ich war irre wütend darüber& gleichzeitig auch so schrecklich hilflos...es ist eh' schwer zu erklären, was da in einem vorgeht, wenn man, trotz dauernder Reflektion, sich ständig selbst überrollt fühlt, von den plötzlich ausgelösten Gefühlen. Und die sind gewaltig.
      Es war jedenfalls monatelang so, dass ich gegen ihren "Schatten" ankämpfen musste& zusätzlich zu den Vorurteilen nicht weniger Menschen- was Dinge betrifft, in die sie sich einfach nicht reinfühlen können- auch noch klarstellen musste, dass ich ein Idividuum bin...wenn auch ein zeitlich depressives.
      Was ich mir wünschen würde, wäre ein wenig mehr Aufgeschlossenheit, ein Funken mehr Empathie, sich auch mal nach dem "warum" zu fragen, anstatt oberflächliche Schlüsse zu ziehen...leben und leben lassen.
      Schwierige Situationen bedingen halt auch schwierige Gefühls- Konstellationen...(<-Was'n Wort*g*)
      Liebe Grüsse,
      Mel

      20.08.2004, 20:02 von schraeubchen
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      @schraeubchen sehr schön ausgedrückt... hab mir gleich ein paar sachen aufgeschrieben *g*

      12.02.2006, 01:37 von HeisseSchokolade
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      @[Benutzer gelöscht] @butterkeks und dott:

      ihr habt zweifelsohne recht, dass verwandte oder liebende einen depressiven nicht theraphieren können. weil ihnen auch das nötige fachwissen fehlt und weil sie niemals neutral sind, sondern immer subjektiv.
      doch trotzdem werden es verwandte immer wieder versuche, eben weil sie lieben.
      und für diesen mut und diese kraft verdienen sie anerkennung!
      ich kenne einen fall von einem depressiven jungen mann. er ist in der offenen psychatrie. regelmäßig bekommt er besuch von seinen freunden. auch von seiner mutter. ihr wirft er permanent vor, sie hätte ihm die depressionen vererbt. die frau hält unermüdlich zu ihrem sohn, egal wie sehr er sie demütigt.
      seine freunde fragt er nie, wie es ihnen geht. er kann nicht zuhören und erzählt nur von seinen qualen, gefangener seiner selbst zu sein.
      dieser mensch ist anstrengung pur für alle beteiligten! und den angehörigen, die immernoch zu ihm halten, zolle ich meine hochachtung!
      genauso dem partner der depressiven, die klute beschrieben hat.
      es gibt so viele fälle, in denen ein partner den kindern die dämonen des anderen erklären muss.
      die qual ständig mit dem selbstmord des anderen rechnen zu müssen, dabei aber im alltag funtionieren zu müssen, ist extrem!
      es wird zu einer unerträglichen belastung, die ich niemandem wünsche.
      wer einen richtig depressiven länger begleitet und "erträgt", ist selbst ein sehr starker, selbstloser mensch.
      aber wünschenswert ist der zustand nie.
      auch, wenn ihr jetzt aufschreit, dass depressive ja auch geben können.
      klar, können sie geben. schon viele tolle, intime situationen und gespräche mit depressiven gehabt. ab und an. wenn's eben mal besser geht, dann können sie geben, zuhören.
      doch, sie bleiben stets geleitet von der krankheit, nach der sich die familie zu richten hat.

      22.07.2004, 11:58 von lulu
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      @[Benutzer gelöscht] @ julx:

      Nochmal: Es tut mir leid, wenn sich irgendjemand durch meine Äußerunegn persönlich angegriffen fühlt. Dennoch: Ich finde es vollkommen legitim, hier meine Meinung zu äußern und die ist nun mal so, wie oben geschildert. Meine Erfahrungen mit einer Beziehung zu einem depressiven Menschen waren überwiegend frustrierend und auslaugend. Ich nehme an, dass Schneefrau Kommentare zu ihrem Artikel hören möchte und ihn deshalb auch hier reingestellt hat. Ich finde es übrigens sehr bezeichnend, dass keine der Menschen mit Depressionen, die sich hier geäußerten haben, auch nur einen Funken Verständnis für die Angehörigen und Partner äußert, die zum Teil unglaubliches durchmachen müssen. Stattdessen findet man hier nur Anleitungen, wie man dem Depressiven helfen soll.
      Ein Beispiel: Ein guter Freund von mir war Jahre lang mit einer sehr stark depressiven Frau zusammen und hat ein Kind mit ihr. Sie ging ständig rein und raus aus der Psychiatrie, er mußte die Familie ernähren, die komplette Kindererziehung übernehmen und nebenbei dem Kind ständig erklären, warum Mama ständig droht, sich umzubringen. Kannst Du Dir vorstellen, wie furchtbar so etwas ist?! Er ist an dieser Beziehung fast zerbrochen und ich habe vollkommenes Verständnis dafür, wenn so jemand einem anderen rät, keine Beziehung mit einem depressiven Menschen einzugehen. Auch wenn bestimmt nicht ausnahmslos ALLE depressiven dieser Welt, so drauf sind wie seine Ex-Freundin. Ein bißchen mehr Verständnis von Eurer Seite für die Leute im Umfeld eines depressiven, die genauso unter der Krankheit leiden, wäre echt schön.

      21.07.2004, 11:52 von Klute
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      @[Benutzer gelöscht] Ich werde mich jetzt nicht zum dritten Mal für meine Verallgemeinerungen entschuldigen, irgendwie dreht sich diese Diskussion scheinbar nur noch im Kreis. Wenn man sich diesen Thread so anschaut, sind die von lulu und mir vorgebrachten "Klischees" scheinbar doch gar nicht so weithergeholt. Also: Ich verabschiede mich aus der Diskussion. Wer noch was will: Ihr wißt ja, wo ihr mich findet. ;-)

      21.07.2004, 19:50 von Klute
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      @[Benutzer gelöscht] @dott: Ja, ich glaube sehr, daß da was dran ist!! Da muß ich nur meine Eltern angucken. Die haben nie in einer Großstadt gelebt und die haben auch nie über sich selbst reflektiert. Die glauben an die schöne, heile Welt. Keine Ahnung, was nun gesünder ist....! Jedenfalls behauptet meine Therapeutin, daß ich mir selber in meinem Leben schon sehr viel Gutes getan habe - im Gegensatz zu meiner Mutter. Und da kann ich sehr stolz drauf sein und bin ich auch!! ;-)

      23.07.2004, 14:45 von Butterkeks
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