Friederike_Knuepling 15.04.2008, 15:28 Uhr 0 0

Schmerzstillstand

Wie haben die die acht Maßnahmen gegen den Rückenschmerz gefallen?

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1. Laptophalter
Wie jedes Notebook lässt sich auch meines nur in der Haltung eines männchenmachenden Hasen bedienen. Als Mensch bekommt man davon Rücken-, Nacken-, Schulterschmerzen, Sehnenscheidenentzündungen, taube Arme und/oder Kopfweh, und dann spricht der Doktor auch schon mit Alarmgesicht davon, dass aus dauernden Fehlhaltungen Verschleißerscheinungen hervorgehen. Der erste Schritt zur Besserung, sagt er, sei die Arbeit an einem Desktop computer: mit dem Blick nach vorn und den Schultern hinten. Also hoppele ich nach Hause und zimmere mir einen Desktopcomputer »to go«. Dafür schließe ich eine externe Tastatur und Maus an mein Note book an und packe es auf einen Stapel Bücher (eleganter: Laptophalter »Ergo Q-330«, 96 Euro über ergologik.de): Kopf hoch! Mein Nacken findet das gut und lässt augenblicklich den Gletscher um die obersten Wirbel schmelzen. Bye-bye, Bunny!
Das sagt der Experte: Die Oberkante des Bildschirms sollte sich auf Augenhöhe befinden. Alle Eingabegeräte möglichst nah am Bauch platzieren, weil der »lange Arm« Schulterbeschwerden verursacht.
Das sagen die Mitbewohner: »Willst du vielleicht meinen guten alten Desktopcomputer haben, der auf E-Bay nicht weggeht?«

2. Eingabegeräte
Wenn schon, denn schon, denke ich mir und besorge mir auch noch eine ergonomische Maus und eine neue Tastatur, die dafür sorgt, dass die Fingerarbeit ohne verdrehte Handgelenke und Unterarme möglich ist. Die Maus macht schon allein deshalb Spaß, weil sie die Form eines Joysticks hat (Anir, 120 Euro). Die Tastatur ist in der Mitte geteilt (von Goldtouch, ab 240 Euro), verlangt also ein Zehnfingertippsystem. Anfangs ist Arbeiten damit wie Memory spielen, nämlich langwierig und frustrierend, später geht es tatsächlich schneller und einfacher. Dann die Überraschung: Der plötzlich verschwundene Schmerz im rechten Handgelenk war wohl doch kein verschleierter Bruch aus einer Nacht, an die ich mich nicht erinnern kann, sondern bloß eine »repetitive strain injury« von der Zitterkralle am Touchpad. Dabei war ich auch schon vergnügt, als ich noch glaubte, die Handauflage-Gelkissen (Goldtouch, 56 Euro; alle Eingabegeräte über ergologik.de) seien bloß prima Firlefanz, der Tatzen und Stirnen königlich bettet.
Das sagt der Experte: Handauflagen helfen, die Unterarme auf Höhe der Tastatur und parallel zum Boden zu halten.
Das sagen die Eltern: »Äh, und diesen Joystick brauchst du wirklich für die Uni?«

3. Krafttraining
»Ein starker Rücken kennt keine Schmerzen«, verheißt die Reklame fürs Kieser-Krafttraining (Jahresabo: 450 Euro) - woll?n wa doch mal sehn. Nur Gewichtmaschinen gibt es hier, keine Spiegelwände, keine Musik, kein Drill- Instructor. Die Kundschaft ist entsprechend unaufgeregt. Mit Beinen, Armen und Rumpf presst man möglichst schwere Brocken. Sehr langsam. Das holt mich schon mal vom Rushhour- Gefühl runter, und der wohlige Schmerz zwischen den Schulterblättern erinnert mich dann endlich: Da ist, ächz, ein Muskel! Der Grund, aus dem ich wieder und wieder herkomme, ist die Stunde nach dem Training: Da bewege ich mich ausschließlich gelöst schwebend fort und deliriere von einer Weltkarriere als Gewichtstoßerin. Am Schreibtisch muss ich mich allerdings trotz wachsender Kraft weiterhin streng ermahnen, um nicht zusammenzusacken, sodass mein Rücken und das Weh vorerst Bekannte bleiben.
Das sagt der Experte: Ein schlechter Zustand der Muskulatur ist die häufigste Ursache für Rückenbeschwerden. Aber auch die Bandscheiben, eine Magenerkrankung oder psychische Probleme können den Auslöser geben, also: Bei unklaren Beschwerden den Rat des Arztes einholen!
Das sagt der Freund: »Können wir jetzt mal etwas anderes spielen als Armdrücken?«

4. Stehpult
Bei angeregter Durchblutung gelangt auch ins Hirn mehr Sauerstoff. Zur Abwechslung mal im Stehen zu arbeiten, soll deswegen bis zu zwanzig Prozent mehr Denkleistung bringen. Das ist eine Vorstellung, die mich in ekstatische Verzückung bis zum Schielen bringt: zwanzig Prozent! Damit sollte mir endlich der Code von meiner Kreditkarte einfallen. Als ich feierlich meine Arbeit am Stehpult NUDO (ca. 760 Euro, jonasundjonas.de) antrete, löst sich als Erstes der krampfige Gürtel um meinen Oberkörper. Was folgt, ist wie ein rauschender Vormittag im ICE-Bistro. Die Codes fliegen nur so vorbei - aber darüber kann ich jetzt noch nicht mehr verraten.
Das sagt der Experte: Merken Sie sich ein Zauberwort für Ihr Schreibtischleben: Dynamik! Ein Arbeitstag sollte 50 % sitzend, 25 % gehend und 25 % stehend verbracht werden, da ist ein Stehpult oder ein höhenverstellbarer Schreibtisch empfehlenswert. Wenn man die Faust unters Kinn hält, sollten die Ellbogen bei der Steharbeit etwa zwei Finger breit über der Tischplatte baumeln. Eine Fußstütze bringt zusätzlich den »Treseneffekt«, der einen Rundrücken verhindert.
Das sagen die Kollegen: »Sagen Sie, weiß der Chef eigentlich, dass Sie schon den ganzen Vormittag Nobelpreisreden einüben?«

5. Bürostuhl Es ist Donnerstag, 8 Uhr abends, normalerweise würde ich mich jetzt unter meinem schmerzenden Schildkrötenpanzer auf die Theke lehnen, und während das Arbeitskopfbrummen in den Taumel des Donnerstag abends überginge, würde ich mir selbst zumurmeln: Well, honey, such is life. Heute ist mein einziger Gedanke: Rrrrodeo! Doch aufgepasst: Nicht zwölf Drinks sind die Ursache meiner Laune, sondern schlicht und einfach der: Ich bin fit. Entspannt, locker, kein Kopfdröhnen, kein Armkribbeln. Seit einer Woche benutze ich anstelle meines alten Holzklappstuhls den ultrabeweglichen Bürostuhl »Capisco« (HÅG, ca. 870 Euro), bei dessen Konzipierung ein Reitsattel Modell stand. Herausgekommen ist eine Art Turngerät zum Draufabhängen: Ich habe mich rittlinks, seitlich, nach hinten gekippt und in allen erdenklich anderen Sitzpositionen darauf aufgehalten, und die simpelste Gleichung aller Rückenfreunde hat sich bestätigt: beweglicher sitzen = weniger verkrampfen.
Das sagt der Experte: Grundsätzlich sollte ein Bürostuhl alle Bewegungen mitmachen und so eingestellt sein, dass Ellbogen und Knie jeweils im 90-Grad-Winkel gebeugt werden. Goldene Regel beim Sitzen: Hintern hinten!
Das sagt die Frau hinter der Bar: »Noch einen Baldriantee?«

6. Flexi-Bar
Der »Flexi-Bar« (90 Euro) ist ein Fieberglasstab, an dessen Enden sich zwei leichte Gewichte befinden. Durch Rütteln bringt man ihn zum Schwingen, und die Schwingungen wiederum bringen die tief sitzenden Stützmuskeln zum Arbeiten. Die erste Hürde beim Heimtraining mit dem Stab besteht darin, klarzumachen, dass ich mit dem Flexi- Bar trainiere, anstatt er mit mir. Um nicht selbst der Gerüttelte zu sein, muss ich nämlich den gesamten Rumpfbereich feste anspannen. Unter dieser Spannung soll man dann auch noch Yoga-, Pilates- oder sonstige Gymnastikübungen zelebrieren. Die werden durch die stetigen Vibrationen, die der Stab auf meinen Körper überträgt, etwas anstrengender und koordinativ kniffliger. Da hört auch das Schläfchen hinter den Schläfen auf - und nach ein paar Versuchen habe ich den Stab sogar so weit unter Kontrolle, dass ich die Wohnungseinrichtung aus dem Training raushalten kann.
Das sagt der Experte: Die wirbelsäulennahe Spinalmuskulatur hat eine wichtige Stabilisationsfunktion, schwächelt aber bei den meisten Menschen, weil sie sich nicht willkürlich beanspruchen lässt. Flexi-Bar ist empfehlenswert, weil es gegen diese Schwäche wirkt.
Das sagt die Referatsgruppe: »Au! Au! Aua!«

7. Zweitsitz
80 000 Stunden Lebenszeit verbringt der durchschnittliche Büromensch am Schreibtisch. Deshalb verlange ich meinen persönlichen Zweitstuhl. Eine attraktive Sitzvariante bieten Büroliegestühle. Moderne Chefs gucken auch nicht schief, wenn ein Untergebener sein erwiesenermaßen erfrischendes Nickerchen hält. Moderne Chefs pennen ja selbst, wann immer es geht. Ich weiß das, weil ich mein eigener Chef bin. Als der sage ich: Zweitsitz, o.k. - für Sie jedoch einen speziellen. Man bringt mir ein »Aktivsitzmöbel«. Ich ignoriere die unterschwellige Botschaft und freue mich über die gestalterisch charmante Umsetzung des Gymnastikballhockers (Airdog, ab 80 Euro, sitsport.ch). Das Sitzen darauf hätten die Lehrer »hibbeln« genannt - und Hibbeln war ja schon damals das Taurin des kleinen Menschen. Siesta? Pah, nicht nötig!
Das sagt der Experte: Der Wechsel zwischen verschiedenen Sitzgelegenheiten ist empfehlenswert für ein rückenschonendes Verhalten, weil so die Belastungen variiert werden. Die Muskelarbeit auf einem horizontal wie vertikal beweglichen Aktivsitzmöbel verbessert die Nährstoffversorgung der Bandscheiben, während die Liegeposition deren Regeneration fördert.
Das sagt der Chef: nichts. Er schläft geräuschvoll in seinem neuen Liegestuhl.

8. Entspannung
Floating findet in einer Art extragroßen Badewanne mit Deckel statt (60 Euro pro Stunde, z. B. float.de). In dem Tank befindet sich eine hautwarme Salzlake mit stärkerem Auftrieb als im Toten Meer. Kurz klopfen einige Horrordrehbücher an den Boden meines Bewusstseins, als beim Schließen des Deckels eine Dunkelheit eintritt, in der Augen-auf und Augen-zu ohne Unterschied ist. Dann aber ist das Schweben viel aufregender: Die Muskeln lockern mit einem süßen Schmerz ihre Alltagsklaue, meine Augenbrauen steigen ohne blendendes Licht ungefähr bis zum Haaransatz. Im Kopf bin ich klar und auf Zack. Wegen der Sinnesreizausschaltung gilt der Tank als prima Meditationsort, dürfte aber auch für Burn-out-Kandidaten perfekt sein. Bore-out-Gefährdete sollten es sich noch mal überlegen. Andererseits - Lisa Simpsons erste Reaktion im Tank ist: »How am I supposed to hallucinate with all these swirling colors distracting me? - Oh!«
Das sagt der Experte: Dauerhaft verspannte Muskeln sind Ursache neuer und teils heftiger Beschwerden, deshalb ist Entspannung wichtig. Floating eignet sich nebenbei hervorragend zum Stressabbau.
Das sagen die Geschwister: »Was hast du genommen? So friedlich hast du zuletzt auf dem Ultraschallbild von Mutters Bauch geschaut.«

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