Kathrin_Hartmann 20.10.2006, 16:56 Uhr 38 3

Rauch-Freiheit

Sie leben in unterschiedlichen Welten: Raucher und Nichtraucher. Aber eine Trennung der Welten ist dennoch nicht möglich.

Vor zwei Jahren noch hätte ich spätestens beim Schreiben dieses Satzes eine Zigarette aus dem Päckchen gefingert und sie angezündet. Ich hätte dann den blauen Rauch beobachtet, wie er sich langsam Richtung Decke kräuselt, um dort irgendwann eine hässliche, gelbbraune Farbe zu hinterlassen. Ich hätte jeden Zug genossen und mich keine Sekunde daran gestört, wie sehr mein Zimmer, meine Klamotten und mein Atem stinken. Dass ich ständig erkältet war und hustete, habe ich ignoriert. Ich habe gern geraucht. Und es ging mir auf den Wecker, wenn Leute darüber die Nase rümpften, den Rauch wegwedelten, mir erklärten, wie schädlich das ist oder fanden, dass das Rauchen verboten gehöre. Ja, ja, ja. Sollte ich wirklich mal zu rauchen aufhören, würde ich eine tolerante Nichtraucherin werden. Dachte ich.
Ich habe aufgehört zu rauchen. Ich bin eine mit den Händen fuchtelnde, Nase rümpfende Nichtraucherin geworden, die findet, dass das Rauchen außerhalb der vier Wände verboten gehört. Warum? Weil ich die Raucher-Welt verlassen wollte und gemerkt habe, dass das völlig unmöglich ist. Nach Party und Kneipe stinken Haare und Klamotten genauso wie vorher, ich habe Kopfweh, Augenbrennen und ich muss husten, als hätte ich selbst ein Päckchen geraucht. Das erste, was ich morgens zu mir nehme, ist kein Frühstück mit Kaffee, sondern eine Portion Stinkequalm mit Gift, weil ich zwischen Rauchern an der Haltestelle stehe. Noch bis vor kurzem saß ich im Zug auf dem Boden, wenn ich keinen Sitzplatz mehr bekommen hatte, weil jeder fünfte Sitzplatz im ICE ein Raucherplatz ist und im (mittlerweile rauchfreien) Bistro das Deutsche Krebsforschungszentrum eine Konzentration an Giftstoffen gemessen hatte, bei denen ein Industrie-Betrieb sofort geschlossen worden wäre. Und mein Nachtisch im Restaurant besteht aus Benzol, Formaldehyd und Blausäure.
Dann sollen sie halt zuhause bleiben, finden Raucher, muss ja niemand in die Kneipe gehen, wen der Rauch da stört. Dasselbe hätte ich – Entschuldigung Nichtraucher! - vermutlich vor zwei Jahren auch gedacht. Heute frage ich mich, warum in Deutschland 22 Millionen Menschen ihr Recht auf Rauchen über das der 60 Millionen Nichtraucher auf saubere Luft stellen dürfen. Warum ich die Freiheit der Raucher mit meiner Gesundheit bezahlen muss. Warum deren Sucht wichtiger ist als das Leben von mindestens 3000 Nichtrauchern, die an den Folgen des Passivrauchens jedes Jahr in Deutschland sterben.
Die unterschiedlichen Welten von Rauchern und Nichtrauchern treffen aufeinander im A- Z Rauchen in der NEON-Ausgabe im November – sachlich, lustig und interessant. In der Realität kaum vorstellbar. Wie könnte das gehen, dass Raucher und Nichtraucher miteinander klar kommen, ohne sich gegenseitig zu nerven? Liebe Nichtraucher und Raucher, hier dürft ihr miteinander verhandeln!

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38 Antworten

Kommentare

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    Raucher und Nichtraucher scheinen sich nicht verstehen zu können. Ich bin und war immer Nichtraucher und gebe zu, dass ich Raucher absolut nicht verstehen kann, ihre Nöte nicht nachvollziehen und somit irgendwelche Rechte von ihnen nicht nachempfinden kann.

    Wegen einer angeborenen Stoffwechselerkrankung kann ich nach Meinung von Ärztrn froh sein, nie geraucht zu haben. Jeder wird nun verstehen, dass ich damit strikt gegen jedes Mitrauchen bin, zumal die Wirkungen des Mitrauchens für mich immer prompt in symptomatische Probleme einmünden. Ich sage offen, dass ich inzwischen Angst vor dem Mirauchen habe. Da möchte ich dringend von Rauchern verstanden werden, aber auch von Politikern, die sich hinter strittigen Kompetenzen verstecken wollen oder es tatsächlich tun.

    01.02.2007, 15:21 von rauchfrust
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      @rauchfrust Ich verstehe Nichtraucher. Innen. Wenn es ein geschlossener Raum ist in dem man essen will, dann bin ich ganz fuer das nichtrauchen. Wenn es ein Raucherzimmer ist, dann sollen sich die Nichtraucher aber auch nicht beschweren.
      In meinem Idealfall gibt es immer 2 Zimmer, eines fuer Raucher, eines fuer Nichtraucher… Davon gehe ich hier zumindest aus.

      In Clubs sollte es auch so sein. Raucherclubs, Nichtraucherclubs… Wenn man in jeden will, soll man sich nicht beschweren. Und ich finde das hier auch nicht zu idealistisch.

      Mein Traum sind die alten Raucherkinos wiederzubringen…

      28.08.2008, 00:17 von Piquedame
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    Also ich muss mich hier auch als Raucherin bekennen, allerdings versuche ich immer wieder das Rauchen zu reduzieren, doch sobald ich abends weg bin mit meinen ganzen Raucher-Freunden, rauche ich wieder ziemlich viel und fühle mich am nächsten Morgen ganz schlecht.
    Ich finde allerdings, dass Nichtraucher den Menschen Respekt gegenüber bringen sollten... sie müssen das Rauchen nicht akzeptieren, aber höflich bleiben sollte noch möglich sein, finde ich. Ich glaube kaum, dass es einem so schadet, dass man die Kontrolle verlieren sollte. Wenn mich etwas stört, gehe ich ja auch zu den Leuten und sage ihnen, dass sie es bitte unterlassen sollen oder wo anders hin gehen sollen. Wenn darauf hin eine provozierende Antwort kommt, sollte man in der Lage sein einfach schlagfertig dagegen zu halten. Man sollte nicht immer gleich dieses Rumwedeln und extra-laut-in-die-Richtung-des-Rauchers-Husten abfangen. Das finde ich nämlich ziemlich schwachsinnig. Wenn man Raucher dadurch provoziert, verliert man. Raucher haben NOCH das Recht in Gaststätten zu rauchen. Sie sitzen damit also am längeren Hebel (was ich nicht unbedingt klasse finde, aber so ist es nun mal). Wenn man höflich fragt, wird das sicherlich mehr bringen!!

    Probierts aus!!

    Und um auf die Frage von butterlfly17 zu antworten:Ich rauche, weil es mir in manchen Situationen Halt gibt. Es beruhigt mich und danach fühl ich mich oft besser. Das heißt nicht, dass es immer diesen Grund hat, weil wenn ich mit meiner besten Freundin im Café sitze, brauche ich nicht unbedingt eine Zigarette zum Besser-Fühlen, aber dann gewöhnt man sich es an. Man beginnt einfach mit dem 'Ab-und-zu-eine-rauchen-wird-mich-wohl-nicht-gleich-zum-Raucher-machen'!! Aber das wird schnell mehr und bevor mans überhaupt merkt, fällts einem unheimlich schwer wieder aufzuhören! da ist eine Zigarette am Tag schon ein kleiner Erfolg, auch wenn das den Nichtrauchern nicht auffällt...

    Also mein Fazit: Man sollte sich untereinander mehr achten und ich glaube kaum, dass es Menschen gibt, die von sich behaupten können, ein stolzer Raucher zu sein, der mit Überzeugung seine Lunge zerstört. Jeder Raucher will versuchen aufzuhören, soch fehlt ihm ohne seinen Freund dem Glimmstengel einfach etwas. Auch das sollte man versuchen nachzuvollziehen! Denkt einfach mal drüber nach, bevor ihr mich hier verurteilt!!

    04.01.2007, 14:28 von Sannilein
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    War klar das auf meinen kommentar keiner von den "Rauchern" antwortet. Ihr wisst die Antwort nämlich selber nicht- stimmts???!!!!!!!!!!!!!!!!!!????????? ;))
    MfG

    29.12.2006, 18:22 von butterfly17
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    Tun Sie doch nicht so , als seien die toten Passivraucher an übermäßig vielen Rauchern in Kneipen gestorben .
    Diese Menschen sterben , weil sie in Raucherfamilien leben und vermutlich aufgewachsen sind . Die paar Stündchen sind jedem zuzumuten . Ein Risiko ist das jawohl gewiss nicht .

    08.11.2006, 22:10 von flubberwurmeline
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      @flubberwurmeline Wer sagt denn dass es den Nichtrauchern gleich ums Sterben geht? Wenn ich mich abends extra zurückgehalten habe und nicht geraucht, wache ich morgens trotzdem hustend und mit komischem Gefühl in der Lunge auf dank meiner rauchenden Mitclubgänger. Is doch doof!

      22.12.2006, 22:55 von frollein.m
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      @frollein.m Eben..frollein.m ;)) es geht nicht darum dass wor nichtraucher behaupten, von eurem qualm gleich zu sterben... das hab ich noch nie einem raucher vorgeworfen. Außerdem finde ich, dass es eure Sache ist, wenn ihr euch mit euren Glimmstängeln die Lunge kaputt machen wollt. Meine Lunge ist kaputt weil ich Asthma habe. Und wenn ich Qualm ausgeliefert bin, krieg ich keine Luft mehr. Aber eure Lunge ist heile und ihr macht sie euch kaputt- weils "cool" ist, wenn man raucht???

      23.12.2006, 19:47 von butterfly17
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    also ganz ehrlich.man wird nie einen gemeinsamen konsens finden.die meisten nichtraucher tun so als ob raucher alle terroristen wären die ein leben in nebelschwaden vorziehen und die nichtraucher langsam vergiften wollen, weil die ihnen angeblich den spass verderben und sie sich zurück halten.
    und die raucher brüsten sich mit der angeblichen freiheit die vorherrscht, aber wenn man frei wär, wär man ja nich abhängig.
    dabei gibt es doch soviele dinge die uns menschen voneinander trennen und die uns auch alle direkt betreffen. hey ich hab auch keinen bock auf die ganzen hackfressen morgens in derbahn, die versauen mir den tag durch ihre runterhängenden mundwinkel und ihren gelangweilten starren blick sicherlich mehr als der qualm einer roth händele zigarette und die sind echt eklig.
    also, vielleicht suchen wir eher nach dingen die uns verbinden und nicht die uns trennen?


    06.11.2006, 11:06 von gedanke_in_gruen
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    Gegenfrage: Wenn denn all diese Dinge - Zigaretten, Alkohol & Co. - so schlecht und gesundheitsschädlich sind, warum zieht man es dann nicht gleich aus dem Verkehr. Warum hängt dann Bitteschön in jeder Strasse eines noch so kleinen Kaffs ein Zigarettenautomat, wo selbst die Kids kein Problem damit haben, sich diese doch so ätzenden Glimmstängel zu ziehn?

    03.11.2006, 23:18 von goebie.
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      @goebie. denkst du, nur weil es gesundheitsschädlich ist, zieht der "staat" es aus dem verkehr?
      das ist aber gutgläubig :)

      was denkst du, wie hoch die steuereinnahmen sind? die tabaksteuer mit ein eckpfeiler des gesundheitssystems (bitter, aber ist so).

      und überhaupt: es handelt niemand nach venunft, auch nicht die zigarettenautomatenaufsteller, mit wirtschaftsethik braucht man da garnicht anfangen...

      vielleicht sind tabak & alkohol unser zeitgemäßes brot & spiele (rtl II nicht zu vergessen -> eine rauchen, flasche bier und dumm gucken)

      04.11.2006, 09:42 von Faedare
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    Guter Text!!!
    bin raucher, jedenfalls so halb. Weil in drei Monaten nur zweimal geraucht, weil ich eigentlich gar nicht darf....
    Naja muss aber zugeben, dass es mir hier um einiges besser gefaellt mit dem rauchen. Keiner raucht in Restaurants, Kneipen, Schulen etc...
    Wer rauchen will geht dahin wo es keinen stoert, vor die tuer!!!
    Habe mir vorgenommen wenn ich wieder in Berlin bin nur noch mich selbst mit Giftstoffen zu versorgen (,weil ich bin noch nicht so weit aufzuhoeren-geniesse es einfach zu sehr) und damit keine anderen Menschen mehr zu belagern- Hoffe dass ich das schaffe und auch andere Menschen es lassen in Restaurants etc. zu rauchen......

    02.11.2006, 18:46 von Jenney
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    "Recht auf rauchen"- so ein Quatsch!!! Ich finde es echt wiederlich, wie manche einem den zigarettenqualm vor die nase pusten...oder wenn man im urlaub am strand ist- da stehen viele rum die erst mal mit ihren Glimmstängeln die Umwelt verpesten müssen. die mitmenschen interessieren da nicht. ich selber habe asthma und bekomme bei zigarettengestank keine luft mehr..da miente letztens einer zu mir, dass ich mich nicht so anstellen soll..versteh ich nicht,
    MfG

    01.11.2006, 17:37 von butterfly17
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      @butterfly17

      "Und wenn Sie gelernt haben, wie schön es sein kann, genüßlich an einer Zigarette zu ziehen - werden Sie ganz nebenbei auch sonst ein angenehmerer Mensch! "

      Verfasser unbekannt *grins*

       
       

      02.11.2006, 09:26 von freddie
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    ich finde, dass es auch in diesem fall - wie so oft - auf die menge und die umstände ankommt. wenn ich essen gehe, dort wird nur wenig geraucht und der rauch zieht mir nicht direkt ins gesicht, dann kann ich damit leben. wenn ich besuch bekomme, dann geht's mit gastfreundschaft und toleranz auf meiner seite, kombiniert mit rücksicht auf der anderen. ich würde nicht gäste von mir mitten im winter auf den balkon schicken zum rauchen, genauso wenig würden die mir die bude vollquarzen, sondern bescheiden sich mit ein bis zwei zigarettchen nach dem essen. widerlich finde ich allerdings, wenn ich mal frühstücken gehe - was man ja in der regel eher früh am tage tut - und das ganze lokal hängt voller rauchschwaden. oder wenn mir vielraucher zu nahe kommen, der mundgeruch ist wirklich übel. oder wenn leute schon vorm aussteigen aus der u-bahn die fluppe in der hand haben und sie beim ersten schritt auf den bahnsteig anzünden, und ich habe das pech, hinter ihnen gehen zu müssen und permanent die rauchschwaden im gesicht zu haben, vor allem am frühen morgen finde ich das immer wieder sehr nett. das problem beim rauchen ist leider, dass diejenigen, die rauchen, nicht nur ihre eigene gesundheit gefährden, sondern auch die anderer. von daher wäre mehr rücksichtnahme von seiten der raucher mehr als angezeigt. und was meiner meinung nach gar nicht geht: kleine kinder vollqualmen. da hört das recht zur persönlichen entfaltung auf.

    01.11.2006, 16:53 von Borussia
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