Rauchen kann tödlich sein
Die Argumente pro und contra sind so bemüht und abgenudelt wie die Fronten fest und verfahren. Dabei ist dies jedem bewusst. Sollte es zumindest.
Die jeweiligen Parteien verteidigen ihre Pfründe, pochen auf Freiheit, zeigen sich pseudo-tolerant, doch in Wahrheit geht es längst nicht mehr um Rauchen oder Nichtrauchen, sondern darum, sein Leben nach eigener Fasson leben zu dürfen. So freiheitlich fortschrittlich wie wir uns moderne Menschen geben dürfen, so borniert argumentieren manche Anhänger beider Seiten und bescheiden sich trotz der Beteuerung, zu diesem abgedroschenem Thema nicht mehr Stellung zu nehmen, beharrlich in treuer Fraktionsdisziplin.
Was sollten sie auch anderes tun? Verkniffenen Blickes ein lieb gewordenes Ritual aufgeben? Schweigend weiter Krankheitserreger inhalieren? Überzeugen wird ein Nichtraucher einen Raucher nicht. Und umgekehrt gleich gar nicht. Zum Raucher wird man oder nicht, Raucher ist man oder nicht. Damit hat man sich für eine Argumentationsseite entschieden, da kann man noch so loyal seine Kippe im Freien paffen oder sich am geselligen Tisch einstinken lassen.
Rauchen ist Sucht, jeder davon Abhängige, der aufhören möchte, erfährt dies irgendwann am eigenen Leibe. Die als Genuss verkaufte Inhalation des entstehenden Giftstoffcocktails ist nichts anderes als aus eine aus einer ehemaligen Gruppendynamik entstandene Schwäche. Der Mensch wird nicht mit einem genetischen Raucher-DNS-Code geboren, Rauchen ist ein persönlich gewähltes Freizeitprodukt, das dank seinem Suchtpotential und einer gekonnter Marketingstrategie genügend Abnehmer findet, um die Geisteskraft Betroffener nicht nur in so manchen Diskussionen nachhaltig zu vernebeln. Dank Passivrauchen scheint dies sogar auf Rauchgegner zuzutreffen, allerdings fehlen dafür dies wissenschaftlich belegende Langzeitstudien.
Überhaupt liefert eine nicht alles detailliert erklärbare und belegende Wissenschaft die beliebtesten Totschlagargumente. Man braucht nicht öffentliche Lexika (dessen Inhalte bei strategisch argumentativen Nichtgefallen gerne angezweifelt werden - aber natürlich nur dann!) oder militante Unverbesserliche zu bemühen, die rücksichtslos, bewusst und in Diskussionen abschätzig phrasierend einen Angriff auf die Gesundheit anderer in Kauf nehmen, um ihre eigene Schwäche als Genuss verkaufen zu können.
Ein durchschnittlicher Menschenverstand, mit einem Mindestmaß an Vernunft und Verstand ausgestattet, wird auch ohne eiligst herbeigezerrter Argumente erkennen, dass ein zwischen den Lippen abgebrannter kleiner Giftofen, der Hunderte noch nicht gänzlich identifizierte Verbrennungsrückstände produziert, kein natürliches Freizeitvergnügen, sondern eine Attacke nicht nur gegen die eigene Gesundheit (was in einer fortschrittlichen Gesellschaft, das auf das Wohl aller Gemeinwesen bedacht sein muss, übrigens ebenfalls nicht mehr akzeptabel ist), sondern auch gegen die anderer ist. Von deren noch nicht gänzlich erforschten genauen Auswirkungen auf die Gesundheit einmal völlig abgesehen.
Die Rücksichtslosigkeit und der Starrsein der massiv für ihr eigenes "Wohlbefinden" argumentierenden Rauch-Süchtiger ist es zu verdanken, dass Heranwachsende durch die Verniedlichung dieses Themas frühzeitig die Einstiegsdroge Zigarette wählen und, weil diese, einmal gewählt, alsbald als zu weich befindet. Gäbe es ein generelles, gesetzlich vorgeschriebenes Rauchverbot (dieser Tag wird kommen, sofern sich die Menschheit vernünftig weiterentwickelt), die Gesellschaft sanktionierte und lebte diese Art des Selbst- und Massenmordes nicht mehr vor.
Gerne werden auch Vergleiche mit Alkoholkonsum, Ernährung und sportliche Betätigung in Diskussionen herangezogen, alles richtig, alles von großer Wichtigkeit, ohne Frage. Doch primär geht es beim Thema Rauchen erst einmal nur um: Rauch. Nicht um fettreiches Essen, Bewegungslosigkeit oder die (hoffentlich bald kommende) Halbe Bier für 3 Euro im Getränkemarkt, es geht nur um ein Gift in der Luft, das andere Menschen massiv in ihrem Wohlsein beeinträchtigt.
Fürderhin dreht es sich auch nicht nur um Selbstbestimmung, etwa die Entscheidungsfreiheit, sich die eigene Todesart selbst aussuchen zu dürfen. Sondern um die Freiheit der Mitmenschen, deren Wahlfreiheit auf nicht vom Rauch abgebrannten Tabaks geschwängerter Luft an gewissen Orten schlichtweg nicht gegeben ist. Mag der Suizid in Deutschland straffrei sein, so verstößt die Anstiftung durch Täuschung dazu nach geltendem Gesetz (§ 25 Abs.1 Alt.2 StGB). Was sich als Jux liest, soll hier nur auf die unsinnige Bemühung von Argumenten contra Rauchen hinweisen: Die gepeinigte Klientel scheint den gesunden (sic!) Menschenverstand der Raucher auf andere Weise nicht mehr erreichen zu können.
Die Beeinträchtigung der Lebensqualität der Nichtraucher liegt nicht darin, nicht ohne stinkende Kleidung, Kopfschmerzen oder verkrusteter Nasenschleimhaut gemütlich eine Pizza im Lokal essen zu dürfen, es kratzt an der Tatsache, überhaupt eine Wahl haben zu können. Jede durch Tabakqualm vernebelte Luft ist für einen Nichtraucher ein Angriff auf dessen Wohlbefinden, egal wo, ob an der Bar, im Park, am Strand. Darauf hat er kein absolutes Recht, doch eine funktionierende Gemeinschaft verlangt von allen Rücksicht aufeinander. Auch die des Nichtrauchers auf die Genusssucht Abhängiger.
Dazu sollten nicht bereits bestehende Gesetze bemüht werden, die komplizierten Verfahren gedehnt und verdreht werden müssen, was Verstand, Vernunft und Logik zweifelsfrei belegen. Rauchen in Lokalen nur deshalb verbieten zu können, weil es ein Gesetz gibt, das Angestellte am Arbeitsplatz schützen soll, geht an der Erkenntnis, dass Rauch auch an anderen Orten die Gesundheit angreift völlig vorbei.
Doch der Schutz menschlichen Lebens sollte bei allen Bemühungen aller modernen und fortschrittlichen Kulturen im Vordergrund stehen, er zählt mehr als das Recht auf individuelle Selbstverwirklichung. Diesen Ansatz zu Grunde legend, die Gewissheit einer nicht funktionierenden Selbstverpflichtung miteinbeziehend, der Willenlosigkeit Betroffener nicht Vorschub leistend, sollte der Ist-Zustand, die Normalität auf "Nichtrauchen" wiederhergestellt werden.
Eine sich dessen bewusste Gesellschaft, die sich modern und tolerant nennt, muss über dieses Thema unermüdlich debattieren? Das zaubert ein zynisches Lächeln auf die Lippen.
Rauchen kann tödlich sein. Weil es aber nicht unmittelbar wie eine Pistolenkugel direkt ins Herz eindringt und sofort tötet, kann es das nur. Es muss nicht. Daran scheitern Vernunft und Verstand in Diskussionen, die so unnötig wie amüsant sind, denn der Qualm einer jeden Zigarette, die nicht im abgeschlossenen System des jeweiligen individuellen Verbrauchers konsumiert wird (etwa wie ein im Magen des jeweiligen Verbrauchers dümpelnder fetter Schokoriegel), kann ein Angriff auf die Gesundheit des Nächsten sein. Kann. Muss aber nicht. In dem Fall ist man sogar beinahe versucht, argumentativ an einem seufzenden "leider" vorbeizuschrammen. Wie (un)passend.





Kommentare
@[Benutzer gelöscht]
03.02.2007, 22:47 von zzebraKlaaa. So war's angedacht...
War's das?
Nö.
;)
zz.
ein schöner zzebra.
03.02.2007, 17:11 von nutelladanke.
dafür gibts auch ne empfehlung. sowohl für den inhalt als auch für die form...
jaja deutschland und seine toleranz.......
02.02.2007, 15:30 von kristallblauaber hat die nicht auch irgendwo ihre grenzen??
Ähm. Wozu jetzt dieser Artikel?
02.02.2007, 13:48 von PaminaDie Diskussion ist müßig und keine der beiden Fraktionen wird die jeweils andere überzeugen. Insofern schließe ich mich gerne an. Geht es dir darum, das letzte Wort zu behalten oder die Argumente fürs Nichtrauchen noch einmal zusammenzufassen? Oder ist das ein älterer Beitrag, aus gegebenem Anlass nochmal eingestellt?
@Pamina
02.02.2007, 15:08 von zzebraTreffer?
Es ging mir einzig und allein um deinen Kommentar hier unter diesem Artikel. Dass die Diskussion müßig ist, hatten wir schon in vielen anderen Kommentaren, wozu also dein Hinweis darauf, zumal er bereits im Artikel integriert ist?
;)
zz.
@zzebra Das war doch kein Hinweis, sondern ein Zitat - mit auf dem Fuße folgender Zustimmung. Fauchen hört sich bei mir also gänzlich anders an *g*
02.02.2007, 16:56 von PaminaOhhhhh zz, du hast ja sowas von Recht.
02.02.2007, 11:26 von girasoleUnd dann so schön klar formuliert.
Dafür gibts ein dickes DANKE! :)