Tora 30.11.-0001, 00:00 Uhr 804 20

Nicht jedes Leben ist lebenswert

In Günther Jauchs Sendung im Ersten zu dem Thema Sterbehilfe begründete Politiker Franz Müntefering seine Ansicht "Jedes Leben ist lebenswert".

Im Tagen zuvor ausgestrahltem ZDF-Morgenmagazin positioniert er sich mit dem Slogan "Mein Tod gehört mir - da mache ich doch ein Fragezeichen dahinter".
Unfassbar für mich als Krankenschwester, einen Mann, der seine krebskranke Frau bis zum Tod begleitete, mit einer derart kühlen und abgeklärten Haltung über ein so schweres humanes Thema reden zu hören. Als noch viel fragwürdiger erachte ich die Tatsache, einen solchen Menschen mit scheinbar keinerlei Empathievermögen, bei solchen wichtigen Gewissensentscheidungen für ein Land mitwirken zu lassen. Ich frage mich manchmal, wie viel Mensch nach jahrelanger Berufserfahrung noch in Politikern steckt.
Am Beispiel eines an Demenz Erkrankten versucht er in Jauchs Polittalk zu argumentieren - allen Anschein nach ohne zu wissen, von was er dabei überhaupt spricht. Seinen Erzählungen folgend wird einem schnell deutlich, dass er sich mit keiner Menschenseele versucht in die Lage dieses Leidenden zu versetzen. Seine Sätze wirken berechnend. Er erzählt von Dementen, die zwar durch Verwirrung ihren "Kopf verlieren", jedoch aber nicht ihr Herz, welches in ihnen weiter schlägt - sie also weiter fühlen und das seiner Meinung nach Grund genug sei, den Menschen nicht von seinem Leid zu erlösen.
Hat dieser Politik-Mensch einmal darüber nachgedacht, wie es sich anfühlen könnte, mit einem erkrankten Gehirn, welches man nicht mehr nutzen kann und nur noch Verwirrung schafft, weiter leben zu müssen?
Wie kann man als Mensch mit Gefühlen, wissentlich für eine Republik voller Menschen verantwortlich zu sein, hinter so einer Meinung stehen und damit für das Wohl dieser Menschen im eigenen Land Sorge tragen wollen?

Denn nicht jedes Leben ist lebenswert.



Die völlig gegensätzliche und radikale Forderung von Udo Reiter, ehemaliger Intendant des MDR, der nach einem schweren Autounfall seit 47 Jahren im Rollstuhl sitzt, lautet "Jeder Mensch sollte sich auf eigenen Wunsch töten dürfen - egal ob er körperlich, psychisch, schwer, todkrank oder gar nicht krank ist". Wie zulässig ist diese Sichtweise in dem Punkt der "Gesunden-Tötung"?
Ein auf Wunsch ausgesprochener Sterbewunsch sollte sowohl bestmöglich begründet sein, als auch idealer Weise durch ein psychologisch erstelltes Gutachten abgesegnet werden. Natürlich wirft dies Fragen nach Grenzen auf. Sollte der Psychologe in die Götterrolle schlüpfen dürfen? Was, wenn das Psychologische Gutachten unzureichend ausfällt, doch der Betroffene weiterhin einen innigen Sterbewunsch ausspricht?
Die Freiheit des Einzelnen, das Recht auf Selbstbestimmung sind Kernelemente eines modernen und demokratischen Staates. Wäre es nicht angemessen und ethisch vertretbar, in einem reichen Land, das den Menschen immer älter werden lässt, sich vom Leid seines vom Zerfall gezeichneten Körpers erlösen zu dürfen?


Tags: Selbstbestimmung, Politik, NEON User täglich, NUT
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804 Antworten

Kommentare

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    • 1

      Es liegt an der Profession.


      Hab grad erst festgestellt, dass das schon älter ist, aber ja: Sehe ich genauso. Es hat halt auch nicht jeder die gleiche Art, mit Schmerz umzugehen. Und dass er sich für das Thema offenbar einsetzt heißt, dass er sich mit beschäftigt. Politikfragen hin oder her.

      07.08.2014, 10:15 von TheCaptainsFiancee
    • 0

      Es hat übrigens rein gar nichts mit Empathie zutun, einen Menschen, mit dem man zuvor sein Leben verbracht hat, auf dem letzten schweren Weg bis zum Tod noch zu unterstützen. Das kann verschiedene Motive haben, wie z.B. schlicht Liebe oder auch nur (direkt und ehrlich) um sein eigenes Gewissen zu befriedigen. Auch ein empathieloser Mensch kann das schaffen.

      28.12.2014, 15:34 von Tora
  • 1

    Es ist und bleibt spannend, wie Worte missverstanden werden können. Unterschiedliche Interpretationen folgen, und anschließend  werden wieder andere Menschen - die die Sendung nicht gesehen haben - sich trotzdem eine Meinung über einen anderen Menschen bilden. Spannend! Besonders wenn die Worte eindeutig und klar sind!

    Ich habe zufällig diese Sendung auch mit großem Interesse verfolgt. Bedeutet aber jetzt nicht, dass meine Meinung jetzt die richtige sein muss, bzw. ist.

    Ein Beispiel: In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt es u.a. eindeutig: "Jeder Mensch hat das Recht auf Leben!" Ich finde, der Satz ist eindeutig, klar und unmissverständlich! - Ist er nicht! - Wie wir alle wissen!
    Denn ersteinmal bedeutet der Satz, dass jeder Mensch ein (An)Recht auf Leben hat: Ob grün, ob braun, ob glatzköpfig oder schmallippig, ob Mörder, Diktator, Massenmörder oder "Gut-Menschen". Ein revolutionärer Gedanke.

    Und so habe ich auch die Worte von Herrn Müntefering verstanden, und spreche ihn deshalb nicht fehlende Empathie ab.
    Es ist auch schwierig sich in das Leid anderer Menschen hinein zu versetzen und sich darüber eine Meinung zu bilden, ob dieses Leben nun lebenswert ist, oder nicht.


    11.07.2014, 13:11 von andrew
    • 0

      So ist es.

      Doch letztendlich geht es mir als Kernaussage darum:

      JEDER Mensch sollte SELBST entscheiden dürfen, WANN er sterben will.

      Genau aus diesem Grund des subjektiven Empfindens. Nur man selbst hat das Gefühl für seinen Körper und eben zum Glück den eigenen Willen, über sein Leben entscheiden zu dürfen.

      11.07.2014, 13:17 von Tora
    • 0

      Danke für deine konstruktive Kritik!

      11.07.2014, 13:18 von Tora
    • 0

      Ich habe Deine Kernaussage auch durchaus so verstanden. ;-)

      11.07.2014, 14:33 von andrew
    • 0

      Das ist so eine Wunschvorstellung.

      06.08.2014, 14:49 von Tanea
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  • 2

    Nun, kein Leben hat einen Wert. Das der Fliege nicht. Noch das des Schweines. Nur totes Fleisch hat einen solchen. Ob nun im Supermarkt oder im Beerdigungsinstitut.

    In reichen, augeklärten Staaten wußte man das schon immer. Warum das Recht auf Töten etablieren, wenn es dass schon längst gibt. Man nennt es Lohnarbeit oder Krieg. Nur leider kämpfen die Alten und Behinderten so schlecht.

    Wo sollen denn all die Pfleger hin, würden wir uns vorrzeitig aus dem Spiel entlassen.

    02.05.2014, 17:51 von Patroklos
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  • 0

    Kommt glaube ich auf die Situation an und natürlich dem Verständnis der Hinterbleibenden. Ich weiß auch nicht ob man dabei jemandem Ignoranz nachsagen kann oder darf.


    Ist ein schwieriges Thema. 

    27.01.2014, 19:24 von herzvorkopf
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  • 0

    Meistens wird leider nicht bedacht, dass der persönliche Wunsch auf Ableben über die ablebende Person hinaus wirkt.

    So hinterlässt der Mensch eine Lücke, viel mehr aber bedarf es derer, welche das Ableben in die Wege leiten. Familie, Freunde, Angehörige. Und somit entsteht nicht nur eine Lücke zwischen diesen, sondern auch eine Bürde auf ihren Schultern.

    27.01.2014, 18:38 von herzvorkopf
    • 0

      Ich denke doch, dass das sehr vielen bewusst sein wird. Nur steht dieser "Folgeschaden" über dem eigenen Wunsch, wenn es um den eigenen Körper desjenigen geht, der diese eigene Entscheidung für sich trifft?

      So kann man endlos diskutieren. Dieser und andere Punkte sind eben die, welche so einen Zwiespalt draus machen.

      27.01.2014, 18:51 von Tora
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  • 2

    Ich finde es echt ein bisschen schade wie jeder X-beliebige Herzschmerz-, Sehnsuchtstext (Nichts gegen solche lieblievollen.. Texte - wirklich) jegliche, gefühlte Aufmerksamkeitsrekorde (er)bricht - und dieses doch sehr diskutierenswertes Thema im direkten Vergleich eher ungemocht zurückbleibt.
    Überraschung: Es ist keine im Grunde keine wirklich unerwartete Überraschung.

    Dennoch sehr mutig von der Redaktion diesen Artikel zu nehmen. Und an sich mochte ich den Betrag ebenso.. Die Diskussion darunter war Internet-typisch, wie es scheint. Aber so ist das nun mal. Zumindest war es "belebt" und nicht halbtot.. badabum tsh.

    23.01.2014, 22:38 von IngloriousMind
    • 0

      und deine Meinung dazu?

      23.01.2014, 22:41 von Tora
    • 2

      Da du mich unerwarteterweise fragst... als der Artikel raus kam und die ersten Kommentare gelesen habe, hatte ich "spontan" kein Bock mehr drauf, meine Meinung noch in die Kommentar-Arena den Löwen reinzuwerfen...

      Schwierig. Da "wir" hier schon - mehr oder weniger - feststellen konnten, müsste man nicht nur von Fall zu Fall unterscheiden, sondern sich generell viel damit auseinandersetzen, ab wann ein "Leben nicht mehr lebenswert" für ein Individuum oder eine Gruppe (Kranke) wäre.
      Schwere Krankheit im hohen Alter ist wohl noch der "einfachste" Konsens, den man finden könnte... aber so sicher wäre ich mir da im Moment auch nicht.

      Generell finde ich die (etwas zu romantische) Vorstellung "Der sehr alte Indianer verabschiedet sich von all seinen Freunden und der Familie mit einem großen Fest, um im Morgengrauen auf einem Berg zum sterben geht."

      Dennoch generell wäre ich sehr unzufrieden mit der Menschheit an sich und ihrer Evolution. Wie viel sie sich selbst weiterentwickelt hätte im Verhältnis zu ihrem Werkzeug (Technik und so).

      Und da finde ich solche polarisierenden Fragen oder Diskussionen eher hilfreich, etwas voranzukommen. Denn ein Menschenwürdiges Dasein... ist das nicht gerade, wenn man die auf "Zeit-zum Tode-verurteilten" auf gewissen Krankenstationen sieht. Sowie begreift, dass eine gesamte Industrie von den "lebenden Toten" abhängig ist.

      Jeder mal selbst einen (eher unwürdigen) Tod eines Familienangehörigen mit erleben durfte... könnte das wohl eher nachvollziehen, weshalb manches Leben, nicht mehr viel "leben" zu tun hätte.

      23.01.2014, 22:56 von IngloriousMind
    • 0

      Ich weiß, ist alt... aber haste mal gegengelesen? Deine Sätze sind echt schwer zu verstehen (für mich jedenfalls).

      06.08.2014, 13:47 von Dalek
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    • 0

      Ja, das war mir im Vornherein bewusst. Eine Einigung zu diesem Thema ist praktisch unmöglich, sogar theoretisch. Ich denke, dass Herr Müntefering meint, dass man den Tod dann passieren lassen soll, wenn es von selbst soweit kommt, sprich er macht ein Fragezeichen hinter "seinen Tod" und wann es soweit sein wird.

      22.01.2014, 09:22 von Tora
    • 1

      @Blümchen

      nicht nur in diesem Forum, da bin ich mir sicher, laß da 3 beliebige Leute drüber diskutieren, und du bekommst da 5 Meinungen dazu.

      22.01.2014, 12:20 von Tanea
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    • 0

      @Pixel

      Das Drama iss, dass das nich alle so differenziert betrachten können wie du... es gibt Leute, die fühlen sich von nem quasselnden Schwamm zb. beleidigt und das in echt und persönlich :D

      22.01.2014, 15:30 von Tanea
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    • 0

      richtig, einen sehr guten! ;)

      23.01.2014, 09:56 von Tora
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    • 3

      Ich denke, dass Topfi den hier meint, jedenfalls musste ich über diesen laut lachen:

      "macht doch mal ne gruppe gesperrte nutzer auf. in einem geschlossenen gruppensetting ist es den traumatisierten teilnehmerInnen so möglich, im gruppen-als auch im einzelgespräch nach voranmeldung) das erlebte aus verschiedenen perspektiven zu erörtern und zu erleben, dass sie mit ihrer traumatisierung nicht allein dastehen.
      die entscheidung, eine solche gruppe zu gründen, sollte jedoch schnell getroffen werden - aus nicht getroffenen entscheidungen entstehen so neue konflikte, die bei der derzeitigen personalsituation nicht mit allen betroffenen geklärt werden könnten."

      21.01.2014, 16:35 von lavish

      Ansonsten war ihr themenbezogener Kommentar auch sehr gut, wie so oft eben. Ich schätze sie.

      23.01.2014, 10:20 von Tora
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    • 0

      ALLE AUFN PIXEL DRAUF !!!!!

      23.01.2014, 11:31 von Tanea
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    • 0

      Mir dürfen Leute auch "gegen den Karren fahren" - ob du das glaubst oder nicht. Die Leute, die es tun und denen ich dann nicht böse bin, äußern diesen "Unfall" dann nicht asozial, das Ausschlaggebende dabei.

      23.01.2014, 12:37 von Tora
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  • 2

    Boah die 1000 ist in Sichtweite...das ist sooooo aufregend.

    21.01.2014, 23:51 von mirror87
    • 0

      Findch auch!

      22.01.2014, 00:28 von TheCaptainsFiancee
    • 2

      Freut mich, dass das so ein Highlight für dich ist. Spielste wieder Kommentarememory und suchst die zusammen, die gleich viele Herzen bekommen haben?

      22.01.2014, 00:29 von Matsumoto
    • 0

      Na gut fangen wir an. Ich  muss gerade an den Kommentar vom Denkanstosser in deine Richtung denken. Und jetzt du!

      Nee, das überfortdert mich um diese Uhrzeit, vielleicht morgen, ich könnte aber jetzt schon mal ne Prognose für deinen Kommentar geben. :D


      22.01.2014, 00:51 von mirror87
    • 1

      Kannst den Kommentar hier gerne noch mal wiederholen. War sehr amüsant wie empfindlich er reagiert hat. Dabei hatte ich vorher gar nichts mit dem zu tun. Ich sehe schon, ihr beide seid euch wohl ziemlich ähnlich...

      22.01.2014, 01:05 von Matsumoto
    • 0

      Hi hi hi....du bist ja auch nicht gerade unempfindlich in der Beziehung. Aber wenn dir der Kommentar so viel bedeutet, geh halt auf seine Profilseite und schreib ihn dir ab.
      Ähnlich? Zählt der auch jeden Tag Kommentarherzchen? Muss ich mal drauf achten.

      22.01.2014, 01:19 von mirror87
    • 0

      Seltsame Logik. Geh echt besser mal schlafen.

      22.01.2014, 01:23 von Matsumoto
    • 1

      Seltsamer Matsumoto. Ich bin noch nicht müde.

      22.01.2014, 01:25 von mirror87
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    • 0

      Der Artikel zeigt auch, dass am Ende sogar die Angehörigen zu dem Kind halten, aus dem einfachen Grund, weil sie ihr jahrelanges Leid mitbekamen und spüren, dass es ihr sehnlichster Wunsch ist. "Sterben zu wollen" ist vermutlich genauso ein Prozess, den ein Mensch durchmacht, bis er sich richtig entschlossen hat, wie das Sterben an sich. Ich habe auch ein kleines Loch im Herz, welches mir zum Glück bisher keine Probleme bereitet und ich auch mit keinen Eingriffen im Leben rechnen muss.

      21.01.2014, 20:43 von Tora
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    • 0

      Es war von Geburt an da. Normalerweise verschließt es sich noch vor Geburt bei den Kindern.

      21.01.2014, 21:14 von Tora
  • 2

    Ich geh wieder stricken.

    21.01.2014, 17:02 von miss_mel
    • 1

      Was strickst Du denn so ? Also bei 'stricken' muss ich immer an einen
      Abend zu zweit denken .. wie heisst es da im Song so schön: "So strickt
      sie schon seit Jahren, aber fertig wird das nie" :-)

      21.01.2014, 20:29 von Cyro
    • 1

      Hihi, kenn ich nicht.
      Ich bin seit Mitte November im Strickwahn. Socken und Schals. Macht wahnsinnig Spass, beruhigt, und hat schöne Ergebnisse!

      21.01.2014, 21:47 von miss_mel
    • 0

      ich geh auch *icken. Danke. Gerne.

      20.08.2015, 16:38 von Xspellbound
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